Das war mein Jahr in Ecuador
01.01.2026
Alipuncha!
Es hat seine Zeit gedauert, aber nun, pünktlich zum neuen Jahr, ist er endlich da: der versprochene, finale Blogeintrag!
Mein Jahr in Ecuador war eine Zeit geprägt von Höhen und Tiefen und das nicht nur in geographischer Hinsicht. Wie in diesem Blog nachzulesen ist, hat mir mein Auslandsaufenthalt insgesamt wirklich unglaublich viel Freude bereitet und ich bereue es kein Stück, diesen großen Schritt gewagt zu haben. Ich würde diese Entscheidung, ein ganzes Jahr für einen Freiwilligendienst am anderen Ende der Welt zu verbringen, jedes Mal genau so wieder treffen!
Aber: es lief auch nicht alles rund, ich war nicht die ganze Zeit über nur glücklich. Angefangen mit dem mehr oder weniger kleinen Kulturschock, den ich ca. eineinhalb Monate nach meiner Ankunft zu verarbeiten hatte. In dem Moment selber ist mir das zwar gar nicht so sehr aufgefallen, aber im Nachhinein kann ich mit ziemlicher Sicherheit sagen: das war echt ein ganz schon dicker Kulturschock, den ich durchlebt habe! Es war viel zu warm in Archidona, ich musste mit Magen-Darm-Problemen zwei Wochen das Haus hüten, mein Zimmer war nicht meinen Vorstellungen entsprechend (es hat z.B. auch einmal reingeregnet) und insbesondere im Vergleich zu meinen beiden Mitfreiwilligen hatte ich da echt die schlechteste Karte gezogen. Dann hat noch eine Energieknappheit das Land erwischt und so insgesamt hatte ich einfach eine ganze Zeit lang keine gute Laune. Das sind nun wirklich nicht die optimalsten Bedingungen für so ein Jahr im Ausland und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht das ein oder andere Mal ans Abbrechen gedacht hätte. Nie ernsthaft, dafür ist mir mein Ego zu groß gewesen aber der Gedanke war durchaus da.
Auch abgesehen von dem erwähnten Kulturschock hat Ecuador aber einfach einige "Eigenschaften", die für mich definitiv gegen das Land sprechen. An erster Stelle: Mücken! Die existieren zwar nur in Orten unterhalb von 2.500 Höhenmetern, aber dort dann in Massen. Und nicht nur sind die schonmal grundsätzlich verdammt nervig, nein, sie übertragen auch noch ziemlich blöde Krankheiten: von Dengue-Fieber über Malaria bis Gelbfieber ist da alles mit dabei! Da sind mir die kleinen deutschen Hausmücken doch deutlich lieber.
Genauso wie die Temperatur, aber das habe ich ja bereits erwähnt gehabt. Täglich 30 Grad Celsius bei gigantischer Luftfeuchtigkeit, das muss echt nicht sein. Wobei dieses Phänomen natürlich sehr regionsabhängig ist. In den höher gelegenen Gebieten ist es logischerweise kälter aber halt auch nicht so schön wie im Regenwald.
Was aber im Prinzip im ganzen Land ähnlich ist: die mangelnde Essensvielfalt! Klar, es gibt regional unterschiedliche und tolle Gerichte und Spezialitäten. Aber in der Realität sieht es so aus, dass es jeden Tag Reis, Kartoffeln, Kochbanane, Ei und Fleisch gibt. Ab und zu einen kleinen Salat, hier und da mal anderes gemischtes Gemüse. Und klar, es wird nicht jeden Tag dasselbe aufgetischt. Aber sonderlich viel Varianz herrscht eben auch nicht. Und wenn es dann morgens, mittags, abends UND zu den Zwischenmahlzeiten immer Reis mit Hühnchenkeule und Spiegelei gibt da komme ich an meine kulinarischen Grenzen.
Ein besonders wichtiger "negativ-Aspekt" ist aber definitiv die Gefahr, die in diesem Land herrscht. Der Küstenort Durán war nicht ohne Grund mal die gefährlichste Stadt der Welt und es ist durchaus empfehlenswert, dem Ratschlag zu folgen, der ecuadorianischen Pazifikküste KEINEN Besuch abzustatten. Dort existiert viel Armut und Drogenkriminalität und insbesondere für weiße Touristen gibt es definitiv sicherere Orte. Ich habe mehrfach von irgendwelchen Raubüberfällen und ähnlichem mitbekommen und kann sagen, dass es mir das Risiko nicht wert gewesen ist, die Küste dennoch zu bereisen. Die großen Strände direkt am Pazifik sind sicherlich unglaublich schön aber wenn dafür mein Bus überfallen wird, dann ist das kein guter Tausch. Um da aber nochmal ein wenig zu beschwichtigen: Nicht die gesamte Küste ist Hochrisikogebiet und man wird auch nicht automatisch ausgeraubt, wenn man dort unterwegs ist. Viele meiner Mitfreiwilligen haben sich die Chance nicht entgehen lassen und sind mit allergrößter Motivation in Richtung Pazifik gedüst da ist nie etwas passiert. Aber neben der Grenze zu Kolumbien gehört die Küstenregion eben dennoch ganz klar zu den gefährlichsten Gegenden Ecuadors. Diebstähle, Raubüberfälle und auch Morde stehen in manchen Städten an der Tagesordnung und einige der gefürchtetsten Drogengangs der Welt (z.B. los Choneros oder los Lobos) kämpfen darum, wer welche Stadt kontrolliert. Das ist nicht gerade einladend, aber die Situation verwundert auch kaum.
Grund für all die Kriminalität ist nämlich unter anderem mein nächster Punkt: die starke soziale Ungleichheit und Armut im Land. Das ist nicht wirklich Kritik, die ich hier äußern kann, aber mir ist während dieses Jahres einfach nochmal aufgefallen, wie unglaublich froh ich über unser gutes Sozialsystem in Deutschland bin. Egal, wie schlecht es einem hier finanziell oder in welcher Hinsicht auch immer geht: Es gibt Hilfe. Für egal welche Situation. Was auch immer man braucht, um in unserem Land wieder gut Fuß zu fassen und bspw. nicht in immense Armut abzurutschen: einem wird geholfen. In Ecuador gibt es so etwas nicht. Oder nur sehr viel begrenzter als bei uns in Europa und Deutschland. Teilweise sind die Lehrkräfte an meiner Schule mit übelster Grippe zum Unterricht erschienen, weil es keine Absicherung für Krankheitsfälle gibt. Ich habe Familien von Schülern von mir mitbekommen, die nur einmal am Tag etwas essen können für mehr reicht das Geld nicht. Die Kinder und Eltern schlafen auf dem Boden, weil sie sich keine Matratzen leisten können. Die Erwachsenen arbeiten für 16 Stunden am Tag und haben trotzdem nicht genügend Geld. Teilweise gab es sogar kleine Kinder, maximal 7 Jahre alt, die auf der Straße als Verkäufer mit kleinen Süßigkeiten oder sonstigen Waren rumgelaufen sind weil die Familie irgendwie über die Runden kommen muss. Und gleichzeitig gab es mich, der ich bei egal welchem Wehwehchen mit einer deutschen Krankenversicherung in die nächste Privatklinik maschieren und mich dort versorgen lassen konnte. Klar, medizinische Versorgung gibt es in Ecuador auch und sie ist sogar kostenlos aber von einer guten Ausstattung der öffentlichen Gesundheitszentren kann nun wirklich keine Rede sein. Das sieht in Deutschland komplett anders aus und was soll ich sagen: das ist mir während meines Freiwilligendienstes nochmal so richtig klar geworden.
Ganz ähnlich in Punkto Infrastruktur. Nie wieder beklage ich mich über eine Stunde Verspätung bei der Deutschen Bahn, nachdem ich mal drei Stunden an einer Haltestelle auf den nächsten Bus gewartet habe ohne jeglichen Fahrplan oder auch nur den Hauch einer Info, wann denn mal etwas kommen könnte. Noch weniger beschwere ich mich über schlecht gewartete Schienennetze, nachdem mal während einer Busfahrt die Straße vor uns eingestürzt ist und aus meiner 6-stündigen Reise direkt mal das Doppelte wurde. Und das ist nicht im Ansatz übertrieben. Ich habe mich übrigens auch in Ecuador nicht über solche Zustände beschwert, dort begegnet man dieserart Situationen nämlich mit stoischer Gelassenheit. "Ach, der Tunnel ist eingestürzt und es gibt keinen anderen Weg in die Hauptstadt, in die ich eigentlich heute reisen muss? Naja machste nix, dann halt morgen oder wann auch immer der Weg wieder frei ist." "Diese Flexibilität und Entspanntheit werde ich mir definitiv beibehalten, wenn ich zurückkehre nach Deutschland!", das habe ich mir fest vorgenommen. Und schon jetzt bin ich gescheitert. Der deutsche Stress hat mich bereits wieder komplett eingenommen und gerade beim Schreiben dieser Zeilen merke ich, wie schade das doch eigentlich ist. Ich hoffe, ich kann mir meine schöne ecuadorianische Gelassenheit nochmal antrainieren.
Naja, genug der Negativität, kommen wir zu etwas Positiveren Themen. Wobei ich erstmal noch ein paar neutrale Aspekte einwerfen möchte, einfach etwas, das mir während meiner Zeit in Ecuador immer wieder aufgefallen und klar geworden ist. Und zwar, dass es noch sehr viel mehr Blickrichtungen gibt als nur die deutsche. Viel mehr als nur die europäische, viel mehr als nur die westliche und wahrscheinlich sogar viel mehr, als man sich überhaupt so vorstellen kann. So ist es zumindest für mich.
Ich zum Beispiel habe als wichtigste, globale politische Themen derzeit immer die Kriege im Gazastreifen und in der Ukraine im Kopf. Und zumindest zu letzterem habe ich eine recht klare Meinung, welche der beiden Kriegsparteien zu unterstützen und welche der blöde Aggressor ist. Irgendwann habe ich mich mal mit einem Lehrer an meiner Schule in Ecuador über Russland unterhalten und er hat mich gefragt, was ich so von dem Land halten würde, denn er selbst sei ja pro-Putin. Im ersten Moment ist mir kurz der Kopf explodiert und ich dachte, wie denn so etwas überhaupt sein kann. "Der Herrscher des größten Landes der Welt marschiert unrechtmäßig in die Ukraine ein und mein Lehrer findet den Typen auch noch gut? Was läuft denn bei dem falsch?!" Das habe ich natürlich nicht so gesagt, meine Frage war denn eher so ein interessiertes: "Ah ok, wie kommt es denn dazu?", woraufhin er mir dann erklärte, dass er gar nicht so genau wisse, was dort mit der Ukraine los sei und alles, aber Putin würde das Land (also Ecuador) halt wirtschaftlich sehr voranbringen. Und da ging schon so ein kleines zusätzliches Lämpchen in meinem Kopf an, kann ich sagen. Natürlich ist der Ukraine-Krieg bei uns in Europa und Deutschland großes Thema es handelt sich bei der Ukraine immerhin auch um einen Staat hier direkt auf unserem Kontinent. Wir sind politisch und militärisch involviert, wirtschaftlich sowieso. Aber: das gilt eben nur für einen sehr kleinen Teil der Länder dieser Welt. Für die ecuadorianische Bevölkerung ist dieser Krieg in ganz weiter Ferne, das Land hat im Prinzip überhaupt nichts damit zu tun. Also ist auch vollkommen klar, dass da der Blick auf z.B. Putin ein ganz anderer ist. Und natürlich ist dieser auch eher positiv, wenn Putin im Gegensatz zu europäischen Ländern dabei hilft, die Regenwälder abzuholzen, um mehr öl zu fördern und das Land so wirtschaftlich voranzubringen immerhin ist Armut in Ecuador ein gigantisches Problem, wie ich ja nun bereits mehrfach erläutert habe.
Auch das Hakenkreuz, das selbiger Lehrer auf seinen Handrücken tätowiert hat, habe ich irgendwann mal sehr interessiert angesprochen. "Kann doch nicht sein, dass jemand so ein Symbol auf seinem Körper verewigt!", habe ich gedacht. Auf meine Frage und meine Erklärung hin, dass dieses Symbol in Deutschland eine so schlimme Bedeutung hat und nur "von den heftigsten Verbrechern der Menschheit" verwendet wird (mein Spanisch kommt auch irgendwann an seine Grenzen, deswegen konnte ich ihm nicht den Nationalsozialismus in all seinen Einzelheiten erläutern), war er dann auf einmal total schockiert und betroffen, er wusste einfach nichts von dieser negativen Bedeutung. Immerhin hat das Hakenkreuz (bzw. Swastika) ja einen ganz anderen Ursprung und wurde erst von den Nazis zu dem gemacht, womit wir es in Deutschland heute verbinden. Naja, letztendlich hatte ich dann ein richtig schlechtes Gewissen, weil er mir am nächsten Tag zutiefst betroffen Fotos vom 2. Weltkrieg gezeigt und ganz doll versichert hat, er wusste gar nicht, dass dieses Symbol bei uns verboten ist und nur von den "schlimmen Menschen wie Hitler" verwendet würde.
Tja, und so habe ich dann festgestellt, wie sehr "deutsch-zentriert" mein Blick auf die Welt doch ist und wie anders die Menschen von sonstwo auf diesem Planeten doch über Weltpolitik, Wirtschaft und Geschichte denken und informiert sind was ja nur Sinn ergibt und auch echt gut ist, würde ich sagen.
Und damit nun zum Positiven, was ich über Ecuador berichten kann und möchte. Und vor allem zu den Dingen, die ich ganz schön doll vermisse, seit ich wieder zurück in Deutschland bin. An allererster Stelle steht da direkt, wer hätte es gedacht: die Natur. Ecuador ist eines der Länder mit der höchsten Biodiversität weltweit und das bekommt man an allen Ecken und Enden zu spüren! Ich kann mich an ganz schön viele Busfahrten erinnern, über die ich in meinem Blog berichtet habe und wie begeistert ich war, was es alles zu sehen gibt. Jede Strecke ist ein Erlebnis für sich, keine Region gleicht der anderen. Und jede hat ihren ganz eigenen Charme: sei es das Andenhochland, die Pazifikküste (die ich allerdings wie gesagt nicht selbst kennengelernt habe), der Amazonas-Regenwald oder natürlich auch die Galapagosinseln. Überall sieht es komplett unterschiedlich aus und es ist an jeder Ecke einfach nur schön. Viel mehr als das kann ich gar nicht dazu sagen. Und die ganzen Fotos, die ebenfalls auf dieser Website verfügbar sind, sprechen ja für sich.
Von daher direkt weiter zu meinem nächsten Punkt: dem Essen! Ja, genau das habe ich bereits scharf kritisiert aber dieses Mal meine ich etwas anderes. Und zwar die ganzen tollen Früchte, die es zu gefühlt jeder Zeit immer frisch und lokal verfügbar gibt. Avocados und Tomaten in den Anden, Bananen und Kaffee an der Küste und so viel verschiedenes in meinem geliebten Amazonas-Regenwald: Mangos, Bananen, Maracujas, Kakao, Drachenfrucht, Limonen, Kokosnuss, Orangen und noch so viel mehr Früchte, die ich entweder vergessen oder von denen ich den deutschen Namen gerade nicht im Kopf habe. Es ist einfach unglaublich, wie vielfältig dieses Land ist ich kann es gar nicht oft genug erwähnen. Vor allem die ganzen frischen Säfte und Limonaden, die ich so ziemlich jeden Morgen zum Frühstück, aber auch sonst bei jeder Gelegenheit genießen durfte, fehlen mir jetzt schon enorm. Es schmeckt einfach so unglaublich viel besser, als das ganze importierte Obst hier in Deutschland.
Was mir auch sehr schnell positiv aufgefallen ist, ist die ecuadorianische Fröhlichkeit und Gelassenheit. Die Menschen sind grundsätzlich herzlicher und offener, als es in Deutschland so gängig ist, habe ich das Gefühl. Ich habe mich regelmäßig gut mit irgendwelchen willkürlichen Leuten im Bus unterhalten und wir haben mehrfach Einladungen nach Hause zum Essen bei allen möglichen Menschen erhalten seien es Eltern von SchülerInnen, Lehrkräfte oder mehr oder weniger komplett unbekannte Personen. Klar, das kann auch der altbekannte Gringo-Bonus sein, der uns da in die Karten gespielt und für viele Menschen interessant gemacht hat aber das klammere ich jetzt einfach mal ganz bewusst aus. Denn auch abgesehen davon sind die Menschen um einiges entspannter, als wir stressigen Deutschen. Die ecuadorianische Gelassenheit lässt einen auch dann nicht die Fassung verlieren, wenn der Bus nach zwei Stunden immer noch nicht da ist da wartet man ganz entspannt weiter an der Haltestelle. Und die hora ecuatoriana, also die "ecuadorianische Zeit" lässt einen immer mindestens (!) 15 Minuten später zu einer Verabredung erscheinen, als geplant. Tja in Deutschland sieht das ganz anders aus, würde ich sagen.
Was mit der erwähnten Fröhlichkeit einhergeht bzw. vielleicht auch ein Grund dafür ist: die ganzen Fiestas und Paraden, die es gefühlt täglich gibt. Für so ziemlich ALLES gibt es irgendeinen Feiertag seien es Fiestas vom Kanton Tena, der Stadt Archidona oder der Gemeinde San Pablo mit ca. 500 Einwohnern. Dazu der Tag der Vokale, Dia de los Difuntos (Tag der Verstorbenen), der Tag vom Schutzpatron Jumandy oder natürlich auch massenhaft Schulfeste. Und wie das so ist, gehört natürlich zu jedem größeren Feiertag auch eine fette Parade durch die ganze Stadt, bei der kostümierte Schüler tanzend über die Hauptstraße marschieren. Ich verstehe immer noch nicht, wie die das machen 30 Grad, pralle Sonne und dann so eine Performance?! Ich bin ja schon eingegangen, als ich unter einem Sonnenschirm einfach nur mitgelaufen bin! Wie dem auch sei: solche Festlichkeiten waren immer sehr spannend und beeindruckend. Und auch, wenn der Lärm bis spät in die Nacht mich teilweise ziemlich fertig gemacht hat, ist es doch ganz nett gewesen, wenn ich selber bei einer entsprechenden Fiesta dabei war. Und ja, auch die Wayuza-Upinas, bei denen mir im Zuge einer indigenen Zeremonie um 05:00 Uhr morgens Chilisaft zur Seelenreinigung in die Augen gekippt wurde, vermisse ich doch ein wenig.
Naja und als Fan dicker Geländewagen kann ich gar nicht anders, als auch noch die ganzen Pick-Up-Autos zu erwähnen, die es bei uns im Amazonas gegeben hat. Ich bin ja sogar selbst mal ein bisschen mit einem solchen Straßenpanzer durch die Gegend gedüst. Das war schon ziemlich cool, da bin ich ehrlich. Es ist aber schon ganz gut, dass solche Gefährte bei uns in Deutschland nicht wirklich notwendig sind auch, wenn das viele Leute ja leider nicht davon abhält, sich trotzdem mit fetten SUVs durch die Straßen zu bewegen.
Insgesamt ist Ecuador einfach ein wunderschönes Land, das so unglaublich viel zu bieten hat! Flora und Fauna, Früchte, Fiestas und Menschen, um die schöne Alliteration direkt mal wieder zu zerstören. Zusätzlich dazu bin ich auch noch in der besten Gastfamilie gelandet, die ich mir überhaupt vorstellen kann! Marcia, Fabián und Jumandy waren total herzlich und haben uns direkt in ihre gesamte Familie aufgenommen. Umso trauriger bin ich über die Tatsache, dass mein Gastvater Fabián nun verstorben ist am letzten Tag, den ich im schönen Archidona verbracht habe. Nichtsdestotrotz war es natürlich eine fantastische Zeit, die ich bei den dreien hatte und ich kann versichern, dass Archidona mit Marcia, Fabián und Jumandy ein zweites Zuhause für mich geworden ist!
Diesen Blogeintrag möchte ich nun abschließen mit den Highlights, die das letzte Jahr für mich bereithielt. Nicht irgendwie in einer besonderen Rangfolge geordnet, sondern einfach nur die Situationen oder Erlebnisse, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind.
Von meinen ganzen Reisen her würde ich im Nachhinein sagen, dass Cuenca und insbesondere der Cajas Nationalpark bei mir den größten Eindruck hinterlassen hat. Das war einfach eine ganz schön beeindruckende Landschaft, durch die ich dort gewandert bin. Trockene, gelbbraune Wiesen und Sträucher, schroffe Berge, hier und da mal ein kleiner Bach oder Fluss und das alles auf 3.700 Höhenmetern mit entsprechendem Klima. Ziemlich anstrengend, aber auch sehr schön. Naja eigentlich waren aber fast alle meine Reisen immer ein Highlight. Ecuador ist nun mal so divers, dass es nirgendwo so aussieht wie in einer anderen Region des Landes, sodass es mir sehr schwer fällt, meine ganzen Erlebnisse dahingehend in irgendeiner Weise in eine Liste einzuordnen.
Ein weiterer Höhepunkt war außerdem, als ich von zwei Jungs von der Hausaufgabenhilfe, Joel und Estefano, ein paar Wochen vor meiner Abreise als ihr "großer Bruder" bezeichnet wurde. Das war schon echt heftig. Die beiden haben meines Wissens nach auch nur noch ihre Mutter sowie ein paar weitere Geschwister und sind regelmäßig ohne Frühstück durch den Tag gegangen. Da hat mich diese Bezeichnung nochmal besonders getroffen.
Toll war auch das Krippenspiel, das wir zu Weihnachten mit den Kindern der Hausaufgabenhilfe gemeinsam aufgeführt haben. Mehr will ich dazu auch gar nicht sagen, man lese es bei Bedarf im entsprechenden Blogeintrag nach. Es war auf jeden Fall ein sehr lustiges und nettes Event.
Und ein absolutes Highlight meiner Arbeit an der Schule für Kinder mit Behinderungen ist Roy gewesen. Der Knabe ist zwar teilweise echt schwierig zu händeln, zum Beispiel wenn er mal wieder meine Aufmerksamkeit damit sucht, dass er den Rollstuhl seines Klassenkameraden mit Turbogeschwindigkeit in meine Beine schmettert. Aber Roy ist auch ein riesiger Musikfan (egal was, Hauptsache laute Musik) und hat den heftigsten Headbang drauf, den die Welt je gesehen hat! Beim Ausmalen, beim Spielen oder beim Essen vollkommen egal, was gerade abgeht. Wenn er auch nur irgendwas an Musik hört, fängt er an, mit dem Kopf zu wippen und macht das mit einer Eleganz und so perfekt rhythmisch, es ist wirklich unglaublich.
Und ich glaube, damit beende ich dann diesen Blog.
Vielen Dank an alle, die mir dieses Jahr in Ecuador ermöglicht haben es war einfach nur toll!
Das Ende naht (2)
10.08.2025
Nachdem wir aus Kolumbien zurück nach Ecuador gereist sind (Gott seis gepriesen, mit unseren Impfpässen und dem Gelbfieberkram hat alles geklappt) sind Victor und ich natürlich direkt wieder am Reisen und Erleben: dieses mal in Mindo.
Das ist ein kleiner, ca. 4.000 Einwohner großer Ort, zwei Stunden nordwestlich von Quito und es ist ziemlich schön hier.
Die "Nebelwälder von Mindo" erinnern eher an mein geliebtes Archidona im Regenwald als an das ecuadorianische Hochland und das, obwohl Mindo auf ca. 1.250 Höhenmetern liegt.
Jedenfalls ist dieser Ort auch ein ordentlicher Touristenmagnet.
Wer Ecuador bereist, der kommt in aller Regel auch einmal hier vorbei und wer das nicht tut, der verpasst etwas.
Ich finde es zwar einerseits immer etwas nervig, wenn mir an jeder Straßenecke Werbeschilder für irgendwelche Ausflugstouren ins Gesicht springen, aber auf der anderen Seite können solche Touren natürlich auch sehr gut sein.
Und deswegen haben wir uns dazu entschlossen, am Tag unserer Ankunft gleich noch eine eineinhalbstündige Führung durch eine hiesige Schokoladenfabrik zu machen. Es gab jede Menge Kostproben und natürlich massenhaft Infos, wie der Verarbeitungsprozess von Schokolade so aussieht das war schon ziemlich spannend. Mein kulinarisches Highlight war glaube ich die Trinkschokolade, die es zum Einstieg für uns gab. Mit Milch zubereitet, ohne Zucker und damit sehr bitter aber auch verdammt lecker. Ich glaube, so muss ich mir meinen Kakao in Deutschland auch mal machen. An Essschokolade hat mich außerdem die Version mit Kaffee sehr begeistert, die mit Orange oder Mango und Salz waren aber auch sehr gut. Und was es außerdem noch gab: Tee. Aus Kakaobohnenschalen. Ich habe vorher noch nie von so einem Getränk gehört aber dieser Tee war wirklich lecker. Und eben auch einfach etwas außergewöhnliches, vor allem in Europa findet man den vermutlich eher selten.
Aber auch die Führung an sich war, wie gesagt, sehr gut und spannend. Von der verschlossenen Kakaopflanze über die einzelnen Kakaobohnen, vom Fermentationsprozess bis zum schälen und rösten der Bohnen alles wurde uns gezeigt und vorgeführt. Im kleinen Garten konnten wir sogar ganz junge Kakaopflanzen sehen, wirklich interessant. Und das, obwohl mir in Archidona und Umgebung ja wirklich schon so einiges an Natur begegnet ist. Anschließend konnten wir jedenfalls noch die Verarbeitung der Kakaomasse zu Schokoladentafeln beobachten (in dem Fall eine Chili-Salz Variante) und damit war die Tour dann auch bereits vorbei. Sehr gut investierte $10, ich bin wirklich zufrieden gewesen.
Nach einer kleinen Nachmittagspause haben wir uns anschließend zum Abendessen auf den Weg gemacht und sind schließlich bei einem sehr kleinen persischen Restaurant gelandet. Die Inhaber sind tatsächlich auch Iraner, wenn ich das recht verstanden habe und entsprechend hat das Essen auch geschmeckt. Es war wirklich ziemlich lecker! Die besten (und einzigen) Falafel seit einem Jahr, guter Karottensalat und leckeres Fladenbrot ein sehr gutes Abendessen. Auch wenn mein Darm sich anschließend auf absolute Höchstleistungen gesteigert hat, aber das nehme ich gerne in Kauf. Könnte auch daran liegen, dass ich mir auf mein Fladenbrot esslöffelweise scharfe Sauce und Aioli geschaufelt habe, ist allerdings nur eine Vermutung.
Und damit direkt weiter zu unserem zweiten Tag in Mindo, an dem wirklich ziemlich viel Programm anstand. Nach einem reichhaltigen, ecuadorianischen Frühstück bestehend aus Reis, Hühnchen, Salat, Rührei, Brötchen, frischem Saft und Instant-Kaffee für insgesamt $4 (ja, da war im Prinzip auch noch das Mittagessen gleich mit drin) ging es für uns ins Schmetterlingshaus. Für $7 Eintritt wurde uns dort auch einiges geboten, finde ich. Wir konnten wir die Brutkästen begutachten, oder wie auch immer man das nennt: Dosen mit Schmetterlingseiern, dann ganz viele Larven, die ein Blatt zerknabbert haben, ein Fach mit riesigen Raupen und dann noch eines, in dem die Kokons hängen und sich dann zum Schmetterling entwickeln. Direkt nebenan war dann auch das eigentliche Schmetterlingshaus an sich. Ein wirklich tropisch schwüles Gewächshaus mit Massen an Schmetterlingen überall. Am schlafen oder ruhen, beim essen, rumfliegen oder sich gegenseitig jagen. Wirklich spannend und beeindruckend, wie groß diese Viecher waren und vor allem wie bunt oder eben auch gut getarnt. Einen habe ich komplett übersehen und ihm dann leider den halben Flügel zertreten das war irgendwie nicht so optimal. Immerhin konnte er danach direkt wieder weiterfliegen, ich hoffe also, er hat's überlebt.
Außerhalb des Gewächshauses ging es aber sogar noch weiter! Ein kleiner Weg über das Grundstück mit Enten, ein paar ziemlich fetten Kaninchen, einem Fischteich und natürlich jede Menge Pflanzen und Vögel. Sogar ein paar Kolibris konnten wir entdecken! Was sich kurz darauf allerdings als gar nicht SO besonders herausgestellt hat dort befindet sich nämlich auch gleich noch eine Kolibristation mit Zuckerwasserspendern, diese Viecher flattern da also grundsätzlich wohl ganz gerne rum.
Diese kleine Kolibrierfahrung war uns aber noch nicht genug, weswegen wir uns anschließend auf zum Café Kolibri gemacht haben, das ebenfalls nicht weit entfernt liegt eine Viertelstunde Fußweg und schon ist man dort. Und was soll ich sagen: es war toll! Diese Kolibristation ist quasi DER Ort, um Kolibris von ganz nah zu sehen und auch zu spüren. Man bekommt dort nämlich kleine Flaschendeckel mit Zuckerwasser gefüllt, die man entweder vor sich auf das Geländer des Balkons oder auf seine eigene Hand legen kann um damit Kolibris anzulocken. Und das hat auch ziemlich gut funktioniert. Gefühlt ohne Ende sind diese Vögel auf meiner Hand gelandet, neben den ganzen Bienen und dem ein oder anderen Spatz-ähnlichen Vögelchen, die sich dazwischengeschoben haben. Das ist ein wirklich lustiges Gefühl, wenn sich diese kleinen Füßchen da auf die eigene Hand setzen. Irgendwas zwischen kitzelnd und sehr zart. Und es sitzt halt einfach ein Kolibri auf der Hand! Ich meine, ich habe zwar bereits welche in Archidona und Tena sehen können aber hier nochmal von ganz nah, das war schon echt cool. Und wenn ich schon beim Thema bin: nennt man Kolibrigeschwister eigentlich Kolibros?
Außerdem gab es bei dieser Station noch einen kleinen Aussichtsturm sowie einen Rundweg, bei dem es ganz viele rosa Bananen, wieder einen Fischteich, einen kleinen Bereich zur Rettung von Schildkröten sowie ein Gehege für zwei große Pfaue zu sehen gab. Nebst dem Wald, durch den man bei diesem Rundweg läuft, natürlich.
Zu guter Letzt haben wir uns noch auf den Weg zu einer kleinen Wanderung in der Nähe gemacht. Mit dem Taxi geht es zu einer Seilbahn in der Nähe, in der man für $5 in gefühlt rasender Geschwindigkeit den Wald überqueren kann um anschließend auf der anderen Seite zwischen drei Routen wählen zu können. Victor und ich haben uns für die längste entschieden, die am Ende einen schönen Wasserfall bieten soll: die Cascada Reina, also im Prinzip den Königinnenwasserfall. Und also der ist schon ziemlich majestätisch, das muss ich zugeben. Die Wanderung durch den Wald dorthin war auch schon schön und vor allem ruhig, außer uns beiden war nämlich niemand unterwegs. Aber der Wasserfall am Ende, der hat das ganze Erlebnis nochmal übertroffen. Der liegt quasi in einem Kessel aus Steinwand und Bäumen, ist ziemlich groß und naja, einfach beeindruckend. Die Wanderung hat sich jedenfalls ziemlich gelohnt, so als kleines Fazit.
Von Mindo aus ging es anschließend nach Archidona. Ich wollte mich noch einmal final von meiner Gastfamilie verabschieden, Victor wollte mein zuhause für das gesamte letzte Jahr natürlich auch gerne kennenlernen genügend Gründe für einen kurzen Besuch. Allerdings mussten wir dort auch erstmal hinfahren und von Mindo aus ist das eine ordentliche Reise, das muss ich sagen. Vor allem, weil die kurze und gute Strecke seit einem Monat kaputt und immer noch nicht vollends repariert worden ist. Entsprechend waren wir insgesamt ca. 10 Stunden unterwegs, den größten Teil davon in einem akzeptablen Bus mit allerdings wirklich beschissener Klimatisierung. Wir haben wirklich regelmäßig dafür gebetet, dass er einfach mal die Vordertür etwas aufmacht während der Fahrt, weil es sich auf unseren Sitzen wie so eine private kleine Sauna angefühlt hat. Zusätzlich dazu ist noch irgendwo auf unserer Strecke ein Auto die Anden runtergekachelt, was wiederum für Stau gesorgt hat und dafür, dass wir NOCH langsamer vorangekommen sind. Und blöd für das Auto und die Insassen ist's natürlich auch gewesen.
Angekommen in Archidona durfte ich jedenfalls erstmal feststellen, dass sich hier im vergangenen Monat ziemlich viel verändert hat: unser Haus ist neu gestrichen (sattes orange statt helles blau), es ist neu eingerichtet bzw. viele Möbel sind umgestellt, die Gartenhütten wurden ab- und in anderer Form wieder aufgebaut und unsere beiden Katzen sind abgehauen. Außerdem ist meine Lieblingsbäckerei komplett umgeräumt und es arbeitet dort neuerdings die Mutter einer unserer Schüler, die mich natürlich direkt wiedererkannt und meinen Einkauf gratis um Massen an Kekse und Brötchen erweitert hat. Sehr nett, aber auch ein bisschen überfordernd. Mit so viel Veränderung in so kurzer Zeit komme ich echt nicht klar
Neben dem ganzen Entspannen haben wir dann außerdem noch den hiesigen Zoo besucht. Ich weiß wirklich nicht, warum ich das nicht bereits vorher gemacht habe es ist eine der wenigen Sehenswürdigkeiten Archidonas, es ist nicht weit entfernt und ich hatte fast ein ganzes Jahr lang Zeit. Auf der anderen Seite: es ist halt ein Zoo. Dort leben Tiere eingesperrt in kleine Gehege, ohne Freiraum und naja, in Gefangenschaft eben. Ich weiß auch wirklich nicht, was ich mir vorgestellt habe, aber ich dachte, das wäre mehr so ein riesiges Parkgelände in dem halt ein paar Tiere des Amazonasgebiets quasi geschützt leben können. Aber das war es nicht es war einfach ein stinknormaler Zoo, so wie es ihn auch überall sonst auf der Welt gibt. Das hat meine Stimmung für den Ausflug dann auch einigermaßen gedämpft, muss ich zugeben. Ich meine, es ist zwar total cool, diese ganzen tollen Tiere mal aus nächster Nähe zu sehen nur für diese Tiere ist es eben alles andere als cool.
Zwar gibt es in diesem Zoo auch Tiere, die quasi in der Gegend von der Polizei gefangen und alternativ getötet worden wären, weil sie so gefährlich sind (bspw. Kaimane) und diese Tiere können auf diese Weise eben im Zoo weiterleben. Ähnliches gilt meines Wissens nach auch für ein paar Vögel, die ohne bspw. medizinische Hilfe des Zoos einfach gestorben wären aber so etwas wie ein Löwe oder ein Krokodil hat halt in einem Zoo im ecuadorianischen Amazonas absolut überhaupt nichts verloren!
Aber bei all der Kritik, bei all meinem Mitgefühl und meinem Wissen darüber, dass Zoos echt kein toller Ort für Tiere sind: ich kann nicht leugnen, dass ich es schon verdammt cool und beeindruckend fand, gewisse Tiere mal aus nächster Nähe beobachten zu können. Vor allem den Kaiman, die Tukane und die Arapaimas, die ich ja alle bereits auch bei meiner Dschungeltour durch Cuyabeno aus der Ferne zu sehen bekommen habe. Es war wirklich spannend, das muss ich einfach sagen.
Nach unserem Kurzbesuch in Archidona sind Victor und ich nach Cuenca gefahren. Dort bin ich zwar bereits einmal gewesen und habe auch hier in einem meiner Blogs darüber berichtet, aber die Stadt und Umgebung ist einfach ziemlich schön, sodass ich gerne ein zweites mal dorthin wollte. Also sind wir morgens in der früh in den Bus gestiegen und haben erstmal eine ordentliche Achterbahnfahrt miterleben dürfen: der Busfahrer hat wirklich nicht gewusst, dass er auch ein Bremspedal im Bus finden kann und ist weder in den Kurven noch bei den diversen Geschwindigkeitsbegrenzungen auf der Strecke vom Gas gegangen. Wir wurden echt einigermaßen durchgeschüttelt, aber so ist das halt manchmal. Und nichtsdestotrotz konnten wir natürlich die fantastische Aussicht genießen, die ich ja bereits öfter angesprochen habe und die auch auf dieser Reise nicht gefehlt hat.
Außerdem witzig bzw. erwähnenswert: in unserem zweiten Bus war offenbar ein Dieb oder sonstiger Krimineller drin, als wir am Terminal standen. Irgendjemand kam nämlich rein, hat ihn erkannt und ist anschließend zur Bustür gegangen, um diese zu versperren und den Sicherheitsdienst dazuzurufen. Das wiederum hat den Dieb natürlich dazu verleitet, so schnell wie möglich aus dem Bus zu sprinten und es kam zu einer kleinen Verfolgungsjagd am Busterminal, deren Ausgang ich allerdings nicht kenne erstens waren die Leute schnell aus meinem Blickfeld verschwunden und darüber hinaus ist unser Bus auch kurz darauf losgefahren.
Über Cuenca selbst will ich an dieser Stelle gar nicht groß berichten, das habe ich ja schon in einem vorigen Blogeintrag getan. Dieses mal sind wir allerdings auch in den nahegelegenen Nationalpark Cajas gefahren, um dort ein wenig wandern zu gehen. Die Busfahrt dorthin war dieses mal überraschung! echt nicht so cool. Die Aussicht war schön und auch der Bus an sich war super, aber wir hatten leider das grenzenlose Pech, hinter zwei Deppen zu sitzen, die den härtesten Alkohol dabeihatten, den die Welt je gesehen hat. Bzw. gerochen, denn genau darin lag das Problem. Einen ganzen Liter an hochprozentigstem Sonstwiegetränk hatten die bei sich und daran wurde sich auch gut bedient. Es hat wirklich gestunken wie Hölle und gefühlt bin ich schon allein vom Geruch betrunken geworden, das war wirklich krass. Immerhin mussten wir diesen Gestank nur kurz ertragen und konnten recht schnell an unserem Ziel aussteigen, dem Eingang zum Cajas-Nationalpark. Dort angekommen bin ich dann ziemlich froh gewesen, sowohl meine Mütze eingepackt als auch meine dicken Wollsocken angezogen zu haben, denn es war verdammt kalt und windig. Kein Wunder, immerhin liegt dieser Nationalpark an dieser Stelle auf ca. 3.700 Höhenmetern. Aber: trotz der kühlen Temperaturen war es dort einfach wunderschön! Die Natur von Cajas ist wirklich toll und sieht auf gewisse Weise ziemlich episch aus. Alles ist in satten Farben gehalten: die Berge in dunklem und festem grau, überall liegt gelbes und rostrotes Moos und hinter jedem Hügel taucht ein neuer See auf. Die Gräser sind dunkelgelb und die Bäume haben Blätter aus sattem grün es wirkt absolut märchenhaft. Das einzige, was uns gestört hat: unserer Wanderroute wurde als "Schwierigkeitsgrad: niedrig" angegeben und das war ja mal so eine riesige Lüge! Das Niveau lässt sich zwar nicht mit dem Mount Everest vergleichen, aber an einigen Stellen ging es dann doch ganz schön steil bergab oder -auf. Evtl. haben wir auch einfach nur die falschen Wege genutzt, aber das würde es ja nicht wirklich besser machen.
Nichtsdestotrotz: unsere kleine Wanderung durch den Cajas-Nationalpark ist wahrscheinlich mit einer der schönsten Ausflüge in den Bergen, die ich hier bis jetzt gemacht habe. Es war angenehm ruhig und nicht viel los und naja, die Natur ist eben einfach etwas komplett anderes, als ich aus Deutschland oder sonstwoher kenne. Die Wolken hängen die ganze Zeit tief in den Gipfeln (wobei "tief" hier relativ ist wir waren ja immer noch auf 3.700 Höhenmetern) und das einzige, was diesen Ausflug nach hätte verbessern können, wären Lamas gewesen. Die soll es dort im Nationalpark nämlich durchaus auch geben. Haben wir aber nicht entdeckt.
Ein schöner Abschluss für den Tag war dann übrigens noch unser Abendessen, für das wir in ein indisches Restaurant gedüst sind. ENDLICH habe ich mal wieder indisch und halbwegs scharf essen können mein Bauch hat mich auch Stunden danach noch von innen gewärmt!
Achso: wir haben außerdem noch das Museum zur Geschichte der Medizin besucht. Da habe ich jetzt zwar nicht außergewöhnlich viel zu berichten, aber es war ganz nett dort. Alle möglichen Medizinprodukte sind dort ausgestellt: von antiken Röntgengeräten über irgendwelche Nachbauten damaliger Apotheken bis hin zu einer eisernen Lunge. Und was uns besonders überrascht hat: irgendeine "Quarz-Einbettmasse" aus der Bremer Goldschlägerei Wilhelm Herbst sowie an anderer Stelle einfach so das Bremer Wappen. Ohne irgendwelchen Kontext, einfach so. Da sind auch nicht noch irgendwelche anderen Stadtwappen ausgestellt es ist wirklich NUR das von Bremen. Ich weiß zwar nicht wieso, aber das ist schon ganz lustig.
Anschließend sind wir noch für einen Tag nach Ambato gefahren. Unter anderem deswegen, weil die Busfahrt von Cuenca zurück nach Quito insgesamt 10 Stunden dauern würde und das ist schon verdammt lang und anstrengend. Mit diesem Zwischenstopp hatten wir also zwei Fahrten von einmal sieben und einmal drei Stunden, das ist noch einigermaßen entspannt.
Da ich bereits einmal in Ambato war und davon auch berichtet hatte, werde ich dieses mal nicht allzu viel zu diesem Urlaub schreiben. Unter anderem deshalb, weil wir ziemlich genau dasselbe gemacht haben, wie ich schon beim letzten Mal. Wir haben den botanischen Garten besucht (es ist immer noch sehr schön dort und riecht einfach fantastisch) und sind ein wenig in der Stadt rumgelaufen. Damit war unser Tag dann auch schon gefüllt, sodass wir schließlich nach Hause gegangen sind und die halbwegs gute Aussicht aus dem fünften Stock über die Hauptstraße von Ambato genossen haben. Allerdings war es vor unserer Wohnung wegen der Lage mitten im Zentrum auch immer ziemlich laut und wuselig, so ein ganz optimaler Aufenthalt ist es für uns also nicht gewesen.
Und jetzt bin ich hier in Quito. Die letzten zwei Tage vor Abflug haben wir in der Hauptstadt verbracht und streng genommen nicht wirklich viel unternommen. Den einen Tag sind wir zur TeleferiQo gedüst, von der ich in meinem zweiten Blogeintrag bereits erzählt hatte. Wir sind mit der Seilbahn bis auf 3.900 Meter hoch gefahren um dort die Aussicht über ganz Quito genießen zu können und leider muss ich sagen, dass es sich dieses mal nicht so ganz gelohnt hat. Weil Sonntag UND ein Feiertag gewesen ist, wollten nämlich ziemlich viele Menschen hoch auf den Pichincha fahren und so mussten wir insgesamt ca. zwei Stunden warten, um die neun Minuten nach oben fahren und dort einen schönen Blick über Quito haben zu können.
Den zweiten Tag haben wir dann mit einer kleinen Tour durchs historische Zentrum der Hauptstadt verbracht, kombiniert mit einer kleinen Einkaufstour, um meine noch fehlenden Souvenirs zu besorgen.
Joa und jetzt ist es dann wohl soweit, ich fliege zurück nach Deutschland.
Adiós, Ecuador.
Und deswegen haben wir uns dazu entschlossen, am Tag unserer Ankunft gleich noch eine eineinhalbstündige Führung durch eine hiesige Schokoladenfabrik zu machen. Es gab jede Menge Kostproben und natürlich massenhaft Infos, wie der Verarbeitungsprozess von Schokolade so aussieht das war schon ziemlich spannend. Mein kulinarisches Highlight war glaube ich die Trinkschokolade, die es zum Einstieg für uns gab. Mit Milch zubereitet, ohne Zucker und damit sehr bitter aber auch verdammt lecker. Ich glaube, so muss ich mir meinen Kakao in Deutschland auch mal machen. An Essschokolade hat mich außerdem die Version mit Kaffee sehr begeistert, die mit Orange oder Mango und Salz waren aber auch sehr gut. Und was es außerdem noch gab: Tee. Aus Kakaobohnenschalen. Ich habe vorher noch nie von so einem Getränk gehört aber dieser Tee war wirklich lecker. Und eben auch einfach etwas außergewöhnliches, vor allem in Europa findet man den vermutlich eher selten.
Aber auch die Führung an sich war, wie gesagt, sehr gut und spannend. Von der verschlossenen Kakaopflanze über die einzelnen Kakaobohnen, vom Fermentationsprozess bis zum schälen und rösten der Bohnen alles wurde uns gezeigt und vorgeführt. Im kleinen Garten konnten wir sogar ganz junge Kakaopflanzen sehen, wirklich interessant. Und das, obwohl mir in Archidona und Umgebung ja wirklich schon so einiges an Natur begegnet ist. Anschließend konnten wir jedenfalls noch die Verarbeitung der Kakaomasse zu Schokoladentafeln beobachten (in dem Fall eine Chili-Salz Variante) und damit war die Tour dann auch bereits vorbei. Sehr gut investierte $10, ich bin wirklich zufrieden gewesen.
Nach einer kleinen Nachmittagspause haben wir uns anschließend zum Abendessen auf den Weg gemacht und sind schließlich bei einem sehr kleinen persischen Restaurant gelandet. Die Inhaber sind tatsächlich auch Iraner, wenn ich das recht verstanden habe und entsprechend hat das Essen auch geschmeckt. Es war wirklich ziemlich lecker! Die besten (und einzigen) Falafel seit einem Jahr, guter Karottensalat und leckeres Fladenbrot ein sehr gutes Abendessen. Auch wenn mein Darm sich anschließend auf absolute Höchstleistungen gesteigert hat, aber das nehme ich gerne in Kauf. Könnte auch daran liegen, dass ich mir auf mein Fladenbrot esslöffelweise scharfe Sauce und Aioli geschaufelt habe, ist allerdings nur eine Vermutung.
Und damit direkt weiter zu unserem zweiten Tag in Mindo, an dem wirklich ziemlich viel Programm anstand. Nach einem reichhaltigen, ecuadorianischen Frühstück bestehend aus Reis, Hühnchen, Salat, Rührei, Brötchen, frischem Saft und Instant-Kaffee für insgesamt $4 (ja, da war im Prinzip auch noch das Mittagessen gleich mit drin) ging es für uns ins Schmetterlingshaus. Für $7 Eintritt wurde uns dort auch einiges geboten, finde ich. Wir konnten wir die Brutkästen begutachten, oder wie auch immer man das nennt: Dosen mit Schmetterlingseiern, dann ganz viele Larven, die ein Blatt zerknabbert haben, ein Fach mit riesigen Raupen und dann noch eines, in dem die Kokons hängen und sich dann zum Schmetterling entwickeln. Direkt nebenan war dann auch das eigentliche Schmetterlingshaus an sich. Ein wirklich tropisch schwüles Gewächshaus mit Massen an Schmetterlingen überall. Am schlafen oder ruhen, beim essen, rumfliegen oder sich gegenseitig jagen. Wirklich spannend und beeindruckend, wie groß diese Viecher waren und vor allem wie bunt oder eben auch gut getarnt. Einen habe ich komplett übersehen und ihm dann leider den halben Flügel zertreten das war irgendwie nicht so optimal. Immerhin konnte er danach direkt wieder weiterfliegen, ich hoffe also, er hat's überlebt.
Außerhalb des Gewächshauses ging es aber sogar noch weiter! Ein kleiner Weg über das Grundstück mit Enten, ein paar ziemlich fetten Kaninchen, einem Fischteich und natürlich jede Menge Pflanzen und Vögel. Sogar ein paar Kolibris konnten wir entdecken! Was sich kurz darauf allerdings als gar nicht SO besonders herausgestellt hat dort befindet sich nämlich auch gleich noch eine Kolibristation mit Zuckerwasserspendern, diese Viecher flattern da also grundsätzlich wohl ganz gerne rum.
Diese kleine Kolibrierfahrung war uns aber noch nicht genug, weswegen wir uns anschließend auf zum Café Kolibri gemacht haben, das ebenfalls nicht weit entfernt liegt eine Viertelstunde Fußweg und schon ist man dort. Und was soll ich sagen: es war toll! Diese Kolibristation ist quasi DER Ort, um Kolibris von ganz nah zu sehen und auch zu spüren. Man bekommt dort nämlich kleine Flaschendeckel mit Zuckerwasser gefüllt, die man entweder vor sich auf das Geländer des Balkons oder auf seine eigene Hand legen kann um damit Kolibris anzulocken. Und das hat auch ziemlich gut funktioniert. Gefühlt ohne Ende sind diese Vögel auf meiner Hand gelandet, neben den ganzen Bienen und dem ein oder anderen Spatz-ähnlichen Vögelchen, die sich dazwischengeschoben haben. Das ist ein wirklich lustiges Gefühl, wenn sich diese kleinen Füßchen da auf die eigene Hand setzen. Irgendwas zwischen kitzelnd und sehr zart. Und es sitzt halt einfach ein Kolibri auf der Hand! Ich meine, ich habe zwar bereits welche in Archidona und Tena sehen können aber hier nochmal von ganz nah, das war schon echt cool. Und wenn ich schon beim Thema bin: nennt man Kolibrigeschwister eigentlich Kolibros?
Außerdem gab es bei dieser Station noch einen kleinen Aussichtsturm sowie einen Rundweg, bei dem es ganz viele rosa Bananen, wieder einen Fischteich, einen kleinen Bereich zur Rettung von Schildkröten sowie ein Gehege für zwei große Pfaue zu sehen gab. Nebst dem Wald, durch den man bei diesem Rundweg läuft, natürlich.
Zu guter Letzt haben wir uns noch auf den Weg zu einer kleinen Wanderung in der Nähe gemacht. Mit dem Taxi geht es zu einer Seilbahn in der Nähe, in der man für $5 in gefühlt rasender Geschwindigkeit den Wald überqueren kann um anschließend auf der anderen Seite zwischen drei Routen wählen zu können. Victor und ich haben uns für die längste entschieden, die am Ende einen schönen Wasserfall bieten soll: die Cascada Reina, also im Prinzip den Königinnenwasserfall. Und also der ist schon ziemlich majestätisch, das muss ich zugeben. Die Wanderung durch den Wald dorthin war auch schon schön und vor allem ruhig, außer uns beiden war nämlich niemand unterwegs. Aber der Wasserfall am Ende, der hat das ganze Erlebnis nochmal übertroffen. Der liegt quasi in einem Kessel aus Steinwand und Bäumen, ist ziemlich groß und naja, einfach beeindruckend. Die Wanderung hat sich jedenfalls ziemlich gelohnt, so als kleines Fazit.
Von Mindo aus ging es anschließend nach Archidona. Ich wollte mich noch einmal final von meiner Gastfamilie verabschieden, Victor wollte mein zuhause für das gesamte letzte Jahr natürlich auch gerne kennenlernen genügend Gründe für einen kurzen Besuch. Allerdings mussten wir dort auch erstmal hinfahren und von Mindo aus ist das eine ordentliche Reise, das muss ich sagen. Vor allem, weil die kurze und gute Strecke seit einem Monat kaputt und immer noch nicht vollends repariert worden ist. Entsprechend waren wir insgesamt ca. 10 Stunden unterwegs, den größten Teil davon in einem akzeptablen Bus mit allerdings wirklich beschissener Klimatisierung. Wir haben wirklich regelmäßig dafür gebetet, dass er einfach mal die Vordertür etwas aufmacht während der Fahrt, weil es sich auf unseren Sitzen wie so eine private kleine Sauna angefühlt hat. Zusätzlich dazu ist noch irgendwo auf unserer Strecke ein Auto die Anden runtergekachelt, was wiederum für Stau gesorgt hat und dafür, dass wir NOCH langsamer vorangekommen sind. Und blöd für das Auto und die Insassen ist's natürlich auch gewesen.
Angekommen in Archidona durfte ich jedenfalls erstmal feststellen, dass sich hier im vergangenen Monat ziemlich viel verändert hat: unser Haus ist neu gestrichen (sattes orange statt helles blau), es ist neu eingerichtet bzw. viele Möbel sind umgestellt, die Gartenhütten wurden ab- und in anderer Form wieder aufgebaut und unsere beiden Katzen sind abgehauen. Außerdem ist meine Lieblingsbäckerei komplett umgeräumt und es arbeitet dort neuerdings die Mutter einer unserer Schüler, die mich natürlich direkt wiedererkannt und meinen Einkauf gratis um Massen an Kekse und Brötchen erweitert hat. Sehr nett, aber auch ein bisschen überfordernd. Mit so viel Veränderung in so kurzer Zeit komme ich echt nicht klar
Neben dem ganzen Entspannen haben wir dann außerdem noch den hiesigen Zoo besucht. Ich weiß wirklich nicht, warum ich das nicht bereits vorher gemacht habe es ist eine der wenigen Sehenswürdigkeiten Archidonas, es ist nicht weit entfernt und ich hatte fast ein ganzes Jahr lang Zeit. Auf der anderen Seite: es ist halt ein Zoo. Dort leben Tiere eingesperrt in kleine Gehege, ohne Freiraum und naja, in Gefangenschaft eben. Ich weiß auch wirklich nicht, was ich mir vorgestellt habe, aber ich dachte, das wäre mehr so ein riesiges Parkgelände in dem halt ein paar Tiere des Amazonasgebiets quasi geschützt leben können. Aber das war es nicht es war einfach ein stinknormaler Zoo, so wie es ihn auch überall sonst auf der Welt gibt. Das hat meine Stimmung für den Ausflug dann auch einigermaßen gedämpft, muss ich zugeben. Ich meine, es ist zwar total cool, diese ganzen tollen Tiere mal aus nächster Nähe zu sehen nur für diese Tiere ist es eben alles andere als cool.
Zwar gibt es in diesem Zoo auch Tiere, die quasi in der Gegend von der Polizei gefangen und alternativ getötet worden wären, weil sie so gefährlich sind (bspw. Kaimane) und diese Tiere können auf diese Weise eben im Zoo weiterleben. Ähnliches gilt meines Wissens nach auch für ein paar Vögel, die ohne bspw. medizinische Hilfe des Zoos einfach gestorben wären aber so etwas wie ein Löwe oder ein Krokodil hat halt in einem Zoo im ecuadorianischen Amazonas absolut überhaupt nichts verloren!
Aber bei all der Kritik, bei all meinem Mitgefühl und meinem Wissen darüber, dass Zoos echt kein toller Ort für Tiere sind: ich kann nicht leugnen, dass ich es schon verdammt cool und beeindruckend fand, gewisse Tiere mal aus nächster Nähe beobachten zu können. Vor allem den Kaiman, die Tukane und die Arapaimas, die ich ja alle bereits auch bei meiner Dschungeltour durch Cuyabeno aus der Ferne zu sehen bekommen habe. Es war wirklich spannend, das muss ich einfach sagen.
Nach unserem Kurzbesuch in Archidona sind Victor und ich nach Cuenca gefahren. Dort bin ich zwar bereits einmal gewesen und habe auch hier in einem meiner Blogs darüber berichtet, aber die Stadt und Umgebung ist einfach ziemlich schön, sodass ich gerne ein zweites mal dorthin wollte. Also sind wir morgens in der früh in den Bus gestiegen und haben erstmal eine ordentliche Achterbahnfahrt miterleben dürfen: der Busfahrer hat wirklich nicht gewusst, dass er auch ein Bremspedal im Bus finden kann und ist weder in den Kurven noch bei den diversen Geschwindigkeitsbegrenzungen auf der Strecke vom Gas gegangen. Wir wurden echt einigermaßen durchgeschüttelt, aber so ist das halt manchmal. Und nichtsdestotrotz konnten wir natürlich die fantastische Aussicht genießen, die ich ja bereits öfter angesprochen habe und die auch auf dieser Reise nicht gefehlt hat.
Außerdem witzig bzw. erwähnenswert: in unserem zweiten Bus war offenbar ein Dieb oder sonstiger Krimineller drin, als wir am Terminal standen. Irgendjemand kam nämlich rein, hat ihn erkannt und ist anschließend zur Bustür gegangen, um diese zu versperren und den Sicherheitsdienst dazuzurufen. Das wiederum hat den Dieb natürlich dazu verleitet, so schnell wie möglich aus dem Bus zu sprinten und es kam zu einer kleinen Verfolgungsjagd am Busterminal, deren Ausgang ich allerdings nicht kenne erstens waren die Leute schnell aus meinem Blickfeld verschwunden und darüber hinaus ist unser Bus auch kurz darauf losgefahren.
Über Cuenca selbst will ich an dieser Stelle gar nicht groß berichten, das habe ich ja schon in einem vorigen Blogeintrag getan. Dieses mal sind wir allerdings auch in den nahegelegenen Nationalpark Cajas gefahren, um dort ein wenig wandern zu gehen. Die Busfahrt dorthin war dieses mal überraschung! echt nicht so cool. Die Aussicht war schön und auch der Bus an sich war super, aber wir hatten leider das grenzenlose Pech, hinter zwei Deppen zu sitzen, die den härtesten Alkohol dabeihatten, den die Welt je gesehen hat. Bzw. gerochen, denn genau darin lag das Problem. Einen ganzen Liter an hochprozentigstem Sonstwiegetränk hatten die bei sich und daran wurde sich auch gut bedient. Es hat wirklich gestunken wie Hölle und gefühlt bin ich schon allein vom Geruch betrunken geworden, das war wirklich krass. Immerhin mussten wir diesen Gestank nur kurz ertragen und konnten recht schnell an unserem Ziel aussteigen, dem Eingang zum Cajas-Nationalpark. Dort angekommen bin ich dann ziemlich froh gewesen, sowohl meine Mütze eingepackt als auch meine dicken Wollsocken angezogen zu haben, denn es war verdammt kalt und windig. Kein Wunder, immerhin liegt dieser Nationalpark an dieser Stelle auf ca. 3.700 Höhenmetern. Aber: trotz der kühlen Temperaturen war es dort einfach wunderschön! Die Natur von Cajas ist wirklich toll und sieht auf gewisse Weise ziemlich episch aus. Alles ist in satten Farben gehalten: die Berge in dunklem und festem grau, überall liegt gelbes und rostrotes Moos und hinter jedem Hügel taucht ein neuer See auf. Die Gräser sind dunkelgelb und die Bäume haben Blätter aus sattem grün es wirkt absolut märchenhaft. Das einzige, was uns gestört hat: unserer Wanderroute wurde als "Schwierigkeitsgrad: niedrig" angegeben und das war ja mal so eine riesige Lüge! Das Niveau lässt sich zwar nicht mit dem Mount Everest vergleichen, aber an einigen Stellen ging es dann doch ganz schön steil bergab oder -auf. Evtl. haben wir auch einfach nur die falschen Wege genutzt, aber das würde es ja nicht wirklich besser machen.
Nichtsdestotrotz: unsere kleine Wanderung durch den Cajas-Nationalpark ist wahrscheinlich mit einer der schönsten Ausflüge in den Bergen, die ich hier bis jetzt gemacht habe. Es war angenehm ruhig und nicht viel los und naja, die Natur ist eben einfach etwas komplett anderes, als ich aus Deutschland oder sonstwoher kenne. Die Wolken hängen die ganze Zeit tief in den Gipfeln (wobei "tief" hier relativ ist wir waren ja immer noch auf 3.700 Höhenmetern) und das einzige, was diesen Ausflug nach hätte verbessern können, wären Lamas gewesen. Die soll es dort im Nationalpark nämlich durchaus auch geben. Haben wir aber nicht entdeckt.
Ein schöner Abschluss für den Tag war dann übrigens noch unser Abendessen, für das wir in ein indisches Restaurant gedüst sind. ENDLICH habe ich mal wieder indisch und halbwegs scharf essen können mein Bauch hat mich auch Stunden danach noch von innen gewärmt!
Achso: wir haben außerdem noch das Museum zur Geschichte der Medizin besucht. Da habe ich jetzt zwar nicht außergewöhnlich viel zu berichten, aber es war ganz nett dort. Alle möglichen Medizinprodukte sind dort ausgestellt: von antiken Röntgengeräten über irgendwelche Nachbauten damaliger Apotheken bis hin zu einer eisernen Lunge. Und was uns besonders überrascht hat: irgendeine "Quarz-Einbettmasse" aus der Bremer Goldschlägerei Wilhelm Herbst sowie an anderer Stelle einfach so das Bremer Wappen. Ohne irgendwelchen Kontext, einfach so. Da sind auch nicht noch irgendwelche anderen Stadtwappen ausgestellt es ist wirklich NUR das von Bremen. Ich weiß zwar nicht wieso, aber das ist schon ganz lustig.
Anschließend sind wir noch für einen Tag nach Ambato gefahren. Unter anderem deswegen, weil die Busfahrt von Cuenca zurück nach Quito insgesamt 10 Stunden dauern würde und das ist schon verdammt lang und anstrengend. Mit diesem Zwischenstopp hatten wir also zwei Fahrten von einmal sieben und einmal drei Stunden, das ist noch einigermaßen entspannt.
Da ich bereits einmal in Ambato war und davon auch berichtet hatte, werde ich dieses mal nicht allzu viel zu diesem Urlaub schreiben. Unter anderem deshalb, weil wir ziemlich genau dasselbe gemacht haben, wie ich schon beim letzten Mal. Wir haben den botanischen Garten besucht (es ist immer noch sehr schön dort und riecht einfach fantastisch) und sind ein wenig in der Stadt rumgelaufen. Damit war unser Tag dann auch schon gefüllt, sodass wir schließlich nach Hause gegangen sind und die halbwegs gute Aussicht aus dem fünften Stock über die Hauptstraße von Ambato genossen haben. Allerdings war es vor unserer Wohnung wegen der Lage mitten im Zentrum auch immer ziemlich laut und wuselig, so ein ganz optimaler Aufenthalt ist es für uns also nicht gewesen.
Und jetzt bin ich hier in Quito. Die letzten zwei Tage vor Abflug haben wir in der Hauptstadt verbracht und streng genommen nicht wirklich viel unternommen. Den einen Tag sind wir zur TeleferiQo gedüst, von der ich in meinem zweiten Blogeintrag bereits erzählt hatte. Wir sind mit der Seilbahn bis auf 3.900 Meter hoch gefahren um dort die Aussicht über ganz Quito genießen zu können und leider muss ich sagen, dass es sich dieses mal nicht so ganz gelohnt hat. Weil Sonntag UND ein Feiertag gewesen ist, wollten nämlich ziemlich viele Menschen hoch auf den Pichincha fahren und so mussten wir insgesamt ca. zwei Stunden warten, um die neun Minuten nach oben fahren und dort einen schönen Blick über Quito haben zu können.
Den zweiten Tag haben wir dann mit einer kleinen Tour durchs historische Zentrum der Hauptstadt verbracht, kombiniert mit einer kleinen Einkaufstour, um meine noch fehlenden Souvenirs zu besorgen.
Joa und jetzt ist es dann wohl soweit, ich fliege zurück nach Deutschland.
Adiós, Ecuador.
Ecuadorianische Spontanität
27.07.2025
Ich habe noch nie SO spontan einen Flug gebucht.
Ich habe sowieso noch fast NIE einen Flug gebucht.
Eventuell besteht da ja ein Zusammenhang?
Aber mal von vorne: nachdem meine Reise auf die Galapagosinseln vorbei ist, wollte mich mein bester Freund Victor in Ecuador besuchen, damit wir in meinem Urlaub das Land gemeinsam erkunden können. Vier Stunden nach meiner Ankunft in Quito ist er also um 23:30 Uhr am 13. Juli ebenfalls in der ecuadorianischen Hauptstadt gelandet, wir sind zu unserer Unterkunft gedüst und haben erstmal den gesamten Reisestress ordentlich ausgeschlafen.
Jedenfalls wäre es vermutlich so abgelaufen, wenn es da nicht ein kleines Problem gegeben hätte. Victor war nämlich vor seinem Flug nach Ecuador für zwei Wochen in Kolumbien, um dort Bekannte zu besuchen. Und wer nach Ecuador einreisen möchte, der braucht, wenn er zuvor in bspw. Kolumbien mehr als zehn Tage verbracht hat, eine Gelbfieberimpfung. Die hatte er aber nicht, hat er vergessen. Was natürlich eher so suboptimal ist, denn in diesem Fall muss die Impfung eben in Kolumbien erfolgen und der/die Geimpfte anschließend noch elf Tage dort bleiben, bevor er/sie schließlich nach Ecuador reisen darf.
In anderen Worten: keine Einreise für Victor, erst in zwei Wochen darf er zu mir nach Ecuador fliegen. Es galt also eine Lösung zu finden. Eigentlich war unser Plan nämlich, gemeinsam an die Pazifikküste zu reisen um mal ein wenig ecuadorianischen Strand kennenzulernen. Das Problem an der Sache ist aber, dass die Küste wegen des Drogenhandels die gefährlichste Region des Landes ist und ich vor dem Hintergrund unter keinen Umständen alleine dorthin reisen werde. Sonstige Pläne gibt es für die ersten zwei Wochen aber auch nicht und alleine nochmal durch Ecuador zu gurken, darauf habe ich auch eher weniger Lust.
Was bleibt also als Lösung? Ganz genau: ich besuche Victor in Kolumbien! Das Bussystem in den beiden Ländern ist ja mehr oder weniger gut ausgebaut, also kann ich problemlos von Quito aus über die Grenze düsen und mich anschließend auf den Weg nach Medellín machen. Wenn es nicht auch hier wieder ein kleines Problemchen gäbe. Die Grenzregion von Ecuador und Kolumbien ist, ähnlich wie die Küste, ziemlich gefährlich. Ebenfalls dem Drogenhandel geschuldet. Dort ist ziemlich viel Kriminalität unterwegs und wer mit dem Bus reisen möchte, der muss gut aufpassen bzw. sollte diese Pläne am besten gleich wieder verwerfen. Ansonsten kann durchaus passieren, was einem Mitfreiwilligen von mir widerfahren ist. Ich kenne ihn zwar nicht sonderlich gut und habe die Geschichte nur über Umwege erzählt bekommen, aber wirklich toll hört sich das trotzdem nicht an. Dieser Freiwillige hatte nämlich, so wie ich, vor, nach Kolumbien zu reisen. Und zwar im Bus. Es hat auch alles super geklappt und bereits die Grenze überquert hat sich ein netter Herr neben ihn gesetzt. Die beiden haben sich eine Zeit lang gut unterhalten, der Mann holt sich eine Flasche Saft raus und trinkt davon, bietet meinem Mitfreiwilligen dasselbe aus einer anderen, versiegelten Flasche an und zwölf Stunden später wacht der mit einem kompletten Filmriss im Krankenhaus wieder auf. Ohne Rucksack und Klamotten, ohne Geld, ohne Handy und ohne alles. Nur Reisepass, Impfpass und Kreditkarte hatte er noch bei sich ansonsten alles weg. Ihm ist immerhin körperlich nichts passiert und auch sonst ging es ihm relativ schnell wieder gut, aber naja, das ist schon nicht so toll.
Entsprechend wurde es uns allen deutschen Freiwilligen von meiner Chefin verboten, per Bus nach Kolumbien zu reisen so etwas soll sich nicht nochmal wiederholen. Und so habe ich mir dann ziemlich spontan einen Flug nach Medellín buchen müssen.
Am 14.07. kaufe ich mir also das Ticket und bereits einen Tag später, um 06:30 Uhr in der Früh hebt mein Flieger ab. Schon irgendwie ein bisschen blöd, dass die einem nicht bereits auf der Website der Airline sagen, dass man für die Einreise nach Kolumbien auch bereits ein Ticket für den Rückflug gekauft haben muss. Was ich nicht hatte. Und worauf mich dann die Dame bei der Gepäckabgabe hingewiesen hat. Also nochmal ein klein wenig Stress in der Angelegenheit, aber auch das lässt sich natürlich lösen und so sitze ich kurz darauf mit gebuchtem Rückflug aus Medellín im Flugzeug nach Guayaquil, wo ich einmal umzusteigen habe.
Und ich weiß wirklich nicht wieso, aber aus irgendeinem Grund wurde mir einer dieser Premium-Sitze zugeteilt. Ohne, dass ich dahingehend irgendwas ausgewählt geschweige denn bezahlt habe. Aber plötzlich sitze ich da mit der High Society Ecuadors vorne im Flieger, umgeben von Leuten in Hemd, Chinohose und Lederschuhen eine ganz neue Welt. Zugegebenermaßen hatte auch ich eine Weste und Chinohose an und darüber hinaus bin ich Gringo, aber so ganz passend habe ich mich dort nicht gefühlt. Aber beschweren will ich mich natürlich auch nicht ein kostenloses Sitzupgrade nehme ich sehr gerne hin.
Was mir jedenfalls aufgefallen ist während des Fluges bzw. auch der beiden Anschlussflüge: die Fluggäste, die hatten fast alle iPhones. Ich habe wirklich innerhalb des gesamten letzten Jahres noch nie so viele iPhones auf einem Haufen gesehen, das war echt krass! Diese Geräte sind in Südamerika einfach verhältnismäßig sehr viel teurer, deswegen ist es schon eine Ausnahme, westliche Markenprodukte hier zu entdecken.
Und was ich auch noch interessant fand: alle Flugzeuge, in denen ich auf der Reise nach Kolumbien gesessen bin, haben sich beim Start so unglaublich langsam angefühlt. Ich meine die sind zwar schon ziemlich schnell gefahren, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass deren Geschwindigkeit schon ausreichend sei, um damit auch abzuheben. Sehr skurril also.
Außerdem habe ich nun das erste Mal in meinem Leben Turbulenzen in der Luft erlebt! Ich habe wirklich darauf gehofft, diese Erfahrung mal machen zu können, weil es sich aus Berichten von Freunden und Bekannten immer so spektakulär angehört hat aber das war ja mal so überhaupt nicht der Fall. Also das Flugzeug hat schon ordentlich gewackelt und ist auch plötzlich in der Luft abgesackt, aber ich hatte es mir irgendwie spannender vorgestellt. Wie so eine kleine Achterbahnfahrt im Himmel. Aber so war es einfach nur langweilig und nervig
Dafür habe ich endlich mal ein paar Stempel in meinen Reisepass bekommen! Einen in Ecuador und einen in Kolumbien. Das ist schon ziemlich cool. Joa. Was nicht so cool war: ich musste für meinen Geschmack zu oft umsteigen. Einmal in Guayaquil und einmal in Bogotá. Das sind ungefähr zwei mal zu viel. Vor allem, weil der Umstieg in Bogotá mit noch etwas zusätzlichem Stress verbunden war: mein Anschlussflug ist nämlich ausgefallen. Und mir wurde eine Alternative zugeteilt. Die fünf Stunden später als geplant abheben sollte.
Fünf.
Stunden.
Später.
Fliegen ist doch echt einfach nur nervig Aber gut, so ist das nun mal. Entsprechend bin ich also nach ca. 12 Stunden Reise endlich in Medellín gelandet auf einer Strecke, die im Direktflug nur 1:40 Stunden dauert. Gute Quote also. Und ich muss sagen: es ist ein skurriles Gefühl, plötzlich in Kolumbien zu sein. Das habe ich erstens nicht geplant gehabt, noch habe ich beim Antritt meines Freiwilligendienstes in irgendeiner Weise damit gerechnet, irgendwohin außerhalb von Ecuador zu reisen. Und auch, wenn mir das viel zu viel Flugzeug in viel zu wenig Zeit war jetzt bin ich hier. Und es ist schon ganz nett.
"Ganz nett" ist evtl. sogar eine kleine Untertreibung. Das Ding ist nämlich: die Familie von Victor nimmt regelmäßig Gastschüler aus Kolumbien bei sich auf, genau genommen von der deutschen Schule in Medellín. Entsprechend hat Victor hier ein paar Bekannte und kann bei seiner Reise auch bei selbigen unterkommen. Und glücklicherweise gilt dasselbe auch für mich: dank der südamerikanischen Gastfreundschaft kann ich hier für zwei Wochen gratis bei der Familie von Victors zukünftigem Gastbruder wohnen. Naja und die sind eben ziemlich wohlhabend. Was auch kein Wunder ist, wenn man seine Kinder an eine deutsche Schule schicken und ihnen überdies noch ein Auslandsjahr finanzieren kann.
Jedenfalls: ich lebe hier zurzeit in ziemlich luxuriösen Verhältnissen. Medellín ist sowieso die Hauptstadt der reichsten Region Kolumbiens und hier lebt diese Familie in einer "guarded Community" (also einer Art eingezäunten und bewachten Nachbarschaft), ca. 20 Minuten außerhalb der Stadt mit vier Autos und ein paar Hausangestellten. Bei mir sieht es also aktuell so aus: wenn ich aufwache, dann mache ich mir nichts zum Frühstück, sondern ich sage der Haushälterin, was ich gerne hätte. Jeden Abend ist mein Bett gemacht, das Zimmer regelmäßig geputzt und meine Wäsche war nach dem Waschen noch nie so weich. Es ist wirklich eine komplett andere Lebensrealität als was ich oder mehr als 99% der restlichen kolumbianischen Bevölkerung so kennen. Das ist schon ziemlich krass. Aber natürlich auch enorm nett und gastfreundlich: immerhin kann ich bei einer Familie, die ich kaum kenne, für zwei Wochen komplett gratis leben und habe im Prinzip keine wirklichen Ausgaben abgesehen von irgendwelchen Ausflügen, die ich mit Victor so mache.
Wobei ich sagen muss, dass Kolumbien und vor allem Medellín auch sonst ziemlich wohlhabend ist, so im Vergleich zu Ecuador. Die Straßen sind gut und ich habe seit Deutschland nicht mehr so viele moderne Autos gleichzeitig gesehen: ein Mercedes kreuzt den nächsten, hier BMW und Audi, dort ein Volvo und selbst Porsche erblicke ich regelmäßig. Und auch alle anderen Autos sind eher neu und modern, kein Vergleich zu dem, was ich aus Ecuador so kenne. Damit beziehe ich mich übrigens nicht nur auf die reiche Gegend, in der ich hier gerade lebe das gilt auch deutlich darüber hinaus überall, wo ich bis jetzt in Kolumbien so gewesen bin.
Medellín an sich ist jedenfalls eine coole Stadt mit sehr schönem Stadtbild. Die großen, roten Häuser aus Ziegelsteinen werden von viel Grün durchstochen und weil die Stadt in einem Tal liegt, bietet sich regelmäßig ein wirklich toller Blick auf diese Szenerie. Es gibt viele Hochhäuser und was ich einmal ganz besonders hervorheben möchte: den öffentlichen Personennahverkehr in Form einer Metro! So etwas ist grundsätzlich schonmal recht außergewöhnlich in Südamerika aber das Metrosystem in Medellín besteht nicht nur aus einer Bahnlinie und gut is Nein! Die Stadt liegt wie gesagt in einem Tal und das Zentrum somit deutlich niedriger als der größte Teil der ganzen Barrios bzw. Stadtviertel hier. Um nach Hause zu gelangen haben die Medellíner also in aller Regel einen ordentlichen Aufstieg zu leisten. Gäbe es da nicht: das Metrocable! Von einigen Stationen der Metro gehen nämlich Seilbahnen ab die Teil des günstigen ÖPNV sind und somit einerseits den Bürgern den Heim-, Arbeits- oder sonstigen Weg erleichtern es bietet sich auch einfach eine fantastische Aussicht über die gesamte Stadt! Wirklich toll diese Metrocables.
Besonders beeindruckend ist die Tatsache, dass Medellín so wohlhabend ist und bspw. einen so gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr hat, vor allem vor dem Hintergrund der Geschichte der Stadt. Immerhin ist sie die Heimat von Pablo Escobar und mit all der Drogenkriminalität war Medellín ein ziemlich gefährlicher Ort. Allein im Zeitraum 1990 bis 1999 wurden hier 45.000 Menschen ermordet. Umso spannender also, dass Medellín heutzutage als sehr reich, modern und vor allem sicher gilt. Es herrscht zwar immer noch ziemlich viel Korruption, aber dafür braucht man keine Angst zu haben, wenn man durch die Stadt läuft.
Was allerdings dann doch nicht so toll ist: der Fluss, der die Stadt durchquert, ist ziemlich dreckig. Also wirklich ziemlich dreckig. So dreckig, dass sich bereits Müllinseln gebildet haben! Das ist nun echt kein schöner Anblick und natürlich auch für die Umwelt überhaupt nicht gut. Dafür ist der botanische Garten ganz nett, der relativ zentral in der Stadt liegt. Dort ist zwar viel los aber es gibt auch einiges zu sehen. Fleischfressende Pflanzen, ein hübscher See, jede Menge Blumen und mit ein bisschen Glück läuft einem sogar ein Leguan über den Weg. Vor allem von letzterem kann man in Deutschland echt nur träumen
Auch in der Altstadt von Medellín bin ich unterwegs gewesen. Allerdings nicht sonderlich lange es ist ziemlich voll und irgendwie war mein Erkundungsdrang dahingehend dann etwas gedämpft. Dafür bin ich mit Victor am nächsten Tag aber nach El Retiro gefahren. Das ist ein kleines örtchen in der Nähe von Medellín und so ein "typisches", kleines, kolumbianisches Dorf. Während der Fahrt dorthin hatten wir eine schöne Sicht auf die umliegenden Berge und auch El Retiro selbst war dann ganz nett. Es ist ein wenig touristisch und wirkt auch entsprechend wohlhabend, auf der anderen Seite gibt es auch viel klassisch kolumbianische Architektur zu sehen. Mehr als das, ein paar Cafés und Restaurants und dann noch ein Museum zur Geschichte des Ortes gibt es dann allerdings auch nicht.
Des Abends sind wir dann außerdem noch mit unserer "Gastfamilie" ins Kino gegangen. Die haben uns zu "F1" (bzw. "Formel 1") eingeladen und auch wenn ich mit Motorsport wirklich überhaupt nichts anfangen kann: dieser Film war schon ziemlich gut. Eine absolute Kinoerfahrung mit toller Geräuschkulisse, dazu noch ziemlich mitreißend und spannend. Und jetzt bin ich zwar nicht direkt zum Autorennsportfan mutiert, aber es hat trotzdem Spaß gemacht. Die anschließende Pizza zum Abendessen war außerdem die beste, die ich seit einem Jahr gegessen habe.
An einem der nächsten Tage ging es für uns dann auf eine Tour durch die Comuna 13. Das ist eines von den Vierteln hier in Medellín, die wohl den heftigsten Wandel durchgemacht haben. Einst ein Ort der Angst und der Kriminalität ist Comuna 13 heute ein absolutes Szeneviertel und ziemlich touristisch. Und weil wir uns in grenzenloser Dummheit dazu entschieden haben, unsere Führung an einem Sonntag und gleichzeitig noch dem Unabhängigkeitstag Kolumbiens zu machen, war es außerdem ganz schön voll und anstrengend.
Glücklicherweise hatten wir eine sehr gute Stadtführerin, die uns in aller Ausführlichkeit ihre eigene Geschichte sowie die der Comuna 13 erzählt hat. Wie bereits erwähnt war Medellín quasi die kolumbianische Hauptstadt der Drogenkriminalität und insbesondere in der Comuna 13 bekämpften sich Jahrelang Drogenbanden, linke Guerillas, rechte Paramilitärs und Sicherheitskräfte. Entsprechend war der Stadtteil der gefährlichste ganz Lateinamerikas mit gigantischen Mordraten und ziemlich schwierigen Lebensverhältnissen. Sogar Kinder wurden umgebracht oder haben selber mit Schusswaffen getötet immerhin gab es von Escobar eine Belohnung für jeden toten Polizisten.
Und auch, nachdem all das mehr oder weniger ein Ende gefunden hatte, war die Comuna 13 immer noch kein leichter Ort zum Leben. Zwar ist es seit einigen Jahren dort wieder sehr sicher, allerdings liegt dieses Viertel wie die allermeisten Teile Medellíns deutlich höher als das Zentrum und ist entsprechend nur zu Fuß erreichbar, das Metrocable fährt dort nicht. Im Falle von Krankheit war es also beispielsweise jedesmal ein riesiger Aufwand, ein Krankenhaus aufzusuchen, hat uns unsere Führerin erklärt, die selbst aus der Comuna 13 kommt. Aber: seit 2011 gibt es ein großes System aus Freiluftrolltreppen, mit denen es nun sehr viel einfacher ist, das gesamte Viertel zu durchqueren oder nur zu besuchen. Vor allem für die Bevölkerung ist diese Entwicklung natürlich fantastisch, immerhin wird dadurch zum Beispiel der Arbeitsweg massiv erleichtert.
Und auch für uns Touristen ist die Comuna 13 wirklich ein Erlebnis. Es gibt viele, spannende Graffiti zur Geschichte der Comuna, an vielen Ecken stehen Gruppen aus Straßentänzern und sorgen für Unterhaltung und nach dem anstrengend Aufstieg in die höher gelegenen Häuserreihen bietet sich eine tolle Aussicht über ganz Medellín! Wobei ich ja leider sagen muss, dass meine Aufmerksamkeit so ein bisschen von diesem ziemlich dicken, fünfjährigen Ami-Mädchen in Beschlag genommen wurde. Da wurde aber mal wirklich jedes Klischee erfüllt, so leid es mir tut: die ganze Zeit am Chips oder Süßigkeiten essen, hat rumgemeckert bei jedem Aufstieg und also die war halt einfach echt ein absoluter Straßenpanzer! Auf diese Weise habe ich mich leider Gottes regelmäßig ablenken lassen was allerdings mein Gesamterlebnis "Comuna 13" nicht beeinträchtigt hat.
Außerdem jetzt noch zwei kleine Erwähnungen: Kolumbien Fußball-Trikots sind ziemlich hässlich! Eigentlich wollte ich mir so ein Shirt als Andenken besorgen aber wow die Hauptvariante in gelb ist einfach echt nicht schön. Da muss ich wohl mal schauen, wie ich mit diesem Souvenir-Dilemma umgehe
Und: auf einem kleinen Spaziergang durch die Gegend hier rund um unsere Unterkunft sind mir ein paar ziemlich spannende Vögel begegnet. Und das meine ich nicht im übertragenden Sinne. Einer hatte so blau-metallisches Gefieder und sah irgendwie aus wie ein Pfau, nur in klein und ohne die großen Federn. Eher so groß wie ein Rabe, nur eben deutlich farbenfroher. Und der andere hat auf gewisse Weise einem Huhn geähnelt, nur doch ganz anders, ebenfalls etwas kleiner und naja, des Fliegens befähigt. Außerdem haben beide Vögel sehr schön und melodisch gesungen, wobei ich auch das weder zuordnen kann noch jemals schonmal gehört habe, soweit ich weiß.
Nach unserer Stadttour ging es dann jedenfalls zur "Piedra del Peñol" bzw. dem "Peñon de Guatapé". Bei dem Namen streiten sich die beiden benachbarten Gemeinden Peñol und Guatapé bis heute, aber worum es geht bleibt ja gleich: ein großer Stein. Ein ziemlich großer Stein sogar, eher ein Fels, vielleicht gar ein Berg. Dieses 2.135 Meter hohe kolumbianische Nationalmonument aus Granit befindet sich jedenfalls am Rande der Stauseen zwischen Peñol und Guatapé und ist eine absolute Touristenattraktion. Und das auch zurecht, wie ich finde.
Erstmal war unser Ausflug aber mit einer zweieinhalbstündigen Fahrt im Bus verbunden, der leider ziemlich eng war und viel zu wenig Beinfreiheit geboten hat. Aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Ende der 1960er Jahre hat die kolumbianische Regierung in der Gegend rund um Guatapé den "Bau" der Stauseen angeordnet was heute darin resultiert, dass man einen wirklich tollen Blick auf das Wasser und all die kleinen Siedlungen dort hat, wenn man bereit ist, die ca. 700 Stufen bis zur Spitze des Berges zu erklimmen. Das klappt natürlich nur, weil auch die Seen selbst bereit auf einer Höhe von ca. 1.800 Metern liegen ansonsten wäre das ein ziemlich sportlicher Aufstieg auf die Bergspitze mit 2.135 Höhenmetern. Nachdem wir dann beim Fußweg zum Eingang des Berges bereits die falsche Abzweigung genommen haben und einen Umweg von einer halben Stunde gelaufen sind (warum auch immer da nichts ausgeschildert war), haben wir uns dann an das Hauptziel unseres Ausflugs gemacht: der Aufstieg ist zwar nach wie vor anstrengend, aber lange nicht so krass, wie ich gedacht und befürchtet hatte. Bereits nach ca. 10 Minuten waren Victor und ich ganz oben und konnten den fantastischen Blick über die hübsche Seenlandschaft genießen. Bei guten Wetterbedingungen kann man von dort aus sogar bis zu 300 Kilometer weit schauen, wie es scheint. Das ging bei unserem Besuch zwar nicht aber es war trotzdem toll. Übrigens: auch die wichtigste Finca von Pablo Escobar befindet bzw. befand sich auf einer der Inseln zwischen den Stauseen.
Was jedenfalls genervt hat, waren die ganzen Hubschrauber, die um den Berg rumgeflogen sind und für ordentlich Lärm gesorgt haben. Ich meine, ich kann ja verstehen, dass man solche Attraktionen touristisch ausschlachten möchte aber irgendwann ist auch mal gut. Seit ca. 3 Jahre werden offenbar diese Rundflüge im Helikopter angeboten und auch, wenn sich dabei sicherlich ein toller Blick bietet, ist das ja für alle Anwohner einfach brutal nervig und außerdem ziemlich beschissen für das Klima. Schon irgendwo schade, dass es so etwas gibt Insgesamt ist die Piedra del Peñol ziemlich touristisch. Das ist zwar einerseits sehr nachvollziehbar andererseits aber auch echt nervig. Vor allem, weil ein großer Teil der Besucher erstens offenbar absolut unsportlich und zweitens irgendwie auch ganz schön dumm oder ignorant ist: der Aufstieg mit den Treppen war an sich wirklich nicht schwierig, aber dass sich überall irgendwelche Deppen (und in diesem Fall vor allem DeppINNEN) mitten auf dem Weg zur Pause breit gemacht haben, ist schon echt anstrengend gewesen.
Übrigens: wenn ich das richtig verstanden habe, befindet sich der Fels in Privatbesitz irgendeiner reichen Familie oder so. Und unabhängig davon ob das stimmt oder nicht, sind die Einlasstickets mit ca. 7,5€ für kolumbianische Verhältnisse ziemlich teuer. Also egal, wer dafür verantwortlich ist: er oder sie ist mit größter Wahrscheinlichkeit schon lange steinreich! (Höhö)
Anschließend ging es dann noch in einem kleinen TukTuk in den Ort Guatapé selbst. Und auch, wenn unser Fahrer sehr gut war ein bisschen suspekt sind mir diese Gefährte ja trotzdem. Die wirken irgendwie nicht so ganz vertrauenswürdig, finde ich. Aber auch diese Fahrt hat sich gelohnt: Guatapé ist nämlich eine kleine, hübsche und vor allem sehr bunte Stadt. Sie liegt direkt an den erwähnten Stauseen und ist mit Häusern in den knalligsten Farben geschmückt, das war schon ganz lustig. Allerdings haben wir dort nicht viel Zeit verbracht, weil wir natürlich auch noch den langen Rückweg nach Medellín vor uns hatten. Der leider dadurch noch deutlich anstrengender wurde, dass wir einerseits in diesem Bus NOCH weniger Beinfreiheit hatten als auf der Hinfahrt und es überdies ziemlich viel Stau gab auf den Straßen. Zwischenzeitlich hat sich das dann zwar wieder gelegt und wir sind zügig vorangekommen bis dann auf einmal ein Unfall aus LKW und Auto die Kreuzung und somit auch unseren Bus blockiert hat. Und ich kann versichern: diese Art Unfall wird es in Deutschland NIE geben. Hier in Südamerika ist es fast schon die Regel, sich sein Auto mit schwarzen Scheiben (nicht getönte Scheiben, die sind wirklich im Prinzip schwarz), einem riesigen Stoßdämpfer oder sonstigem Zubehör aufzumotzen. Und LKWs und Busse, die haben gerne mal an ihren Felgen so Nägel montiert, die ca. 15 Zentimeter zur Seite rausragen. Wie bei diesen Gladiatoren-Pferdewägen, die Messerklingen an den Rädern hatten, um die Beine der Gegner wegzuschnetzeln. Ich weiß wirklich nicht, warum zur Hölle das hier so ein Ding ist aber natürlich hing dieses Auto voll in diesen Bolzen drin und hat so die gesamte Kreuzung blockiert. Wirklich toll. Ich vermisse den deutschen TüV.
Nach unserem Ausflug nach Guatapé haben wir dann im Prinzip direkt noch einen Trip in die Natur unternommen: zum Parque Arví. Das ist ein riesiges Areal aus Wald und Wiese am Rande von Medellín, fast schon ein kleiner Nationalpark. Die Busfahrt dahin war auch mal wieder sehr schön, ich kann mich dahingehend nur wiederholen. Leider wurde unsere Motivation am Parkeingang direkt wieder gedämpft, denn um den drei Kilometer langen Rundweg durch den Wald betreten zu dürfen, mussten wir knapp 8€ zahlen. Und auch wenn der Spaziergang dann an sich ganz nett war (mit tollem Waldboden aus weichen Tannennadeln) die Strecke lag einfach noch viel zu nah am Eingang selbst, bei dem auch einige Imbisse und entsprechend viele Leute sind. Was leider für einen nicht unerheblichen Lärmpegel gesorgt hat, der vor allem zu Anfang bestand und uns ziemlich auf die Nerven gegangen ist. Und auch abgesehen davon war dieser Ausflug zwar insgesamt ganz nett, aber nicht wirklich spektakulär.
Was mich außerdem gestört hat: die Frau am Imbiss, bei dem wir uns anschließend etwas zu Essen besorgt haben, hat mich konsequent auf Englisch zugelabert, obwohl ich sowohl mit ihr als auch mit allen anderen Personen dort in allerschönstem Spanisch gesprochen habe. Manche Leute sind einfach echt ein bisschen nervig und ignorant.
Naja ein schöner Abschluss vom Parque Arví war dann allerdings noch die Fahrt mit dem Metrocable zurück nach Medellín. Man kann nämlich einmal mit Bus oder Auto anreisen, aber es ist auch möglich, diesen Weg mit der Seilbahn zu bewältigen. Das ist dann zwar nicht mehr Teil des ÖPNV und kostet etwas mehr als ein normales Ticket für die Metro, dafür dauert die Fahrt auch zwanzig Minuten und bietet eine wirklich schöne Sicht über die Wälder des Parks und anschließend noch über Medellín selbst.
Und apropos Medellín: nach ca. eineinhalb Wochen dort konnte ich nun das erste mal Regen erleben! Und zwar ziemlich ordentlich. Die Straßen haben sich in Flüsse verwandelt das war echt krass. Das war dann schon ein etwas spezielles Gefühl, im Auto durch diese Wasserfälle und Riesenpfützen auf der Straße zu fahren. Aber wir hatten ja auch ein wichtiges Ziel: die Casa de la Memoria. Dieses "Haus der Erinnerungen" behandelt einmal mehr das Thema Drogenkriminalität rund um Pablo Escobar nur stehen dieses Mal die Opfer der ganzen Gewalt im Vordergrund. Tatsächlich wird in diesem Museum Escobar selbst kaum behandelt, vielmehr gibt es viele Geschichten von und über diejenigen, die in dieser Zeit gelitten haben oder gestorben sind. Es gibt Grafiken zur Anzahl der Attentate, Morde oder sonstiger Gewalttaten pro Jahr (ca. 550 Massaker im Jahr 1992 z.B., wenn ich mich recht erinnere) und große Bildschirme, auf denen Familien der Opfer oder überlebende selbst von der Zeit berichten. Ein nettes und spannendes Museum mit sehr interessanten Geschichten, das vor allem nicht wirklich touristisch ist und dadurch sehr angenehm zu erkunden. Außerdem wird Pablo Escobar in Teilen Medellíns nach wie vor als Retter und Befreier verehrt, quasi als eine Art Robin Hood. Aber in diesem Museum wird eben gezeigt, wie viele Menschen unter seinem Einfluss gelitten haben.
Und damit war's das dann auch schon mit meinem spontanen Urlaub in Medellín. Ich habe wirklich nicht damit gerechnet, dass ich innerhalb dieses Jahres noch nach Kolumbien reisen werde aber so ist das wohl manchmal.
Aber mal von vorne: nachdem meine Reise auf die Galapagosinseln vorbei ist, wollte mich mein bester Freund Victor in Ecuador besuchen, damit wir in meinem Urlaub das Land gemeinsam erkunden können. Vier Stunden nach meiner Ankunft in Quito ist er also um 23:30 Uhr am 13. Juli ebenfalls in der ecuadorianischen Hauptstadt gelandet, wir sind zu unserer Unterkunft gedüst und haben erstmal den gesamten Reisestress ordentlich ausgeschlafen.
Jedenfalls wäre es vermutlich so abgelaufen, wenn es da nicht ein kleines Problem gegeben hätte. Victor war nämlich vor seinem Flug nach Ecuador für zwei Wochen in Kolumbien, um dort Bekannte zu besuchen. Und wer nach Ecuador einreisen möchte, der braucht, wenn er zuvor in bspw. Kolumbien mehr als zehn Tage verbracht hat, eine Gelbfieberimpfung. Die hatte er aber nicht, hat er vergessen. Was natürlich eher so suboptimal ist, denn in diesem Fall muss die Impfung eben in Kolumbien erfolgen und der/die Geimpfte anschließend noch elf Tage dort bleiben, bevor er/sie schließlich nach Ecuador reisen darf.
In anderen Worten: keine Einreise für Victor, erst in zwei Wochen darf er zu mir nach Ecuador fliegen. Es galt also eine Lösung zu finden. Eigentlich war unser Plan nämlich, gemeinsam an die Pazifikküste zu reisen um mal ein wenig ecuadorianischen Strand kennenzulernen. Das Problem an der Sache ist aber, dass die Küste wegen des Drogenhandels die gefährlichste Region des Landes ist und ich vor dem Hintergrund unter keinen Umständen alleine dorthin reisen werde. Sonstige Pläne gibt es für die ersten zwei Wochen aber auch nicht und alleine nochmal durch Ecuador zu gurken, darauf habe ich auch eher weniger Lust.
Was bleibt also als Lösung? Ganz genau: ich besuche Victor in Kolumbien! Das Bussystem in den beiden Ländern ist ja mehr oder weniger gut ausgebaut, also kann ich problemlos von Quito aus über die Grenze düsen und mich anschließend auf den Weg nach Medellín machen. Wenn es nicht auch hier wieder ein kleines Problemchen gäbe. Die Grenzregion von Ecuador und Kolumbien ist, ähnlich wie die Küste, ziemlich gefährlich. Ebenfalls dem Drogenhandel geschuldet. Dort ist ziemlich viel Kriminalität unterwegs und wer mit dem Bus reisen möchte, der muss gut aufpassen bzw. sollte diese Pläne am besten gleich wieder verwerfen. Ansonsten kann durchaus passieren, was einem Mitfreiwilligen von mir widerfahren ist. Ich kenne ihn zwar nicht sonderlich gut und habe die Geschichte nur über Umwege erzählt bekommen, aber wirklich toll hört sich das trotzdem nicht an. Dieser Freiwillige hatte nämlich, so wie ich, vor, nach Kolumbien zu reisen. Und zwar im Bus. Es hat auch alles super geklappt und bereits die Grenze überquert hat sich ein netter Herr neben ihn gesetzt. Die beiden haben sich eine Zeit lang gut unterhalten, der Mann holt sich eine Flasche Saft raus und trinkt davon, bietet meinem Mitfreiwilligen dasselbe aus einer anderen, versiegelten Flasche an und zwölf Stunden später wacht der mit einem kompletten Filmriss im Krankenhaus wieder auf. Ohne Rucksack und Klamotten, ohne Geld, ohne Handy und ohne alles. Nur Reisepass, Impfpass und Kreditkarte hatte er noch bei sich ansonsten alles weg. Ihm ist immerhin körperlich nichts passiert und auch sonst ging es ihm relativ schnell wieder gut, aber naja, das ist schon nicht so toll.
Entsprechend wurde es uns allen deutschen Freiwilligen von meiner Chefin verboten, per Bus nach Kolumbien zu reisen so etwas soll sich nicht nochmal wiederholen. Und so habe ich mir dann ziemlich spontan einen Flug nach Medellín buchen müssen.
Am 14.07. kaufe ich mir also das Ticket und bereits einen Tag später, um 06:30 Uhr in der Früh hebt mein Flieger ab. Schon irgendwie ein bisschen blöd, dass die einem nicht bereits auf der Website der Airline sagen, dass man für die Einreise nach Kolumbien auch bereits ein Ticket für den Rückflug gekauft haben muss. Was ich nicht hatte. Und worauf mich dann die Dame bei der Gepäckabgabe hingewiesen hat. Also nochmal ein klein wenig Stress in der Angelegenheit, aber auch das lässt sich natürlich lösen und so sitze ich kurz darauf mit gebuchtem Rückflug aus Medellín im Flugzeug nach Guayaquil, wo ich einmal umzusteigen habe.
Und ich weiß wirklich nicht wieso, aber aus irgendeinem Grund wurde mir einer dieser Premium-Sitze zugeteilt. Ohne, dass ich dahingehend irgendwas ausgewählt geschweige denn bezahlt habe. Aber plötzlich sitze ich da mit der High Society Ecuadors vorne im Flieger, umgeben von Leuten in Hemd, Chinohose und Lederschuhen eine ganz neue Welt. Zugegebenermaßen hatte auch ich eine Weste und Chinohose an und darüber hinaus bin ich Gringo, aber so ganz passend habe ich mich dort nicht gefühlt. Aber beschweren will ich mich natürlich auch nicht ein kostenloses Sitzupgrade nehme ich sehr gerne hin.
Was mir jedenfalls aufgefallen ist während des Fluges bzw. auch der beiden Anschlussflüge: die Fluggäste, die hatten fast alle iPhones. Ich habe wirklich innerhalb des gesamten letzten Jahres noch nie so viele iPhones auf einem Haufen gesehen, das war echt krass! Diese Geräte sind in Südamerika einfach verhältnismäßig sehr viel teurer, deswegen ist es schon eine Ausnahme, westliche Markenprodukte hier zu entdecken.
Und was ich auch noch interessant fand: alle Flugzeuge, in denen ich auf der Reise nach Kolumbien gesessen bin, haben sich beim Start so unglaublich langsam angefühlt. Ich meine die sind zwar schon ziemlich schnell gefahren, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass deren Geschwindigkeit schon ausreichend sei, um damit auch abzuheben. Sehr skurril also.
Außerdem habe ich nun das erste Mal in meinem Leben Turbulenzen in der Luft erlebt! Ich habe wirklich darauf gehofft, diese Erfahrung mal machen zu können, weil es sich aus Berichten von Freunden und Bekannten immer so spektakulär angehört hat aber das war ja mal so überhaupt nicht der Fall. Also das Flugzeug hat schon ordentlich gewackelt und ist auch plötzlich in der Luft abgesackt, aber ich hatte es mir irgendwie spannender vorgestellt. Wie so eine kleine Achterbahnfahrt im Himmel. Aber so war es einfach nur langweilig und nervig
Dafür habe ich endlich mal ein paar Stempel in meinen Reisepass bekommen! Einen in Ecuador und einen in Kolumbien. Das ist schon ziemlich cool. Joa. Was nicht so cool war: ich musste für meinen Geschmack zu oft umsteigen. Einmal in Guayaquil und einmal in Bogotá. Das sind ungefähr zwei mal zu viel. Vor allem, weil der Umstieg in Bogotá mit noch etwas zusätzlichem Stress verbunden war: mein Anschlussflug ist nämlich ausgefallen. Und mir wurde eine Alternative zugeteilt. Die fünf Stunden später als geplant abheben sollte.
Fünf.
Stunden.
Später.
Fliegen ist doch echt einfach nur nervig Aber gut, so ist das nun mal. Entsprechend bin ich also nach ca. 12 Stunden Reise endlich in Medellín gelandet auf einer Strecke, die im Direktflug nur 1:40 Stunden dauert. Gute Quote also. Und ich muss sagen: es ist ein skurriles Gefühl, plötzlich in Kolumbien zu sein. Das habe ich erstens nicht geplant gehabt, noch habe ich beim Antritt meines Freiwilligendienstes in irgendeiner Weise damit gerechnet, irgendwohin außerhalb von Ecuador zu reisen. Und auch, wenn mir das viel zu viel Flugzeug in viel zu wenig Zeit war jetzt bin ich hier. Und es ist schon ganz nett.
"Ganz nett" ist evtl. sogar eine kleine Untertreibung. Das Ding ist nämlich: die Familie von Victor nimmt regelmäßig Gastschüler aus Kolumbien bei sich auf, genau genommen von der deutschen Schule in Medellín. Entsprechend hat Victor hier ein paar Bekannte und kann bei seiner Reise auch bei selbigen unterkommen. Und glücklicherweise gilt dasselbe auch für mich: dank der südamerikanischen Gastfreundschaft kann ich hier für zwei Wochen gratis bei der Familie von Victors zukünftigem Gastbruder wohnen. Naja und die sind eben ziemlich wohlhabend. Was auch kein Wunder ist, wenn man seine Kinder an eine deutsche Schule schicken und ihnen überdies noch ein Auslandsjahr finanzieren kann.
Jedenfalls: ich lebe hier zurzeit in ziemlich luxuriösen Verhältnissen. Medellín ist sowieso die Hauptstadt der reichsten Region Kolumbiens und hier lebt diese Familie in einer "guarded Community" (also einer Art eingezäunten und bewachten Nachbarschaft), ca. 20 Minuten außerhalb der Stadt mit vier Autos und ein paar Hausangestellten. Bei mir sieht es also aktuell so aus: wenn ich aufwache, dann mache ich mir nichts zum Frühstück, sondern ich sage der Haushälterin, was ich gerne hätte. Jeden Abend ist mein Bett gemacht, das Zimmer regelmäßig geputzt und meine Wäsche war nach dem Waschen noch nie so weich. Es ist wirklich eine komplett andere Lebensrealität als was ich oder mehr als 99% der restlichen kolumbianischen Bevölkerung so kennen. Das ist schon ziemlich krass. Aber natürlich auch enorm nett und gastfreundlich: immerhin kann ich bei einer Familie, die ich kaum kenne, für zwei Wochen komplett gratis leben und habe im Prinzip keine wirklichen Ausgaben abgesehen von irgendwelchen Ausflügen, die ich mit Victor so mache.
Wobei ich sagen muss, dass Kolumbien und vor allem Medellín auch sonst ziemlich wohlhabend ist, so im Vergleich zu Ecuador. Die Straßen sind gut und ich habe seit Deutschland nicht mehr so viele moderne Autos gleichzeitig gesehen: ein Mercedes kreuzt den nächsten, hier BMW und Audi, dort ein Volvo und selbst Porsche erblicke ich regelmäßig. Und auch alle anderen Autos sind eher neu und modern, kein Vergleich zu dem, was ich aus Ecuador so kenne. Damit beziehe ich mich übrigens nicht nur auf die reiche Gegend, in der ich hier gerade lebe das gilt auch deutlich darüber hinaus überall, wo ich bis jetzt in Kolumbien so gewesen bin.
Medellín an sich ist jedenfalls eine coole Stadt mit sehr schönem Stadtbild. Die großen, roten Häuser aus Ziegelsteinen werden von viel Grün durchstochen und weil die Stadt in einem Tal liegt, bietet sich regelmäßig ein wirklich toller Blick auf diese Szenerie. Es gibt viele Hochhäuser und was ich einmal ganz besonders hervorheben möchte: den öffentlichen Personennahverkehr in Form einer Metro! So etwas ist grundsätzlich schonmal recht außergewöhnlich in Südamerika aber das Metrosystem in Medellín besteht nicht nur aus einer Bahnlinie und gut is Nein! Die Stadt liegt wie gesagt in einem Tal und das Zentrum somit deutlich niedriger als der größte Teil der ganzen Barrios bzw. Stadtviertel hier. Um nach Hause zu gelangen haben die Medellíner also in aller Regel einen ordentlichen Aufstieg zu leisten. Gäbe es da nicht: das Metrocable! Von einigen Stationen der Metro gehen nämlich Seilbahnen ab die Teil des günstigen ÖPNV sind und somit einerseits den Bürgern den Heim-, Arbeits- oder sonstigen Weg erleichtern es bietet sich auch einfach eine fantastische Aussicht über die gesamte Stadt! Wirklich toll diese Metrocables.
Besonders beeindruckend ist die Tatsache, dass Medellín so wohlhabend ist und bspw. einen so gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr hat, vor allem vor dem Hintergrund der Geschichte der Stadt. Immerhin ist sie die Heimat von Pablo Escobar und mit all der Drogenkriminalität war Medellín ein ziemlich gefährlicher Ort. Allein im Zeitraum 1990 bis 1999 wurden hier 45.000 Menschen ermordet. Umso spannender also, dass Medellín heutzutage als sehr reich, modern und vor allem sicher gilt. Es herrscht zwar immer noch ziemlich viel Korruption, aber dafür braucht man keine Angst zu haben, wenn man durch die Stadt läuft.
Was allerdings dann doch nicht so toll ist: der Fluss, der die Stadt durchquert, ist ziemlich dreckig. Also wirklich ziemlich dreckig. So dreckig, dass sich bereits Müllinseln gebildet haben! Das ist nun echt kein schöner Anblick und natürlich auch für die Umwelt überhaupt nicht gut. Dafür ist der botanische Garten ganz nett, der relativ zentral in der Stadt liegt. Dort ist zwar viel los aber es gibt auch einiges zu sehen. Fleischfressende Pflanzen, ein hübscher See, jede Menge Blumen und mit ein bisschen Glück läuft einem sogar ein Leguan über den Weg. Vor allem von letzterem kann man in Deutschland echt nur träumen
Auch in der Altstadt von Medellín bin ich unterwegs gewesen. Allerdings nicht sonderlich lange es ist ziemlich voll und irgendwie war mein Erkundungsdrang dahingehend dann etwas gedämpft. Dafür bin ich mit Victor am nächsten Tag aber nach El Retiro gefahren. Das ist ein kleines örtchen in der Nähe von Medellín und so ein "typisches", kleines, kolumbianisches Dorf. Während der Fahrt dorthin hatten wir eine schöne Sicht auf die umliegenden Berge und auch El Retiro selbst war dann ganz nett. Es ist ein wenig touristisch und wirkt auch entsprechend wohlhabend, auf der anderen Seite gibt es auch viel klassisch kolumbianische Architektur zu sehen. Mehr als das, ein paar Cafés und Restaurants und dann noch ein Museum zur Geschichte des Ortes gibt es dann allerdings auch nicht.
Des Abends sind wir dann außerdem noch mit unserer "Gastfamilie" ins Kino gegangen. Die haben uns zu "F1" (bzw. "Formel 1") eingeladen und auch wenn ich mit Motorsport wirklich überhaupt nichts anfangen kann: dieser Film war schon ziemlich gut. Eine absolute Kinoerfahrung mit toller Geräuschkulisse, dazu noch ziemlich mitreißend und spannend. Und jetzt bin ich zwar nicht direkt zum Autorennsportfan mutiert, aber es hat trotzdem Spaß gemacht. Die anschließende Pizza zum Abendessen war außerdem die beste, die ich seit einem Jahr gegessen habe.
An einem der nächsten Tage ging es für uns dann auf eine Tour durch die Comuna 13. Das ist eines von den Vierteln hier in Medellín, die wohl den heftigsten Wandel durchgemacht haben. Einst ein Ort der Angst und der Kriminalität ist Comuna 13 heute ein absolutes Szeneviertel und ziemlich touristisch. Und weil wir uns in grenzenloser Dummheit dazu entschieden haben, unsere Führung an einem Sonntag und gleichzeitig noch dem Unabhängigkeitstag Kolumbiens zu machen, war es außerdem ganz schön voll und anstrengend.
Glücklicherweise hatten wir eine sehr gute Stadtführerin, die uns in aller Ausführlichkeit ihre eigene Geschichte sowie die der Comuna 13 erzählt hat. Wie bereits erwähnt war Medellín quasi die kolumbianische Hauptstadt der Drogenkriminalität und insbesondere in der Comuna 13 bekämpften sich Jahrelang Drogenbanden, linke Guerillas, rechte Paramilitärs und Sicherheitskräfte. Entsprechend war der Stadtteil der gefährlichste ganz Lateinamerikas mit gigantischen Mordraten und ziemlich schwierigen Lebensverhältnissen. Sogar Kinder wurden umgebracht oder haben selber mit Schusswaffen getötet immerhin gab es von Escobar eine Belohnung für jeden toten Polizisten.
Und auch, nachdem all das mehr oder weniger ein Ende gefunden hatte, war die Comuna 13 immer noch kein leichter Ort zum Leben. Zwar ist es seit einigen Jahren dort wieder sehr sicher, allerdings liegt dieses Viertel wie die allermeisten Teile Medellíns deutlich höher als das Zentrum und ist entsprechend nur zu Fuß erreichbar, das Metrocable fährt dort nicht. Im Falle von Krankheit war es also beispielsweise jedesmal ein riesiger Aufwand, ein Krankenhaus aufzusuchen, hat uns unsere Führerin erklärt, die selbst aus der Comuna 13 kommt. Aber: seit 2011 gibt es ein großes System aus Freiluftrolltreppen, mit denen es nun sehr viel einfacher ist, das gesamte Viertel zu durchqueren oder nur zu besuchen. Vor allem für die Bevölkerung ist diese Entwicklung natürlich fantastisch, immerhin wird dadurch zum Beispiel der Arbeitsweg massiv erleichtert.
Und auch für uns Touristen ist die Comuna 13 wirklich ein Erlebnis. Es gibt viele, spannende Graffiti zur Geschichte der Comuna, an vielen Ecken stehen Gruppen aus Straßentänzern und sorgen für Unterhaltung und nach dem anstrengend Aufstieg in die höher gelegenen Häuserreihen bietet sich eine tolle Aussicht über ganz Medellín! Wobei ich ja leider sagen muss, dass meine Aufmerksamkeit so ein bisschen von diesem ziemlich dicken, fünfjährigen Ami-Mädchen in Beschlag genommen wurde. Da wurde aber mal wirklich jedes Klischee erfüllt, so leid es mir tut: die ganze Zeit am Chips oder Süßigkeiten essen, hat rumgemeckert bei jedem Aufstieg und also die war halt einfach echt ein absoluter Straßenpanzer! Auf diese Weise habe ich mich leider Gottes regelmäßig ablenken lassen was allerdings mein Gesamterlebnis "Comuna 13" nicht beeinträchtigt hat.
Außerdem jetzt noch zwei kleine Erwähnungen: Kolumbien Fußball-Trikots sind ziemlich hässlich! Eigentlich wollte ich mir so ein Shirt als Andenken besorgen aber wow die Hauptvariante in gelb ist einfach echt nicht schön. Da muss ich wohl mal schauen, wie ich mit diesem Souvenir-Dilemma umgehe
Und: auf einem kleinen Spaziergang durch die Gegend hier rund um unsere Unterkunft sind mir ein paar ziemlich spannende Vögel begegnet. Und das meine ich nicht im übertragenden Sinne. Einer hatte so blau-metallisches Gefieder und sah irgendwie aus wie ein Pfau, nur in klein und ohne die großen Federn. Eher so groß wie ein Rabe, nur eben deutlich farbenfroher. Und der andere hat auf gewisse Weise einem Huhn geähnelt, nur doch ganz anders, ebenfalls etwas kleiner und naja, des Fliegens befähigt. Außerdem haben beide Vögel sehr schön und melodisch gesungen, wobei ich auch das weder zuordnen kann noch jemals schonmal gehört habe, soweit ich weiß.
Nach unserer Stadttour ging es dann jedenfalls zur "Piedra del Peñol" bzw. dem "Peñon de Guatapé". Bei dem Namen streiten sich die beiden benachbarten Gemeinden Peñol und Guatapé bis heute, aber worum es geht bleibt ja gleich: ein großer Stein. Ein ziemlich großer Stein sogar, eher ein Fels, vielleicht gar ein Berg. Dieses 2.135 Meter hohe kolumbianische Nationalmonument aus Granit befindet sich jedenfalls am Rande der Stauseen zwischen Peñol und Guatapé und ist eine absolute Touristenattraktion. Und das auch zurecht, wie ich finde.
Erstmal war unser Ausflug aber mit einer zweieinhalbstündigen Fahrt im Bus verbunden, der leider ziemlich eng war und viel zu wenig Beinfreiheit geboten hat. Aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Ende der 1960er Jahre hat die kolumbianische Regierung in der Gegend rund um Guatapé den "Bau" der Stauseen angeordnet was heute darin resultiert, dass man einen wirklich tollen Blick auf das Wasser und all die kleinen Siedlungen dort hat, wenn man bereit ist, die ca. 700 Stufen bis zur Spitze des Berges zu erklimmen. Das klappt natürlich nur, weil auch die Seen selbst bereit auf einer Höhe von ca. 1.800 Metern liegen ansonsten wäre das ein ziemlich sportlicher Aufstieg auf die Bergspitze mit 2.135 Höhenmetern. Nachdem wir dann beim Fußweg zum Eingang des Berges bereits die falsche Abzweigung genommen haben und einen Umweg von einer halben Stunde gelaufen sind (warum auch immer da nichts ausgeschildert war), haben wir uns dann an das Hauptziel unseres Ausflugs gemacht: der Aufstieg ist zwar nach wie vor anstrengend, aber lange nicht so krass, wie ich gedacht und befürchtet hatte. Bereits nach ca. 10 Minuten waren Victor und ich ganz oben und konnten den fantastischen Blick über die hübsche Seenlandschaft genießen. Bei guten Wetterbedingungen kann man von dort aus sogar bis zu 300 Kilometer weit schauen, wie es scheint. Das ging bei unserem Besuch zwar nicht aber es war trotzdem toll. Übrigens: auch die wichtigste Finca von Pablo Escobar befindet bzw. befand sich auf einer der Inseln zwischen den Stauseen.
Was jedenfalls genervt hat, waren die ganzen Hubschrauber, die um den Berg rumgeflogen sind und für ordentlich Lärm gesorgt haben. Ich meine, ich kann ja verstehen, dass man solche Attraktionen touristisch ausschlachten möchte aber irgendwann ist auch mal gut. Seit ca. 3 Jahre werden offenbar diese Rundflüge im Helikopter angeboten und auch, wenn sich dabei sicherlich ein toller Blick bietet, ist das ja für alle Anwohner einfach brutal nervig und außerdem ziemlich beschissen für das Klima. Schon irgendwo schade, dass es so etwas gibt Insgesamt ist die Piedra del Peñol ziemlich touristisch. Das ist zwar einerseits sehr nachvollziehbar andererseits aber auch echt nervig. Vor allem, weil ein großer Teil der Besucher erstens offenbar absolut unsportlich und zweitens irgendwie auch ganz schön dumm oder ignorant ist: der Aufstieg mit den Treppen war an sich wirklich nicht schwierig, aber dass sich überall irgendwelche Deppen (und in diesem Fall vor allem DeppINNEN) mitten auf dem Weg zur Pause breit gemacht haben, ist schon echt anstrengend gewesen.
Übrigens: wenn ich das richtig verstanden habe, befindet sich der Fels in Privatbesitz irgendeiner reichen Familie oder so. Und unabhängig davon ob das stimmt oder nicht, sind die Einlasstickets mit ca. 7,5€ für kolumbianische Verhältnisse ziemlich teuer. Also egal, wer dafür verantwortlich ist: er oder sie ist mit größter Wahrscheinlichkeit schon lange steinreich! (Höhö)
Anschließend ging es dann noch in einem kleinen TukTuk in den Ort Guatapé selbst. Und auch, wenn unser Fahrer sehr gut war ein bisschen suspekt sind mir diese Gefährte ja trotzdem. Die wirken irgendwie nicht so ganz vertrauenswürdig, finde ich. Aber auch diese Fahrt hat sich gelohnt: Guatapé ist nämlich eine kleine, hübsche und vor allem sehr bunte Stadt. Sie liegt direkt an den erwähnten Stauseen und ist mit Häusern in den knalligsten Farben geschmückt, das war schon ganz lustig. Allerdings haben wir dort nicht viel Zeit verbracht, weil wir natürlich auch noch den langen Rückweg nach Medellín vor uns hatten. Der leider dadurch noch deutlich anstrengender wurde, dass wir einerseits in diesem Bus NOCH weniger Beinfreiheit hatten als auf der Hinfahrt und es überdies ziemlich viel Stau gab auf den Straßen. Zwischenzeitlich hat sich das dann zwar wieder gelegt und wir sind zügig vorangekommen bis dann auf einmal ein Unfall aus LKW und Auto die Kreuzung und somit auch unseren Bus blockiert hat. Und ich kann versichern: diese Art Unfall wird es in Deutschland NIE geben. Hier in Südamerika ist es fast schon die Regel, sich sein Auto mit schwarzen Scheiben (nicht getönte Scheiben, die sind wirklich im Prinzip schwarz), einem riesigen Stoßdämpfer oder sonstigem Zubehör aufzumotzen. Und LKWs und Busse, die haben gerne mal an ihren Felgen so Nägel montiert, die ca. 15 Zentimeter zur Seite rausragen. Wie bei diesen Gladiatoren-Pferdewägen, die Messerklingen an den Rädern hatten, um die Beine der Gegner wegzuschnetzeln. Ich weiß wirklich nicht, warum zur Hölle das hier so ein Ding ist aber natürlich hing dieses Auto voll in diesen Bolzen drin und hat so die gesamte Kreuzung blockiert. Wirklich toll. Ich vermisse den deutschen TüV.
Nach unserem Ausflug nach Guatapé haben wir dann im Prinzip direkt noch einen Trip in die Natur unternommen: zum Parque Arví. Das ist ein riesiges Areal aus Wald und Wiese am Rande von Medellín, fast schon ein kleiner Nationalpark. Die Busfahrt dahin war auch mal wieder sehr schön, ich kann mich dahingehend nur wiederholen. Leider wurde unsere Motivation am Parkeingang direkt wieder gedämpft, denn um den drei Kilometer langen Rundweg durch den Wald betreten zu dürfen, mussten wir knapp 8€ zahlen. Und auch wenn der Spaziergang dann an sich ganz nett war (mit tollem Waldboden aus weichen Tannennadeln) die Strecke lag einfach noch viel zu nah am Eingang selbst, bei dem auch einige Imbisse und entsprechend viele Leute sind. Was leider für einen nicht unerheblichen Lärmpegel gesorgt hat, der vor allem zu Anfang bestand und uns ziemlich auf die Nerven gegangen ist. Und auch abgesehen davon war dieser Ausflug zwar insgesamt ganz nett, aber nicht wirklich spektakulär.
Was mich außerdem gestört hat: die Frau am Imbiss, bei dem wir uns anschließend etwas zu Essen besorgt haben, hat mich konsequent auf Englisch zugelabert, obwohl ich sowohl mit ihr als auch mit allen anderen Personen dort in allerschönstem Spanisch gesprochen habe. Manche Leute sind einfach echt ein bisschen nervig und ignorant.
Naja ein schöner Abschluss vom Parque Arví war dann allerdings noch die Fahrt mit dem Metrocable zurück nach Medellín. Man kann nämlich einmal mit Bus oder Auto anreisen, aber es ist auch möglich, diesen Weg mit der Seilbahn zu bewältigen. Das ist dann zwar nicht mehr Teil des ÖPNV und kostet etwas mehr als ein normales Ticket für die Metro, dafür dauert die Fahrt auch zwanzig Minuten und bietet eine wirklich schöne Sicht über die Wälder des Parks und anschließend noch über Medellín selbst.
Und apropos Medellín: nach ca. eineinhalb Wochen dort konnte ich nun das erste mal Regen erleben! Und zwar ziemlich ordentlich. Die Straßen haben sich in Flüsse verwandelt das war echt krass. Das war dann schon ein etwas spezielles Gefühl, im Auto durch diese Wasserfälle und Riesenpfützen auf der Straße zu fahren. Aber wir hatten ja auch ein wichtiges Ziel: die Casa de la Memoria. Dieses "Haus der Erinnerungen" behandelt einmal mehr das Thema Drogenkriminalität rund um Pablo Escobar nur stehen dieses Mal die Opfer der ganzen Gewalt im Vordergrund. Tatsächlich wird in diesem Museum Escobar selbst kaum behandelt, vielmehr gibt es viele Geschichten von und über diejenigen, die in dieser Zeit gelitten haben oder gestorben sind. Es gibt Grafiken zur Anzahl der Attentate, Morde oder sonstiger Gewalttaten pro Jahr (ca. 550 Massaker im Jahr 1992 z.B., wenn ich mich recht erinnere) und große Bildschirme, auf denen Familien der Opfer oder überlebende selbst von der Zeit berichten. Ein nettes und spannendes Museum mit sehr interessanten Geschichten, das vor allem nicht wirklich touristisch ist und dadurch sehr angenehm zu erkunden. Außerdem wird Pablo Escobar in Teilen Medellíns nach wie vor als Retter und Befreier verehrt, quasi als eine Art Robin Hood. Aber in diesem Museum wird eben gezeigt, wie viele Menschen unter seinem Einfluss gelitten haben.
Und damit war's das dann auch schon mit meinem spontanen Urlaub in Medellín. Ich habe wirklich nicht damit gerechnet, dass ich innerhalb dieses Jahres noch nach Kolumbien reisen werde aber so ist das wohl manchmal.
Galapagos
13.07.2025
Nachdem meine Arbeit in Archidona vorbei ist, beginnt für mich nun der lang ersehnte Urlaub eineinhalb Monate Reisen und Entspannung pur!
Erstmal musste ich aber nach Quito fahren, dort hat mein Abschlussseminar für den Freiwilligendienst stattgefunden.
Aber überhaupt in die Hauptstadt zu gelangen, das war schon eine kleine Odyssee.
Es gibt nämlich von Archidona aus zwei Routen nach Quito.
Eine ist direkt und kurz, die andere ein kleiner Umweg und etwas länger.
Das Problem ist nun gewesen: wegen der starken Regenfälle ist der direkte Weg nicht mehr befahrbar gewesen.
Ein Teil der Straße ist abgestürzt, dann wurde noch eine Brücke mitgerissen nicht die besten Voraussetzungen, um dort mit dem Bus langzudüsen.
Aber zum Glück gibt es ja noch die Alternativroute!
die allerdings auch kaputt gegangen ist, dort ist ein Tunnel eingestürzt und es gab logischerweise kein durchkommen.
Zum Glück ist das in Ecuador kein Ausnahmezustand, so etwas passiert öfter und entsprechend schnell kann dann auch gehandelt werden so musste ich also nur einen Tag länger in Archidona verweilen und konnte anschließend durch den geräumten Tunnel nach Quito fahren.
Der Wasserpegel steigt übrigens immer weiter, die Flüsse sind wirklich brutal voll aktuell.
Ziemlich beeindruckend zu sehen.
Aber Seminar abgeschlossen und los geht's mit dem Urlaub auf: den Galapagosinseln! Das Inselarchipel einige hundert Kilometer westlich der ecuadorianischen Küste, das in seiner Schönheit gerne mit Neuseeland verglichen wird. Nun kenne ich zwar Neuseeland nicht, aber kann voller Überzeugung sagen: dieser Vergleich ist gerechtfertigt! Es ist schon echt ziemlich schön hier.
Erstmal zu meinem Anreisetag. Am Morgen hat mein Flugzeug in Quito abgehoben und das ist schon irgendwie ziemlich beeindruckend. Innerhalb von kürzester Zeit waren wir bereits über den Wolken, aber immer noch so nah am Boden, dass sich nach wie vor ein toller Blick auf die Stadt geboten hat. Ein lustiges Phänomen, das wahrscheinlich nur in so hochgelegenen Städten wie Quito zu erleben ist. Lange hat diese Bewunderung aber nicht gehalten, denn eine halbe Stunde später sind wir bereits in Guayaquil gelandet, als kleiner Zwischenstopp. Eine wirklich riesige Stadt, die ich weder bei Landung noch beim Start auch nur im Ansatz überblicken konnte. Es wirkt aber irgendwie ganz nett, so vom Stadtbild her. Zeit verbringen möchte ich dort aber trotzdem eher weniger, denke ich: immerhin ist Durán, ein Vorort Guayaquils, offiziell die gefährlichste Stadt der Welt. Weiß ich jetzt nicht, ob das unbedingt einen Besuch wert ist. Ach und was mir auch aufgefallen ist beim Anflug auf Guayaquil: es hat so gewirkt, als ob die Felder dort in der Gegend alle komplett überflutet sind. Vielleicht war das nur eine optische Täuschung, ansonsten ist auch das vermutlich den starken Regenfällen hier geschuldet. Was auf den Feldern angebaut wird und wie schädlich diese Wassermassen wären, das weiß ich allerdings nicht.
Jetzt aber mal zu den Galapagosinseln! Schon der Anflug war toll und beeindruckend. Überall Meer und Wolken und noch meer Mehr (ich muss aufhören mit diesen Wasserwitzen, das könnte sonst noch gehörig Schiff gehen ), dass ich kaum noch den Unterschied erkennen konnte. Die ganzen weißen Flecken auf dem Wasser, haben da auch durchaus noch weiter zu etwas Verwirrung bei mir beigetragen. Erst habe ich es für Boote gehalten, das ist aber der schieren Masse wegen nicht möglich vermutlich handelte es sich dabei einfach um Sonnenreflektion auf den Wellen. Lustig jedenfalls. Dann sind wir allerdings bereits auf Santa Cruz gelandet und es war spektakulär. Kristallklares, türkises Wasser an einem Strand aus weißem Sand, umrandet von schwarzen, orangen und immer heller werdenden Steinen, bis sich all das in eine orange Insel aus Gräsern, Kakteen und sonstigen Pflanzen verwandelt. Ein sehr schöner Anblick. Der dann aber von der Busfahrt ins Zentrum der Insel fast wieder übertroffen wurde. "Gestört" wurden wir dort nämlich plötzlich von einem orangen Leguan, der es sich auf der Straße bequem gemacht hat. Und was ich zu Beginn noch als höchst spektakulär und faszinierend wahrgenommen habe, hat sich spätestens bei dem vierten solchen Ereignis innerhalb von fünf Minuten schon wieder ziemlich relativiert. Tiere sind eben einfach die Herrscher hier auf der Insel. Die können und sollen machen, was sie wollen. Ähnlich witzig waren dann noch die ganzen Schildkröten, die auf der Weide zwischen Pferden und Kühen entspannt haben es ist ein wirklich skurriler Anblick.
Aber grundsätzlich ist die Fahrt ins Zentrum gar nicht so spannend gewesen. Es hat mich von der Umgebung her ein bisschen an Archidona erinnert, das hat das Erstaunen also etwas gedämpft. Nichtsdestotrotz ist es sehr schön hier und natürlich auch überhaupt nicht "wie Archidona", wie ich bei meinem abendlichen ersten Ausflug an den Hafen dann final manifestieren konnte. Es ist sehr entspannt hier, immer mit leichter Meeresbrise, es riecht nach Salzwasser und Fisch. Und auch wenn schon fast Sonnenuntergang war, als ich am Wasser angekommen bin: ein paar Einheimische konnte ich dennoch antreffen. Meinen persönlichen Pelikan, der sich nicht weit neben mir auf dem Geländer platziert hat und alle paar Minuten ins Wasser gestürzt ist, um irgendeinen Fisch zu fangen. Er war zwar nie erfolgreich, ist dafür aber immer wieder auf seinen Platz neben mir zurückgekehrt. Außerdem der zweite Vogel ähnlicher Spezies, dem ich aus Versehen auf dem Rückweg etwas zu nah gekommen bin und der deswegen erstmal seinen riesigen Schnabel aufreißen und die Flügel bedrohlich strecken musste. Dabei habe ich ihn doch einfach nur übersehen Was ich hingegen nicht übersehen habe, sind die ganzen anderen Tiere dort. Krebse ohne Ende, irgendwelche kleinen Vögel, so eine Art Zebrafisch sowie etwas, das wie ein Hai nur in klein aussah. Ich habe natürlich leider überhaupt kein Wissen über all der Tiere hier auf Galapagos, also bitte ich um Verzeihung für diese absolut laienhaften Beschreibungen.
Naja.
An meinem ersten richtigen Tag hier auf Santa Cruz, der Insel, auf der ich ja angekommen bin und entsprechend auch für den Anfang mal bleibe, bin ich direkt mal zum Strand gelatscht. Also zu einem der vielen Strände. Und zwar zum Tortuga Bay. Eine gute Dreiviertelstunde musste ich laufen, um von meinem Apartment dorthin zu gelangen und gleich mal die erste Enttäuschung zu verkraften: Schildkröten gibt es da nämlich gar nicht, auch wenn der Name etwas anderes sagt. Was ein Mist. Naja ich werde sicherlich noch andere Möglichkeiten haben, diese Tiere zu sehen. Vielleicht ist gerade auch einfach nicht deren Zeit, wer weiß. Jedenfalls: Tortuga Bay ist ein ziemlich schöner Strand, finde ich. Mir fehlen zwar die Vergleiche, aber es hat mir gut gefallen. Das türkise Wasser rauscht langsam an den weichen Sand, die Ränder sind gesäumt von schwarzem Vulkanstein und ab und an lässt sich ein Fischervogel in den starken Winden treiben. Die waren wirklich stark an diesem Tag, haben für ordentlich Wellen gesorgt. Und dafür, dass die rote Flagge an den Fahnenstangen aufgehangen wurde, als Symbol, dass man bitte nicht schwimmen gehen soll. Ein paar Menschen haben sich natürlich dennoch ins Wasser gewagt, insbesondere Surfer. Die allermeisten Leute sind jedoch von dem Strandeingang direkt nach rechts abgebogen, um über Tortuga Bay weiter zur Playa Mansa zu gelangen. Das hat glücklicherweise dafür gesorgt, dass der kleine Abschnitt links vom Eingang fast überhaupt nicht besucht war und ich mich in Ruhe und ohne viel Trubel dort ein bisschen entspannen konnte.
Irgendwann habe dann aber auch ich mich auf den Weg zum Mansa-Strand gemacht, der ein paar hundert Meter neben Tortuga Bay liegt. Also konnte ich schön am Wasser langlaufen, mir den Pazifik über die Füße spülen lassen und das warme, aber windige und bewölkte Wetter genießen. Es war aber kein toller Anblick, als ich dann auf einmal einige Krebsbeine an blaue Plastikschnur gebunden im Sand entdeckt habe Müll im Wasser ist schon echt beschissen.
Naja was dann allerdings ganz lustig war: plötzlich entspannen dort überall Leguane am Strand! Kleine, erstaunlich dicke (finde ich), schwarze Leguane. ÜBERALL! Das sind diese berühmten Tiere, die keine natürlichen Fressfeinde hier haben und deswegen die Ruhe selbst sein können. Von nichts lassen die sich stören, hab ich das Gefühl. Alle Menschen sollen dennoch um die zwei Meter Abstand halten, um sie nicht zu nerven verständlich. Also weiter zur Playa Mansa. Dieser Strand ist auch schön, aber sehr viel kleiner, windgeschützt und deswegen auch ziemlich voll mit Badegästen. Lange habe ich mich da also nicht aufgehalten. Aber lange genug um festzustellen, dass meine Hände nach der ganzen Zeit nun ziemlich salzig geschmeckt haben. Logisch, ich halte mich ja am Meer auf trotzdem lustig.
Auf meinem Rückweg in die Stadt sind dann übrigens auch die ganzen kleinen Salamander, oder Eidechsen, oder worum auch immer es sich bei diesen Reptilien handelt, rausgekommen und haben sich auf den Steinmauern entspannt. Jede Minute habe ich sie erst nur rascheln hören und anschließend auch sehen können coole Sache. Mein Ziel ist jedenfalls der Hafen der Stadt gewesen. Er liegt zwar sehr im touristischen Zentrum, ist aber zumindest am Rand nicht wirklich überlaufen und es gibt vor allem einen längeren Steg, auf den aus irgendeinem Grund kaum jemand draufgeht. Dabei halten sich dort die meisten Tiere auf, habe ich das Gefühl. Krebse habe ich dort bis jetzt gesehen, Pelikane, Haie oder Haiähnliche Fische, einen Rochen, Leguane, einen Seelöwen es ist mir wirklich ein Rätsel, warum hier so wenige Menschen sind. Einen schönen Blick hat man nämlich auch, meiner Meinung nach. Vor allem das folgende Event kann man natürlich ganz sicher NUR hier beobachten: da seh ich auf einmal einen großen Hai anschwimmen. Der Hai entpuppt sich als Seelöwe und selbiger hat offenbar gerade das Bedürfnis, die ins Wasser führende Treppe als Weg an Land zu benutzen. Entsprechend hievt er sich die Stufen hinauf, putzt sich einmal fleißig und legt sich anschließend ganz entspannt zum schlafen hin eine absolute Show für jemanden wie mich, der so etwas noch nie gesehen hat! Faszinierend irgendwie und natürlich unglaublich süß. Außerdem habe ich fast ein paar Leguane auf meinem Weg übersehen. Die sind aber auch einfach echt ziemlich klein, habe finde ich.
Joa wirklich viel mehr ist aber nicht passiert an meinem ersten Tag hier. Ich bin noch zur Charles Darwin Research Station getapert, habe mir das eine verfügbare Ausstellungsstück angeschaut (irgendein Riesenhai) und habe mich anschließend wieder auf den Weg zurück zu meiner Unterkunft gemacht.
Weiter geht es für mich auf dem Boot. Und zwar um 07:00 Morgens. Zu diesem Zeitpunkt hat nämlich die Fähre abgelegt, die mich von Santa Cruz auf die Insel Isabela bringen sollte. Entsprechend war ich um 05:00 Uhr wach und stand bereits um 06:00 Uhr am Hafen, um anschließend nach dem Check-In per Wassertaxi zur Fähre und mit dieser dann innerhalb von 2 Stunden auf die nächste Insel zu düsen. Es war eine wackelige Fahrt, so viel muss ich sagen. Ich bin zwar nicht Seekrank geworden, aber vor allem zu Beginn hat sich da schon ordentlich Schwindel breitgemacht in meinem Schädel ziemlich unangenehm. Aber gut, jetzt bin ich ja hier: auf der Isla Isabela!
An dieser Stelle möchte ich einmal kurz einschieben, dass ich mit diesem Urlaub hier meine erste Soloreise angetreten habe. Ich bin komplett alleine unterwegs das habe ich bis jetzt noch nie gemacht. Und es macht schon Spaß, muss ich sagen. Ich habe meine Ruhe, ich kann machen was ich will, wann ich will, wo ich will und wie lange ich will. Niemand nervt mich und ich bin an niemanden gebunden, von niemandem abhängig und muss es auch niemandem recht machen. Das ist schon toll. Auf der anderen Seite gibt es mir natürlich auch eine gewisse Sicherheit, gemeinsam unterwegs zu sein. Es gibt immer jemanden, mit dem ich über das Erlebte reden kann und mal drastisch formuliert: wenn ich etwas falsch mache, dann gibt es in diesem Moment noch eine zweite Person, die es genauso verhauen hat. Sei es unwissentlich etwas verbotenes tun oder einfach die falsche Fähre nehmen man ist nie alleine verantwortlich.
Weil ich aber die ganzen Vorteile wirklich sehr zu schätzen weiß, bin ich ziemlich froh über meinen unbekannten Bekannten hier auf den Galapagosinseln. Ein unbekannter Bekannter ist im Prinzip eine Person, die man durch gleiche Routinen oder regelmäßige Begegnungen auf der Straße oder im Bus immer wieder trifft, sich aber dennoch nie unterhält oder austauscht und deswegen auch im Status der Fremden verbleibt. Gleichzeitig weiß man aber, dass es diese Person gibt und fühlt auch eine gewisse Verbundenheit, aber eben ohne, dass ein tatsächlicher Kontakt besteht. Und so einen unbekannten Bekannten habe auch ich hier gefunden. Ein junger Mann, der ebenfalls alleine reist. Wir waren im gleichen Flieger, wir saßen im Bus nebeneinander und sind uns auf den Inseln ein paar mal über den Weg gelaufen. Außerdem hat er am selben Tag wie ich die Fähre nach Isabela genommen. Und auch wenn diese Erläuterung gerade wahrscheinlich sehr willkürlich wirkt: dieser unbekannte Bekannte hilft mir bei meinem Abenteuer einer Soloreise schon ziemlich weiter, irgendwie. Ich weiß einfach, dass es diesen Menschen gibt, der genau wie ich komplett alleine unterwegs ist, der dieselben oder sehr ähnliche Pläne hat wie ich und noch dazu so aussieht, als wäre er sich in ähnlichen Situationen genau so unsicher wie ich es bin oder war. Und das ist sehr angenehm. Im Prinzip wie eine Reisebegleitung, nur ohne die Reisebegleitung.
Jedenfalls zur Isla Isabela: das erste, was mir hier aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass es hier sehr viel weniger Tourismus gibt als auf Santa Cruz. Isabela ist zwar von der Fläche her die größte Insel, dafür aber weniger bewohnt und darf auch nur zu einem ganz minimal kleinen Teil betreten werden egal ob von Einheimischen oder Touristen.
Ich jedenfalls habe mich nach meiner Ankunft erstmal auf den Weg zum Flamingosee gemacht, der gar keinen Flamingo zu zeigen hatte. Ein bisschen traurig, da bin ich ehrlich. Aber aufhalten lasse ich mich von sowas natürlich nicht! Es gibt noch einen zweiten See, bei dem ich mein Glück versucht habe UND auch erfolgreich war: insgesamt konnte ich EINEN ganzen Flamingo sehen! Immerhin mehr, als ich bis jetzt in meinem gesamten Leben bewundern durfte. Nein aber mal ernsthaft: das ist schon ganz nett gewesen dort. Ungefähr zwanzig Minuten Fußweg von meinem Apartment aus bietet sich ein netter Blick über diesen kleinen See mit zwar nur einem Flamingo, dafür aber noch ein paar anderen Vögelchen und vor allem fast unendlicher Ruhe. Es fahren ab und an Autos in der Nähe vorbei, aber abgesehen von dem einen Pärchen am Anfang war wirklich niemand da, sodass ich vollkommen alleine die Szenerie genießen und mich ein bisschen entspannen konnte wirklich toll. Und abgesehen davon habe ich an diesem Tag tatsächlich auch nichts gemacht.
Am nachfolgenden Tag stand dann mal ein etwas größerer Ausflug an. Ich habe mir ein Fahrrad gemietet und bin damit ein bisschen über die Insel gedüst. Zuerst ging es wieder zu dem See mit dem Flamingo, ich wollte mein Glück versuchen und ein paar mehr dieser Vögel antreffen. Und es hat tatsächlich geklappt: ganze vier Stück durfte ich erblicken! Ich möchte dazu aber noch ganz kurz sagen, dass ich finde, dass die Natur es mit Flamingos schon irgendwie ziemlich verhauen hat. Ich mein wer zur Hölle hat sich gedacht, es sei eine gute Idee, Vögel in dem knalligsten Rosa zu erschaffen, das die Welt je gesehen hat?! Die Viecher kann man ja bereits aus Kilometern entdecken, das ist doch enorm einfach für alle möglichen Fressfeinde! Und dann stehen die da auch noch nur auf einem Bein, Kopf in die Federn gesteckt und haben keinen Plan, was um sie herum gerade abgeht. Wirkt mir echt nicht besonders durchdacht, dieses Konzept "Flamingo".
Naja eigentlich wollte ich allerdings zur "Muro de las Lágrimas" fahren, also zur Mauer der Tränen. Das ist ein Relikt aus den Jahren 1944 bis 1959. Zu dieser Zeit wurde auf der Isla Isabela nämlich eine Strafkolonie betrieben mit eben dem Sinn, dass die hier Gefangenen keine Möglichkeit zur Flucht haben ohne Schiff hat ja kein Weg aufs Festland geführt, Schwimmen war natürlich keine Option. Neben dieser ehemaligen Strafkolonie steht nun jedenfalls die Mauer der Tränen, ein 100 Meter langes, 6 Meter breites und 3 Meter hohes Konstrukt aus Lavasteinen, dass die Häftlinge damals errichten mussten. Und zwar einzig und allein deswegen, damit sie Zwangsarbeit verrichten. Nur mit den Händen wurden all diese spitzen und scharfen Steine dort angeordnet und sollen auf diese Weise für viele Todesfälle gesorgt haben eine wirklich grausame Geschichte.
Aber: der Weg dorthin, der ist schon ziemlich schön. Es geht vorbei an kleinen Stränden, an Seen, man kann offenbar alle der vier auf Isabela wachsenden Mangrovenarten auf kleinstem Raum entdecken (bin echt kein Experte, ich hab keinen Plan, wie Mangroven aussehen) und natürlich jede Menge Tiere. Insgesamt sieben Kilometer lang ist der Weg und neben den bereits erwähnten Naturspektakeln habe ich Leguane in Massen und vor allem Eidechsen ohne Ende gesehen. Es ist egal, wo ich langlaufe oder -fahre, immer raschelt es am Wegesrand und ich sehe noch kurz eines dieser kleinen Reptilien weghuschen. Oder sie bleiben einfach sitzen, ich entdecke sie rechtzeitig genug und weiche aus. Das passiert auch manchmal. Jedenfalls gab es außerdem ein paar kleine Fische zu sehen UND: Schildkröten! Also solche Riesenviecher, die fast schon so groß sind wie ein Kleinwagen. Und vermutlich auch brutal alt. Ich meine, diese Tiere haben ja an ihrem Lebensende durchaus mal 100 bis 150 Jahre auf dem Buckel, also schon echt viel. Naja und von diesen Schildkröten habe ich jedenfalls ein paar sehen können, wie sie da so frei im Wald oder auf der Straße rumgetapert sind. Das sind schon beeindruckende Tiere.
Naja aber der für mich wichtigste Teil war ja wie gesagt die Mauer der Tränen. Wirklich viele Gedanken habe ich mir über diesen Ausflug eigentlich nicht gemacht, umso positiver wurde ich dann überrascht. Erstens gab es bereits auf dem Weg einen kleinen Aussichtspunkt. Also ein Hügel, den man per angebrachter Treppe hochsteigen und von dort aus dann die fantastische Aussicht genießen konnte. Es war wirklich toll: auf der einen Seite das Dorf, der Stand und das Meer und auf der anderen Seite die Vulkane und Wälder. Ein toller Blick, der anschließend nur von dem NOCH höheren Berg übertrumpft wurde, den man bei der Mauer bewandern konnte. Die Mauer an sich war auch spannend. Nicht allzu lang, aber trotzdem sehr massiv und sie steht da einfach so in der Natur. Eben ein Mahnmal an vergangene Zeiten. Zur Aussicht von dem Berg jedenfalls: die war überragend! Im Prinzip so, wie ich es bereits beschrieben habe nur besser. Und es gibt da vor allem diesen einen Bonus, der das alles noch um Welten angenehmer gemacht hat: es sind kaum Menschen da. Ich meine es gibt schon einige Touristen, die zur Mauer der Tränen wandern oder radeln. Aber fast niemand hat Lust dazu, diese fantastischen Aussichten zu genießen und ich verstehe bei Gott nicht wieso. Es ist so unglaublich schön dort, es sind doch so viele Leute da warum wandert niemand mal kurz diese Hügelchen hoch um einen Blick über die Insel zu bekommen?! Ich werde es wohl nie verstehen. Aber umso besser für mich, so konnte ich ja in aller Ruhe diese Eindrücke genießen.
Den Tag darauf habe ich mich dazu entschlossen, mal eine der geführten Touren auf der Insel zu buchen. Wie so ungefähr alles hier sind die zwar ziemlich teuer, aber durchaus lohnenswert es gibt einfach Orte und Dinge zu sehen, die man beim freien erkunden der Gegend hier nicht zu Gesicht bekommt. Ich habe mich jedenfalls dafür entschieden, bei der Tour "Los Tuneles" mitzumachen. Wie der Name schon andeutet, geht es dabei hauptsächlich um Tunnel. Und zwar solche aus Vulkanlava. Am Vormittag legt das Boot ab und ich wurde erstmal mit einer kleinen Achterbahnfahrt überrascht, die ich eigentlich nicht dazugebucht habe. Es war ordentlicher Wellengang und ziemlich windig, sodass wir alle ordentlich durchgeschaukelt wurden. Ich meine ich will mich nicht beschweren: seekrank bin ich nicht geworden, deswegen war es ganz lustig. Auf der anderen Seite musste ich mich die ganze Zeit gut festhalten und jetzt beim schreiben dieser Worte, ungefähr vier Stunden nach Tourende, schaukelt mein Zimmer immer noch.
Eine Dreiviertelstunde Fahrt später sind wir dann aber bei den erwähnten Tunneln angekommen. Dabei handelt es sich wie gesagt um tunnelförmige Felsformationen aus getrockneter Lava der Vulkane von der Insel und es ist schon ganz schön dort. Ich weiß eigentlich gar nicht so recht, was ich dazu sagen soll es sind halt natürliche Steinbrücken in und über dem Wasser, etwas abseits vom Festland. Es gibt Kakteen und einige Tiere und naja ist ganz nett eben. Ich habe eine kleine Meeresschildkröte gesehen, ein paar Fische, einige Vögel und für mich besonders wichtig: Blaufußtölpel! Ich weiß nicht wieso, aber dieser Vogel hat es mir irgendwie angetan. Er sieht aus wie eine Art Möwe, nur eben mit blauen Füßen und er ist nicht gerade der schlauste. Wie uns erklärt wurde, hat er seinen Namen der fantastischen Fähigkeit zu verdanken, keinen Sinn für Gefahr zu haben. Diese Tiere sehen kein Problem darin, während der Brutzeit den Menschen auf wenige Meter an sich ranzulassen und gäbe es einen Tsunami, würde der Blaufußtölpel nicht mal darüber nachdenken, davor abzuhauen. Außerdem kackt er im Strahl (die drastische Formulierung ist gerechtfertigt: so wurde es uns erklärt und ich habe es mit eigenen Augen gesehen) und zwar so, dass er einen Kreis anfertigt, in dem dann das Weibchen die Eier platziert. Insgesamt einfach ein lustiger Vogel, der leider Gottes aber vom aussterben bedroht ist, soweit ich weiß.
Weiter ging es dann jedenfalls etwas abseits von den Tunneln: wir sind nämlich schnorcheln gewesen. Und ich muss sagen: ich weiß nicht so ganz, was ich davon halten soll. Auf der einen Seite ist es schon ziemlich schön und beeindruckend, das Leben unter Wasser so klar beobachten zu können das ist einfach eine ganz andere Welt. Auf der anderen Seite fand ich es auch echt anstrengend, die ganze Zeit so schwimmen und mich bewegen zu müssen, vor allem meine Lunge hat regelmäßig rebelliert. Und so ganz kann ich diese riesige Begeisterung fürs Schnorcheln auch echt nicht nachvollziehen. Ich meine es ist schon toll und macht Spaß, aber SO fantastisch war diese Erfahrung nun auch wieder nicht. Aber genug der Meckerei und weiter zu dem, was ich dort so gesehen habe denn das war einiges. Ich konnte Fotos mit einem Pinguin bekommen. Ich habe Haie gesehen, bin mit großen Meeresschildkröten geschwommen. Es gab ein Seepferdchen zu beobachten (warum war das braun und nicht orange wie auf dem Abzeichen??), Fischschwärme, ein paar Seesterne und sicherlich noch einiges, was ich vergessen habe. Und entsprechend erschöpft bin ich dann nach diesem fetten Programm schließlich nach Hause gekommen, insgesamt sechs Stunden waren wir unterwegs. Es war wirklich anstrengend aber auch echt toll! Wenn jetzt so langsam noch mein Zimmer zu schaukeln aufhören würde
Meinen letzten Tag auf der Isla Isabela habe ich eher entspannt gestaltet. Ich bin zum Hafen gelaufen, der etwas außerhalb des Ortes liegt, um dort ich weiß ehrlich gesagt nicht genau, was ich dort wollte. Aber ich konnte jedenfalls den schönen kleinen Strand sehen, jede Menge Seelöwen und ein paar Pelikane. Dazu ein Blick auf die ganzen kleinen Boote im Wasser, insgesamt eine recht nette Gegend.
Anschließend ging es weiter an den Strand der Insel. Bzw. an DEN Strand von Isabela, es gibt natürlich mehrere. Der Hauptstrand liegt allerdings direkt am Ort selber und nur fünf Minuten Fußweg von meiner Unterkunft entfernt. Von dort aus erstreckt er sich dann ganze drei Kilometer lang und ist ziemlich schön, finde ich. Es ist nicht viel los (Isabela ist ja allgemein sehr entspannt und nicht so überfüllt mit Touristen) und ich konnte eine kleine Wanderung am Wasser machen. Einige Vögel haben mich begleitet, Krebse auf den Steinen und hier und da mal ein Leguan es war sehr angenehm.
Naja und im Prinzip war es das auch schon für diesen finalen Tag auf der Insel hier. Mal ein bisschen weniger Programm ist ja auch in Ordnung.
Und eigentlich ging es auch fast genauso weiter am nächsten Tag. Ähnlich ereignislos, meine ich. Denn da sich meine Tage im Galapagos-Archipel dem Ende zuneigen, muss ich mich auf den Weg zu einer Insel machen, von der aus ich wieder zurück nach Quito fliegen kann. Und das geht nur von Santa Cruz oder San Cristobal aus, nicht aber von der Isla Isabela. Entsprechend habe ich den Tag auf den Fähren verbracht: morgens um 05:30 Uhr von Isabela nach Santa Cruz, dort eine zwangsläufige Pause von knapp sechs Stunden und anschließend um 14:00 Uhr weiter nach San Cristobal. Dort angekommen habe ich dann auch nicht mehr viel gemacht. Nur direkt gemerkt, wie sehr viel touristischer diese Insel doch auch ist. Isabela war schon ziemlich entspannt, ich vermisse es jetzt schon.
Meinen ersten und auch einzigen vollen Tag auf San Cristobal habe ich dann allerdings intensiv genutzt. Am morgen ging es für mich zum Strand "La Lobería", ungefähr 20 Minuten Fußweg von meiner Unterkunft entfernt. Es war ganz nett dort. Schon ein bisschen was los, aber auch nicht zu viel. Und glücklicherweise ging von dem Strand selber noch eine kleine Wanderung ab, bei der ich innerhalb von weiteren 15 Minuten erstens den ganzen Menschen entfliehen konnte und außerdem einen tollen Blick auf das Meer bekam. Am Zielpunkt war es außerdem recht windig und die großen Wellen sind an den Klippen unter mir gebrochen das war schon beeindruckend. Auf dem Rückweg habe ich überdies meinen zweiten unbekannten Bekannten getroffen. Ein Mann, der mit seiner Freundin unterwegs ist. Wir sind uns bereits auf der Isla Isabela öfters begegnet, vor allem bei dem Weg zur Mauer der Tränen. An diesem Weg liegen ja, wie bereits erwähnt, einige Strände oder sonstige sehenswerte Orte und lustigerweise war immer ich sozusagen als erster dort und gerade fertig mit der jeweiligen Abzweigung, wenn dann die beiden anderen angekommen sind und er mich immer nach meiner Empfehlung gefragt hat. So dann auch heute, als wir offenbar gleichzeitig nun auf San Cristobal sind und ich mal wieder gerade mit einer "Sehenswürdigkeit" fertig bin. Wir haben uns also kurz unterhalten, auf Englisch natürlich, bis er mich dann zum Abschluss fragt, aus welchem Teil Deutschlands ich denn komme. Ich hatte zwar auch bereits die Vermutung, dass es sich bei dem Kerl um einen Deutschen handelt aber sicher war ich mir nicht. Eine lustige Begegnung also und aus meinem unbekannten Bekannten ist ein etwas weniger unbekannter Bekannter geworden.
Der kleine Strandausflug war allerdings eine eher kurze Aktivität, nach zwei Stunden bin ich bereits wieder zuhause gewesen. Also auf geht's, irgendwas möchte ich hier ja noch erleben auf San Cristobal! Deswegen habe ich mich auf den Weg zum Mirador Cerro Tijeretas gemacht, also einem Aussichtspunkt auf der Insel. Durch den Ort und vorbei an Stränden dauert der Weg ungefähr eine halbe Stunde, woraufhin sich ein schöner Blick über das Meer bietet durchaus lohnenswert, dieser Ausflug. Was ich aber nicht wusste: von dort geht es noch weiter, wenn man möchte. Wohin und wie lang keine Ahnung. Hätte ich das dort vorhandene Schild gelesen, hätte ich gewusst, dass es eine 45-Minuten Wanderung zu einem anderen Strand ist. Aber das habe ich wohl übersehen. Nichtsdestotrotz muss ein vorhandener Weg natürlich zu Ende gegangen werden, vor allem auf so einer kleinen Insel wie San Cristobal, dachte ich mir. Ohne Plan bin ich also immer weiter und weiter gelaufen, vorbei an kleinen Aussichtspunkten und Stränden aus Lavagestein, hier und da mal ein Seelöwe und ab und zu hat sich sogar ein Leguan gezeigt. Und auch der Strand Baquerizo an sich war dann ganz nett. Es war nicht viel los, das Wasser war sehr klar und die Atmosphäre ist insgesamt einfach recht angenehm gewesen.
Was nicht so angenehm war: ich habe heute meine Sonnencreme vergessen aufzutragen. Wobei "vergessen" evtl. die falsche Formulierung ist sagen wir, ich habe es ignoriert. Wirklich die gesamte letzte Woche bin ich jeden Tag mit der fettesten Schicht Lichtschutzfaktor 100 über die Inseln gelatscht und jedesmal bin ich ohne Komplikationen und weiß wie ein Schneemann zurück nach Hause gekommen. Aber heute, da habe ich es morgens einfach vergessen. Es ist mir zwar 50 Meter von der Unterkunft entfernt bereits aufgefallen, aber ganz vielleicht war ich etwas zu faul, nur für die Sonnencreme nun wieder zurück nach Hause zu gehen. Ganz abgesehen davon wollte ich zum Strand, dort ist es doch sicherlich auf jeden Fall ganz bestimmt total doll schattig, habe ich mir gedacht. Nun was soll ich sagen: das war es nicht. ABER ich bin nach den zwei Stunden Ausflug dennoch ohne Sonnenbrand nach Hause gekommen also alles bestens. "Weiter geht's zum Aussichtspunkt!", dachte ich mir also. Und weil ich ja den ersten Trip bereits ohne Sonnencreme überlebt habe, wird doch auch die zweite Wanderung ohne Komplikationen verlaufen, hat mir mein Hirn gesagt. Also nichts da eincremen und direkt auf zum Cerro Tijeretas! Und es war so mit die dümmste Idee, die ich je hatte. Die Sonne hat geknallt wie Hölle und sowohl als ich von zuhause losgegangen bin als auch mit jedem Schritt bei der Wanderung habe ich mich dafür verflucht, keine Sonnencreme genutzt zu haben. Es war wirklich nicht schlau und ich habe keine Ahnung, warum ich alle Hinweise meiner Vernunft ignoriert habe aber so ist es nun: ich habe das Haus als Schneemann verlassen, ich bin als Languste zurückgekehrt. Mein Kopf und Nacken sind komplett rot und dass ich im Gesicht nun noch weiße Spuren von meiner Kappe und Sonnenbrille habe, macht es nicht besser. Das wird wahrscheinlich keine so angenehme Nacht.
Tschüss.
Aber Seminar abgeschlossen und los geht's mit dem Urlaub auf: den Galapagosinseln! Das Inselarchipel einige hundert Kilometer westlich der ecuadorianischen Küste, das in seiner Schönheit gerne mit Neuseeland verglichen wird. Nun kenne ich zwar Neuseeland nicht, aber kann voller Überzeugung sagen: dieser Vergleich ist gerechtfertigt! Es ist schon echt ziemlich schön hier.
Erstmal zu meinem Anreisetag. Am Morgen hat mein Flugzeug in Quito abgehoben und das ist schon irgendwie ziemlich beeindruckend. Innerhalb von kürzester Zeit waren wir bereits über den Wolken, aber immer noch so nah am Boden, dass sich nach wie vor ein toller Blick auf die Stadt geboten hat. Ein lustiges Phänomen, das wahrscheinlich nur in so hochgelegenen Städten wie Quito zu erleben ist. Lange hat diese Bewunderung aber nicht gehalten, denn eine halbe Stunde später sind wir bereits in Guayaquil gelandet, als kleiner Zwischenstopp. Eine wirklich riesige Stadt, die ich weder bei Landung noch beim Start auch nur im Ansatz überblicken konnte. Es wirkt aber irgendwie ganz nett, so vom Stadtbild her. Zeit verbringen möchte ich dort aber trotzdem eher weniger, denke ich: immerhin ist Durán, ein Vorort Guayaquils, offiziell die gefährlichste Stadt der Welt. Weiß ich jetzt nicht, ob das unbedingt einen Besuch wert ist. Ach und was mir auch aufgefallen ist beim Anflug auf Guayaquil: es hat so gewirkt, als ob die Felder dort in der Gegend alle komplett überflutet sind. Vielleicht war das nur eine optische Täuschung, ansonsten ist auch das vermutlich den starken Regenfällen hier geschuldet. Was auf den Feldern angebaut wird und wie schädlich diese Wassermassen wären, das weiß ich allerdings nicht.
Jetzt aber mal zu den Galapagosinseln! Schon der Anflug war toll und beeindruckend. Überall Meer und Wolken und noch meer Mehr (ich muss aufhören mit diesen Wasserwitzen, das könnte sonst noch gehörig Schiff gehen ), dass ich kaum noch den Unterschied erkennen konnte. Die ganzen weißen Flecken auf dem Wasser, haben da auch durchaus noch weiter zu etwas Verwirrung bei mir beigetragen. Erst habe ich es für Boote gehalten, das ist aber der schieren Masse wegen nicht möglich vermutlich handelte es sich dabei einfach um Sonnenreflektion auf den Wellen. Lustig jedenfalls. Dann sind wir allerdings bereits auf Santa Cruz gelandet und es war spektakulär. Kristallklares, türkises Wasser an einem Strand aus weißem Sand, umrandet von schwarzen, orangen und immer heller werdenden Steinen, bis sich all das in eine orange Insel aus Gräsern, Kakteen und sonstigen Pflanzen verwandelt. Ein sehr schöner Anblick. Der dann aber von der Busfahrt ins Zentrum der Insel fast wieder übertroffen wurde. "Gestört" wurden wir dort nämlich plötzlich von einem orangen Leguan, der es sich auf der Straße bequem gemacht hat. Und was ich zu Beginn noch als höchst spektakulär und faszinierend wahrgenommen habe, hat sich spätestens bei dem vierten solchen Ereignis innerhalb von fünf Minuten schon wieder ziemlich relativiert. Tiere sind eben einfach die Herrscher hier auf der Insel. Die können und sollen machen, was sie wollen. Ähnlich witzig waren dann noch die ganzen Schildkröten, die auf der Weide zwischen Pferden und Kühen entspannt haben es ist ein wirklich skurriler Anblick.
Aber grundsätzlich ist die Fahrt ins Zentrum gar nicht so spannend gewesen. Es hat mich von der Umgebung her ein bisschen an Archidona erinnert, das hat das Erstaunen also etwas gedämpft. Nichtsdestotrotz ist es sehr schön hier und natürlich auch überhaupt nicht "wie Archidona", wie ich bei meinem abendlichen ersten Ausflug an den Hafen dann final manifestieren konnte. Es ist sehr entspannt hier, immer mit leichter Meeresbrise, es riecht nach Salzwasser und Fisch. Und auch wenn schon fast Sonnenuntergang war, als ich am Wasser angekommen bin: ein paar Einheimische konnte ich dennoch antreffen. Meinen persönlichen Pelikan, der sich nicht weit neben mir auf dem Geländer platziert hat und alle paar Minuten ins Wasser gestürzt ist, um irgendeinen Fisch zu fangen. Er war zwar nie erfolgreich, ist dafür aber immer wieder auf seinen Platz neben mir zurückgekehrt. Außerdem der zweite Vogel ähnlicher Spezies, dem ich aus Versehen auf dem Rückweg etwas zu nah gekommen bin und der deswegen erstmal seinen riesigen Schnabel aufreißen und die Flügel bedrohlich strecken musste. Dabei habe ich ihn doch einfach nur übersehen Was ich hingegen nicht übersehen habe, sind die ganzen anderen Tiere dort. Krebse ohne Ende, irgendwelche kleinen Vögel, so eine Art Zebrafisch sowie etwas, das wie ein Hai nur in klein aussah. Ich habe natürlich leider überhaupt kein Wissen über all der Tiere hier auf Galapagos, also bitte ich um Verzeihung für diese absolut laienhaften Beschreibungen.
Naja.
An meinem ersten richtigen Tag hier auf Santa Cruz, der Insel, auf der ich ja angekommen bin und entsprechend auch für den Anfang mal bleibe, bin ich direkt mal zum Strand gelatscht. Also zu einem der vielen Strände. Und zwar zum Tortuga Bay. Eine gute Dreiviertelstunde musste ich laufen, um von meinem Apartment dorthin zu gelangen und gleich mal die erste Enttäuschung zu verkraften: Schildkröten gibt es da nämlich gar nicht, auch wenn der Name etwas anderes sagt. Was ein Mist. Naja ich werde sicherlich noch andere Möglichkeiten haben, diese Tiere zu sehen. Vielleicht ist gerade auch einfach nicht deren Zeit, wer weiß. Jedenfalls: Tortuga Bay ist ein ziemlich schöner Strand, finde ich. Mir fehlen zwar die Vergleiche, aber es hat mir gut gefallen. Das türkise Wasser rauscht langsam an den weichen Sand, die Ränder sind gesäumt von schwarzem Vulkanstein und ab und an lässt sich ein Fischervogel in den starken Winden treiben. Die waren wirklich stark an diesem Tag, haben für ordentlich Wellen gesorgt. Und dafür, dass die rote Flagge an den Fahnenstangen aufgehangen wurde, als Symbol, dass man bitte nicht schwimmen gehen soll. Ein paar Menschen haben sich natürlich dennoch ins Wasser gewagt, insbesondere Surfer. Die allermeisten Leute sind jedoch von dem Strandeingang direkt nach rechts abgebogen, um über Tortuga Bay weiter zur Playa Mansa zu gelangen. Das hat glücklicherweise dafür gesorgt, dass der kleine Abschnitt links vom Eingang fast überhaupt nicht besucht war und ich mich in Ruhe und ohne viel Trubel dort ein bisschen entspannen konnte.
Irgendwann habe dann aber auch ich mich auf den Weg zum Mansa-Strand gemacht, der ein paar hundert Meter neben Tortuga Bay liegt. Also konnte ich schön am Wasser langlaufen, mir den Pazifik über die Füße spülen lassen und das warme, aber windige und bewölkte Wetter genießen. Es war aber kein toller Anblick, als ich dann auf einmal einige Krebsbeine an blaue Plastikschnur gebunden im Sand entdeckt habe Müll im Wasser ist schon echt beschissen.
Naja was dann allerdings ganz lustig war: plötzlich entspannen dort überall Leguane am Strand! Kleine, erstaunlich dicke (finde ich), schwarze Leguane. ÜBERALL! Das sind diese berühmten Tiere, die keine natürlichen Fressfeinde hier haben und deswegen die Ruhe selbst sein können. Von nichts lassen die sich stören, hab ich das Gefühl. Alle Menschen sollen dennoch um die zwei Meter Abstand halten, um sie nicht zu nerven verständlich. Also weiter zur Playa Mansa. Dieser Strand ist auch schön, aber sehr viel kleiner, windgeschützt und deswegen auch ziemlich voll mit Badegästen. Lange habe ich mich da also nicht aufgehalten. Aber lange genug um festzustellen, dass meine Hände nach der ganzen Zeit nun ziemlich salzig geschmeckt haben. Logisch, ich halte mich ja am Meer auf trotzdem lustig.
Auf meinem Rückweg in die Stadt sind dann übrigens auch die ganzen kleinen Salamander, oder Eidechsen, oder worum auch immer es sich bei diesen Reptilien handelt, rausgekommen und haben sich auf den Steinmauern entspannt. Jede Minute habe ich sie erst nur rascheln hören und anschließend auch sehen können coole Sache. Mein Ziel ist jedenfalls der Hafen der Stadt gewesen. Er liegt zwar sehr im touristischen Zentrum, ist aber zumindest am Rand nicht wirklich überlaufen und es gibt vor allem einen längeren Steg, auf den aus irgendeinem Grund kaum jemand draufgeht. Dabei halten sich dort die meisten Tiere auf, habe ich das Gefühl. Krebse habe ich dort bis jetzt gesehen, Pelikane, Haie oder Haiähnliche Fische, einen Rochen, Leguane, einen Seelöwen es ist mir wirklich ein Rätsel, warum hier so wenige Menschen sind. Einen schönen Blick hat man nämlich auch, meiner Meinung nach. Vor allem das folgende Event kann man natürlich ganz sicher NUR hier beobachten: da seh ich auf einmal einen großen Hai anschwimmen. Der Hai entpuppt sich als Seelöwe und selbiger hat offenbar gerade das Bedürfnis, die ins Wasser führende Treppe als Weg an Land zu benutzen. Entsprechend hievt er sich die Stufen hinauf, putzt sich einmal fleißig und legt sich anschließend ganz entspannt zum schlafen hin eine absolute Show für jemanden wie mich, der so etwas noch nie gesehen hat! Faszinierend irgendwie und natürlich unglaublich süß. Außerdem habe ich fast ein paar Leguane auf meinem Weg übersehen. Die sind aber auch einfach echt ziemlich klein, habe finde ich.
Joa wirklich viel mehr ist aber nicht passiert an meinem ersten Tag hier. Ich bin noch zur Charles Darwin Research Station getapert, habe mir das eine verfügbare Ausstellungsstück angeschaut (irgendein Riesenhai) und habe mich anschließend wieder auf den Weg zurück zu meiner Unterkunft gemacht.
Weiter geht es für mich auf dem Boot. Und zwar um 07:00 Morgens. Zu diesem Zeitpunkt hat nämlich die Fähre abgelegt, die mich von Santa Cruz auf die Insel Isabela bringen sollte. Entsprechend war ich um 05:00 Uhr wach und stand bereits um 06:00 Uhr am Hafen, um anschließend nach dem Check-In per Wassertaxi zur Fähre und mit dieser dann innerhalb von 2 Stunden auf die nächste Insel zu düsen. Es war eine wackelige Fahrt, so viel muss ich sagen. Ich bin zwar nicht Seekrank geworden, aber vor allem zu Beginn hat sich da schon ordentlich Schwindel breitgemacht in meinem Schädel ziemlich unangenehm. Aber gut, jetzt bin ich ja hier: auf der Isla Isabela!
An dieser Stelle möchte ich einmal kurz einschieben, dass ich mit diesem Urlaub hier meine erste Soloreise angetreten habe. Ich bin komplett alleine unterwegs das habe ich bis jetzt noch nie gemacht. Und es macht schon Spaß, muss ich sagen. Ich habe meine Ruhe, ich kann machen was ich will, wann ich will, wo ich will und wie lange ich will. Niemand nervt mich und ich bin an niemanden gebunden, von niemandem abhängig und muss es auch niemandem recht machen. Das ist schon toll. Auf der anderen Seite gibt es mir natürlich auch eine gewisse Sicherheit, gemeinsam unterwegs zu sein. Es gibt immer jemanden, mit dem ich über das Erlebte reden kann und mal drastisch formuliert: wenn ich etwas falsch mache, dann gibt es in diesem Moment noch eine zweite Person, die es genauso verhauen hat. Sei es unwissentlich etwas verbotenes tun oder einfach die falsche Fähre nehmen man ist nie alleine verantwortlich.
Weil ich aber die ganzen Vorteile wirklich sehr zu schätzen weiß, bin ich ziemlich froh über meinen unbekannten Bekannten hier auf den Galapagosinseln. Ein unbekannter Bekannter ist im Prinzip eine Person, die man durch gleiche Routinen oder regelmäßige Begegnungen auf der Straße oder im Bus immer wieder trifft, sich aber dennoch nie unterhält oder austauscht und deswegen auch im Status der Fremden verbleibt. Gleichzeitig weiß man aber, dass es diese Person gibt und fühlt auch eine gewisse Verbundenheit, aber eben ohne, dass ein tatsächlicher Kontakt besteht. Und so einen unbekannten Bekannten habe auch ich hier gefunden. Ein junger Mann, der ebenfalls alleine reist. Wir waren im gleichen Flieger, wir saßen im Bus nebeneinander und sind uns auf den Inseln ein paar mal über den Weg gelaufen. Außerdem hat er am selben Tag wie ich die Fähre nach Isabela genommen. Und auch wenn diese Erläuterung gerade wahrscheinlich sehr willkürlich wirkt: dieser unbekannte Bekannte hilft mir bei meinem Abenteuer einer Soloreise schon ziemlich weiter, irgendwie. Ich weiß einfach, dass es diesen Menschen gibt, der genau wie ich komplett alleine unterwegs ist, der dieselben oder sehr ähnliche Pläne hat wie ich und noch dazu so aussieht, als wäre er sich in ähnlichen Situationen genau so unsicher wie ich es bin oder war. Und das ist sehr angenehm. Im Prinzip wie eine Reisebegleitung, nur ohne die Reisebegleitung.
Jedenfalls zur Isla Isabela: das erste, was mir hier aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass es hier sehr viel weniger Tourismus gibt als auf Santa Cruz. Isabela ist zwar von der Fläche her die größte Insel, dafür aber weniger bewohnt und darf auch nur zu einem ganz minimal kleinen Teil betreten werden egal ob von Einheimischen oder Touristen.
Ich jedenfalls habe mich nach meiner Ankunft erstmal auf den Weg zum Flamingosee gemacht, der gar keinen Flamingo zu zeigen hatte. Ein bisschen traurig, da bin ich ehrlich. Aber aufhalten lasse ich mich von sowas natürlich nicht! Es gibt noch einen zweiten See, bei dem ich mein Glück versucht habe UND auch erfolgreich war: insgesamt konnte ich EINEN ganzen Flamingo sehen! Immerhin mehr, als ich bis jetzt in meinem gesamten Leben bewundern durfte. Nein aber mal ernsthaft: das ist schon ganz nett gewesen dort. Ungefähr zwanzig Minuten Fußweg von meinem Apartment aus bietet sich ein netter Blick über diesen kleinen See mit zwar nur einem Flamingo, dafür aber noch ein paar anderen Vögelchen und vor allem fast unendlicher Ruhe. Es fahren ab und an Autos in der Nähe vorbei, aber abgesehen von dem einen Pärchen am Anfang war wirklich niemand da, sodass ich vollkommen alleine die Szenerie genießen und mich ein bisschen entspannen konnte wirklich toll. Und abgesehen davon habe ich an diesem Tag tatsächlich auch nichts gemacht.
Am nachfolgenden Tag stand dann mal ein etwas größerer Ausflug an. Ich habe mir ein Fahrrad gemietet und bin damit ein bisschen über die Insel gedüst. Zuerst ging es wieder zu dem See mit dem Flamingo, ich wollte mein Glück versuchen und ein paar mehr dieser Vögel antreffen. Und es hat tatsächlich geklappt: ganze vier Stück durfte ich erblicken! Ich möchte dazu aber noch ganz kurz sagen, dass ich finde, dass die Natur es mit Flamingos schon irgendwie ziemlich verhauen hat. Ich mein wer zur Hölle hat sich gedacht, es sei eine gute Idee, Vögel in dem knalligsten Rosa zu erschaffen, das die Welt je gesehen hat?! Die Viecher kann man ja bereits aus Kilometern entdecken, das ist doch enorm einfach für alle möglichen Fressfeinde! Und dann stehen die da auch noch nur auf einem Bein, Kopf in die Federn gesteckt und haben keinen Plan, was um sie herum gerade abgeht. Wirkt mir echt nicht besonders durchdacht, dieses Konzept "Flamingo".
Naja eigentlich wollte ich allerdings zur "Muro de las Lágrimas" fahren, also zur Mauer der Tränen. Das ist ein Relikt aus den Jahren 1944 bis 1959. Zu dieser Zeit wurde auf der Isla Isabela nämlich eine Strafkolonie betrieben mit eben dem Sinn, dass die hier Gefangenen keine Möglichkeit zur Flucht haben ohne Schiff hat ja kein Weg aufs Festland geführt, Schwimmen war natürlich keine Option. Neben dieser ehemaligen Strafkolonie steht nun jedenfalls die Mauer der Tränen, ein 100 Meter langes, 6 Meter breites und 3 Meter hohes Konstrukt aus Lavasteinen, dass die Häftlinge damals errichten mussten. Und zwar einzig und allein deswegen, damit sie Zwangsarbeit verrichten. Nur mit den Händen wurden all diese spitzen und scharfen Steine dort angeordnet und sollen auf diese Weise für viele Todesfälle gesorgt haben eine wirklich grausame Geschichte.
Aber: der Weg dorthin, der ist schon ziemlich schön. Es geht vorbei an kleinen Stränden, an Seen, man kann offenbar alle der vier auf Isabela wachsenden Mangrovenarten auf kleinstem Raum entdecken (bin echt kein Experte, ich hab keinen Plan, wie Mangroven aussehen) und natürlich jede Menge Tiere. Insgesamt sieben Kilometer lang ist der Weg und neben den bereits erwähnten Naturspektakeln habe ich Leguane in Massen und vor allem Eidechsen ohne Ende gesehen. Es ist egal, wo ich langlaufe oder -fahre, immer raschelt es am Wegesrand und ich sehe noch kurz eines dieser kleinen Reptilien weghuschen. Oder sie bleiben einfach sitzen, ich entdecke sie rechtzeitig genug und weiche aus. Das passiert auch manchmal. Jedenfalls gab es außerdem ein paar kleine Fische zu sehen UND: Schildkröten! Also solche Riesenviecher, die fast schon so groß sind wie ein Kleinwagen. Und vermutlich auch brutal alt. Ich meine, diese Tiere haben ja an ihrem Lebensende durchaus mal 100 bis 150 Jahre auf dem Buckel, also schon echt viel. Naja und von diesen Schildkröten habe ich jedenfalls ein paar sehen können, wie sie da so frei im Wald oder auf der Straße rumgetapert sind. Das sind schon beeindruckende Tiere.
Naja aber der für mich wichtigste Teil war ja wie gesagt die Mauer der Tränen. Wirklich viele Gedanken habe ich mir über diesen Ausflug eigentlich nicht gemacht, umso positiver wurde ich dann überrascht. Erstens gab es bereits auf dem Weg einen kleinen Aussichtspunkt. Also ein Hügel, den man per angebrachter Treppe hochsteigen und von dort aus dann die fantastische Aussicht genießen konnte. Es war wirklich toll: auf der einen Seite das Dorf, der Stand und das Meer und auf der anderen Seite die Vulkane und Wälder. Ein toller Blick, der anschließend nur von dem NOCH höheren Berg übertrumpft wurde, den man bei der Mauer bewandern konnte. Die Mauer an sich war auch spannend. Nicht allzu lang, aber trotzdem sehr massiv und sie steht da einfach so in der Natur. Eben ein Mahnmal an vergangene Zeiten. Zur Aussicht von dem Berg jedenfalls: die war überragend! Im Prinzip so, wie ich es bereits beschrieben habe nur besser. Und es gibt da vor allem diesen einen Bonus, der das alles noch um Welten angenehmer gemacht hat: es sind kaum Menschen da. Ich meine es gibt schon einige Touristen, die zur Mauer der Tränen wandern oder radeln. Aber fast niemand hat Lust dazu, diese fantastischen Aussichten zu genießen und ich verstehe bei Gott nicht wieso. Es ist so unglaublich schön dort, es sind doch so viele Leute da warum wandert niemand mal kurz diese Hügelchen hoch um einen Blick über die Insel zu bekommen?! Ich werde es wohl nie verstehen. Aber umso besser für mich, so konnte ich ja in aller Ruhe diese Eindrücke genießen.
Den Tag darauf habe ich mich dazu entschlossen, mal eine der geführten Touren auf der Insel zu buchen. Wie so ungefähr alles hier sind die zwar ziemlich teuer, aber durchaus lohnenswert es gibt einfach Orte und Dinge zu sehen, die man beim freien erkunden der Gegend hier nicht zu Gesicht bekommt. Ich habe mich jedenfalls dafür entschieden, bei der Tour "Los Tuneles" mitzumachen. Wie der Name schon andeutet, geht es dabei hauptsächlich um Tunnel. Und zwar solche aus Vulkanlava. Am Vormittag legt das Boot ab und ich wurde erstmal mit einer kleinen Achterbahnfahrt überrascht, die ich eigentlich nicht dazugebucht habe. Es war ordentlicher Wellengang und ziemlich windig, sodass wir alle ordentlich durchgeschaukelt wurden. Ich meine ich will mich nicht beschweren: seekrank bin ich nicht geworden, deswegen war es ganz lustig. Auf der anderen Seite musste ich mich die ganze Zeit gut festhalten und jetzt beim schreiben dieser Worte, ungefähr vier Stunden nach Tourende, schaukelt mein Zimmer immer noch.
Eine Dreiviertelstunde Fahrt später sind wir dann aber bei den erwähnten Tunneln angekommen. Dabei handelt es sich wie gesagt um tunnelförmige Felsformationen aus getrockneter Lava der Vulkane von der Insel und es ist schon ganz schön dort. Ich weiß eigentlich gar nicht so recht, was ich dazu sagen soll es sind halt natürliche Steinbrücken in und über dem Wasser, etwas abseits vom Festland. Es gibt Kakteen und einige Tiere und naja ist ganz nett eben. Ich habe eine kleine Meeresschildkröte gesehen, ein paar Fische, einige Vögel und für mich besonders wichtig: Blaufußtölpel! Ich weiß nicht wieso, aber dieser Vogel hat es mir irgendwie angetan. Er sieht aus wie eine Art Möwe, nur eben mit blauen Füßen und er ist nicht gerade der schlauste. Wie uns erklärt wurde, hat er seinen Namen der fantastischen Fähigkeit zu verdanken, keinen Sinn für Gefahr zu haben. Diese Tiere sehen kein Problem darin, während der Brutzeit den Menschen auf wenige Meter an sich ranzulassen und gäbe es einen Tsunami, würde der Blaufußtölpel nicht mal darüber nachdenken, davor abzuhauen. Außerdem kackt er im Strahl (die drastische Formulierung ist gerechtfertigt: so wurde es uns erklärt und ich habe es mit eigenen Augen gesehen) und zwar so, dass er einen Kreis anfertigt, in dem dann das Weibchen die Eier platziert. Insgesamt einfach ein lustiger Vogel, der leider Gottes aber vom aussterben bedroht ist, soweit ich weiß.
Weiter ging es dann jedenfalls etwas abseits von den Tunneln: wir sind nämlich schnorcheln gewesen. Und ich muss sagen: ich weiß nicht so ganz, was ich davon halten soll. Auf der einen Seite ist es schon ziemlich schön und beeindruckend, das Leben unter Wasser so klar beobachten zu können das ist einfach eine ganz andere Welt. Auf der anderen Seite fand ich es auch echt anstrengend, die ganze Zeit so schwimmen und mich bewegen zu müssen, vor allem meine Lunge hat regelmäßig rebelliert. Und so ganz kann ich diese riesige Begeisterung fürs Schnorcheln auch echt nicht nachvollziehen. Ich meine es ist schon toll und macht Spaß, aber SO fantastisch war diese Erfahrung nun auch wieder nicht. Aber genug der Meckerei und weiter zu dem, was ich dort so gesehen habe denn das war einiges. Ich konnte Fotos mit einem Pinguin bekommen. Ich habe Haie gesehen, bin mit großen Meeresschildkröten geschwommen. Es gab ein Seepferdchen zu beobachten (warum war das braun und nicht orange wie auf dem Abzeichen??), Fischschwärme, ein paar Seesterne und sicherlich noch einiges, was ich vergessen habe. Und entsprechend erschöpft bin ich dann nach diesem fetten Programm schließlich nach Hause gekommen, insgesamt sechs Stunden waren wir unterwegs. Es war wirklich anstrengend aber auch echt toll! Wenn jetzt so langsam noch mein Zimmer zu schaukeln aufhören würde
Meinen letzten Tag auf der Isla Isabela habe ich eher entspannt gestaltet. Ich bin zum Hafen gelaufen, der etwas außerhalb des Ortes liegt, um dort ich weiß ehrlich gesagt nicht genau, was ich dort wollte. Aber ich konnte jedenfalls den schönen kleinen Strand sehen, jede Menge Seelöwen und ein paar Pelikane. Dazu ein Blick auf die ganzen kleinen Boote im Wasser, insgesamt eine recht nette Gegend.
Anschließend ging es weiter an den Strand der Insel. Bzw. an DEN Strand von Isabela, es gibt natürlich mehrere. Der Hauptstrand liegt allerdings direkt am Ort selber und nur fünf Minuten Fußweg von meiner Unterkunft entfernt. Von dort aus erstreckt er sich dann ganze drei Kilometer lang und ist ziemlich schön, finde ich. Es ist nicht viel los (Isabela ist ja allgemein sehr entspannt und nicht so überfüllt mit Touristen) und ich konnte eine kleine Wanderung am Wasser machen. Einige Vögel haben mich begleitet, Krebse auf den Steinen und hier und da mal ein Leguan es war sehr angenehm.
Naja und im Prinzip war es das auch schon für diesen finalen Tag auf der Insel hier. Mal ein bisschen weniger Programm ist ja auch in Ordnung.
Und eigentlich ging es auch fast genauso weiter am nächsten Tag. Ähnlich ereignislos, meine ich. Denn da sich meine Tage im Galapagos-Archipel dem Ende zuneigen, muss ich mich auf den Weg zu einer Insel machen, von der aus ich wieder zurück nach Quito fliegen kann. Und das geht nur von Santa Cruz oder San Cristobal aus, nicht aber von der Isla Isabela. Entsprechend habe ich den Tag auf den Fähren verbracht: morgens um 05:30 Uhr von Isabela nach Santa Cruz, dort eine zwangsläufige Pause von knapp sechs Stunden und anschließend um 14:00 Uhr weiter nach San Cristobal. Dort angekommen habe ich dann auch nicht mehr viel gemacht. Nur direkt gemerkt, wie sehr viel touristischer diese Insel doch auch ist. Isabela war schon ziemlich entspannt, ich vermisse es jetzt schon.
Meinen ersten und auch einzigen vollen Tag auf San Cristobal habe ich dann allerdings intensiv genutzt. Am morgen ging es für mich zum Strand "La Lobería", ungefähr 20 Minuten Fußweg von meiner Unterkunft entfernt. Es war ganz nett dort. Schon ein bisschen was los, aber auch nicht zu viel. Und glücklicherweise ging von dem Strand selber noch eine kleine Wanderung ab, bei der ich innerhalb von weiteren 15 Minuten erstens den ganzen Menschen entfliehen konnte und außerdem einen tollen Blick auf das Meer bekam. Am Zielpunkt war es außerdem recht windig und die großen Wellen sind an den Klippen unter mir gebrochen das war schon beeindruckend. Auf dem Rückweg habe ich überdies meinen zweiten unbekannten Bekannten getroffen. Ein Mann, der mit seiner Freundin unterwegs ist. Wir sind uns bereits auf der Isla Isabela öfters begegnet, vor allem bei dem Weg zur Mauer der Tränen. An diesem Weg liegen ja, wie bereits erwähnt, einige Strände oder sonstige sehenswerte Orte und lustigerweise war immer ich sozusagen als erster dort und gerade fertig mit der jeweiligen Abzweigung, wenn dann die beiden anderen angekommen sind und er mich immer nach meiner Empfehlung gefragt hat. So dann auch heute, als wir offenbar gleichzeitig nun auf San Cristobal sind und ich mal wieder gerade mit einer "Sehenswürdigkeit" fertig bin. Wir haben uns also kurz unterhalten, auf Englisch natürlich, bis er mich dann zum Abschluss fragt, aus welchem Teil Deutschlands ich denn komme. Ich hatte zwar auch bereits die Vermutung, dass es sich bei dem Kerl um einen Deutschen handelt aber sicher war ich mir nicht. Eine lustige Begegnung also und aus meinem unbekannten Bekannten ist ein etwas weniger unbekannter Bekannter geworden.
Der kleine Strandausflug war allerdings eine eher kurze Aktivität, nach zwei Stunden bin ich bereits wieder zuhause gewesen. Also auf geht's, irgendwas möchte ich hier ja noch erleben auf San Cristobal! Deswegen habe ich mich auf den Weg zum Mirador Cerro Tijeretas gemacht, also einem Aussichtspunkt auf der Insel. Durch den Ort und vorbei an Stränden dauert der Weg ungefähr eine halbe Stunde, woraufhin sich ein schöner Blick über das Meer bietet durchaus lohnenswert, dieser Ausflug. Was ich aber nicht wusste: von dort geht es noch weiter, wenn man möchte. Wohin und wie lang keine Ahnung. Hätte ich das dort vorhandene Schild gelesen, hätte ich gewusst, dass es eine 45-Minuten Wanderung zu einem anderen Strand ist. Aber das habe ich wohl übersehen. Nichtsdestotrotz muss ein vorhandener Weg natürlich zu Ende gegangen werden, vor allem auf so einer kleinen Insel wie San Cristobal, dachte ich mir. Ohne Plan bin ich also immer weiter und weiter gelaufen, vorbei an kleinen Aussichtspunkten und Stränden aus Lavagestein, hier und da mal ein Seelöwe und ab und zu hat sich sogar ein Leguan gezeigt. Und auch der Strand Baquerizo an sich war dann ganz nett. Es war nicht viel los, das Wasser war sehr klar und die Atmosphäre ist insgesamt einfach recht angenehm gewesen.
Was nicht so angenehm war: ich habe heute meine Sonnencreme vergessen aufzutragen. Wobei "vergessen" evtl. die falsche Formulierung ist sagen wir, ich habe es ignoriert. Wirklich die gesamte letzte Woche bin ich jeden Tag mit der fettesten Schicht Lichtschutzfaktor 100 über die Inseln gelatscht und jedesmal bin ich ohne Komplikationen und weiß wie ein Schneemann zurück nach Hause gekommen. Aber heute, da habe ich es morgens einfach vergessen. Es ist mir zwar 50 Meter von der Unterkunft entfernt bereits aufgefallen, aber ganz vielleicht war ich etwas zu faul, nur für die Sonnencreme nun wieder zurück nach Hause zu gehen. Ganz abgesehen davon wollte ich zum Strand, dort ist es doch sicherlich auf jeden Fall ganz bestimmt total doll schattig, habe ich mir gedacht. Nun was soll ich sagen: das war es nicht. ABER ich bin nach den zwei Stunden Ausflug dennoch ohne Sonnenbrand nach Hause gekommen also alles bestens. "Weiter geht's zum Aussichtspunkt!", dachte ich mir also. Und weil ich ja den ersten Trip bereits ohne Sonnencreme überlebt habe, wird doch auch die zweite Wanderung ohne Komplikationen verlaufen, hat mir mein Hirn gesagt. Also nichts da eincremen und direkt auf zum Cerro Tijeretas! Und es war so mit die dümmste Idee, die ich je hatte. Die Sonne hat geknallt wie Hölle und sowohl als ich von zuhause losgegangen bin als auch mit jedem Schritt bei der Wanderung habe ich mich dafür verflucht, keine Sonnencreme genutzt zu haben. Es war wirklich nicht schlau und ich habe keine Ahnung, warum ich alle Hinweise meiner Vernunft ignoriert habe aber so ist es nun: ich habe das Haus als Schneemann verlassen, ich bin als Languste zurückgekehrt. Mein Kopf und Nacken sind komplett rot und dass ich im Gesicht nun noch weiße Spuren von meiner Kappe und Sonnenbrille habe, macht es nicht besser. Das wird wahrscheinlich keine so angenehme Nacht.
Tschüss.
Das Ende naht
02.07.2025
Moin!
Als erstes muss ich sagen: es ist doch immer wieder gut, dass ich mir die zwei Blogrelevanten Wochen über Notizen mache, was hier so abgeht in meinem Leben. Sonst hätte ich das Erdbeben der Stärke 5 schon längst wieder vergessen, das uns vor ein paar Tagen einen Besuch abgestattet hat. Kurz vorm Schlafengehen hat (mal wieder) das ganze Haus gewackelt. Und ich bin durchaus stolz auf mich, dass ich das Erdbeben dieses mal auch als ebensolches identifiziert und nicht wie beim ersten Mal für eine dicke Katze auf dem Dach gehalten habe. Es war aber auch schon echt stark, das muss ich sagen. Naja gibt ja nichts besseres, als dann angenehm in den Schlaf geschaukelt zu werden.
Außerdem wollte ich noch den unglaublich leckeren Erdbeersaft erwähnen, den es aktuell immer wieder beim Frühstück gibt. Entweder in Form eines Smoothies (wow ist der LECKER) oder als Milchshake (wow ist der LECKER)! Ich meine dafür kippen die hier ja wirklich nur Früchte, ein bisschen Wasser und wahlweise noch Milch zusammen aber es ist jedesmal aufs neue eine kulinarische Erleuchtung. Kein Saft/Smoothie hat mir bis jetzt so gut geschmeckt, wie der. Außer vielleicht der ebenfalls unglaublich leckere Kokossaft, den es hier an manchen Straßenständen zur Mittagszeit zu kaufen gibt. Der ist auch fantastisch.
Abgesehen davon: so langsam ist wirklich Abschiedsstimmung hier bei uns. Bzw. eigentlich weniger bei mir selbst, als vielmehr bei allen anderen Menschen, die ich hier kenne. Und das sorgt dann auch bei mir für eine entsprechende Gefühlslage.
Angefangen hat das alles bei der Mutter von Susana. Susana ist eine Schülerin von uns. Ein sehr süßes Mädchen, das leider ihre Besitzansprüche gegenüber dem von ihr selbst mitgebrachtem Frühstück immer durch Hauen und SEHR angestrengte und böse Blicke geltend macht. Wenn sie nicht bereits den ganzen Brotdoseninhalt wahlweise unter ihrem Tisch versteckt oder mit einer kleinen Handbewegung über den gesamten Klassenzimmerboden verteilt hat. Kurz gesagt: mit ihren fünf jungen Jahren dominiert sie schon den gesamten Jahrgang. Der zwar auch nur aus vier Kindern besteht, aber trotzdem.
Jedenfalls zum eigentlichen Thema: ihrer Mutter. Eine sehr nette Frau, mit der wir eigentlich gar nicht so viel zu tun haben außer eben, dass wir uns natürlich jeden Morgen begrüßen. Von ihr haben wir allerdings eine Einladung bekommen, zum Mittagessen bei ihnen zu sein. Also Susana, ihrer Schwester, ihrer Mutter sowie in dem Fall noch ein Onkel und eine Cousine. Es gab Suppe, Hühnchen und Wayuza (wow ist das LECKER) und es war sehr schön zu sehen, dass Susana bei sich zuhause sogar NOCH dominanter auftritt als in der Schule und auch vor ihrer eigenen Familie nicht halt macht, was das Schlagen angeht. Es hat mich dann aber doch ein bisschen überfordert, dass Susanas Mutter auf einmal angefangen hat zu weinen weil wir drei ja jetzt bereits gehen, weil wir Ecuador und Archidona und die ganzen Schüler und natürlich insbesondere Susana verlassen. Das kam irgendwie alles so plötzlich und ich habe auch überhaupt nicht damit gerechnet. Einfach überfordernd. Ich meine es ist zwar total schön, diese Form der Wertschätzung zu erfahren. Aber das hat mich in dem Moment doch etwas sprachlos zurückgelassen. Außerdem gab es noch ein paar Geschenke für uns und zwar in Form von Artesenias, also im Prinzip handgemachter Schmuck oder ähnliche Waren hier aus der Region bzw. ganz Ecuador. Insgesamt also ein sehr intensiver Nachmittag.
Also gehts direkt weiter mit der nächsten "Despedida", also Abschiedsparty. Dieses mal bei der Milton Jurado Schule, die hatte uns zu diesem Anlass eingeladen. Wie sich dann allerdings herausgestellt hat, war das Event eher dazu da, die künftigen Erstklässler willkommen zu heißen und uns gab’s halt auch. Also wir saßen da mit bei den Feierlichkeiten rum, haben uns aber die ganze Zeit über gefragt, warum eigentlich. Wirklich viele Berührungspunkte habe zumindest ich mit dieser Schule einfach nicht, wir mussten dort ja auch nur einmal in der Woche zum arbeiten hin. Nichtsdestotrotz war es sehr schön, vor allem die ganzen Kinder nochmal zu sehen, die mich nämlich wie immer mit einer riesigen Gruppenumarmung begrüßt und mir ebenfalls mitgeteilt haben, wie sehr sie mich vermissen werden. Ich habe zwar verhältnismäßig echt nicht viel mit ihnen zu tun gehabt, aber meine zweite, dritte und vierte Klasse natürlich dennoch ins Herz geschlossen. Ebenfalls Maestra Carmen, die Lehrerin der dritten Klasse, die einfach nur unglaublich nett und total herzlich ist. Ich werde die schon auch alle echt vermissen, muss ich sagen.
Am selben Tag ging es dann außerdem noch bei meinem Boxclub ans Eingemachte. Die erste und zweite Regel ist zwar eigentlich bekannt, über diesen Teil hier kann ich aber dennoch berichten, denke ich. Das Training für diesen Tag ist tatsächlich ausgefallen, denn auch hier wurde eine kleine Despedida veranstaltet. Wir haben gegrillt, zusammen gesessen und uns unterhalten alles total nett. Dass zum anzünden unseres Feuerchens auch Plastik verwendet wurde, das hat mich allerdings schon ein bisschen gestört. Vor allem, weil wir darüber Kochbananen zubereitet haben. Naja. Immerhin das restliche Essen, bestehend aus Yucca, Fleisch und Salat wurde andernorts zubereitet und hat meinen Körper damit hoffentlich nicht ganz so stark mit verbranntem Mikroplastik verseucht. Insgesamt jedenfalls ein sehr netter Abend und schöner Abschied von meinen ganzen Leuten dort.
So richtig großes Programm gab es ab Montag, eigentlich bereits nach dem angesetzten Termin für diesen Blogeintrag. An diesem Tag stand nämlich die Verabschiedung in unserer Schule an, der Unidad Educativa Espezialisada Archidona. Und es war sehr schön! Es gab ein bisschen Programm mit einigen Reden, Musikeinlagen, es wurde getanzt und Fotos ohne Ende gemacht. Darüber hinaus gab es wieder Geschenke in Form von Artesenias und noch einigen weiteren Dingen. Es gab Essen und insgesamt wurde einfach viel gefeiert ein sehr schöner Tag. Darüber hinaus habe ich natürlich versucht, nochmal Bilder mit so vielen Kindern und Lehrern zu machen wie möglich und bin der Meinung, ich habe mich ganz gut geschlagen.
Auch wenn die Arbeit dort nicht immer einfach gewesen ist, hat sie doch Spaß gemacht und ich werde sie alle vermissen: Roy, Susana, Matteo, Ahinoa, Fredi, Brainer, Alexis, Alejandro, Leandro, Sebastián sowie alle anderen Kinder ebenfalls. Nie wieder werde ich wahrscheinlich jeden Morgen so übermäßig erfreut mit einem schallenden "WILLIIIIIIII" von Leidy und Patrick begrüßt, dass man es in ganz Archidona hören müsste. Und die Wahrscheinlichkeit ist auch recht gering, dass ich mal wieder einem fünfjährigen David begegne, der mitten in der Pause in aller Seelenruhe in seine Hose greift und anschließend mit selbstbewusstem Blick in den Himmel unter den erstaunt-belustigten Augen der Schüler und Lehrkräfte eine halbe Minute lang ins Blumenbeet strullert.
Und ein Leben ohne einen Kevin, dass kann ich mir beim besten Willen nicht mehr vorstellen! Wegen seiner Körperform, seiner Kopfform und der Frisur auch gerne als Kiwin bezeichnet, ist er der wahrscheinlich quirligste Scharlatan auf dem gesamten Schulhof auch wenn eine solche Auswahl kaum möglich ist. Mit seinen knackigen sechs oder sieben Jahren läuft er entweder grinsend, auf seine Hände fokussiert oder sehr skeptisch-neutral schauend über den Schulhof und schaut alles und jeden so an, als sei es von einem anderen Planeten. Immer sehr zielstrebig landet er innerhalb von Sekunden dort, wo gerade jemand was zu Essen auspackt auch wenn er fast nie was abbekommt. Manchmal setzt er sich aber auch so neben einen (dann wird der Tag gut), auch wenn dieses Ereignis gewisse Nebeneffekte haben kann. Sein Spitzname "unser kleiner Sexualstraftäter" ist zwar als absoluter Witz zu verstehen und überhaupt nicht ernst gemeint, kommt aber nicht von ungefähr: wenn er sich neben einen setzt tut er das meist schelmisch grinsend, eine Hand in seinem Schritt und die anderen am Gesäß seines Sitznachbars eine etwas lustige Situation. Nichtsdestotrotz ist unser lieber Kiwin ein fantastischer Knabe und diese eine und einzige ehrliche und belästigungsfreie Umarmung, die ich vor eineinhalb Wochen von ihm bekommen habe die hat mein gesamtes Jahr verschönert! Ich habe diese Umarmung zwar nur bekommen, weil er davor leicht entsetzt vor seiner Lehrerin davongerannt ist und anschließend ich als Säule und eben NICHT seine Lehrerin ihm im Weg stand um ihn aufzufangen, aber das ist ja nicht das Wichtige daran.
Aber wie gesagt: ich werde sie alle vermissen, die Schüler wie die Lehrkräfte. Es war ein tolles Jahr an der Schule, ich habe viel gelernt und viel schönes erlebt aber auch diese Zeit geht einmal vorbei.
Und damit auch schon zur letzten Despedida, die einen Tag danach in der Hausaufgabenhilfe "Fundacion la Casa de Esperanza" stattgefunden hat. Und wow, hier wurde aber was auf die Beine gestellt! Der gesamte Essenssaal wurde geschmückt, wie bei einer Pressekonferenz stand vorne ein Tisch mit Namenskärtchen für die "wichtigsten" Leute (unter anderem wir drei Freiwillige), die dann mit Blick auf alle anwesenden Eltern und Kinder den visuellen Mittelpunkt der Veranstaltung dargestellt haben. Alle waren herausgeputzt und schick angezogen (also WIRKLICH stark herausgeputzt), es wurden hier und da Reden gehalten und allen Kindern hübsche Zertifikate überreicht, dass sie Teil der Fundacion sind. Natürlich gab es auch hier wieder Fotos ohne Ende und nachdem wir drei ein paar Kleinigkeiten zum Abschied bekommen haben, gab es dann auch schon leckeres Essen in Form von Hamburgern und Wackelpudding was will man mehr! Anschließend wurde noch eine Piñata geöffnet, wir haben uns auch hier von allen Kindern, Eltern und Angehörigen der Fundacion verabschiedet und dann sind wir auch schon gegangen.
Es war eine wirklich schöne Despedida und ich bin echt traurig, die Fundacion verlassen zu müssen. Ich werde die Kinder auf jeden Fall vermissen: Sheyla, Shirley, Lukas, Julian, Mayuri, Juan, Jeremy, Gisela, Joel, Estefano und vor allem Laura und Evelyn. Aber natürlich auch alle anderen, wobei manche von ihnen schon ziemlich anstrengend sein können.
Naja aber so ist das nun eben ich kann leider nicht ewig hierbleiben. Und ob ich das wirklich möchte, das ist dann nochmal eine andere Frage.
Und so ist mein Leben hier in Archidona nun wohl zu Ende gegangen. Ich glaube, aus meinen Berichten ist bereits hervorgegangen, dass ich meine Zeit hier auf der einen Seite sehr genossen, auf der anderen Seite auch viele Aspekte des Lebens als nervig und anstrengend empfunden habe. Von daher lasse ich den ecuadorianischen Regenwald wohl mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück und werde ganz sicher wiederkehren!
Dies und Das
15.06.2025
Ich möchte diesen Blogeintrag mit einer kleinen Geschichte beginnen.
Und zwar über meine Gastmutter Marcia, die mir nämlich ein wenig von ihrer Kindheit erzählt hat.
Selbige war offenbar geprägt von ihren sehr strengen Eltern, insbesondere dem Vater. Aufstehen mussten sie sowie ihre Geschwister immer um 05:00 Uhr morgens jeden Tag, egal ob Schule, Wochenende oder Ferien. Anschließend ging es erstmal unter die Dusche, was in diesem Fall allerdings heißt, mit einer Kelle das kalte Wasser aus einem Bottich zu schöpfen und sich damit waschen. Das war dabei noch die gute Variante: wer ein bisschen zu spät aufgestanden ist, musste sich nämlich im Fluss waschen und der war einen kleinen Fußmarsch entfernt. Naja kaum fertig mit der Körperpflege geht es weiter in der Morgenroutine. Marcias Eltern hatten zwei kleine Läden, in denen sie unter anderem Tortillas verkauft haben. Die mussten natürlich erstmal vorbereitet werden und dabei waren auch die Kinder beteiligt. 500 bis 1.000 Tortillafladen hat sie jeden Morgen geknetet, meinte Marcia. Noch im Halbschlaf, alles wie ein Roboter.
Nach der Schule gab es dann gemeinsames Mittagessen, um 12:30 Uhr. Und zwar um PUNKT 12:30 Uhr. Wer zu spät kam, dessen Anteil wurde an die Schweine verfüttert dann gab es nichts mehr. Und auch nach der Mittagsmahlzeit war keine Pause angesagt. Es gab ja auch noch Yucca, die es zu verarbeiten galt. Schälen, Schneiden und was sonst noch alles dazugehört damit war Marcia bis 16:00 beschäftigt. Im Anschluss konnte sie dann mal ein bisschen Zeit zum lernen nutzen. Allerdings nur bis 17:00, denn zu dem Zeitpunkt hat die Bibliothek jeden Tag ihre Türen geschlossen. Also wieder ab nach Hause zum Abendessen, auch dazu hatte man natürlich pünktlich zu sein.
Allgemein waren ihre Eltern sehr strikt und streng. Marcia und ihre Geschwister haben sich immer exzellent benehmen müssen sonst gab es ordentlich ärger, Haue oder sie wurden "hingehangen wie Jesus", wenn ich diesen Teil richtig verstanden habe. Entsprechend hätten sie sich immer verhalten wie "Soldaten unter Hitler", meint Marcia: aufrecht sitzend und stehend, höflich, ohne Widerworte und natürlich sich den Regeln der Eltern fügend.
Das wirkt wie eine wirklich harte Kindheit und ich wollte diese Geschichte einfach mal hier teilen. Ich fand es nämlich ziemlich spannend, mal etwas aus der Vergangenheit meiner Gasteltern zu erfahren. Zu den Enkeln sind ihre Eltern dann übrigens immer total lieb und fürsorglich gewesen: hat ihnen während der Studienjahre Essen zuhause vorbeigebracht, Wäsche gewaschen und noch so dies und das. Leben tun sie allerdings nicht mehr. Marcias Mutter ist im Zuge der Coronapandemie am Virus gestorben, die Geschichte hinter dem Tod ihres Vaters habe ich nicht so ganz verstanden.
Was sie mir auch noch erzählt hat: als sie mit unserem jetzt ca. 13-jährigen Gastbruder Jumandy schwanger war, da hätte das wegen ihrer Körperform niemand mitbekommen und dann, nach der Geburt, wurde sie von allen möglichen Leuten gefragt, wessen Kind das denn sei. Tja. Lustige Anekdote, aber schon ein bisschen gemein. Andererseits sind hier insbesondere die Frauen sowieso deutlich naja dicker als in Deutschland und insgesamt wird mit der offenen Aussprache dieser Bezeichnungen für entsprechende Leute recht locker umgegangen. Trotzdem gemein.
Auch mein Gastvater Fabián hat dann noch ein bisschen was erzählt. Hauptsächlich aus seinem früheren Leben als Frauenheld in Archidona, an dessen Dasein sein Motorrad nicht ganz unschuldig gewesen sei. Er ist nämlich der einzige junge Mann gewesen, der so eine Maschine besessen habe also Grund genug für die vielen Bewunderinnen. Letztendlich habe er allerdings Marcia "ausgewählt" worüber selbe allerdings im Moment des Erzählens nur lacht und mit irgendetwas kontert, das ich nicht ganz verstanden habe. Entschieden hat er sich für Marcia jedenfalls, weil sie immer freundlich und aufgeschlossen zu seinen Freunden ist und gewesen ist, weil sie jederzeit gerne auch mal die hiesigen Events wie beispielsweise Wayuza-Upinas besucht hat und außerdem im Gegensatz zu vielen anderen nicht aus Ecuador raus und in die USA oder nach Spanien ziehen wollte. Das wäre zwar durchaus möglich gewesen, meint Fabián und dort gäbe es natürlich auch gut Geld zu verdienen aber im Westen "wären sie dann ja auch nur Sklaven gewesen".
Joa.
Schon eine krasse Perspektive, finde ich. Also absolut nachvollziehbar, aber schon heftig. Und traurig. Traurig, dass sich die Menschen hier selbst so sehen und vielleicht auch so sehen müssen. Allgemein haben die Ecuadorianer auf gewisse weltpolitische Themen und auch so insgesamt einen sehr anderen Blick als wir Deutsche. Tito beispielsweise, ein Lehrer an unserer Schule, mit dem ich viel zusammenarbeite. Der hat auf seinem Handgelenk ein Hakenkreuz tätowiert. Und wusste gar nicht, dass dieses Zeichen in Deutschland so eine schlimme Bedeutung hat. Hier in Ecuador ist das eben nicht unbedingt so stark mit dem Nationalsozialismus konnotiert, er hat dieses Tattoo aus irgendeinem anderen Grund. Auch seine Meinung gegenüber Russland ist fundamental anders als das, was in Deutschland so Konsens ist. Tito meinte, er sei absolut Pro-Putin. Eine Haltung, mit der ich persönlich so überhaupt nichts anfangen kann die aber trotzdem nachvollziehbar ist. Der Krieg in der Ukraine ist nun mal etwas, dass die Menschen hier nicht beschäftigt. Warum auch. Was sie allerdings durchaus tangiert, dass ist die wirtschaftliche Situation ihres Landes. Und nun bin ich da zwar nicht mit den Details vertraut, aber es kann ja gut sein, dass Russland dem armen Ecuador in der Hinsicht durchaus hilft oder geholfen hat und deswegen auch ein eher positiver Blick auf Putin entstanden ist. Mit den Feinheiten seiner politischen Einstellung habe ich mich jetzt natürlich nicht auseinandergesetzt, aber ich fand es einfach sehr spannend, diese teils komplett andere Sicht auf die Welt mitzubekommen, die die Menschen hier teils haben.
Jetzt aber mal zu einem Ausflug, den ich gemacht habe. Und zwar zu der Finca eines Lehrers, Ernesto, unserer Schule, der uns eben dorthin eingeladen hatte. Mit ihm, seiner Frau und seinem Pick-Up sind wir ein paar Minuten raus aus Archidona gefahren, in die Berge, die den Ort hier umgeben. Gerade so weit raus, dass sich ein toller Blick von oben auf das schöne Archidona bietet. Richtig Gebäude erkennen konnten wir zwar nicht, aber eine gute Sicht war es dennoch. Beeindruckend war außerdem mal wieder die Tiervielfalt. Schmetterlinge ohne Ende, massenhaft verschiedene Insekten, fette Hundertfüßler und noch viel mehr. Dazu noch das Zwitschern und Glucksen der Vögel einfach toll.
Jetzt waren wir allerdings nicht nur zum Spaß da oben, wir sollten und wollten auch ein bisschen mithelfen bei der anfallenden Arbeit. Die in dem Fall daraus bestand, Vorbereitungen zu treffen für die Kakaopflanzen, die dort bald wachsen sollen. Entsprechend haben wir mit großen ästen die Punkte abgesteckt, an denen dann zukünftig die Setzlinge eingepflanzt werden. Das mag sich erstmal unspektakulär anhören, allerdings ist das Gelände von dieser Finca wirklich groß und außerdem kein gepflegter Garten da gilt es echt aufzupassen, wo man hintritt, ansonsten fällt man im wahrsten Sinne des Wortes ganz schnell einer der auf dem Boden liegenden Bananenpflanzen zum Opfer. Oder wird von Ameisen gefuttert. Oder fällt in eine Höhle. Oder sinkt einfach in der Erde ein.
Tja.
Aber auch wenn es ein bisschen was zu arbeiten gab, hauptsächlich war die Einladung dazu da, uns mal das Gelände und die Gegend dort zu zeigen und am Ende gemeinsam Maito de Tilapia zu essen. Das ist der hiesige Fisch (Tilapia), eingewickelt in ein Maito-Blatt über dem Feuer gebraten, mit Yucca und Salat serviert. Lecker, wenn auch durchaus nicht ganz so einfach zu verspeisen der Fisch muss will ja anschließend noch entgrätet werden und so. Naja nett war es trotzdem. Auch wegen der ganzen Geschichten, die Ernesto uns erzählt hat. Irgendwelche Fabeln und Legenden zur Historie der Kichwa, zu den Schamanen des Amazonas und sonst welchen Dingen. Es war auf jeden Fall sehr spannend, ihm zuzuhören. Zusätzlich meinte er außerdem, dass in der Gegend immer noch überbleibsel der Inka zu finden sind: in Form von Bänken und Tischen etc. aus Stein.
Joa ansonsten kann ich zu diesem Ausflug nur noch sagen, dass so eine Machete ja schon ne ganz coole Sache ist.
Achso und ein absoluter Traum waren außerdem die ganzen Chili-Pflanzen, die Ernesto dort bei seiner Finca hat. Neben Banane, Yucca und noch irgendwas anderem baut er eben Chilis an und wow war das ein toller Anblick! Rund um die Hütte ein Strauch neben dem anderen, voll mit roten Schoten. Die auch wirklich ordentlich scharf waren, wie ich aus eigener Erfahrung nun sagen kann! Boah wie ich das vermisst habe, mir mal wieder so richtig ordentlich den Rachenraum wegzubrennen. Ich meine, Ecuador ist zwar durchaus ein Land, dass sich damit rühmt, zu wirklich jedem Gericht Ají (spanisch für Chili) zu reichen nur ist das leider in aller Regel einfach nicht scharf! Finde ich zumindest. Meine Mitfreiwilligen sehen das ein bisschen anders, aber die sind wohl einfach ein bisschen komisch. Tja.
Und leckere Orangen, die haben wir auch noch gegessen. Einmal geschält und dann weggefuttert. Haben enorm lecker geschmeckt die besten Orangen meines Lebens bis jetzt. Mit Abstand!
Hier ist nun die Zeit gekommen, um mal so ein paar kleine Anekdoten aus meinem Leben der letzten zwei Wochen einzubauen. Nichts großes, aber vielleicht ja trotzdem eine Erwähnung wert. Beginnen tue ich da mit den beiden kleinen Kindern, denen ich auf dem Rückweg nach Hause nach dem Boxtraining begegnet bin. Je näher ich gekommen bin, desto größer sind ihre Augen geworden und nachdem ich dann auch noch in meinem schönsten Spanisch ein fröhliches "Hola como va?" rausgehauen habe, konnte ich im weitergehen das grenzenlose Erstaunen hinter meinem Rücken förmlich spüren: dieses übermäßig beeindruckte "Er spricht, als wäre er hier geboren!" hat mir den wahrscheinlich größten Selbstbewusstseinsschub des gesamten letzten Jahres gegeben!
Was auch noch schön war und ist: das Wetter. Aktuell regnet es zwar viel, insgesamt ist der Himmel aber dennoch so wolkenlos, dass es zurzeit regelmäßig möglich ist, den schönen Sumaco am Horizont zu sehen. Wie ein König thront dieser Vulkan da nordöstlich von Archidona und erinnert mich immer wieder an die Bilder, wie ich mir den Fuji in Japan vorstelle. Von seiner Form her wirklich ein Prototyp Berg, sehr toll anzusehen und einfach eine Freude, wenn er mal ohne störende Wolken sichtbar ist.
Regen gibt es aber dennoch, das habe ich ja bereits erwähnt. Jeden Tag schüttet es hier mindestens ein mal, wir sind wohl in der Regenzeit angekommen. Finde ich allerdings nicht wirklich schlimm dieses Wetter sorgt nämlich auch dafür, dass es deutlich abkühlt und wir aktuell nur noch sportlich frische Tageshöchsttemperaturen von 26 Grad Celsius haben. Fast schon Pulloverwetter! Naja mal im Ernst: nur Vorteile bringt der Regen tatsächlich auch nicht. In Archidona wird alles Wasser aus unserem geliebten Fluss hier gewonnen, dem Rio Misahualli. Für die Toilette, zum Hände waschen, kochen oder duschen alles kommt von dort. Falls ich was trinken will, tue ich das natürlich nur mit abgekochtem Wasser, so viel ist klar. Aber bei dem ganzen Regen wird der Fluss ziemlich voll und vor allem dreckig, was letztendlich ab und an dazu führt, dass das Wasser einfach abgestellt wird. Dann is eben nix mehr mit Hände waschen, erstmal wieder ein bisschen abwarten. Und für die Kinder ab nach Hause, kann man ihnen ja nicht zumuten, dann noch in der Schule bleiben zu müssen. Für uns hier ist das durchaus normale Praxis und passiert ab und zu mal aber in Deutschland wäre so etwas wohl kaum vorstellbar, ist mir aufgefallen. Deswegen wollte ich das einfach mal erwähnt gehabt haben.
Und eine weitere kleine Schulgeschichte kommt aus der Institution von meiner Gastmutter Marcia. Die hat mir nämlich eines Abends erzählt, dass die Polizei mal wieder eine kleine Razzia an ihrer Schule gemacht hat Drogen suchen. Und finden. In diesem Fall sogar bei Kindern im Alter meines Gastbruders Jumandy meinte sie, was also um die 13 Jahre entspricht. In Schuhen sei das Zeug versteckt gewesen, vermutlich sind diese Jugendlichen bereits von irgendwelchen Gangs rekrutiert und vertreiben das Zeug in den Pausen oder sonst wo. Jedenfalls echt heftig, dass solche Bandenstrukturen und -tätigkeiten bereits bei den Kindern hier anfangen
Was sonst noch so abging während der letzten beiden Wochen, das ist der Dia de la Familia. Selbiger wurde quasi als Zusammenfassung für Muttertag, Vatertag und Tag der Kinder in unserer Schule gefeiert und war insgesamt echt nett. Es gab natürlich keinen Unterricht, als Ersatz waren alle Kinder mit ihren Eltern da und es wurde ein bisschen gefeiert. Was in diesem Fall heißt, dass die Familien jeweils ein bisschen was zu Essen mitgebracht und zur Verkostung bereit gestellt haben. Und ich sach's wie's ist: es ist immer ein Segen, das Essen der Eltern serviert zu bekommen! Vor allem eine Mutter dort kann einfach verdammt gut kochen, wie wir bis jetzt bereits ein paar wenige Male erfahren durften beispielsweise, als ihr Sohn uns in der Schulpause selbstgemachten Joghurt serviert hat. Was eine Geschmacksexplosion!
Naja bei der Feier jetzt wurde jedenfalls noch thematisch sortiert. Das bedeutet: es gab Essen aus den Regionen Amazonia und Costa, also einmal von hier aus dem Regenwald sowie noch von der Küste. Insgesamt wieder sehr lecker und auch dieses mal mit einer kleinen überraschung verbunden: plötzlich wurde uns nämlich Schnecke aufgetischt. In gehackter Form, gemischt mit einem Salat. Und es war nicht wirklich besonders. Geschmeckt habe ich nicht viel und die Konsistenz war ebenfalls nicht speziell. Irgendwas zwischen fest und wabbelig, im Prinzip wie Fleisch.
Joa.
Am Ende habe ich jedenfalls mit neuen kulinarischen Eindrücken in Massen und einem mehr als gefüllten Bauch die Feier verlassen, ein guter Tag.
Dann sind wir außerdem nochmal auf einem Ausflug gewesen mit den Kindern aus der Hausaufgabenhilfe, noch eine Aktion zum Tag der Kinder. Dieses mal ging es zu den Cavernas de Jumandy, die ich ja auch in einem früheren Blogeintrag mal erwähnt habe. Das sind die hiesigen Höhlen und so ein bisschen das Aushängeschild für Archidonas Tourismus. Jedenfalls gibt es neben den Höhlen auch noch die Piscinas de Jumandy, also im Prinzip ein Freibad. Und dort konnten die Kinder dann den Tag genießen. Es wurde extra für uns ein bisschen was an Luftballondeko aufgebaut, es gab Essen, Getränke und Geschenke für alle Kinder und natürlich konnten sie sich in den Schwimmbecken vergnügen. Jetzt bin ich persönlich allerdings nicht der größte Freibadtyp, so ganz mein Fall war dieses Event also nicht. Aber ich bin ja auch eher zum arbeiten dort gewesen, aufpassen auf die Kinder. Was nicht ganz so einfach war, denn in meiner Gruppe aus vier Kindern war unter anderem der Oberscharlatan Jipson und den immer im Blick zu haben, das ist eine Mammutaufgabe. Naja insgesamt war es trotzdem ganz nett und vor allem die Kinder fanden es super das ist ja die Hauptsache.
Und ich hab den fettesten Sonnenbrand bekommen, den die Welt je gesehen hat. Auf den Füßen. Eigentlich hatte ich mich nämlich eingecremt, bei diesem Prozess allerdings schon Socken an und aus Faulheit habe ich mich dann dagegen entschieden, auch meine Laufstelzen vor der Sonne zu schützen. Ein Fehler, kann ich im Nachhinein sagen.
Zu guter Letzt ging es dann nach San Pablo, ein Ausflug mit der gesamten Familie am Freitag Abend. Der damit begann, dass ich das Auto fahren durfte. Genau: ICH durfte uns im Auto zur Comunidad San Pablo kutschieren! In dem Auto, dass als Neuwagen seit einer Woche bei uns im Garten steht. In dem Auto, dass man nicht mal mehr als Pick-Up sondern viel mehr als Straßenpanzer bezeichnen muss. Insgesamt also in einem neuen, riesigen, ungewohnten, fancy Geländewagen, den ich mit einem Dreivierteljahr nicht vorhandener Fahrpraxis mal eben so inklusive Familie durch die Straßen Archidonas steuern durfte. WOW! Nun bin ich ja einfach großer Geländewagenliebhaber und bei aller Kritik an SUVs und insgesamt solchen Giganten auf der Straße muss ich sagen: das war schon ziemlich cool! Da ist durchaus ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen in Deutschland könnte ich mich mangels Möglichkeiten wahrscheinlich nie auch nur in so ein Auto reinsetzen.
Jo.
Aber jetzt zum eigentlichen Ausflug, auch wenn meine Fahrt bereits zu den absoluten Highlights des Abends gehört hat. Nach San Pablo sind wir gefahren, weil unser Gastvater Fabián uns mit einem seiner Freunde bekannt machen wollte. Der ist irgendwie Naturheiler, fast-Schamane und sonst was ich habe da nicht ganz durchgeblickt. Jedenfalls hatte er einfach Lust, diesen Dude (er sieht mit seinen Schulterlangen Haaren, der kurzen Hose und dem Tanktop tatsächlich aus wie ein "Dude" und ein Schamane) mit uns bekannt zu machen. Uns Naturmedizin trinken zu lassen und Ayahuasca. Und genau das haben wir dann auch gemacht. Wir haben einen kleinen Becher der Medizin bekommen (wofür keine Ahnung) und allein beim anschauen sind mir die alkoholischen Dämpfe schon in die Augen gestiegen, das war wirklich brutal. Das Zeug war aber mal SO UNGLAUBLICH hochprozentig, wahrscheinlich hätte ich auch Brennspiritus trinken können und keinen Unterschied gemerkt. Jedenfalls hat mir dieser Lavastrom an Medizin komplett den Rachen geschmolzen und auch noch Minuten danach mich von innen gewärmt es war spannend. Für mich, der mit Alkoholkonsum aber nicht allzu vertraut ist, durchaus ein bisschen intensiv. Naja was tut man nicht alles, um sich gesund machen zu lassen.
Erstmal gab es dann jedenfalls Abendessen und welches Tier ist bekanntlich besonders groß und stark und somit prädestiniert, um gegessen zu werden? Richtig: der Bär! Und deswegen haben wir den Bestand der Faultiere an dem Abend dezimiert. Selbiges wurde serviert, in Brühe und mit Reis. Ich hatte die Schulter, soweit ich das identifizieren konnte. Und ich muss sagen: ich habe ja in Ecuador mit vielen kulinarischen überraschungen gerechnet aber damit nun wirklich nicht! Ich dachte, hier gibt es Meerschweinchen ohne Ende zu essen und jetzt? Nichts an Meerschweinchen, dafür aber Maden, Ameisen, Heuschrecken, Schnecken und Faultier. Und wahrscheinlich noch ganz viel anderes interessantes Zeug, das ich verspeist habe. Den überblick habe ich schon lange verloren.
Naja zum runterspülen gab es dann jedenfalls Ayahuasca. Allerdings nicht der bekannte, stark halluzinogene Pflanzensud sondern irgendwas, das in Geschmack und Alkoholgehalt sehr an die Medizin von davor erinnert hat. Jetzt bin ich durch dieses Getränk zwar nicht in der fünften Dimension geschwebt, den Trip meines Lebens hatte ich an diesem Abend aber trotzdem, würde ich sagen. Insgesamt ein spannender Ausflug, hat auf jeden Fall viel Spaß gemacht. Und auch, wenn ich keine tanzenden Walfische auf Regenbögen gesehen habe, kann ich nun sagen, dass ich mal Ayahuasca getrunken habe.
Vale
Selbige war offenbar geprägt von ihren sehr strengen Eltern, insbesondere dem Vater. Aufstehen mussten sie sowie ihre Geschwister immer um 05:00 Uhr morgens jeden Tag, egal ob Schule, Wochenende oder Ferien. Anschließend ging es erstmal unter die Dusche, was in diesem Fall allerdings heißt, mit einer Kelle das kalte Wasser aus einem Bottich zu schöpfen und sich damit waschen. Das war dabei noch die gute Variante: wer ein bisschen zu spät aufgestanden ist, musste sich nämlich im Fluss waschen und der war einen kleinen Fußmarsch entfernt. Naja kaum fertig mit der Körperpflege geht es weiter in der Morgenroutine. Marcias Eltern hatten zwei kleine Läden, in denen sie unter anderem Tortillas verkauft haben. Die mussten natürlich erstmal vorbereitet werden und dabei waren auch die Kinder beteiligt. 500 bis 1.000 Tortillafladen hat sie jeden Morgen geknetet, meinte Marcia. Noch im Halbschlaf, alles wie ein Roboter.
Nach der Schule gab es dann gemeinsames Mittagessen, um 12:30 Uhr. Und zwar um PUNKT 12:30 Uhr. Wer zu spät kam, dessen Anteil wurde an die Schweine verfüttert dann gab es nichts mehr. Und auch nach der Mittagsmahlzeit war keine Pause angesagt. Es gab ja auch noch Yucca, die es zu verarbeiten galt. Schälen, Schneiden und was sonst noch alles dazugehört damit war Marcia bis 16:00 beschäftigt. Im Anschluss konnte sie dann mal ein bisschen Zeit zum lernen nutzen. Allerdings nur bis 17:00, denn zu dem Zeitpunkt hat die Bibliothek jeden Tag ihre Türen geschlossen. Also wieder ab nach Hause zum Abendessen, auch dazu hatte man natürlich pünktlich zu sein.
Allgemein waren ihre Eltern sehr strikt und streng. Marcia und ihre Geschwister haben sich immer exzellent benehmen müssen sonst gab es ordentlich ärger, Haue oder sie wurden "hingehangen wie Jesus", wenn ich diesen Teil richtig verstanden habe. Entsprechend hätten sie sich immer verhalten wie "Soldaten unter Hitler", meint Marcia: aufrecht sitzend und stehend, höflich, ohne Widerworte und natürlich sich den Regeln der Eltern fügend.
Das wirkt wie eine wirklich harte Kindheit und ich wollte diese Geschichte einfach mal hier teilen. Ich fand es nämlich ziemlich spannend, mal etwas aus der Vergangenheit meiner Gasteltern zu erfahren. Zu den Enkeln sind ihre Eltern dann übrigens immer total lieb und fürsorglich gewesen: hat ihnen während der Studienjahre Essen zuhause vorbeigebracht, Wäsche gewaschen und noch so dies und das. Leben tun sie allerdings nicht mehr. Marcias Mutter ist im Zuge der Coronapandemie am Virus gestorben, die Geschichte hinter dem Tod ihres Vaters habe ich nicht so ganz verstanden.
Was sie mir auch noch erzählt hat: als sie mit unserem jetzt ca. 13-jährigen Gastbruder Jumandy schwanger war, da hätte das wegen ihrer Körperform niemand mitbekommen und dann, nach der Geburt, wurde sie von allen möglichen Leuten gefragt, wessen Kind das denn sei. Tja. Lustige Anekdote, aber schon ein bisschen gemein. Andererseits sind hier insbesondere die Frauen sowieso deutlich naja dicker als in Deutschland und insgesamt wird mit der offenen Aussprache dieser Bezeichnungen für entsprechende Leute recht locker umgegangen. Trotzdem gemein.
Auch mein Gastvater Fabián hat dann noch ein bisschen was erzählt. Hauptsächlich aus seinem früheren Leben als Frauenheld in Archidona, an dessen Dasein sein Motorrad nicht ganz unschuldig gewesen sei. Er ist nämlich der einzige junge Mann gewesen, der so eine Maschine besessen habe also Grund genug für die vielen Bewunderinnen. Letztendlich habe er allerdings Marcia "ausgewählt" worüber selbe allerdings im Moment des Erzählens nur lacht und mit irgendetwas kontert, das ich nicht ganz verstanden habe. Entschieden hat er sich für Marcia jedenfalls, weil sie immer freundlich und aufgeschlossen zu seinen Freunden ist und gewesen ist, weil sie jederzeit gerne auch mal die hiesigen Events wie beispielsweise Wayuza-Upinas besucht hat und außerdem im Gegensatz zu vielen anderen nicht aus Ecuador raus und in die USA oder nach Spanien ziehen wollte. Das wäre zwar durchaus möglich gewesen, meint Fabián und dort gäbe es natürlich auch gut Geld zu verdienen aber im Westen "wären sie dann ja auch nur Sklaven gewesen".
Joa.
Schon eine krasse Perspektive, finde ich. Also absolut nachvollziehbar, aber schon heftig. Und traurig. Traurig, dass sich die Menschen hier selbst so sehen und vielleicht auch so sehen müssen. Allgemein haben die Ecuadorianer auf gewisse weltpolitische Themen und auch so insgesamt einen sehr anderen Blick als wir Deutsche. Tito beispielsweise, ein Lehrer an unserer Schule, mit dem ich viel zusammenarbeite. Der hat auf seinem Handgelenk ein Hakenkreuz tätowiert. Und wusste gar nicht, dass dieses Zeichen in Deutschland so eine schlimme Bedeutung hat. Hier in Ecuador ist das eben nicht unbedingt so stark mit dem Nationalsozialismus konnotiert, er hat dieses Tattoo aus irgendeinem anderen Grund. Auch seine Meinung gegenüber Russland ist fundamental anders als das, was in Deutschland so Konsens ist. Tito meinte, er sei absolut Pro-Putin. Eine Haltung, mit der ich persönlich so überhaupt nichts anfangen kann die aber trotzdem nachvollziehbar ist. Der Krieg in der Ukraine ist nun mal etwas, dass die Menschen hier nicht beschäftigt. Warum auch. Was sie allerdings durchaus tangiert, dass ist die wirtschaftliche Situation ihres Landes. Und nun bin ich da zwar nicht mit den Details vertraut, aber es kann ja gut sein, dass Russland dem armen Ecuador in der Hinsicht durchaus hilft oder geholfen hat und deswegen auch ein eher positiver Blick auf Putin entstanden ist. Mit den Feinheiten seiner politischen Einstellung habe ich mich jetzt natürlich nicht auseinandergesetzt, aber ich fand es einfach sehr spannend, diese teils komplett andere Sicht auf die Welt mitzubekommen, die die Menschen hier teils haben.
Jetzt aber mal zu einem Ausflug, den ich gemacht habe. Und zwar zu der Finca eines Lehrers, Ernesto, unserer Schule, der uns eben dorthin eingeladen hatte. Mit ihm, seiner Frau und seinem Pick-Up sind wir ein paar Minuten raus aus Archidona gefahren, in die Berge, die den Ort hier umgeben. Gerade so weit raus, dass sich ein toller Blick von oben auf das schöne Archidona bietet. Richtig Gebäude erkennen konnten wir zwar nicht, aber eine gute Sicht war es dennoch. Beeindruckend war außerdem mal wieder die Tiervielfalt. Schmetterlinge ohne Ende, massenhaft verschiedene Insekten, fette Hundertfüßler und noch viel mehr. Dazu noch das Zwitschern und Glucksen der Vögel einfach toll.
Jetzt waren wir allerdings nicht nur zum Spaß da oben, wir sollten und wollten auch ein bisschen mithelfen bei der anfallenden Arbeit. Die in dem Fall daraus bestand, Vorbereitungen zu treffen für die Kakaopflanzen, die dort bald wachsen sollen. Entsprechend haben wir mit großen ästen die Punkte abgesteckt, an denen dann zukünftig die Setzlinge eingepflanzt werden. Das mag sich erstmal unspektakulär anhören, allerdings ist das Gelände von dieser Finca wirklich groß und außerdem kein gepflegter Garten da gilt es echt aufzupassen, wo man hintritt, ansonsten fällt man im wahrsten Sinne des Wortes ganz schnell einer der auf dem Boden liegenden Bananenpflanzen zum Opfer. Oder wird von Ameisen gefuttert. Oder fällt in eine Höhle. Oder sinkt einfach in der Erde ein.
Tja.
Aber auch wenn es ein bisschen was zu arbeiten gab, hauptsächlich war die Einladung dazu da, uns mal das Gelände und die Gegend dort zu zeigen und am Ende gemeinsam Maito de Tilapia zu essen. Das ist der hiesige Fisch (Tilapia), eingewickelt in ein Maito-Blatt über dem Feuer gebraten, mit Yucca und Salat serviert. Lecker, wenn auch durchaus nicht ganz so einfach zu verspeisen der Fisch muss will ja anschließend noch entgrätet werden und so. Naja nett war es trotzdem. Auch wegen der ganzen Geschichten, die Ernesto uns erzählt hat. Irgendwelche Fabeln und Legenden zur Historie der Kichwa, zu den Schamanen des Amazonas und sonst welchen Dingen. Es war auf jeden Fall sehr spannend, ihm zuzuhören. Zusätzlich meinte er außerdem, dass in der Gegend immer noch überbleibsel der Inka zu finden sind: in Form von Bänken und Tischen etc. aus Stein.
Joa ansonsten kann ich zu diesem Ausflug nur noch sagen, dass so eine Machete ja schon ne ganz coole Sache ist.
Achso und ein absoluter Traum waren außerdem die ganzen Chili-Pflanzen, die Ernesto dort bei seiner Finca hat. Neben Banane, Yucca und noch irgendwas anderem baut er eben Chilis an und wow war das ein toller Anblick! Rund um die Hütte ein Strauch neben dem anderen, voll mit roten Schoten. Die auch wirklich ordentlich scharf waren, wie ich aus eigener Erfahrung nun sagen kann! Boah wie ich das vermisst habe, mir mal wieder so richtig ordentlich den Rachenraum wegzubrennen. Ich meine, Ecuador ist zwar durchaus ein Land, dass sich damit rühmt, zu wirklich jedem Gericht Ají (spanisch für Chili) zu reichen nur ist das leider in aller Regel einfach nicht scharf! Finde ich zumindest. Meine Mitfreiwilligen sehen das ein bisschen anders, aber die sind wohl einfach ein bisschen komisch. Tja.
Und leckere Orangen, die haben wir auch noch gegessen. Einmal geschält und dann weggefuttert. Haben enorm lecker geschmeckt die besten Orangen meines Lebens bis jetzt. Mit Abstand!
Hier ist nun die Zeit gekommen, um mal so ein paar kleine Anekdoten aus meinem Leben der letzten zwei Wochen einzubauen. Nichts großes, aber vielleicht ja trotzdem eine Erwähnung wert. Beginnen tue ich da mit den beiden kleinen Kindern, denen ich auf dem Rückweg nach Hause nach dem Boxtraining begegnet bin. Je näher ich gekommen bin, desto größer sind ihre Augen geworden und nachdem ich dann auch noch in meinem schönsten Spanisch ein fröhliches "Hola como va?" rausgehauen habe, konnte ich im weitergehen das grenzenlose Erstaunen hinter meinem Rücken förmlich spüren: dieses übermäßig beeindruckte "Er spricht, als wäre er hier geboren!" hat mir den wahrscheinlich größten Selbstbewusstseinsschub des gesamten letzten Jahres gegeben!
Was auch noch schön war und ist: das Wetter. Aktuell regnet es zwar viel, insgesamt ist der Himmel aber dennoch so wolkenlos, dass es zurzeit regelmäßig möglich ist, den schönen Sumaco am Horizont zu sehen. Wie ein König thront dieser Vulkan da nordöstlich von Archidona und erinnert mich immer wieder an die Bilder, wie ich mir den Fuji in Japan vorstelle. Von seiner Form her wirklich ein Prototyp Berg, sehr toll anzusehen und einfach eine Freude, wenn er mal ohne störende Wolken sichtbar ist.
Regen gibt es aber dennoch, das habe ich ja bereits erwähnt. Jeden Tag schüttet es hier mindestens ein mal, wir sind wohl in der Regenzeit angekommen. Finde ich allerdings nicht wirklich schlimm dieses Wetter sorgt nämlich auch dafür, dass es deutlich abkühlt und wir aktuell nur noch sportlich frische Tageshöchsttemperaturen von 26 Grad Celsius haben. Fast schon Pulloverwetter! Naja mal im Ernst: nur Vorteile bringt der Regen tatsächlich auch nicht. In Archidona wird alles Wasser aus unserem geliebten Fluss hier gewonnen, dem Rio Misahualli. Für die Toilette, zum Hände waschen, kochen oder duschen alles kommt von dort. Falls ich was trinken will, tue ich das natürlich nur mit abgekochtem Wasser, so viel ist klar. Aber bei dem ganzen Regen wird der Fluss ziemlich voll und vor allem dreckig, was letztendlich ab und an dazu führt, dass das Wasser einfach abgestellt wird. Dann is eben nix mehr mit Hände waschen, erstmal wieder ein bisschen abwarten. Und für die Kinder ab nach Hause, kann man ihnen ja nicht zumuten, dann noch in der Schule bleiben zu müssen. Für uns hier ist das durchaus normale Praxis und passiert ab und zu mal aber in Deutschland wäre so etwas wohl kaum vorstellbar, ist mir aufgefallen. Deswegen wollte ich das einfach mal erwähnt gehabt haben.
Und eine weitere kleine Schulgeschichte kommt aus der Institution von meiner Gastmutter Marcia. Die hat mir nämlich eines Abends erzählt, dass die Polizei mal wieder eine kleine Razzia an ihrer Schule gemacht hat Drogen suchen. Und finden. In diesem Fall sogar bei Kindern im Alter meines Gastbruders Jumandy meinte sie, was also um die 13 Jahre entspricht. In Schuhen sei das Zeug versteckt gewesen, vermutlich sind diese Jugendlichen bereits von irgendwelchen Gangs rekrutiert und vertreiben das Zeug in den Pausen oder sonst wo. Jedenfalls echt heftig, dass solche Bandenstrukturen und -tätigkeiten bereits bei den Kindern hier anfangen
Was sonst noch so abging während der letzten beiden Wochen, das ist der Dia de la Familia. Selbiger wurde quasi als Zusammenfassung für Muttertag, Vatertag und Tag der Kinder in unserer Schule gefeiert und war insgesamt echt nett. Es gab natürlich keinen Unterricht, als Ersatz waren alle Kinder mit ihren Eltern da und es wurde ein bisschen gefeiert. Was in diesem Fall heißt, dass die Familien jeweils ein bisschen was zu Essen mitgebracht und zur Verkostung bereit gestellt haben. Und ich sach's wie's ist: es ist immer ein Segen, das Essen der Eltern serviert zu bekommen! Vor allem eine Mutter dort kann einfach verdammt gut kochen, wie wir bis jetzt bereits ein paar wenige Male erfahren durften beispielsweise, als ihr Sohn uns in der Schulpause selbstgemachten Joghurt serviert hat. Was eine Geschmacksexplosion!
Naja bei der Feier jetzt wurde jedenfalls noch thematisch sortiert. Das bedeutet: es gab Essen aus den Regionen Amazonia und Costa, also einmal von hier aus dem Regenwald sowie noch von der Küste. Insgesamt wieder sehr lecker und auch dieses mal mit einer kleinen überraschung verbunden: plötzlich wurde uns nämlich Schnecke aufgetischt. In gehackter Form, gemischt mit einem Salat. Und es war nicht wirklich besonders. Geschmeckt habe ich nicht viel und die Konsistenz war ebenfalls nicht speziell. Irgendwas zwischen fest und wabbelig, im Prinzip wie Fleisch.
Joa.
Am Ende habe ich jedenfalls mit neuen kulinarischen Eindrücken in Massen und einem mehr als gefüllten Bauch die Feier verlassen, ein guter Tag.
Dann sind wir außerdem nochmal auf einem Ausflug gewesen mit den Kindern aus der Hausaufgabenhilfe, noch eine Aktion zum Tag der Kinder. Dieses mal ging es zu den Cavernas de Jumandy, die ich ja auch in einem früheren Blogeintrag mal erwähnt habe. Das sind die hiesigen Höhlen und so ein bisschen das Aushängeschild für Archidonas Tourismus. Jedenfalls gibt es neben den Höhlen auch noch die Piscinas de Jumandy, also im Prinzip ein Freibad. Und dort konnten die Kinder dann den Tag genießen. Es wurde extra für uns ein bisschen was an Luftballondeko aufgebaut, es gab Essen, Getränke und Geschenke für alle Kinder und natürlich konnten sie sich in den Schwimmbecken vergnügen. Jetzt bin ich persönlich allerdings nicht der größte Freibadtyp, so ganz mein Fall war dieses Event also nicht. Aber ich bin ja auch eher zum arbeiten dort gewesen, aufpassen auf die Kinder. Was nicht ganz so einfach war, denn in meiner Gruppe aus vier Kindern war unter anderem der Oberscharlatan Jipson und den immer im Blick zu haben, das ist eine Mammutaufgabe. Naja insgesamt war es trotzdem ganz nett und vor allem die Kinder fanden es super das ist ja die Hauptsache.
Und ich hab den fettesten Sonnenbrand bekommen, den die Welt je gesehen hat. Auf den Füßen. Eigentlich hatte ich mich nämlich eingecremt, bei diesem Prozess allerdings schon Socken an und aus Faulheit habe ich mich dann dagegen entschieden, auch meine Laufstelzen vor der Sonne zu schützen. Ein Fehler, kann ich im Nachhinein sagen.
Zu guter Letzt ging es dann nach San Pablo, ein Ausflug mit der gesamten Familie am Freitag Abend. Der damit begann, dass ich das Auto fahren durfte. Genau: ICH durfte uns im Auto zur Comunidad San Pablo kutschieren! In dem Auto, dass als Neuwagen seit einer Woche bei uns im Garten steht. In dem Auto, dass man nicht mal mehr als Pick-Up sondern viel mehr als Straßenpanzer bezeichnen muss. Insgesamt also in einem neuen, riesigen, ungewohnten, fancy Geländewagen, den ich mit einem Dreivierteljahr nicht vorhandener Fahrpraxis mal eben so inklusive Familie durch die Straßen Archidonas steuern durfte. WOW! Nun bin ich ja einfach großer Geländewagenliebhaber und bei aller Kritik an SUVs und insgesamt solchen Giganten auf der Straße muss ich sagen: das war schon ziemlich cool! Da ist durchaus ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen in Deutschland könnte ich mich mangels Möglichkeiten wahrscheinlich nie auch nur in so ein Auto reinsetzen.
Jo.
Aber jetzt zum eigentlichen Ausflug, auch wenn meine Fahrt bereits zu den absoluten Highlights des Abends gehört hat. Nach San Pablo sind wir gefahren, weil unser Gastvater Fabián uns mit einem seiner Freunde bekannt machen wollte. Der ist irgendwie Naturheiler, fast-Schamane und sonst was ich habe da nicht ganz durchgeblickt. Jedenfalls hatte er einfach Lust, diesen Dude (er sieht mit seinen Schulterlangen Haaren, der kurzen Hose und dem Tanktop tatsächlich aus wie ein "Dude" und ein Schamane) mit uns bekannt zu machen. Uns Naturmedizin trinken zu lassen und Ayahuasca. Und genau das haben wir dann auch gemacht. Wir haben einen kleinen Becher der Medizin bekommen (wofür keine Ahnung) und allein beim anschauen sind mir die alkoholischen Dämpfe schon in die Augen gestiegen, das war wirklich brutal. Das Zeug war aber mal SO UNGLAUBLICH hochprozentig, wahrscheinlich hätte ich auch Brennspiritus trinken können und keinen Unterschied gemerkt. Jedenfalls hat mir dieser Lavastrom an Medizin komplett den Rachen geschmolzen und auch noch Minuten danach mich von innen gewärmt es war spannend. Für mich, der mit Alkoholkonsum aber nicht allzu vertraut ist, durchaus ein bisschen intensiv. Naja was tut man nicht alles, um sich gesund machen zu lassen.
Erstmal gab es dann jedenfalls Abendessen und welches Tier ist bekanntlich besonders groß und stark und somit prädestiniert, um gegessen zu werden? Richtig: der Bär! Und deswegen haben wir den Bestand der Faultiere an dem Abend dezimiert. Selbiges wurde serviert, in Brühe und mit Reis. Ich hatte die Schulter, soweit ich das identifizieren konnte. Und ich muss sagen: ich habe ja in Ecuador mit vielen kulinarischen überraschungen gerechnet aber damit nun wirklich nicht! Ich dachte, hier gibt es Meerschweinchen ohne Ende zu essen und jetzt? Nichts an Meerschweinchen, dafür aber Maden, Ameisen, Heuschrecken, Schnecken und Faultier. Und wahrscheinlich noch ganz viel anderes interessantes Zeug, das ich verspeist habe. Den überblick habe ich schon lange verloren.
Naja zum runterspülen gab es dann jedenfalls Ayahuasca. Allerdings nicht der bekannte, stark halluzinogene Pflanzensud sondern irgendwas, das in Geschmack und Alkoholgehalt sehr an die Medizin von davor erinnert hat. Jetzt bin ich durch dieses Getränk zwar nicht in der fünften Dimension geschwebt, den Trip meines Lebens hatte ich an diesem Abend aber trotzdem, würde ich sagen. Insgesamt ein spannender Ausflug, hat auf jeden Fall viel Spaß gemacht. Und auch, wenn ich keine tanzenden Walfische auf Regenbögen gesehen habe, kann ich nun sagen, dass ich mal Ayahuasca getrunken habe.
Vale
Ein paar aktive Tage
01.06.2025
Ich bin mal wieder auf Reisen gewesen.
Nach Otavalo und Ibarra hat es mich dieses mal verschlagen, gemeinsam mit meinem Mitfreiwilligen. Anlass war ein Ferientag, der zu einem langen Wochenende und damit der perfekten Gelegenheit für einen kleinen Urlaub geführt hat.
Selbiger begann dann erstmal mit einer Busfahrt über Quito, da unser Ziel nördlich der Hauptstadt liegt und naja, das dementsprechend ein fast notwendiger Zwischenstopp war. "Fast" deswegen, weil es eigentlich bereits deutlich vor Quito einen großen Umstiegspunkt (Pifo) gibt, bei dem man sich seinen Anschlussbus schnappen und so den ganzen Stadtverkehrt vermeiden kann, wen man mag. Nicht so ganz "fast" aber aus dem Grund, weil mein Mitfreiwilliger noch eine Kleinigkeit in Quito zu erledigen hatte und wir entsprechend einmal durch die Stadt gurken mussten. Dazu kommt, dass es in Quito mehrere Busterminals gibt. Unter anderem einen im Süden (unser "Ankunftsterminal") sowie einen im Norden (der für unseren Anschlussbus) und von einem Ende Quitos ans andere zu fahren, das ist schon echt eine Reise. Mit der U-Bahn eine Fahrt von 45 Minuten, anschließend ab in den Bus und eine weitere halbe Stunde öffentlicher Nahverkehr, dann ist man so langsam mal am Ziel und kann sich den ersehnten, nächsten Fernbus suchen.
Und ich muss ehrlich sagen: das war ziemlich anstrengend. Und nervig. Und komisch und blöd und kompliziert und so unentspannt. In meinem geliebten Archidona gibt es EINEN Terminal und DREI verschiedene Busse, aus denen man auszuwählen hat alles kein Problem. In Quito ist das um Welten komplexer und das alles in Kombination damit, dass diese Millionenstadt einfach so unglaublich wuselig ist, hat diese Odyssee irgendwie nicht zu dem positiven Gesamterlebnis gemacht, das ich mir erhofft hatte.
Naja so habe ich wenigstens für mich festgestellt, dass ich wohl nie in so einer Millionenstadt leben kann, möchte und werde. Zumindest nicht permanent.
Irgendwann sind wir dann aber natürlich auch an unserem Ziel angekommen, nämlich in Otavalo. Das ist ein Andenstädtchen und vor allem für seinen großen Handarbeits- sowie den Tiermarkt bekannt. In den Anden gelegen bedeutet allerdings: da is bergig. Und das hab ich auch zu spüren bekommen. Erstmal nur meine Lunge direkt bei der Ankunft um 22:00 Uhr, kurz darauf dann auch meine Waden, als wir den brutalen Aufstieg zu unserem Hostel bewältigt haben. Der Name "Mirador de Otavalo" (im Prinzip der "Aussichtsort von Otavalo") hätte zwar in der Hinsicht bereits im Voraus stutzig machen können, aber da hab ich irgendwie nicht dran gedacht. Naja ist ja auch egal. Denn die versprochene tolle Aussicht wurde zumindest geboten. Ein schöner Blick über die Stadt, sowohl bei Tag als auch bei Dunkelheit äußerst sehenswert! Das Hostel an sich war jetzt zwar keine Besonderheit, es war aber auch nicht schlecht einfach eine normale, solide Unterkunft.
Was an Otavalo und der Gegend auch toll ist: das Klima. Wegen der Höhenlage ist es angenehm frisch und es weht immer wieder ein Lüftchen, trotzdem scheint viel Sonne und man kann im Prinzip kontinuierlich im T-Shirt oder wenigstens Pullover rumlaufen, zumindest den Tag über. Der Nähe zum äquator wegen ändert sich daran ja auch das ganze Jahr über nichts, wie in gesamt Ecuador. Das führt letztlich dazu, dass in Otavalo eigentlich das ganze Jahr über Frühling herrscht ein absoluter Traum!
dachte ich zumindest, bis mir bzw. meiner Nase wieder eingefallen ist, dass es ja so etwas wie Heuschnupfen gibt.
Joa.
Das hat dem Urlaub dann doch irgendwie so einen kleinen Dämpfer verpasst, muss ich sagen. Aber gut, da kann ich natürlich nichts machen außer, einfach die gesamte Zeit über mit Atemmaske rumzulatschen. Und immerhin verpasse ich ja aktuell auch die gesamte Pollensaison für dieses Jahr in Deutschland, damit kann ich also leben.
Unseren ersten, kompletten Urlaubstag haben wir dann direkt in Ibarra verbringen wollen, also einer etwas größeren Stadt nördlich von Otavalo. Erstmal ging es aber natürlich ans frühstücken, selbiges noch in unserem eigentlichen Ferienort selbst. So sind wir also am Morgen noch durch Otavalo geschlendert, einen kleinen Schwenk über den bereits erwähnten Markt (wirkt ganz nett, aber auch ordentlich teuer) und anschließend ab in ein kleines Restaurant, um mal wieder das brutale Preis-Leistungs-Verhältnis bei der ersten Mahlzeit des Tages auszunutzen: für sehr wenig Geld gibt es immer SEHR viel an Essen und Trinken. In diesem Fall waren es $3, für die ich Kaffee (allerdings Instant-Kaffee), frischen Saft, Reis, Salat, eine Hühnchenkeule und zwei Spiegeleier bekommen habe. Also eine durchaus ganz gut deftige Portion, die auch erstmal satt macht und einen guten Start in den Tag ermöglicht!
Selbigen haben wir dann auch genutzt, sind nämlich direkt in den Bus nach Ibarra gestiegen, um da unsern Reiseplänen nachzukommen. Für mich war das allerdings wieder verbunden mit so einem kleinen naja, "Schock", irgendwie. Von den VerkäuferInnen, die im Bus ihre Waren anpreisen und verkaufen, habe ich ja bereits mal erzählt. Und dass auch durchaus mal Kinder zu dem Zwecke unterwegs sind, ist ebenfalls schon erwähnt worden. Nichtsdestotrotz ist es doch immer wieder ein sehr komisches und beklemmendes Gefühl, das mitzubekommen: in diesem Fall ist nämlich ein kleines Mädchen mit maximal 12 Jahren durch den Bus marschiert, um dort irgendwelche Bonbons loszuwerden. Es ist doch wirklich traurig, das es so etwas gibt.
Naja trotzdem gehe ich mal weiter auf unseren Ibarra-Ausflug ein. Zu dem kann ich erstmal sagen: Ibarra wirkt mir nach einer ganz netten Stadt, irgendwie. Es hat eine sehr angenehme Atmosphäre. Es ist wuselig und voll, aber dennoch entspannt und nicht zu groß eine lustige Mischung. Das dann auch in Kombination mit dem bis jetzt besten Markt, den ich erlebt habe. überdacht gibt es dort auf recht großer Fläche von Obst und Gemüse über Gewürze und Küchenutensilien bis zu warmen Mahlzeiten wirklich alles und zwar nach wie vor in der schönen Ibarra-Atmosphäre. Es war einfach in nettes Erlebnis, ganz schwer zu beschreiben.
Ibarra selbst war allerdings gar nicht das Ziel unseres heutigen Ausflugs. Wir wollten zu der Finca Sommerwind, einem deutschen Campingplatz und Café an der Laguna Yahuarcocha! Zu diesem Zweck sind wir erstmal mit dem Bus eine halbe Stunde in das kleine Dorf Priorato gefahren und von dort aus anschließend noch ca. eine Stunde gewandert, bis es schließlich leckeren Bienenstich als Belohnung gab. Und WOW war der lecker! Ich vermisse die gute deutsche Küche ja nach wie vor, aber das war dann doch ein kleines Stück Heimat, das meine Geschmacksknospen erhellen durfte. Allgemein war die Atmosphäre sehr nett: nicht viel los, mit dem sympathischen deutschen Betreiber haben wir uns gut unterhalten und das Essen war lecker ich bin voll und ganz zufrieden. Natürlich etwas teurer als gewohnt hier in Ecuador, aber das kann ich gut in Kauf nehmen, in diesem Fall. Und auch der Weg dorthin war schön. Wir sind durch Steppe, Gräser und Kakteen immer in Richtung See gewandert, nur um dann plötzlich was zu sehen? Genau: eine Rennpiste! Mit Betrieb, in dem Moment. Erst ist uns nur die willkürlich platzierte Tribüne aufgefallen, die da am Straßenrand vor dem See steht, bis wir dann irgendwann das Motorgebrumme und schließlich auch die Sportwagen entdeckt haben, die dort neben der normalen Straße gerade am trainieren waren. Lustige Sache.
Von dem Café zurück sind wir übrigens nicht gewandert, da wurden wir kostenlos von so einem "Gusano" mitgenommen. Wörtlich übersetzt ist das ein "Wurm" und in der Realität handelt es sich dabei um ein Freizeitparkgefährt, das quasi hinter dem Triebwagen ewig viele Anhänger mit Sitzmöglichkeiten hat und damit als "Wurm" durch die Straßen wuselt. Schwierig zu erklären. Aber wir wurden fast bis zum Bus zurückgefahren also ein voller Erfolg.
Jetzt möchte ich aber noch kurz auf die bereits erwähnte Laguna Yahuarcocha eingehen, die nämlich eine wie ich finde ziemlich spannende Geschichte hat. In Kichwa lautet der Name Yawarkucha, was See des Blutes (Yawar=Blut, Kucha=Wasser/See) bedeutet. Und dieser Name, der lässt sich auf die Zeit der Inka zurückführen. Die kamen nämlich ca. im 15. Jahrhundert auch in die Gegend rund um Otavalo und Ibarra, sahen sich dort dann aber dem Stamm der Caranqui gegenüber, die ihr Gebiet natürlich verteidigen wollten. Zuerst konnten sie sich den Eindringlingen auch widersetzen, am Ende siegte aber dennoch der Inka-Häuptling Huayna Capac der dann gleich noch das Massaker der gesamten männlichen Bevölkerung der Caranqui anordnete. Selbiges fand am Ufer eines Sees statt: dem Yawarkucha.
Nach diesem kleinen Historik-Ausflug geht es direkt weiter zum nächsten Trip und damit auch zum nächsten See: dem Cuicocha bzw. Kuykucha bzw. Meerschweinchensee. Nach einem wirklich SEHR leckeren Frühstück an einem Straßenstand (es war echt mega lecker, deutlich geschmackvoller noch als in dem Restaurant vom Vortag Straßenstände sind's einfach!) ging es mit Bus und Taxi zu dem erwähnten Kratersee. Genau, ein See in einem Vulkankrater. Dieses Naturspektakel ist vor ca. 3.100 Jahren entstanden und bietet jetzt eben den erwähnten See im Vulkankrater sowie darüber hinaus noch zwei bewaldete Inseln aus getrockneter Lava. Ein wirklich tolles Bild, das sich einem dort bietet. Das Wasser ist tiefblau und sehr klar, am Ufer und mit der richtigen Sonne wirkt es teilweise leicht türkis und lädt direkt zum Baden ein. Allerdings nur für den Menschen: der See ist offenbar ganz ordentlich alkalisch, weswegen in dem Wasser selbst nicht viel lebt. Den Menschen stört das aber wie gesagt eher weniger und so gibt es jedes Jahr ein Wettschwimmen mit Preisgeld im Cuicocha. Wie genau das abläuft und wie hoch die Preise ausfallen, das weiß ich zwar nicht, aber offensichtlich geht auch dieses Event auf eine gewisse Tradition zurück: früher haben sich nämlich jedes Jahr einmal alle "heiratsreifen" Frauen auf die Insel gestellt, die entsprechenden Männer mussten dann ihre Kraft, Ausdauer und Motivation im Schwimmen unter Beweis stellen und wer zuerst ankam, der durfte sich auch zuerst eine Frau aussuchen.
Joa.
Heute wird das natürlich nicht mehr praktiziert, aber dafür gibt es ja die neue Version des Wettschwimmens.
Deswegen sind wir aber nicht dort gewesen, wir wollten ein wenig wandern. Einmal um den Krater rum, um genau zu sein. Entsprechend sind wir recht früh vor Ort gewesen, um anschließend bei bestem Wetter den Rundweg von 12 Kilometern anzutreten und innerhalb von 3 Stunden zu bewältigen. 4 Stunden, wenn man die ganzen Foto- und Essenspausen mitrechnet. Es war jedenfalls eine tolle Wanderung! Das Wetter war wie gesagt super und die Aussicht erst recht. Neben dem Blick auf den See, dessen Wasserformationen mit dem Wind wirklich spannend aussahen, war auch die Umgebung mit der Andenlandschaft wirklich beeindruckend. Der große Imbabura war zwar die gesamte Zeit über Wolkenverhangen und zwischenzeitlich hatten auch wir kurz Regenangst, aber zumindest letztere hat sich dann recht schnell wieder gelegt und so konnten wir die Ruhe und die schöne Natur auf einer insgesamt sehr schönen und entspannten Wanderung genießen. Dem wurde dann zwar ein recht abruptes Ende gesetzt, als wir irgendwann wieder beim Ausgangspunkt und damit auch Parkplatz des Cuicocha angekommen sind und direkt mit lauter Partymusik zur Bespaßung der ganzen Restaurant- und Aussichtsbewunderungsgäste begrüßt wurden. Naja immerhin die 4 Stunden davor sind sehr angenehm gewesen. Und lange haben wir diese neue Atmosphäre auch gar nicht ertragen müssen, denn recht schnell waren unsere Versuche erfolgreich, ein Auto anzuhalten und uns wieder zurück zum Bus mitzunehmen. Ein wirklich sehr nettes Pärchen hat uns eingesammelt und so hatten wir eine angenehme Rückfahrt mit guten Gesprächen und das sogar noch kostenlos, ohne die $7 für ein Taxi bezahlen zu müssen!
Zur Mittagszeit sind wir dann wieder in Otavalo gewesen und haben dort auch nochmal dem Handarbeitsmarkt einen Besuch abgestattet. Es ist dort zwar grundsätzlich teuer, mit meinen gottgleichen Verhandlungskünsten konnte ich mir aber einen schönen Schal für $8 statt $15 sowie einen Traumfänger für $6 statt $10 erhandeln. Wahrscheinlich wäre da sogar ein noch besserer Preis drin gewesen aber ich bin ganz zufrieden und durchaus stolz auf mich. Meine "Strategie" besteht übrigens darin, dass ich erstmal über den gesamten Markt laufe und mir von verschiedenen Händlern zu dem jeweils selben Produkt ihren Preis nennen lasse und sobald ich dann ein Version finde, die mich wirklich interessiert (in diese Fall wollte ich ja einen Schal haben), kann ich noch UNTER dem niedrigsten Preis einsteigen, den ich von einem Verkäufer erfahren habe. Das funktioniert in aller Regel ganz gut und so konnte ich mir ein paar schöne Souvenirs besorgen, die nach europäischem Standard natürlich sowieso spottbillig sind.
Zwischengeschoben möchte ich hier noch zwei kleine Dinge erwähnen, die mir aufgefallen sind. Erstens: wir sind hier in Otavalo auf einer Höhe von 2.500 Metern. Es ist kalt und die Luft ist dünn. Wieso zur Hölle gibt es hier TROTZDEM Mücken??? Ich bin doch nicht ohne Grund aus Archidona abgehauen für das Wochenende, Mensch! Einfach unglaublich, was sich die Natur hier mal wieder erlaubt.
Zweitens: es ist immer wieder interessant zu sehen, was es für starke kulturelle Unterschiede auch innerhalb des Landes gibt. In diesem Fall jetzt mal bezogen auf die Indigenen Menschen. Einmal ist natürlich der Kleidungsstil an sich immer unterschiedlich, je nach Region und Kultur. Auch Tänze, Sprache und Traditionen unterscheiden sich. Was hier allerdings besonders auffällt: ein sehr großer Teil der Menschen (Frauen und Männer) trägt lange, schwarze Haare, die zu einem Zopf zusammengebunden oder geflochten sind. Das ist irgendwie lustig zu sehen und auch einfach etwas, was mir sonst noch überhaupt nicht begegnet ist hier in Ecuador.
Naja weiter geht es jedenfalls mit Sonntag, dem Tag unserer Rückreise nach Archidona. Die allerdings warten muss, weil wir erstmal noch einen kleinen Ausflug geplant haben. Selbiger beginnt um 08:00 in Ibarra, weswegen früh aufstehen und noch eine kleine Busfahrt angesagt ist. Und dann sind wir auch schon da, an der Zughaltestelle. 15 Minuten vor Beginn der Tour, wie es das Ticket verlangt. Nur, um dann noch eine Dreiviertelstunde zu warten, bis es tatsächlich losgeht. Das hat meiner Laune schon so einen kleinen Dämpfer verpasst, muss ich ehrlich sagen. Aber dann ist der Zug endlich abgefahren und wir konnten zweieinhalb Stunden schöne Aussicht und Atmosphäre genießen.
Der Zug von Ecuador war bis vor einigen Jahren noch im ganzen Land unterwegs, bzw. besser gesagt durch das ganze Land. Von Guayaquil über Riobamba bis nach Ibarra ging die Fahrt, in mehreren Etappen konnte man so die Vielfalt Ecuadors erfahren. Aber dieser Zugbetrieb wurde eingestellt und erst seit ca. einem Monat gibt es wieder Touren auf einer kleinen Teilstrecke: von Ibarra nach Atuntaqui und wieder zurück. Ein paar Zwischenstopps hier und da zum Souvenirshoppen (in meinem Fall eine schöne Tasse und ein leckerer Milchreis) und schwuppdiwupp sind die zweieinhalb Stunden auch schon wieder vorbei.
Insgesamt war es eine schöne Fahrt. Etwas ruckelig zwar, aber durchaus mit angenehmer Atmosphäre. Außerdem waren die Hälfte der Leute aus unserem Wagen Touristen, die in ihrer Gruppe nach der Hälfte ausgestiegen sind und mit irgendeinem anderen Programm weitergemacht haben. Die Strecke an sich war auch nett, aber auch nicht sooo besonders anders als die Fahrten mit dem Bus, muss ich ehrlich sagen. Zusätzlich dazu waren auch noch die beiden großen Berge Imbabura und Cayambe komplett bewölkt, sodass es keine Möglichkeit gab, diese beiden Giganten in all ihrer Pracht zu bewundern.
Mein Highlight war vor diesem Hintergrund dann die eine Touri-Mutter, die ihr Kind an einer Leine gehalten hat. Und in einem Moment ihrer Unachtsamkeit, als der Knabe dennoch entwischt ist, mit Bonbon in der Hand und dem Ruf "Guck mal ich hab Süßigkeiten!" ihren Jungen wieder einfange konnte.
Ich lasse das einfach mal so stehen.
Insgesamt ist dieser Zug jedenfalls ein ziemliches Touristending. Ein entweder sehr großer oder einfach nur sehr präsenter Teil der Fahrtgäste war erkennbar dem absoluten Touristendasein zuzuordnen. Andererseits ist der Zug vermutlich auch genau darauf ausgelegt. Anschließend ging es dann für ins endlich zurück nach Archidona. Nach etwas Wartezeit hat sich unser Bus nach Pifo am Terminal eingefunden und wir konnten die zuerst entspannte, dann aber irgendwann schon auch ziemlich langwierige Fahrt nach Hause antreten. Zum Glück hatten wir erstens gute Busse und zweitens auch noch immer gute Plätze, denn insbesondere unser erster Bus war einfach KOMPLETT voll. Da ging wirklich gar nichts mehr rein und raus.
Naja und nach einem langen Fahrttag sind wir dann schließlich auch zuhause in unserem geliebten Archidona angekommen.
Was ist außerdem noch passiert Achja richtig! In der letzten Woche sind zweimal die Reinas von Archidona in unserer Schule zu Besuch gewesen. Einmal die Reina des Kantons Archidona, für die das gefühlt wirklich eine reine Werbeveranstaltung war um ihre Social Media Accounts zu bestücken und ein paar Tage später noch die beiden Reinas der Stadt Archidona, für die wahrscheinlich dasselbe galt, die allerdings zumindest noch den Tag der Kinder als Anlass genommen und Kuchen mitgebracht haben. Aber ich kann das wahrscheinlich sowieso nicht so gut beurteilen. Auf mich hat es zwar etwas komisch gewirkt, aber ich möchte ja auch die Sitten und Gegebenheiten hier nicht hinterfragen.
Wenn wir aber schon beim Tag der Kinder sind: dazu gab es noch eine kleine andere überraschung. Für die Kinder der Hausaufgabenhilfe. Bei denen war nämlich die Polizei zu Besuch und zwar mit einem absoluten Großaufgebot. Der überwiegende Teil waren zwar Azubis, aber trotzdem. Jedenfalls sind wir dann gemeinsam mit den PolizistInnen bei einem kleinen Sportplatz gewesen, bei dem sie für die Kinder ein ordentliches Programm zusammengestellt hatten: Kasperletheater, Zaubershow, Schminktisch sowie natürlich Kuchen und Geschenke. Es war ein wirklich lustiges und nettes Event, die Kinder waren alle sehr fröhlich und Joa, es hat einfach Spaß gemacht. Ein schöner Tag.
Hasta la vista, baby!
Nach Otavalo und Ibarra hat es mich dieses mal verschlagen, gemeinsam mit meinem Mitfreiwilligen. Anlass war ein Ferientag, der zu einem langen Wochenende und damit der perfekten Gelegenheit für einen kleinen Urlaub geführt hat.
Selbiger begann dann erstmal mit einer Busfahrt über Quito, da unser Ziel nördlich der Hauptstadt liegt und naja, das dementsprechend ein fast notwendiger Zwischenstopp war. "Fast" deswegen, weil es eigentlich bereits deutlich vor Quito einen großen Umstiegspunkt (Pifo) gibt, bei dem man sich seinen Anschlussbus schnappen und so den ganzen Stadtverkehrt vermeiden kann, wen man mag. Nicht so ganz "fast" aber aus dem Grund, weil mein Mitfreiwilliger noch eine Kleinigkeit in Quito zu erledigen hatte und wir entsprechend einmal durch die Stadt gurken mussten. Dazu kommt, dass es in Quito mehrere Busterminals gibt. Unter anderem einen im Süden (unser "Ankunftsterminal") sowie einen im Norden (der für unseren Anschlussbus) und von einem Ende Quitos ans andere zu fahren, das ist schon echt eine Reise. Mit der U-Bahn eine Fahrt von 45 Minuten, anschließend ab in den Bus und eine weitere halbe Stunde öffentlicher Nahverkehr, dann ist man so langsam mal am Ziel und kann sich den ersehnten, nächsten Fernbus suchen.
Und ich muss ehrlich sagen: das war ziemlich anstrengend. Und nervig. Und komisch und blöd und kompliziert und so unentspannt. In meinem geliebten Archidona gibt es EINEN Terminal und DREI verschiedene Busse, aus denen man auszuwählen hat alles kein Problem. In Quito ist das um Welten komplexer und das alles in Kombination damit, dass diese Millionenstadt einfach so unglaublich wuselig ist, hat diese Odyssee irgendwie nicht zu dem positiven Gesamterlebnis gemacht, das ich mir erhofft hatte.
Naja so habe ich wenigstens für mich festgestellt, dass ich wohl nie in so einer Millionenstadt leben kann, möchte und werde. Zumindest nicht permanent.
Irgendwann sind wir dann aber natürlich auch an unserem Ziel angekommen, nämlich in Otavalo. Das ist ein Andenstädtchen und vor allem für seinen großen Handarbeits- sowie den Tiermarkt bekannt. In den Anden gelegen bedeutet allerdings: da is bergig. Und das hab ich auch zu spüren bekommen. Erstmal nur meine Lunge direkt bei der Ankunft um 22:00 Uhr, kurz darauf dann auch meine Waden, als wir den brutalen Aufstieg zu unserem Hostel bewältigt haben. Der Name "Mirador de Otavalo" (im Prinzip der "Aussichtsort von Otavalo") hätte zwar in der Hinsicht bereits im Voraus stutzig machen können, aber da hab ich irgendwie nicht dran gedacht. Naja ist ja auch egal. Denn die versprochene tolle Aussicht wurde zumindest geboten. Ein schöner Blick über die Stadt, sowohl bei Tag als auch bei Dunkelheit äußerst sehenswert! Das Hostel an sich war jetzt zwar keine Besonderheit, es war aber auch nicht schlecht einfach eine normale, solide Unterkunft.
Was an Otavalo und der Gegend auch toll ist: das Klima. Wegen der Höhenlage ist es angenehm frisch und es weht immer wieder ein Lüftchen, trotzdem scheint viel Sonne und man kann im Prinzip kontinuierlich im T-Shirt oder wenigstens Pullover rumlaufen, zumindest den Tag über. Der Nähe zum äquator wegen ändert sich daran ja auch das ganze Jahr über nichts, wie in gesamt Ecuador. Das führt letztlich dazu, dass in Otavalo eigentlich das ganze Jahr über Frühling herrscht ein absoluter Traum!
dachte ich zumindest, bis mir bzw. meiner Nase wieder eingefallen ist, dass es ja so etwas wie Heuschnupfen gibt.
Joa.
Das hat dem Urlaub dann doch irgendwie so einen kleinen Dämpfer verpasst, muss ich sagen. Aber gut, da kann ich natürlich nichts machen außer, einfach die gesamte Zeit über mit Atemmaske rumzulatschen. Und immerhin verpasse ich ja aktuell auch die gesamte Pollensaison für dieses Jahr in Deutschland, damit kann ich also leben.
Unseren ersten, kompletten Urlaubstag haben wir dann direkt in Ibarra verbringen wollen, also einer etwas größeren Stadt nördlich von Otavalo. Erstmal ging es aber natürlich ans frühstücken, selbiges noch in unserem eigentlichen Ferienort selbst. So sind wir also am Morgen noch durch Otavalo geschlendert, einen kleinen Schwenk über den bereits erwähnten Markt (wirkt ganz nett, aber auch ordentlich teuer) und anschließend ab in ein kleines Restaurant, um mal wieder das brutale Preis-Leistungs-Verhältnis bei der ersten Mahlzeit des Tages auszunutzen: für sehr wenig Geld gibt es immer SEHR viel an Essen und Trinken. In diesem Fall waren es $3, für die ich Kaffee (allerdings Instant-Kaffee), frischen Saft, Reis, Salat, eine Hühnchenkeule und zwei Spiegeleier bekommen habe. Also eine durchaus ganz gut deftige Portion, die auch erstmal satt macht und einen guten Start in den Tag ermöglicht!
Selbigen haben wir dann auch genutzt, sind nämlich direkt in den Bus nach Ibarra gestiegen, um da unsern Reiseplänen nachzukommen. Für mich war das allerdings wieder verbunden mit so einem kleinen naja, "Schock", irgendwie. Von den VerkäuferInnen, die im Bus ihre Waren anpreisen und verkaufen, habe ich ja bereits mal erzählt. Und dass auch durchaus mal Kinder zu dem Zwecke unterwegs sind, ist ebenfalls schon erwähnt worden. Nichtsdestotrotz ist es doch immer wieder ein sehr komisches und beklemmendes Gefühl, das mitzubekommen: in diesem Fall ist nämlich ein kleines Mädchen mit maximal 12 Jahren durch den Bus marschiert, um dort irgendwelche Bonbons loszuwerden. Es ist doch wirklich traurig, das es so etwas gibt.
Naja trotzdem gehe ich mal weiter auf unseren Ibarra-Ausflug ein. Zu dem kann ich erstmal sagen: Ibarra wirkt mir nach einer ganz netten Stadt, irgendwie. Es hat eine sehr angenehme Atmosphäre. Es ist wuselig und voll, aber dennoch entspannt und nicht zu groß eine lustige Mischung. Das dann auch in Kombination mit dem bis jetzt besten Markt, den ich erlebt habe. überdacht gibt es dort auf recht großer Fläche von Obst und Gemüse über Gewürze und Küchenutensilien bis zu warmen Mahlzeiten wirklich alles und zwar nach wie vor in der schönen Ibarra-Atmosphäre. Es war einfach in nettes Erlebnis, ganz schwer zu beschreiben.
Ibarra selbst war allerdings gar nicht das Ziel unseres heutigen Ausflugs. Wir wollten zu der Finca Sommerwind, einem deutschen Campingplatz und Café an der Laguna Yahuarcocha! Zu diesem Zweck sind wir erstmal mit dem Bus eine halbe Stunde in das kleine Dorf Priorato gefahren und von dort aus anschließend noch ca. eine Stunde gewandert, bis es schließlich leckeren Bienenstich als Belohnung gab. Und WOW war der lecker! Ich vermisse die gute deutsche Küche ja nach wie vor, aber das war dann doch ein kleines Stück Heimat, das meine Geschmacksknospen erhellen durfte. Allgemein war die Atmosphäre sehr nett: nicht viel los, mit dem sympathischen deutschen Betreiber haben wir uns gut unterhalten und das Essen war lecker ich bin voll und ganz zufrieden. Natürlich etwas teurer als gewohnt hier in Ecuador, aber das kann ich gut in Kauf nehmen, in diesem Fall. Und auch der Weg dorthin war schön. Wir sind durch Steppe, Gräser und Kakteen immer in Richtung See gewandert, nur um dann plötzlich was zu sehen? Genau: eine Rennpiste! Mit Betrieb, in dem Moment. Erst ist uns nur die willkürlich platzierte Tribüne aufgefallen, die da am Straßenrand vor dem See steht, bis wir dann irgendwann das Motorgebrumme und schließlich auch die Sportwagen entdeckt haben, die dort neben der normalen Straße gerade am trainieren waren. Lustige Sache.
Von dem Café zurück sind wir übrigens nicht gewandert, da wurden wir kostenlos von so einem "Gusano" mitgenommen. Wörtlich übersetzt ist das ein "Wurm" und in der Realität handelt es sich dabei um ein Freizeitparkgefährt, das quasi hinter dem Triebwagen ewig viele Anhänger mit Sitzmöglichkeiten hat und damit als "Wurm" durch die Straßen wuselt. Schwierig zu erklären. Aber wir wurden fast bis zum Bus zurückgefahren also ein voller Erfolg.
Jetzt möchte ich aber noch kurz auf die bereits erwähnte Laguna Yahuarcocha eingehen, die nämlich eine wie ich finde ziemlich spannende Geschichte hat. In Kichwa lautet der Name Yawarkucha, was See des Blutes (Yawar=Blut, Kucha=Wasser/See) bedeutet. Und dieser Name, der lässt sich auf die Zeit der Inka zurückführen. Die kamen nämlich ca. im 15. Jahrhundert auch in die Gegend rund um Otavalo und Ibarra, sahen sich dort dann aber dem Stamm der Caranqui gegenüber, die ihr Gebiet natürlich verteidigen wollten. Zuerst konnten sie sich den Eindringlingen auch widersetzen, am Ende siegte aber dennoch der Inka-Häuptling Huayna Capac der dann gleich noch das Massaker der gesamten männlichen Bevölkerung der Caranqui anordnete. Selbiges fand am Ufer eines Sees statt: dem Yawarkucha.
Nach diesem kleinen Historik-Ausflug geht es direkt weiter zum nächsten Trip und damit auch zum nächsten See: dem Cuicocha bzw. Kuykucha bzw. Meerschweinchensee. Nach einem wirklich SEHR leckeren Frühstück an einem Straßenstand (es war echt mega lecker, deutlich geschmackvoller noch als in dem Restaurant vom Vortag Straßenstände sind's einfach!) ging es mit Bus und Taxi zu dem erwähnten Kratersee. Genau, ein See in einem Vulkankrater. Dieses Naturspektakel ist vor ca. 3.100 Jahren entstanden und bietet jetzt eben den erwähnten See im Vulkankrater sowie darüber hinaus noch zwei bewaldete Inseln aus getrockneter Lava. Ein wirklich tolles Bild, das sich einem dort bietet. Das Wasser ist tiefblau und sehr klar, am Ufer und mit der richtigen Sonne wirkt es teilweise leicht türkis und lädt direkt zum Baden ein. Allerdings nur für den Menschen: der See ist offenbar ganz ordentlich alkalisch, weswegen in dem Wasser selbst nicht viel lebt. Den Menschen stört das aber wie gesagt eher weniger und so gibt es jedes Jahr ein Wettschwimmen mit Preisgeld im Cuicocha. Wie genau das abläuft und wie hoch die Preise ausfallen, das weiß ich zwar nicht, aber offensichtlich geht auch dieses Event auf eine gewisse Tradition zurück: früher haben sich nämlich jedes Jahr einmal alle "heiratsreifen" Frauen auf die Insel gestellt, die entsprechenden Männer mussten dann ihre Kraft, Ausdauer und Motivation im Schwimmen unter Beweis stellen und wer zuerst ankam, der durfte sich auch zuerst eine Frau aussuchen.
Joa.
Heute wird das natürlich nicht mehr praktiziert, aber dafür gibt es ja die neue Version des Wettschwimmens.
Deswegen sind wir aber nicht dort gewesen, wir wollten ein wenig wandern. Einmal um den Krater rum, um genau zu sein. Entsprechend sind wir recht früh vor Ort gewesen, um anschließend bei bestem Wetter den Rundweg von 12 Kilometern anzutreten und innerhalb von 3 Stunden zu bewältigen. 4 Stunden, wenn man die ganzen Foto- und Essenspausen mitrechnet. Es war jedenfalls eine tolle Wanderung! Das Wetter war wie gesagt super und die Aussicht erst recht. Neben dem Blick auf den See, dessen Wasserformationen mit dem Wind wirklich spannend aussahen, war auch die Umgebung mit der Andenlandschaft wirklich beeindruckend. Der große Imbabura war zwar die gesamte Zeit über Wolkenverhangen und zwischenzeitlich hatten auch wir kurz Regenangst, aber zumindest letztere hat sich dann recht schnell wieder gelegt und so konnten wir die Ruhe und die schöne Natur auf einer insgesamt sehr schönen und entspannten Wanderung genießen. Dem wurde dann zwar ein recht abruptes Ende gesetzt, als wir irgendwann wieder beim Ausgangspunkt und damit auch Parkplatz des Cuicocha angekommen sind und direkt mit lauter Partymusik zur Bespaßung der ganzen Restaurant- und Aussichtsbewunderungsgäste begrüßt wurden. Naja immerhin die 4 Stunden davor sind sehr angenehm gewesen. Und lange haben wir diese neue Atmosphäre auch gar nicht ertragen müssen, denn recht schnell waren unsere Versuche erfolgreich, ein Auto anzuhalten und uns wieder zurück zum Bus mitzunehmen. Ein wirklich sehr nettes Pärchen hat uns eingesammelt und so hatten wir eine angenehme Rückfahrt mit guten Gesprächen und das sogar noch kostenlos, ohne die $7 für ein Taxi bezahlen zu müssen!
Zur Mittagszeit sind wir dann wieder in Otavalo gewesen und haben dort auch nochmal dem Handarbeitsmarkt einen Besuch abgestattet. Es ist dort zwar grundsätzlich teuer, mit meinen gottgleichen Verhandlungskünsten konnte ich mir aber einen schönen Schal für $8 statt $15 sowie einen Traumfänger für $6 statt $10 erhandeln. Wahrscheinlich wäre da sogar ein noch besserer Preis drin gewesen aber ich bin ganz zufrieden und durchaus stolz auf mich. Meine "Strategie" besteht übrigens darin, dass ich erstmal über den gesamten Markt laufe und mir von verschiedenen Händlern zu dem jeweils selben Produkt ihren Preis nennen lasse und sobald ich dann ein Version finde, die mich wirklich interessiert (in diese Fall wollte ich ja einen Schal haben), kann ich noch UNTER dem niedrigsten Preis einsteigen, den ich von einem Verkäufer erfahren habe. Das funktioniert in aller Regel ganz gut und so konnte ich mir ein paar schöne Souvenirs besorgen, die nach europäischem Standard natürlich sowieso spottbillig sind.
Zwischengeschoben möchte ich hier noch zwei kleine Dinge erwähnen, die mir aufgefallen sind. Erstens: wir sind hier in Otavalo auf einer Höhe von 2.500 Metern. Es ist kalt und die Luft ist dünn. Wieso zur Hölle gibt es hier TROTZDEM Mücken??? Ich bin doch nicht ohne Grund aus Archidona abgehauen für das Wochenende, Mensch! Einfach unglaublich, was sich die Natur hier mal wieder erlaubt.
Zweitens: es ist immer wieder interessant zu sehen, was es für starke kulturelle Unterschiede auch innerhalb des Landes gibt. In diesem Fall jetzt mal bezogen auf die Indigenen Menschen. Einmal ist natürlich der Kleidungsstil an sich immer unterschiedlich, je nach Region und Kultur. Auch Tänze, Sprache und Traditionen unterscheiden sich. Was hier allerdings besonders auffällt: ein sehr großer Teil der Menschen (Frauen und Männer) trägt lange, schwarze Haare, die zu einem Zopf zusammengebunden oder geflochten sind. Das ist irgendwie lustig zu sehen und auch einfach etwas, was mir sonst noch überhaupt nicht begegnet ist hier in Ecuador.
Naja weiter geht es jedenfalls mit Sonntag, dem Tag unserer Rückreise nach Archidona. Die allerdings warten muss, weil wir erstmal noch einen kleinen Ausflug geplant haben. Selbiger beginnt um 08:00 in Ibarra, weswegen früh aufstehen und noch eine kleine Busfahrt angesagt ist. Und dann sind wir auch schon da, an der Zughaltestelle. 15 Minuten vor Beginn der Tour, wie es das Ticket verlangt. Nur, um dann noch eine Dreiviertelstunde zu warten, bis es tatsächlich losgeht. Das hat meiner Laune schon so einen kleinen Dämpfer verpasst, muss ich ehrlich sagen. Aber dann ist der Zug endlich abgefahren und wir konnten zweieinhalb Stunden schöne Aussicht und Atmosphäre genießen.
Der Zug von Ecuador war bis vor einigen Jahren noch im ganzen Land unterwegs, bzw. besser gesagt durch das ganze Land. Von Guayaquil über Riobamba bis nach Ibarra ging die Fahrt, in mehreren Etappen konnte man so die Vielfalt Ecuadors erfahren. Aber dieser Zugbetrieb wurde eingestellt und erst seit ca. einem Monat gibt es wieder Touren auf einer kleinen Teilstrecke: von Ibarra nach Atuntaqui und wieder zurück. Ein paar Zwischenstopps hier und da zum Souvenirshoppen (in meinem Fall eine schöne Tasse und ein leckerer Milchreis) und schwuppdiwupp sind die zweieinhalb Stunden auch schon wieder vorbei.
Insgesamt war es eine schöne Fahrt. Etwas ruckelig zwar, aber durchaus mit angenehmer Atmosphäre. Außerdem waren die Hälfte der Leute aus unserem Wagen Touristen, die in ihrer Gruppe nach der Hälfte ausgestiegen sind und mit irgendeinem anderen Programm weitergemacht haben. Die Strecke an sich war auch nett, aber auch nicht sooo besonders anders als die Fahrten mit dem Bus, muss ich ehrlich sagen. Zusätzlich dazu waren auch noch die beiden großen Berge Imbabura und Cayambe komplett bewölkt, sodass es keine Möglichkeit gab, diese beiden Giganten in all ihrer Pracht zu bewundern.
Mein Highlight war vor diesem Hintergrund dann die eine Touri-Mutter, die ihr Kind an einer Leine gehalten hat. Und in einem Moment ihrer Unachtsamkeit, als der Knabe dennoch entwischt ist, mit Bonbon in der Hand und dem Ruf "Guck mal ich hab Süßigkeiten!" ihren Jungen wieder einfange konnte.
Ich lasse das einfach mal so stehen.
Insgesamt ist dieser Zug jedenfalls ein ziemliches Touristending. Ein entweder sehr großer oder einfach nur sehr präsenter Teil der Fahrtgäste war erkennbar dem absoluten Touristendasein zuzuordnen. Andererseits ist der Zug vermutlich auch genau darauf ausgelegt. Anschließend ging es dann für ins endlich zurück nach Archidona. Nach etwas Wartezeit hat sich unser Bus nach Pifo am Terminal eingefunden und wir konnten die zuerst entspannte, dann aber irgendwann schon auch ziemlich langwierige Fahrt nach Hause antreten. Zum Glück hatten wir erstens gute Busse und zweitens auch noch immer gute Plätze, denn insbesondere unser erster Bus war einfach KOMPLETT voll. Da ging wirklich gar nichts mehr rein und raus.
Naja und nach einem langen Fahrttag sind wir dann schließlich auch zuhause in unserem geliebten Archidona angekommen.
Was ist außerdem noch passiert Achja richtig! In der letzten Woche sind zweimal die Reinas von Archidona in unserer Schule zu Besuch gewesen. Einmal die Reina des Kantons Archidona, für die das gefühlt wirklich eine reine Werbeveranstaltung war um ihre Social Media Accounts zu bestücken und ein paar Tage später noch die beiden Reinas der Stadt Archidona, für die wahrscheinlich dasselbe galt, die allerdings zumindest noch den Tag der Kinder als Anlass genommen und Kuchen mitgebracht haben. Aber ich kann das wahrscheinlich sowieso nicht so gut beurteilen. Auf mich hat es zwar etwas komisch gewirkt, aber ich möchte ja auch die Sitten und Gegebenheiten hier nicht hinterfragen.
Wenn wir aber schon beim Tag der Kinder sind: dazu gab es noch eine kleine andere überraschung. Für die Kinder der Hausaufgabenhilfe. Bei denen war nämlich die Polizei zu Besuch und zwar mit einem absoluten Großaufgebot. Der überwiegende Teil waren zwar Azubis, aber trotzdem. Jedenfalls sind wir dann gemeinsam mit den PolizistInnen bei einem kleinen Sportplatz gewesen, bei dem sie für die Kinder ein ordentliches Programm zusammengestellt hatten: Kasperletheater, Zaubershow, Schminktisch sowie natürlich Kuchen und Geschenke. Es war ein wirklich lustiges und nettes Event, die Kinder waren alle sehr fröhlich und Joa, es hat einfach Spaß gemacht. Ein schöner Tag.
Hasta la vista, baby!
Ein paar ruhige Wochen
18.05.2025
Nach den letzten Wochen voll mit Urlauben, Ausflügen, Eindrücken und so insgesamt ziemlich viel Action, da war jetzt mal wieder etwas Entspannung angesagt.
Die vergangenen zwei Wochen ist in meinem Leben nämlich so ungefähr GAR NICHTS passiert.
Also so ganz stimmt das natürlich auch nicht, aber wirklich viel ging hier nicht ab.
Begonnen hat meine Woche (wie immer) mit einem Montag, 07:30 Uhr Arbeitsbeginn. Da laufen wir also zur Schule, wollen gerade die Kinder begrüßen und plötzlich: kein Einlass für uns! Zumindest nicht ohne Gesichtsmaske. Denn: hier in Ecuador geht offenbar zurzeit Keuchhusten und Gelbfieber rum. Gegen letzteres hilft zwar keine Maske, aber für den Keuchhusten ist es durchaus ganz sinnvoll. Vor allem vor dem Hintergrund, dass in der Region Pastaza (eine Nachbarregion von unserem schönen Napo) offenbar bereits mehrere Kinder daran gestorben sind. Dementsprechend wird nun offenbar fleißig geimpft und eben Maske getragen, bis zum Ende des Schuljahres. So zumindest der Plan an besagtem Montag. Ab dem nächsten Tag hat sich dann aber kaum jemand mehr daran gehalten
Am Wochenende ging es dann jedenfalls auf einen kleinen Ausflug mit unserer Chefin und noch ein paar anderen Leuten aus der Fundacion "Casa de la Esperanza". Wir sind zu einer kleinen Laguna gefahren, in der Nähe von Tena. Im Prinzip eine Badestelle mit kleinem Wasserfall, es gibt ein paar Tische und Bänke sowie Umkleiden, Toiletten und einen kleinen Laden für Bananenchips etc. Dort sind wir eben hingedüst ausgestattet mit Grillequipment, Essen und zugegebenermaßen nicht der größten Motivation. Es hat nämlich am Morgen etwas geregnet und zumindest ich hatte einfach nicht so viel Lust auf irgendein gemeinsames Outdoorevent bei so einem Wetter. Aber: es war dann doch sehr nett. Eine schöne Gegend, leckeres Essen und insgesamt einfach eine angenehme Gruppe. Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht.
Was außerdem noch stattgefunden hat: so eine Sportolympiade für alle "Escuelas Especializadas" im Amazonasgebiet, also die Schulen für Kinder mit Behinderungen aus Napo und der Umgebung. In Puyo war dieses mehrtägige Event und wirklich viel kann ich nicht darüber sagen ich war nämlich gar nicht dabei. Ein paar unserer Schüler sind dort mit einem Lehrer und unserer Schulleiterin hingefahren um teilzunehmen, aber der sonstige Schulbetrieb ist ganz normal weitergegangen. Was ich aber mitbekommen habe, ist, dass offenbar während dieser Zeit eine große Beerdigungszeremonie in Puyo gehalten wurde. Nämlich für einen Soldaten, der hier in Ecuador vor kurzem umgebracht wurde. Einer der insgesamt 11 Soldaten, die gestorben sind. Soweit ich weiß hat das ecuadorianische Militär in Orellana (eine Nachbarregion von Napo im Nordosten Ecuadors, an der Grenze zu Kolumbien und Peru) mal wieder eine große Kontrolle zu illegalen Goldminen gemacht. Das fanden die dort "herrschenden" Drogenbanden natürlich nicht so lustig und haben dann offenbar per Handgranaten 11 der insgesamt 50 eingesetzten Soldaten umbringen können. Wirklich tragisch und einfach krass mitzubekommen, wie viel Macht und vor allem Mittel diese Banden haben, dass die sich so gegenüber dem Militär wehren können.
Naja und mit dieser traurigen Nachricht beende ich auch diesen Blogeintrag dann wieder.
Tschüss
Begonnen hat meine Woche (wie immer) mit einem Montag, 07:30 Uhr Arbeitsbeginn. Da laufen wir also zur Schule, wollen gerade die Kinder begrüßen und plötzlich: kein Einlass für uns! Zumindest nicht ohne Gesichtsmaske. Denn: hier in Ecuador geht offenbar zurzeit Keuchhusten und Gelbfieber rum. Gegen letzteres hilft zwar keine Maske, aber für den Keuchhusten ist es durchaus ganz sinnvoll. Vor allem vor dem Hintergrund, dass in der Region Pastaza (eine Nachbarregion von unserem schönen Napo) offenbar bereits mehrere Kinder daran gestorben sind. Dementsprechend wird nun offenbar fleißig geimpft und eben Maske getragen, bis zum Ende des Schuljahres. So zumindest der Plan an besagtem Montag. Ab dem nächsten Tag hat sich dann aber kaum jemand mehr daran gehalten
Am Wochenende ging es dann jedenfalls auf einen kleinen Ausflug mit unserer Chefin und noch ein paar anderen Leuten aus der Fundacion "Casa de la Esperanza". Wir sind zu einer kleinen Laguna gefahren, in der Nähe von Tena. Im Prinzip eine Badestelle mit kleinem Wasserfall, es gibt ein paar Tische und Bänke sowie Umkleiden, Toiletten und einen kleinen Laden für Bananenchips etc. Dort sind wir eben hingedüst ausgestattet mit Grillequipment, Essen und zugegebenermaßen nicht der größten Motivation. Es hat nämlich am Morgen etwas geregnet und zumindest ich hatte einfach nicht so viel Lust auf irgendein gemeinsames Outdoorevent bei so einem Wetter. Aber: es war dann doch sehr nett. Eine schöne Gegend, leckeres Essen und insgesamt einfach eine angenehme Gruppe. Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht.
Was außerdem noch stattgefunden hat: so eine Sportolympiade für alle "Escuelas Especializadas" im Amazonasgebiet, also die Schulen für Kinder mit Behinderungen aus Napo und der Umgebung. In Puyo war dieses mehrtägige Event und wirklich viel kann ich nicht darüber sagen ich war nämlich gar nicht dabei. Ein paar unserer Schüler sind dort mit einem Lehrer und unserer Schulleiterin hingefahren um teilzunehmen, aber der sonstige Schulbetrieb ist ganz normal weitergegangen. Was ich aber mitbekommen habe, ist, dass offenbar während dieser Zeit eine große Beerdigungszeremonie in Puyo gehalten wurde. Nämlich für einen Soldaten, der hier in Ecuador vor kurzem umgebracht wurde. Einer der insgesamt 11 Soldaten, die gestorben sind. Soweit ich weiß hat das ecuadorianische Militär in Orellana (eine Nachbarregion von Napo im Nordosten Ecuadors, an der Grenze zu Kolumbien und Peru) mal wieder eine große Kontrolle zu illegalen Goldminen gemacht. Das fanden die dort "herrschenden" Drogenbanden natürlich nicht so lustig und haben dann offenbar per Handgranaten 11 der insgesamt 50 eingesetzten Soldaten umbringen können. Wirklich tragisch und einfach krass mitzubekommen, wie viel Macht und vor allem Mittel diese Banden haben, dass die sich so gegenüber dem Militär wehren können.
Naja und mit dieser traurigen Nachricht beende ich auch diesen Blogeintrag dann wieder.
Tschüss
Feliz Fiestas
04.05.2025
Kaum ist die große Dschungeltour mit der Familie vorbei, geht es auch schon gemeinsam weiter: nach Cuenca.
Per Bus (wie sonst) sind wir am Donnerstag in der Früh um 09:00 losgefahren, erst in Richtung Süden nach Macas und anschließend weiter einmal gen Westen über die Anden nach Cuenca. Und das war auch eine echt schöne Busfahrt, wie ja eigentlich fast immer. Durch den Dschungel, vorbei an Flüssen und Bergen eine schöne, wenn auch mit 12 Stunden leider recht lange Strecke. Und ein Aspekt, der mir während dieser Fahrt ganz besonders aufgefallen ist, den möchte ich hier nochmal kurz erwähnen.
Ich wohne ja in Archidona, das ist in der Region Napo und damit in der Gegend namens "Amazonia". Die Amazonia beschreibt im Prinzip ganz Ecuador östlich der Anden. Das Hochland mit den Bergen wird Sierra genannt, die Küste überraschenderweise Costa. Aber darum geht es ja nun gar nicht. Denn jedenfalls bedeutet das, dass sowohl Archidona als auch unser Zwischenstopp Macas in der Amazonia liegen und entsprechend klimatisch sehr ähnlich sind, was wiederum auch ähnlich gebaute Häuser und Stadtbilder impliziert. Allerdings scheint die ganze Gegend rund um Macas um einiges wohlhabender zu sein als es hier unser schönes Napo ist. Es gibt asphaltierte (!) und damit gute Straßen, die Häuser sind deutlich besser in Schuss und allgemein wirkt alles irgendwie frischer, neu und reich. Also reich nach Ecuador-Amazonia-Maßstäben, natürlich. Aber dieser Eindruck war doch einfach ziemlich spannend. Als außenstehende Person kann man sich zwar von den jeweiligen Städten und Regionen hier kaum ein Bild verschaffen (auch wenn ich natürlich versuche, dieser Problematik mit massenhaft Bildern ein wenig entgegenzuwirken), aber das war eben eine interessante Auffälligkeit, die ich nur mal kurz erwähnen wollte.
Naja weiter geht es mit Cuenca an sich und damit einer Stadt, die vor Wohlstand gefühlt nur so strotzt. Ein gutes Maß dafür ist in Ecuador beispielsweise die Anzahl luxuriöser Autos, definiert als alles an deutschen Marken: also Mercedes, Porsche, Audi, BMW oder durchaus auch VW. Während es in Archidona noch fast nie vorgekommen ist, dass ein solches Gefährt durch die Straßen gezogen ist (nur mal so alte Mercedes-Transporter), sind mir in Cuenca gleich mehrere dieser Luxusschlitten aufgefallen. Natürlich kein Vergleich zu Bremen und Deutschland, wo gefühlt jedes zweite Auto in dieser gehobenen Preisklasse schwebt aber ich bin ja hier auch im ärmeren Ecuador unterwegs.
Jedenfalls ist Cuenca natürlich nicht nur den Autos nach als wohlhabend zu identifizieren. Die Stadt ist allgemein sehr schick, wirkt neu und gut aufgeräumt. Es gibt sogar eine Straßenbahn (was ein tolles Gefühl, mal wieder auf diese Weise sich fortbewegen zu können!) und insgesamt wirkt Cuenca wie eine Art Mischung aus Quito und Spanien, so vom Baustil der Häuser her. Was auch nicht weiter verwunderlich ist: Quito und Cuenca sind die Städte, die insbesondere architektonisch gesehen den größten Einfluss aus der spanischen Kolonialzeit aufweisen.
Was es ebenfalls gibt, das sind Kirchen. Viele Kirchen. Und sehr beeindruckende Kirchen. Unter anderem die Kathedrale Cuencas. Ein tolles Bauwerk groß, schön und sehr prachtvoll. All das übrigens katholisch, denn das ist die Hauptreligion hier in Ecuador, wie ich meines Wissens nach auch bereits einmal erwähnt habe. Naja und wann kann man einer so katholischen Stadt wie Cuenca wohl am besten einen Besuch abstatten? Genau: zur Osterzeit! Hier genannt die "Semana Santa", also die heilige Woche bzw. eben Ostern. Während dieser Tage ist in der Stadt besonders viel los, neben allen anderen dem Anlass entsprechenden Events vor allem wegen der großen Oster-Umzüge: der Viacrusis. In meiner Vorstellung ist das eine gigantische Parade mit Massen an Menschen, die verkleidet als lila Abwandlung des Ku-Klux-Klan durch die Straßen ziehen ähnlich dem, wie ich es aus Granada in Südspanien bereits kenne. Aber nichts da! Keine 50 verkleideten Personen gab es, der Rest waren normale Menschen, die diesem Zug gefolgt sind. Von letzteren gab es zwar ziemlich viele, aber wirklich spannend zum zuschauen war das nun nicht.
Ebenso enttäuschend war Fanesca. Diese mit Massen an Zutaten aufwendig zubereitete Kabeljausuppe soll so reichhaltig und nahrhaft sein, dass man bis zum nächsten Osterfest keinen Hunger mehr hat. Entsprechend wird dieses Gericht auch nur zur Semana Santa gekocht was ich mir dann natürlich nicht entgehen lassen konnte. Das war nur leider eine brachiale Fehlentscheidung denn wirklich gut geschmeckt hat mir diese Suppe nicht. Vielleicht habe ich sie auch einfach an dem falschen Stand gekauft, aber es waren noch Gräten und Schuppen ohne Ende im Essen und auch sonst war das nun echt keine kulinarische Erleuchtung. Aber naja jetzt habe ich es einmal ausprobiert.
Was dann wiederum sehr gut war, dass ist der Aussichtspunkt von Cuenca. Mirador Turi heißt der. Zwar hatten wir auch von unserer Dachterrasse aus einen tollen Blick über die Dächer der Stadt, aber von diesem Punkt aus war natürlich noch mal deutlich mehr zu sehen inklusive der umliegenden Anden. Der Ort ist zwar einigermaßen überfüllt mit Touristen (auch wenn er ganz sicher nicht DESWEGEN Mirador Turi heißt), aber das mindert ja die Aussicht nicht. Also mit dem Taxi nach oben gefahren, ein wenig den tollen Blick genossen und dann wieder zu Fuß den Weg zurück gewagt.
Auch toll war unser Ausflug nach Ingapirca. Das ist ein Ort ca. 2 Stunden entfernt von Ecuador, bei dem es die einzigen Inka-Ruinen des Landes zu sehen gibt. Neben den ganzen älteren Herr- und Damenschaften, die dort oben in ganz klischeehafter Andenkleidung leben. Was ich damit meine: Filzhut, (bunter) Rock und eine Art Poncho sowie in aller Regel noch einen Schal bzw. eine Art dickeres Halstuch. Das in Kombination mit der eher kleineren Statur, die die Menschen hier nunmal haben sowie dem eher breiteren Körperbau von insbesondere den Frauen erfüllt einfach alle meine Klischees. Was dann ja nur bedeutet, dass sie zumindest zu einem gewissen Anteil wahr sind. Jedenfalls eine lustige Erkenntnis, auch wenn ich natürlich bereits an anderer Stelle in Ecuador Menschen in solchen Klamotten gesehen habe. Nur ist es mir hier einfach besonders aufgefallen.
Naja aber Ziel unseres Ausflugs waren ja die bereits erwähnten Inkaruinen. Und die sind auch schon echt spannend und beeindruckend, da kann man echt nix sagen. Und ich würde nun auch gerne massen an Infos und historischen Hintergründen zu den Inkas und diesen Ruinen hier niederschreiben aber dieses Wissen habe ich leider nicht. Was zu einem kleinen Teil auch daran liegt, dass wir nicht auf das Gelände gelassen wurden. Die Tickets für den Tag waren nämlich offenbar bereits ausverkauft und so hätten wir es nur mit Guide noch reinschaffen können. Das haben wir allerdings gelassen und sind stattdessen einfach ein bisschen um das Gelände mit den Ruinen rumgelaufen, die glücklicherweise nämlich nur mit einem kleinen Zaun geschützt waren und so eine gute Sicht von außen zugelassen haben. Womit wir diese Bauwerke vermutlich sowieso besser sehen konnten, als wenn wir direkt vor ihnen gestanden hätten. Und noch dazu konnten wir so auch die sonstige Landschaft und Umgebung auf diese Weise genießen. Mit dem wirklich allerbesten Wetter und tollen Wolken hat sich nämlich ein fantastischer Blick auf die Andenlandschaft rund um Ingapirca gebeten einfach nur toll.
Wolken gab es ebenfalls auf unserer Weiterfahrt. Meine Familie von Cuenca nach Ambato, ich bin vorher bereits in Riobamba aus- und umgestiegen, um mir einen Bus zurück nach Tena zu nehmen. Aber darum soll es gar nicht gehen sondern vielmehr mal wieder um die Fahrt an sich, vor allem die Strecke raus aus Cuenca. In unserem wirklich guten Bus sind wir nämlich durch die ganzen bereits erwähnten Wolken gefahren. Die hingen an diesem Tag so tief in den Tälern und auf der Strecke, das wir teilweise nur ein paar Meter weit aus dem Fenster schauen konnten. Ein lustiges Gefühl. Das aber zum Glück nicht so lange anhielt, denn nach dem bewölkten Teil hat sich eine fantastische Aussicht über die Anden ergeben. Und es war wirklich das absolute Klischee, was sich uns dort geboten hat: weite und sattgrüne Felder, ab und an mal ein paar Häuser oder Siedlungen, weit und breit keine Stadt, keine Industrie oder sonst irgendetwas, was diese Idylle hätte trüben können. Einfach nur Berge, Wiesen, Felder und Hügel. Und als dann noch die Schienen der ecuadorianischen Zugstrecke am Rand aufgetaucht sind, da hat sich das schon ein bisschen angefühlt wie eine Fahrt durch Lummerland.
Joa.
Aber weiter geht es mit dem harten Alltag. Den ich aber durchaus auch vermisst habe, vor allem mein geliebtes Boxen hat mir die letzten zwei Monate doch ordentlich gefehlt. Was mir aber nicht gefehlt hat, das ist das Gefül, sich übergeben zu müssen. Aber genau das habe ich getan. Mein gesamter Mageninhalt und noch mehr als das hat sich nach meinem ersten Training erstmal prompt nach oben hinaus verabschiedet. Jetzt hätte man natürlich argumentieren können, nach zwei Monaten der Pause und einem Wochenende auf 2.000 Höhenmetern über dem gewohnten Archidona sollte ich es erstmal langsam angehen lassen und joa. Das hätte man wohl argumentieren können. Aber so ist das dann eben gelaufen. Stellte sich dann nur noch die Frage: was tun, mit dem angebrochenen Abend?
Eine weitere Anekdote aus meinem Leben, die ich einmal hier erwähnen wollte, hat auch irgendwie etwas mit dem Boxen zu tun. Denn was passiert beim Sport? Klar: man schwitzt. Davon bin auch ich nicht ausgenommen. Was mich dazu verleitet, regelmäßig zu duschen (auch ganz unabhängig davon, natürlich) um mich wieder schön sauber zu fühlen. Nun war ich jedenfalls letztens im Supermarkt meines Vertrauens und was erblicke ich da? Eine Seife: Bambus-Aloe-Vera! Mal ganz abgesehen davon, dass dieses Produkt durch die dreifache Verpackung hindurch gut gerochen hat, war ich natürlich fest davon überzeugt, dass gerade DIESE Seife mein Duscherlebnis schon nochmal um einiges verbessern würde. Ich mein Bambus-Aloe-Vera??? Das KANN doch nur gut sein! Aber weit gefehlt: nicht nur riecht die Seife echt nicht toll (hätt ja auch keiner ahnen können, dass der Geruch bei einer dreifach verpackten Seife nicht unbedingt von dem Produkt selbst kommt), nein, sie klebt auch noch ganz komisch. Das waren nun also die mit Abstand am schlechtesten investierten $2, die ich hier in Ecuador bis jetzt gelassen habe.
Kaum zurück zuhause haben dann auch schon die Fiestas de Archidona de Archidona begonnen. Ich weiß zwar nicht, wie alt Stadt und Kanton geworden sind aber es wurde gefeiert. Unter anderem mit den "Elecciones de las Reinas", also einem Event, das ich ja auch an anderer Stelle bereits mal erwähnt gehabt habe. Von Abends bis in den nächsten Morgen hinein präsentieren sich die Kandidatinnen, die zur Wahl für den Posten der Königin stehen, in beispielsweise Tanzen und Reden und die Dame, die die Jury am meisten überzeugt die gewinnt dann eben. Joa. Viel mehr gibt es dazu eigentlich gar nicht zu erklären. Es war jedenfalls ein ganz lustiges Event und hat Spaß gemacht, dabei zuzuschauen. So als kleiner Auftakt für die Fiestas.
Die dann am nächsten Morgen direkt weiterging: nämlich mit einer Parade durch Archidona. Alle möglichen Schulen haben dort teilgenommen und musikalisch sowie tänzerisch oder mit irgendeiner anderen Performance für einen Darbietung gesorgt. Und dieses mal tatsächlich ebenso mit meiner Person inkludiert! Auch unsere Schule hat nämlich einen Teil des Zuges gebildet und da durften wir Freiwillige natürlich nicht fehlen. So sind wir also zwei Stunden mit den Lehrern und Kindern und Eltern in der prallen Sonne durch Archidona gekapert. Ich hätte echt mal Sonnencreme benutzen sollen. Und einen Sonnenschirm. Aber gut danach ist man immer schlauer. Und es war ja auch trotzdem ganz nett, da mit dabei zu sein. Aber eben auch anstrengend.
Am selben Abend gab es dann noch ein Konzert in Archidona, bei dem ich mal vorbeischauen wollte. Nachdem es trotz Startzeit von 17:00 Uhr um 18:45 Uhr aber IMMER noch nicht losgegangen ist, habe ich den Plan wieder verworfen. Da habe ich die Hora Ecuadoriana mal besonders intensiv zu spüren bekommen.
Am nächsten Tag hat dann außerdem noch ein Stierkampf stattgefunden, den ich ebenfalls zumindest kurz mal sehen wollte. Wie schon gedacht hat sich das aber als brachial falsche Idee herausgestellt: es war einfach nur traurig und komisch, das zu sehen. Mal ganz abgesehen, dass es sich bei den Leuten in der Arena gefühlt um keine richtigen Toreros sondern vielmehr willkürlich ausgewählte Jungs handelte (wie gesagt: nur mein Gefühl), war richtig zu sehen, wie wenig Lust der Stier auf dieses Event hat. Nachdem er direkt beim rauslaufen aus dem Laster den ersten Torero umgerannt hat, hat er sich eher am Rand gehalten und nach einem Weg raus aus den Zäunen gesucht. Das haben die Toreros natürlich nicht auf sich sitzen gelassen und angefangen, Schwanz und Hörner des Stieres festzuhalten, um ihn aggressiver zu machen. Echt kein schöner Anblick. Entsprechend bin ich auch kurz nach Beginn des Events wieder abgehauen.
Nach einem dann mal recht entspannten Wochenende (ganz gut, nach all den Reisen in der letzten Zeit) ging es dann auch direkt weiter mit Fiestas. Dieses mal allerdings in San Pablo, einer Comunidad von Archidona. Beginnend mit einer Wayuza-Upina am Dienstagmorgen. Aufstehen um 02:15 Uhr und los gehts. Um dann erstmal noch eineinhalb Stunden zu warten, bis es TATSäCHLICH losgeht. Aber dann auch richtig. Wayuza trinken, Chicha trinken, tanzen und dann: die spirituelle Reinigung.
Ich habe ja bereits von meiner letzten solchen Erfahrung berichtet, als ich nämlich Chili in die Augen gerieben bekommen habe. Langweilig wie ich nicht bin, habe ich mich dieses mal dann dazu entschlossen, es mit der anderen Variante zu versuchen: Saft aus Tabak in die Nase. Grundsätzlich eine um Welten angenehmere Angelegenheit als die Chili-Prozedur. Es zieht ein bisschen in der Nase, der Kreislauf wird angeregt aber das ist es dann auch schon. Dachte ich jedenfalls, bis sich gerade MEIN Kreislauf dazu entschlossen hat, jetzt gar nicht mehr mitzumachen und erstmal meinen gesamten, nicht vorhandenen Mageninhalt der Natur zur Verfügung zu stellen. Ich meine, wenn ich wenigstens ETWAS gehabt hätte, zum auskotzen aber da war ja gar nichts. Nur das bisschen Chicha, das ich zuvor getrunken hatte. Naja kein so tolles Gefühl, muss ich sagen. Aber jetzt habe ich auch das erlebt. Und insgesamt war Chili in den Augen schon noch deutlich unangenehmer.
Aber auch die Fiestas de San Pablo sind natürlich nicht nur auf eine Wayuza-Upina beschränkt. Auch hier gab es wieder Elecciones de las Reinas und auch diese habe ich mir wieder angeschaut. Es lief alles ganz ähnlich ab wie in Archidona, nur wurde mehr getanzt und es gab allgemein eine bessere Stimmung, hatte ich das Gefühl. Außerdem ist mal wieder eine Gruppe aufgetreten, die Kichwa-Tänze vorgeführt hat und ich muss ehrlich sagen: das waren die energetischsten, motiviertesten und besten TänzerInnen, die ich hier bis jetzt gesehen habe. Also wirklich! Die waren so voller Elan und haben das einfach echt gut gemacht. War richtig toll zum anschauen.
Naja aber ganz Ecuador-typisch war natürlich auch dieses Event begleitet von brutal lauter Musik und einem insgesamt sehr hohen Geräuschpegel. Und wow bin ich neidisch auf dieses kleine Kind, das einfach die gesamte Veranstaltung über durchgepennt hat! Diese Fähigkeit, jegliches Geräusch KOMPLETT ausblenden zu können die hätte ich auch gerne. Einfach nur beneidenswert.
Naja aber damit war es das dann auch soweit für diesen Blogeintrag.
Tschüss
Per Bus (wie sonst) sind wir am Donnerstag in der Früh um 09:00 losgefahren, erst in Richtung Süden nach Macas und anschließend weiter einmal gen Westen über die Anden nach Cuenca. Und das war auch eine echt schöne Busfahrt, wie ja eigentlich fast immer. Durch den Dschungel, vorbei an Flüssen und Bergen eine schöne, wenn auch mit 12 Stunden leider recht lange Strecke. Und ein Aspekt, der mir während dieser Fahrt ganz besonders aufgefallen ist, den möchte ich hier nochmal kurz erwähnen.
Ich wohne ja in Archidona, das ist in der Region Napo und damit in der Gegend namens "Amazonia". Die Amazonia beschreibt im Prinzip ganz Ecuador östlich der Anden. Das Hochland mit den Bergen wird Sierra genannt, die Küste überraschenderweise Costa. Aber darum geht es ja nun gar nicht. Denn jedenfalls bedeutet das, dass sowohl Archidona als auch unser Zwischenstopp Macas in der Amazonia liegen und entsprechend klimatisch sehr ähnlich sind, was wiederum auch ähnlich gebaute Häuser und Stadtbilder impliziert. Allerdings scheint die ganze Gegend rund um Macas um einiges wohlhabender zu sein als es hier unser schönes Napo ist. Es gibt asphaltierte (!) und damit gute Straßen, die Häuser sind deutlich besser in Schuss und allgemein wirkt alles irgendwie frischer, neu und reich. Also reich nach Ecuador-Amazonia-Maßstäben, natürlich. Aber dieser Eindruck war doch einfach ziemlich spannend. Als außenstehende Person kann man sich zwar von den jeweiligen Städten und Regionen hier kaum ein Bild verschaffen (auch wenn ich natürlich versuche, dieser Problematik mit massenhaft Bildern ein wenig entgegenzuwirken), aber das war eben eine interessante Auffälligkeit, die ich nur mal kurz erwähnen wollte.
Naja weiter geht es mit Cuenca an sich und damit einer Stadt, die vor Wohlstand gefühlt nur so strotzt. Ein gutes Maß dafür ist in Ecuador beispielsweise die Anzahl luxuriöser Autos, definiert als alles an deutschen Marken: also Mercedes, Porsche, Audi, BMW oder durchaus auch VW. Während es in Archidona noch fast nie vorgekommen ist, dass ein solches Gefährt durch die Straßen gezogen ist (nur mal so alte Mercedes-Transporter), sind mir in Cuenca gleich mehrere dieser Luxusschlitten aufgefallen. Natürlich kein Vergleich zu Bremen und Deutschland, wo gefühlt jedes zweite Auto in dieser gehobenen Preisklasse schwebt aber ich bin ja hier auch im ärmeren Ecuador unterwegs.
Jedenfalls ist Cuenca natürlich nicht nur den Autos nach als wohlhabend zu identifizieren. Die Stadt ist allgemein sehr schick, wirkt neu und gut aufgeräumt. Es gibt sogar eine Straßenbahn (was ein tolles Gefühl, mal wieder auf diese Weise sich fortbewegen zu können!) und insgesamt wirkt Cuenca wie eine Art Mischung aus Quito und Spanien, so vom Baustil der Häuser her. Was auch nicht weiter verwunderlich ist: Quito und Cuenca sind die Städte, die insbesondere architektonisch gesehen den größten Einfluss aus der spanischen Kolonialzeit aufweisen.
Was es ebenfalls gibt, das sind Kirchen. Viele Kirchen. Und sehr beeindruckende Kirchen. Unter anderem die Kathedrale Cuencas. Ein tolles Bauwerk groß, schön und sehr prachtvoll. All das übrigens katholisch, denn das ist die Hauptreligion hier in Ecuador, wie ich meines Wissens nach auch bereits einmal erwähnt habe. Naja und wann kann man einer so katholischen Stadt wie Cuenca wohl am besten einen Besuch abstatten? Genau: zur Osterzeit! Hier genannt die "Semana Santa", also die heilige Woche bzw. eben Ostern. Während dieser Tage ist in der Stadt besonders viel los, neben allen anderen dem Anlass entsprechenden Events vor allem wegen der großen Oster-Umzüge: der Viacrusis. In meiner Vorstellung ist das eine gigantische Parade mit Massen an Menschen, die verkleidet als lila Abwandlung des Ku-Klux-Klan durch die Straßen ziehen ähnlich dem, wie ich es aus Granada in Südspanien bereits kenne. Aber nichts da! Keine 50 verkleideten Personen gab es, der Rest waren normale Menschen, die diesem Zug gefolgt sind. Von letzteren gab es zwar ziemlich viele, aber wirklich spannend zum zuschauen war das nun nicht.
Ebenso enttäuschend war Fanesca. Diese mit Massen an Zutaten aufwendig zubereitete Kabeljausuppe soll so reichhaltig und nahrhaft sein, dass man bis zum nächsten Osterfest keinen Hunger mehr hat. Entsprechend wird dieses Gericht auch nur zur Semana Santa gekocht was ich mir dann natürlich nicht entgehen lassen konnte. Das war nur leider eine brachiale Fehlentscheidung denn wirklich gut geschmeckt hat mir diese Suppe nicht. Vielleicht habe ich sie auch einfach an dem falschen Stand gekauft, aber es waren noch Gräten und Schuppen ohne Ende im Essen und auch sonst war das nun echt keine kulinarische Erleuchtung. Aber naja jetzt habe ich es einmal ausprobiert.
Was dann wiederum sehr gut war, dass ist der Aussichtspunkt von Cuenca. Mirador Turi heißt der. Zwar hatten wir auch von unserer Dachterrasse aus einen tollen Blick über die Dächer der Stadt, aber von diesem Punkt aus war natürlich noch mal deutlich mehr zu sehen inklusive der umliegenden Anden. Der Ort ist zwar einigermaßen überfüllt mit Touristen (auch wenn er ganz sicher nicht DESWEGEN Mirador Turi heißt), aber das mindert ja die Aussicht nicht. Also mit dem Taxi nach oben gefahren, ein wenig den tollen Blick genossen und dann wieder zu Fuß den Weg zurück gewagt.
Auch toll war unser Ausflug nach Ingapirca. Das ist ein Ort ca. 2 Stunden entfernt von Ecuador, bei dem es die einzigen Inka-Ruinen des Landes zu sehen gibt. Neben den ganzen älteren Herr- und Damenschaften, die dort oben in ganz klischeehafter Andenkleidung leben. Was ich damit meine: Filzhut, (bunter) Rock und eine Art Poncho sowie in aller Regel noch einen Schal bzw. eine Art dickeres Halstuch. Das in Kombination mit der eher kleineren Statur, die die Menschen hier nunmal haben sowie dem eher breiteren Körperbau von insbesondere den Frauen erfüllt einfach alle meine Klischees. Was dann ja nur bedeutet, dass sie zumindest zu einem gewissen Anteil wahr sind. Jedenfalls eine lustige Erkenntnis, auch wenn ich natürlich bereits an anderer Stelle in Ecuador Menschen in solchen Klamotten gesehen habe. Nur ist es mir hier einfach besonders aufgefallen.
Naja aber Ziel unseres Ausflugs waren ja die bereits erwähnten Inkaruinen. Und die sind auch schon echt spannend und beeindruckend, da kann man echt nix sagen. Und ich würde nun auch gerne massen an Infos und historischen Hintergründen zu den Inkas und diesen Ruinen hier niederschreiben aber dieses Wissen habe ich leider nicht. Was zu einem kleinen Teil auch daran liegt, dass wir nicht auf das Gelände gelassen wurden. Die Tickets für den Tag waren nämlich offenbar bereits ausverkauft und so hätten wir es nur mit Guide noch reinschaffen können. Das haben wir allerdings gelassen und sind stattdessen einfach ein bisschen um das Gelände mit den Ruinen rumgelaufen, die glücklicherweise nämlich nur mit einem kleinen Zaun geschützt waren und so eine gute Sicht von außen zugelassen haben. Womit wir diese Bauwerke vermutlich sowieso besser sehen konnten, als wenn wir direkt vor ihnen gestanden hätten. Und noch dazu konnten wir so auch die sonstige Landschaft und Umgebung auf diese Weise genießen. Mit dem wirklich allerbesten Wetter und tollen Wolken hat sich nämlich ein fantastischer Blick auf die Andenlandschaft rund um Ingapirca gebeten einfach nur toll.
Wolken gab es ebenfalls auf unserer Weiterfahrt. Meine Familie von Cuenca nach Ambato, ich bin vorher bereits in Riobamba aus- und umgestiegen, um mir einen Bus zurück nach Tena zu nehmen. Aber darum soll es gar nicht gehen sondern vielmehr mal wieder um die Fahrt an sich, vor allem die Strecke raus aus Cuenca. In unserem wirklich guten Bus sind wir nämlich durch die ganzen bereits erwähnten Wolken gefahren. Die hingen an diesem Tag so tief in den Tälern und auf der Strecke, das wir teilweise nur ein paar Meter weit aus dem Fenster schauen konnten. Ein lustiges Gefühl. Das aber zum Glück nicht so lange anhielt, denn nach dem bewölkten Teil hat sich eine fantastische Aussicht über die Anden ergeben. Und es war wirklich das absolute Klischee, was sich uns dort geboten hat: weite und sattgrüne Felder, ab und an mal ein paar Häuser oder Siedlungen, weit und breit keine Stadt, keine Industrie oder sonst irgendetwas, was diese Idylle hätte trüben können. Einfach nur Berge, Wiesen, Felder und Hügel. Und als dann noch die Schienen der ecuadorianischen Zugstrecke am Rand aufgetaucht sind, da hat sich das schon ein bisschen angefühlt wie eine Fahrt durch Lummerland.
Joa.
Aber weiter geht es mit dem harten Alltag. Den ich aber durchaus auch vermisst habe, vor allem mein geliebtes Boxen hat mir die letzten zwei Monate doch ordentlich gefehlt. Was mir aber nicht gefehlt hat, das ist das Gefül, sich übergeben zu müssen. Aber genau das habe ich getan. Mein gesamter Mageninhalt und noch mehr als das hat sich nach meinem ersten Training erstmal prompt nach oben hinaus verabschiedet. Jetzt hätte man natürlich argumentieren können, nach zwei Monaten der Pause und einem Wochenende auf 2.000 Höhenmetern über dem gewohnten Archidona sollte ich es erstmal langsam angehen lassen und joa. Das hätte man wohl argumentieren können. Aber so ist das dann eben gelaufen. Stellte sich dann nur noch die Frage: was tun, mit dem angebrochenen Abend?
Eine weitere Anekdote aus meinem Leben, die ich einmal hier erwähnen wollte, hat auch irgendwie etwas mit dem Boxen zu tun. Denn was passiert beim Sport? Klar: man schwitzt. Davon bin auch ich nicht ausgenommen. Was mich dazu verleitet, regelmäßig zu duschen (auch ganz unabhängig davon, natürlich) um mich wieder schön sauber zu fühlen. Nun war ich jedenfalls letztens im Supermarkt meines Vertrauens und was erblicke ich da? Eine Seife: Bambus-Aloe-Vera! Mal ganz abgesehen davon, dass dieses Produkt durch die dreifache Verpackung hindurch gut gerochen hat, war ich natürlich fest davon überzeugt, dass gerade DIESE Seife mein Duscherlebnis schon nochmal um einiges verbessern würde. Ich mein Bambus-Aloe-Vera??? Das KANN doch nur gut sein! Aber weit gefehlt: nicht nur riecht die Seife echt nicht toll (hätt ja auch keiner ahnen können, dass der Geruch bei einer dreifach verpackten Seife nicht unbedingt von dem Produkt selbst kommt), nein, sie klebt auch noch ganz komisch. Das waren nun also die mit Abstand am schlechtesten investierten $2, die ich hier in Ecuador bis jetzt gelassen habe.
Kaum zurück zuhause haben dann auch schon die Fiestas de Archidona de Archidona begonnen. Ich weiß zwar nicht, wie alt Stadt und Kanton geworden sind aber es wurde gefeiert. Unter anderem mit den "Elecciones de las Reinas", also einem Event, das ich ja auch an anderer Stelle bereits mal erwähnt gehabt habe. Von Abends bis in den nächsten Morgen hinein präsentieren sich die Kandidatinnen, die zur Wahl für den Posten der Königin stehen, in beispielsweise Tanzen und Reden und die Dame, die die Jury am meisten überzeugt die gewinnt dann eben. Joa. Viel mehr gibt es dazu eigentlich gar nicht zu erklären. Es war jedenfalls ein ganz lustiges Event und hat Spaß gemacht, dabei zuzuschauen. So als kleiner Auftakt für die Fiestas.
Die dann am nächsten Morgen direkt weiterging: nämlich mit einer Parade durch Archidona. Alle möglichen Schulen haben dort teilgenommen und musikalisch sowie tänzerisch oder mit irgendeiner anderen Performance für einen Darbietung gesorgt. Und dieses mal tatsächlich ebenso mit meiner Person inkludiert! Auch unsere Schule hat nämlich einen Teil des Zuges gebildet und da durften wir Freiwillige natürlich nicht fehlen. So sind wir also zwei Stunden mit den Lehrern und Kindern und Eltern in der prallen Sonne durch Archidona gekapert. Ich hätte echt mal Sonnencreme benutzen sollen. Und einen Sonnenschirm. Aber gut danach ist man immer schlauer. Und es war ja auch trotzdem ganz nett, da mit dabei zu sein. Aber eben auch anstrengend.
Am selben Abend gab es dann noch ein Konzert in Archidona, bei dem ich mal vorbeischauen wollte. Nachdem es trotz Startzeit von 17:00 Uhr um 18:45 Uhr aber IMMER noch nicht losgegangen ist, habe ich den Plan wieder verworfen. Da habe ich die Hora Ecuadoriana mal besonders intensiv zu spüren bekommen.
Am nächsten Tag hat dann außerdem noch ein Stierkampf stattgefunden, den ich ebenfalls zumindest kurz mal sehen wollte. Wie schon gedacht hat sich das aber als brachial falsche Idee herausgestellt: es war einfach nur traurig und komisch, das zu sehen. Mal ganz abgesehen, dass es sich bei den Leuten in der Arena gefühlt um keine richtigen Toreros sondern vielmehr willkürlich ausgewählte Jungs handelte (wie gesagt: nur mein Gefühl), war richtig zu sehen, wie wenig Lust der Stier auf dieses Event hat. Nachdem er direkt beim rauslaufen aus dem Laster den ersten Torero umgerannt hat, hat er sich eher am Rand gehalten und nach einem Weg raus aus den Zäunen gesucht. Das haben die Toreros natürlich nicht auf sich sitzen gelassen und angefangen, Schwanz und Hörner des Stieres festzuhalten, um ihn aggressiver zu machen. Echt kein schöner Anblick. Entsprechend bin ich auch kurz nach Beginn des Events wieder abgehauen.
Nach einem dann mal recht entspannten Wochenende (ganz gut, nach all den Reisen in der letzten Zeit) ging es dann auch direkt weiter mit Fiestas. Dieses mal allerdings in San Pablo, einer Comunidad von Archidona. Beginnend mit einer Wayuza-Upina am Dienstagmorgen. Aufstehen um 02:15 Uhr und los gehts. Um dann erstmal noch eineinhalb Stunden zu warten, bis es TATSäCHLICH losgeht. Aber dann auch richtig. Wayuza trinken, Chicha trinken, tanzen und dann: die spirituelle Reinigung.
Ich habe ja bereits von meiner letzten solchen Erfahrung berichtet, als ich nämlich Chili in die Augen gerieben bekommen habe. Langweilig wie ich nicht bin, habe ich mich dieses mal dann dazu entschlossen, es mit der anderen Variante zu versuchen: Saft aus Tabak in die Nase. Grundsätzlich eine um Welten angenehmere Angelegenheit als die Chili-Prozedur. Es zieht ein bisschen in der Nase, der Kreislauf wird angeregt aber das ist es dann auch schon. Dachte ich jedenfalls, bis sich gerade MEIN Kreislauf dazu entschlossen hat, jetzt gar nicht mehr mitzumachen und erstmal meinen gesamten, nicht vorhandenen Mageninhalt der Natur zur Verfügung zu stellen. Ich meine, wenn ich wenigstens ETWAS gehabt hätte, zum auskotzen aber da war ja gar nichts. Nur das bisschen Chicha, das ich zuvor getrunken hatte. Naja kein so tolles Gefühl, muss ich sagen. Aber jetzt habe ich auch das erlebt. Und insgesamt war Chili in den Augen schon noch deutlich unangenehmer.
Aber auch die Fiestas de San Pablo sind natürlich nicht nur auf eine Wayuza-Upina beschränkt. Auch hier gab es wieder Elecciones de las Reinas und auch diese habe ich mir wieder angeschaut. Es lief alles ganz ähnlich ab wie in Archidona, nur wurde mehr getanzt und es gab allgemein eine bessere Stimmung, hatte ich das Gefühl. Außerdem ist mal wieder eine Gruppe aufgetreten, die Kichwa-Tänze vorgeführt hat und ich muss ehrlich sagen: das waren die energetischsten, motiviertesten und besten TänzerInnen, die ich hier bis jetzt gesehen habe. Also wirklich! Die waren so voller Elan und haben das einfach echt gut gemacht. War richtig toll zum anschauen.
Naja aber ganz Ecuador-typisch war natürlich auch dieses Event begleitet von brutal lauter Musik und einem insgesamt sehr hohen Geräuschpegel. Und wow bin ich neidisch auf dieses kleine Kind, das einfach die gesamte Veranstaltung über durchgepennt hat! Diese Fähigkeit, jegliches Geräusch KOMPLETT ausblenden zu können die hätte ich auch gerne. Einfach nur beneidenswert.
Naja aber damit war es das dann auch soweit für diesen Blogeintrag.
Tschüss
Wow
20.04.2025
Grüezi!
Die letzten zwei Wochen haben für mich begonnen in: Quito!
Also streng genommen in Archidona, aber am Sonntagfrüh habe ich mir direkt einen Bus in die Hauptstadt geschnappt denn dort stand ein wichtiger Termin an.
Bevor ich damit allerdings einsteige, möchte ich noch einmal die unverschämt kalten Temperaturen in Archidona an diesem Tag erwähnen: 23 Grad war das höchste der Gefühle! Wow, ist das frisch gewesen. Da saß ich doch morgens glatt das erste mal mit Pullover in meinem Zimmer. Ich hätte nie gedacht, dass es mal so weit kommen wird
Naja aber weiter mit dem Bericht zu Quito. Wichtig war der Besuch der Hauptstadt nämlich deswegen, weil ich zum Flughafen musste meine Familie bei ihrer Ankunft hier in Ecuador abholen. Und genau das habe ich auch gemacht. Um ungefähr 17:30 Uhr sind sie angekommen, haben mir das leckerste Käsebrot meines Lebens mitgebracht (ich vermisse die deutsche Kulinarik nach wie vor) und es war natürlich auch ganz nett, alle mal wiederzusehen. Also ab ins Taxi und auf geht's in die Stadt rein, zum gemieteten Apartment. Selbiges liegt direkt am Park "La Carolina", also einem der größten und schönsten Parks im Norden Quitos. Dort sind wir in einer Wohnung im 13. Stock geblieben von der es einfach eine fantastische Aussicht über den Park sowie auf die umliegenden Berge gab einfach toll. Genau genommen sind ja aber nicht "wir" da geblieben, nach der ersten Nacht ging es für mich natürlich direkt wieder zurück nach Archidona Arbeit ausfallen lassen is nich. Zumindest nicht den gesamten Familienbesuch über.
Gemeinsam etwas unternommen haben wir natürlich dennoch! Am Donnerstag ging es für uns alle nach Lago Agrio. Das ist ein kleiner Ort in der Nähe der kolumbianischen Grenze und zählt vor diesem Hintergrund nicht unbedingt zu den sichersten und schönsten Gebieten Ecuadors aber dazu später noch eine kleine Erwähnung. Dorthingefahren sind wir nun natürlich nicht einfach nur aus Spaß, aber auch auf unser eigentliches Reiseziel in der Gegend gehe ich später noch ein. Erstmal zu meiner Busfahrt, die ausnahmsweise nämlich mal nicht so ganz das Wahre war. Meine Familie ist von Quito aus nach Lago Agrio gefahren, ich von Archidona aus. Das Prinzip "Busfahren" läuft hier, also in einem Ort, in dem es keinen Busterminal gibt anders als in Quito etwas anders ab. Man setzt sich an die Haltestelle und wartet, bis der gewünschte Bus kommt dann gehts los. So habe das natürlich auch ich gemacht und mangels vorhandener Fahrpläne konnte ich nach eineinhalb Stunden des Wartens dann endlich meine Reise antreten. In einem aus mir unerfindlichen Gründen sehr überfüllten Bus, aber gut da kann man nix machen. Los geht also die Fahrt aber Überraschung: nach einer Stunde müssen wir spontan halten. Stau auf der Straße, da regt sich gar nichts mehr. Grund: die Strecke ist kaputt gegangen und muss jetzt erstmal provisorisch repariert werden. Tolle Sache, also erstmal entspannte viereinhalb Stunden Wartezeit in einem überfüllten Bus mit nervigem Film auf dem Fernseher, viel zu kühler Klimaanlage, keiner vernünftigen Information zu dem weiteren Verlauf der Fahrt und ebensowenig Handynetz um mal die Familie zu kontaktieren, dass ich mich um ungefähr sechs Stunden verspäten werde. Ich meine grundsätzlich wäre ich diesem kleinen Hindernis im Reiseablauf ja mit der üblichen ecuadorianischen Gelassenheit begegnet, aber weil meiner Familie dieses Konzept noch nicht so bekannt ist wie mir, war die Wartezeit jetzt echt nicht so toll.
Naja irgendwann ging es dann natürlich auch weiter, allerdings wurde auf der nun nur noch einspurig befahrbaren Straße aus irgendeinem Grund ausschließlich der Gegenverkehr durchgelassen. Also echt alles nicht so toll. Aber auch so ein Trip findet natürlich ein Ende in diesem Fall um 24:00 Uhr statt der geplanten Ankunft sechs Stunden vorher.
Jetzt aber zu bereits erwähntem Ziel der Busfahrt: Lago Agrio. Dieser Ort liegt in der Nähe der kolumbianischen Grenze und ist vor dem Hintergrund Drogenhandel und allem drum und dran nicht grade die sicherste Gegend in Ecuador. Eher im Gegenteil: vor allem Gringos werden des vermuteten Reichtums wegen schnell als Opfer von Raubüberfällen oder auch Entführungen auserkoren. Selbiges ist uns natürlich nicht passiert aber es war schon auch irgendwie ein Zeichen, dass während unserer Busfahrt am nächsten Morgen auf offener Straße jemand einer Frau die Handtasche rauben wollte. Und wenn das selbst EcuadorianerInnen passiert, dann sind Gringos erst recht nicht sicher vor solcherart Kriminalität.
Aber wir wollten ja auch gar nicht in Lago Agrio bleiben. Für uns ging es zum mit dem Bus ca. 2 Stunden entfernten Puente Cuyabeno und damit dem Startpunkt unserer folgenden 3-tägigen Dschungeltour. Abgeholt wurden wir dort um 11:00 von unserem künftigen Guide Elias, der uns sofort in das Kanu mit unserem künftigen Fahrer Walter (ja, beides deren echte Namen) gesetzt hat und dann ging es auch schon los. 3 Stunden sind wir mit unserer Gruppe durch die Rios Negros (also die schwarzen Flüsse) gefahren und haben bei wolkenweißem Himmel die Gewässer, Flora und Fauna bewundert. Es ist wirklich unglaublich, was dort alles an Bäumen und Pflanzen lebt ganz zu schweigen natürlich von den ganzen Tieren. Affen haben wir gesehen, Faultiere (ach genannt "Furry Blob"), ein Anakondajungtier mit gerade mal entspannten 2 Metern unausgewachsener Länge so wie natürlich einiges an Vogelgetier. In Erinnerung geblieben ist mir dabei vor alllem der Stinky Turkey (stinkender Truthahn), der wegen seines sehr schlecht schmeckenden Fleisches nur wenige natürliche Fressfeinde hat. Naja und all diese Eindrücke wurden natürlich untermalt von dem glucksenden Schrei der Tukane, dem Gekreische der Affen, dem Hämmern des Spechtes sowie aller möglichen sonstigen Tiergeräusche die ich nicht mehr erinnere. Was mir aber auf jeden Fall im Gedächtnis geblieben ist, das sind die beeindruckenden Navigationskünste von Walter. Mit einer Ruhe hat er dieses Kanu so entspannt und gut durch die gefühlt Millionen von Abzweigungen gesteuert, da wär ich bereits nach der ersten Kurve verloren gewesen wenn nicht bereits das Boot am Ufer zerschellt wäre. Nun macht Walter das natürlich jeden Tag, toll war es trotzdem. Und nach den bereits erwähnten 3 Stunden Fahrt sind wir dann auch in unserer Lodge angekommen. Selbige kann man sich im Prinzip wie eine Art Hüttenkonstrukt mitten im Dschungel vorstellen: Unterkünfte für die Mitarbeiter, Küche, Essenssaal sowie Zimmer für die Gäste. Das Alles erstaunlich bequem und in unserem Fall auch mit sehr gutem und leckeren Essen also alles bestens. Den Vergleich zu anderen Lodges (es gibt nämlich logischerweise mehrere davon im Cuyabeno-Reservat) habe ich natürlich nicht, aber wir sind insgesamt voll und ganz zufrieden mit eigentlich allem gewesen.
Jetzt war unser Aufenthalt in Cuyabeno allerdings nicht zur Entspannung, es gab ordentlich Programm. Am ersten Abend ging es direkt wieder auf Tour, nämlich zur Laguna Grande. Das ist der wörtlich übersetzt "große See", der eben in dem Gebiet der Rios Negros liegt. Und das ist eigentlich ein ziemlich beeindruckendes Stück Natur. Wir sind dort gewesen während der Regenzeit. Bedeutet: viel Wasser, gut zum Schwimmen. Es gibt allerdings auch die Trockenzeit, während der dieser See teilweise komplett leer steht, sozusagen. Das ist dann einfach eine Wüste, da geht gar nix ab. Man kann darin rumlaufen, es gibt die dortigen Bäume in all ihrer Pracht zu bewundern aber es gibt halt kein Wasser. Uns wurden Bilder von diesem Zustand gezeigt, das ist schon echt beeindruckend. Unsere Tour fand aber wie gesagt während der Regenzeit statt was darin resultiert hat, dass der See eben auch als solcher zu erkennen war. Alles geflutet, nur die paar Baumwipfel haben aus dem Wasser geschaut. Schon spannend, was die so können: entweder im Trockenen oder komplett überschwemmt zu überleben.
Naja und besonders viel Glück hatten wir außerdem mit dem tollen Sonnenuntergang, den zu bewundern wir ursprünglich zum See gefahren sind. Der Himmel war nämlich fast komplett klar und so konnten wir schließlich auf der einen Seite den orangenen Himmel mit untergehender Sonne bewundern, während gegenüber in kühles Blau schon der Vollmond gebettet war echt schön, sich das anzuschauen.
Auch spannend war übrigens, dass der See an ein paar Stellen sehr warm, direkt daneben aber plötzlich ordentlich kalt war. Ich habe keine Ahnung, wie dieses Phänomen zustande kommt aber schon eine lustige Sache. Nicht ganz so lustig war für einige meiner Mitfahrer allerdings das Wissen, dass in der Laguna Grande nun mal auch Piranhas und Kaimane leben. Für mich persönlich natürlich der absolute Jackpot aber ich kann mir auch vorstellen, dass das bei einigen Menschen evtl. Hemmungen auslöst. Glücklicherweise leben diese Tiere nur am Rand des Sees und nicht dort, wo es tief wird. Also: alles vollkommen ungefährlich! Ebenso wie die Blauaras, die dort in der Gegend leben und die wir ebenfalls auf unserer Fahrt zum See bewundern konnten. Sehr schöne Vögel, die, wie unser Guide uns erklärte, nach einmaliger Paarung IMMER mit der nun Liebe ihres Lebens gemeinsam unterwegs sind und sobald einer von beiden stirbt, lebt auch der andere des Herzschmerz wegen nicht mehr lange.
Die Fahrt zurück zur Lodge, die hat dann allerdings bereits im Dunkeln stattgefunden. Eine durchaus willkommene Tatsache, denn die besonders interessanten Tiere sind ja hauptsächlich nachtaktiv. Beispielsweise Kaimane von denen wir leider Gottes aber keinen gesehen haben. Dafür aber eine 30 Zentimeter lange Baby-Boa, die unser Guide in der vollkommenen Dunkelheit an der Reflexion erkannt hat, die deren Augen durch den Schein seiner Taschenlampe geworfen haben.
Wow.
Und das bisher erzählte umfasst ja gerade einmal den Tag unserer Ankunft! Weiter geht es nun mit unserem ersten kompletten Morgen dort im Reservat. Selbiger begann nach dem Frühstück mit einer kurzen Kanufahrt in die Gegend der Laguna Grande. Dorthin allerdings nicht zum schwimmen, heute stand eine Wanderung an. Also ab zur Laguna Grande und weiter zum Ufer, auf dem Weg direkt noch eine schwarz-gelbe Schlange gesehen, die sich auf dem Baum entspannt hat und sofort abgehauen ist, als wir in die Nähe kamen. Auch abseits der Schlange war natürlich auch die Fahrt schon wieder einfach nur toll. Alle möglichen Vögel in dieser unglaublich interessanten und vielfältigen Pflanzenwelt das ist schon ein Erlebnis.
Wobei der eigentlich relevante Teil des Tages die bereits angesprochene Wanderung war. Angelegt am Ufer geht es also los und völlig unbefangen tapern wir durch diesen Dschungel. Unser Guide weiß natürlich Bescheid und kann uns über jede Spinne aufklären, die noch so klein und noch so fancy ist. Und noch nie bin ich so glücklich über die Möglichkeit des manuellen Fokus meiner Kamera gewesen ohne den hätte ich diese Tiere auf keinen Fall ablichten können. Besonders spannend waren auf dieser Wanderung aber mal wieder die ganzen Bäume und Pflanzen. Zum Beispiel gibt es den sog. Killing Tree, als ein Baum, der sich um andere Bäume rumwindet, ihnen über die Zeit alle Nährstoffe raubt und so dafür sorgt, dass sie innerhalb einiger weniger Jahre sterben. Ganz schön gemein, eigentlich. Auch gab es einen Baum mit Blättern, die offenbar so giftig sind, dass sie beim runterfallen auf den Boden dafür sorgen, dass im Umkreis des Baumes nichts anderes mehr wachsen kann. Und zu guter Letzt wurde uns noch ein Baum gezeigt, dessen Wurzeln so geformt sind, dass man durch Schlagen eines Stockes auf selbige so einen hallenden Klang erzeugen kann, der bei richtiger Schlagtechnik bis zu 30 Kilometer weit zu hören ist und unter indigenen Völkern zur Kommunikation verwendet wird. Auch ich habe mich natürlich des Baumhauens probiert und kann versichern, dass mein Ton mindestens auch die 25-Kilometer-Marke geknackt hat!
Naja allgemein haben wir jedenfalls ziemlich viel über Flora und Fauna gelernt. So auch über gewisse Heilpflanzen oder andere Funktionen bestimmter Pilze oder Bäume. Beispielsweise gab es den Paracetamol-Baum (der heißt nicht wirklich so, ich hab den Namen vergessen), dessen Fähigkeiten vermutlich recht offensichtlich sind: der bitteren Rinde werden heilende und schmerzlindernde Fähigkeiten zugeschrieben. Und kaum davon probiert, hat sich die bereits seit längerem haltende Wunde meines Bruders ordentlich gebessert! Auch gab es einen Pilz, den zu einem Tee aufgekocht Frauen für Verhütung nutzen. Gleich mehrere Jahre soll dieser Effekt anhalten Erfahrungsberichte dazu kann ich nun aber nicht liefern. Anders sieht es aus bei den Termiten, die ich gegessen habe. Lebendig, natürlich. Von den Termitennestern gibt es nämlich ziemlich viele, dort in der Gegend. Und da hat unser Guide uns dann einfach mal das Innenleben ebensolcher Konstrukte gezeigt. Kaum mit der Machete aufgeschlagen krabbeln sie auch schon in Massen raus, um ihr Nest zu reparieren. Logisch soweit. Die Chance haben wir uns aber natürlich nicht nehmen lassen und mal ein paar der Viecher probiert. Von dem Geschmack nach Hühnchen, den sie haben sollen, habe ich zwar nicht viel gemerkt aber war trotzdem ganz lustig. Ebenso wie die Ameisen, die an dem bereits erwähnten Baum mit den giftigen Blättern langetapert sind. Nach Zitrone sollen die wohl schmecken auch das ist mir eher weniger aufgefallen. Aber lustig crunchy waren die schon, da kann ich nichts gegen sagen. übrigens: entweder, man sammelt diese Ameisen vom Stamm runter, um sie zu essen, oder man leckt einfach den Baum ab. So einfach geht das.
Das größte Highlight dieser Wanderung, das kommt aber erst noch. Des Morgens hatte uns unser Guide bereits gesagt, dass wir doch bitte Regenstiefel anziehen sollten, es könnte ja auch etwas feucht um die Füsse werden, im Regenwald. Dass wir dann aber plötzlich eine halbe Stunde hüfttief durchs Wasser zu waten hatten damit haben wir nicht gerechnet. Aber so ist es dann gekommen. Also Kamera hochgehalten, die Taschentücher in der Hose vergessen und auf gehts! Es war auf jeden Fall eine lustige Sache und wäre vermutlich gerade mal halb so cool gewesen, wenn er uns vorgewarnt hätte. So sind wir dann also mit dem Wasser bis zum Bauch über Stock und Stein, durch Schlamm und Wurzeln und hier und da mal an ein paar Feuerameisen vorbeigewandert. Ich persönlich habe ja auch noch auf einen Kaiman gehofft aber dahingehend wurde ich leider enttäuscht. Meine Mitwanderer fanden das Ausbleiben dieses Treffens komischerweise sehr begrüßenswert Aber gut. Was macht man jedenfalls, wenn man gerade komplett bekleidet durch Schlammwasser marschiert und nun vom Bauchnabel abwärts ziemlich dreckig ist? Na klar: auf geht's zur Laguna Grande, alles abwaschen. Das war dann leider auch der Moment, in dem ich meine fette Erkältung ganz gut gemerkt habe. Schon schön, so am ersten Tag dieses tollen Urlaubs direkt krank zu werden.
Nach einer Mittagspause mit ordentlich Gewitter direkt bei der Lodge folgte dann der zweite Abend in Cuyabeno. Es ging mal wieder zur Laguna Grande, den Sonnenuntergang beobachten. Der war dieses Mal zwar nicht sonderlich beeindruckend, dafür war der Himmel zu bewölkt. Toll war dafür allerdings das Gewitter, dass wir in der Ferne beobachten konnten. Jede Menge Blitze am Horizont, ab und zu mal ein kleines Donnern und trotzdem sind wir trocken geblieben in unserem Kanu echt ein Spektakel.
Spannend waren außerdem die rosa Flussdelphine, die dort in den Rios Negros leben. Insgesamt gibt es von diesen Tieren offenbar nur noch 80 weltweit (sofern ich unseren Guide richtig verstanden habe), also schon toll, dass wir hier welche zu Gesicht bekommen haben. Rosa sind die Delphine übrigens quasi als äquivalent zu dem "rot werden" bei Menschen. In stressigen oder sonst irgendwie anstrengenden Situationen sammelt sich ihr Blut an der Körperoberfläche, was ihre Haut rosa erscheinen lässt. Ein lustiges Phänomen.
Der eigentliche Ausflug des Abends stand allerdings noch bevor: eine Nachtwanderung. Eine Stunde lang sind wir gemeinsam in Dunkelheit durch den Dschungel getapert, auf der Suche nach Spinnen, Schlangen und sonstigen Tieren. Vor allem erstere haben wir zur Genüge entdeckt: es gab eine Skorpionspinne, eine Tarantel, alle möglichen Grillen und natürlich Insekten in rauen Mengen. Außerdem die Wolfsspinne. Das ist die zweitgefährlichste Spinne im gesamten Amazonas. Sie kann zwar einen Menschen nicht umbringen, aber für ordentlich übelkeit, Schwindel, Erbrechen und Schmerzen für über zehn Stunden sorgen. Das klingt zwar alles nicht so toll aber ganz ehrlich wirklich schlimm wirkt es auf mich jetzt auch nicht. Die Hausspinnen in Deutschland können mir ab jetzt jedenfalls gar nichts mehr. Zwei der gefundenen Spinnen habe übrigens tatsächlich ich entdeckt, da bin ich schon ordentlich stolz drauf, muss ich sagen!
Aber abgesehen von den ganzen Spinnen gab es nicht wirklich viel zu sehen. Wir waren ja allerdings auch mit Taschenlampen unterwegs und weil die meisten Tiere dort das Licht scheuen, ist klar, dass die sich nicht in unsere Nähe aufgehalten haben. Was wir allerdings sehen konnten, das war eine Statue der Mitad del Mundo. Also der Mitte der Welt, die ich ja auch in Quito bereits einmal besucht habe. Bedeutet also: wir sind dort direkt auf der äquatorlinie unterwegs gewesen, bei unserer Wanderung.
Diese Tatsache hat uns allerdings auch nicht dabei geholfen, bei der Rückfahrt in der Dunkelheit endlich mal einen nachtaktiven Kaiman zu sehen. Das ist echt ziemlich schade, denn ich habe wirklich gehofft, eines dieser Tiere hier in Cuyabeno entdecken zu können. Ich würde fast schon sagen, es war mit ein Grund, warum ich überhaupt hier hin wollte. Das hat mein Herz also schon ein wenig gebrochen, dass es keinen Kaiman zu sehen gab
Immerhin: am folgenden Morgen stand eine Vogelbeobachtungstour in der Früh an. Mit dem Kanu sind wir langsam den Fluss entlangedümpelt und haben nach allen möglichen Vögeln oder sonstigen Tieren Ausschau gehalten. Affen haben wir gesehen, ein Faultier, einige Blauaras, Stinky Turkeys ohne Ende und sogar ein paar Fledermäuse, die sich an einem Baum entspannt haben. Außerdem tatsächlich einen Arapaima, der größte Fisch im Amazonasgebiet, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. So richtig "gesehen" haben wir den natürlich nicht, aber da gab's schon ein ordentliches Platschen im Wasser. Und wenn unser Guide sagt, das ist ein Arapaima dann wird das schon stimmen. Streng genommen hätte er mir aber auch alles dazu erzählen können. Selbst, wenn er mir das als Jaguar hätte verkaufen wollen ich hätt's geglaubt.
Der wichtige Teil kommt allerdings jetzt erst. Denn neben dem groß erwünschten Kaiman wollte ich auch unbedingt noch Tukane sehen. Diese Vögel sind für mich einfach die Definition von Tropen und Dschungel Haribos Tropi Frutti sei dank. Und tatsächlich: wir konnten am Morgen diese heiß ersehnten Vögel erblicken! Es hat ein bisschen gedauert, bis ich sie erkannt habe, denn es gab erstens ziemlich viel Gegenlicht und abgesehen davon sind diese Tiere verdammt klein (ich hätte echt gedacht, die sind so mindestens Papageien-Größe) aber ich habe sie erkannt. Dschungeltour gerettet.
Hätte sie aber gar nicht sein müssen, denn kurz darauf gab es noch eine Entdeckung: ein Kaiman!
Langsam dümpelt der da so vor sich hin, nur die Augen und das Maul über Wasser. Leider ist er bereits in Bewegung und verzieht sich ins Gebüsch am Uferrand aber Kaiman ist Kaiman! Lustig wurde es vor allem dann, als wir noch Näher an dieses Tier rangefahren sind und es nach einem Stupser mit dem Paddel sehr erschrocken-aggressiv im Wasser verschwunden und abgehauen ist.
Also: ein voller Erfolg, diese Vogelbeobachtungstour!
Naja und dann stand schließlich nur noch die Abfahrt an. Guide und Fahrer wurden für die Rückfahrt gewechselt und plötzlich sind wir ziemlich sportlich-schnell durch die Rios Negros zurück zum Ausgangspunkt der Tour gedüst. Am Anfang war ich noch nicht so ganz überzeugt von dem neuen Fahrstil, meine Ellenbogen waren regelmäßig nur noch Millimeter von der Wasseroberfläche entfernt, so scharf haben wir uns in die Kurven gelegt. Nichtsdestotrotz hat unsere neue Guide in voller Fahrt ein Faultier mit Baby in den Baumwipfeln entdeckt, das beste bisher. Und spätestens ab dem letzten Viertel der Fahrt war ich über den sportlichen Fahrstil dann doch recht froh. Zu dem bereits hohen Wasserstand mit starker Strömung kam dann nämlich auch noch ordentlich Regen und unter diesen Umständen bin ich persönlich nicht allzu gerne im Kanu unterwegs. Aber dann waren wir wie gesagt auch kurz vor dem Ziel und so schnell wie der Typ durch alle möglichen Durchgänge gezogen ist, die für den Laien nie im Leben als solche erkennbar gewesen wären fast trocken sind wir schließlich angekommen!
Aber eben nur fast.
Um jetzt jedenfalls noch mit einem kleinen Fazit zu der Cuyabeno Dschungeltour abzuschließen: es war toll! Eine wirklich eindrucksvolle Erfahrung. Ich meine, wir waren in einem der artenreichsten Gebiete eines der artenreichsten Länder der Welt es ist unglaublich, wie vielfältig die Natur dort ist. Sowohl in der Tier- als auch in der Pflanzenwelt. All das gibt es in Deutschland einfach nicht. Ebensowenig im europäischen Umfeld oder sonstwo in der Nähe meiner Heimat. Es ist einfach total beeindruckend, so viel Neues für sich persönlich zu entdecken, es ist interessant und aufschlussreich. Das alles mit einem tollen Guide und einem sehr guten Fahrer erleben zu können es ist eine einzigartige Erfahrung!
Mit Freude würde ich diesen Blogeintrag an dieser Stelle und auf dieser höchst positive Note enden lassen, aber von Cuyabeno aus mussten wir ja nun auch wieder zurückfahren. Ich nach Archidona, meine Familie irgendwo sonst hin, wo sie eine Nacht bleiben können, bis sie am Tag danach ebenfalls nach Archidona kommen, um mich dort zu besuchen.
Naja der Zufall wollte es, dass unser Reisesonntag der Sonntag der Wahl hier in Ecuador war. Stichwahl zwischen Daniel Noboa und Luisa Gonzáles. Und weil Wahlen hier offenbar auch immer so eine Art Zeitpunkt für Familienzusammenkünfte sind (um gemeinsam zu feiern oder irgendwas in der Art), reisen an diesen Wochenenden ungefähr alle EcuadorianerInnen in ihre Heimatprovinzen. Und entsprechend voll sind die Busse. Was es fast unmöglich macht, an sein Ziel zu kommen wenn man nicht im voraus bereits ein Ticket gebucht hat. Hatte ich nicht. Weswegen ich bei meinem notwendigen Umstieg in Coca nur mit sehr viel Glück, Gringobonus und meinem einwandfreien Spanisch als überzeugungskünsten punkten konnte, sodass der Busfahrer mich stehend hat mitfahren lassen. Das war nicht so angenehm, vor allem mit ner ordentlichen Erkältung. Aber immerhin bin ich wieder nach Hause gekommen und musste nicht fünf Stunden auf den nächsten freien Bus warten.
Gewonnen hat die Wahl übrigens Noboa. Wobei man das in Deutschland glaube ich sogar mitbekommen hat: wenn selbst der Deutschlandfunk über die beiden Kandidaten berichtet, dann scheint die Politik Ecuadors doch zumindest eine gewisse Relevanz zu haben.
Bekannt ist dann allerdings auch, dass sowohl Noboa als auch Luisa einigermaßen umstritten sind. Der rechtspopulistische Noboa, weil er zwar einerseits mit harter Hand gegen organisierte (Drogen-)Kriminalität im Land vorgeht aber dafür die Sozialausgaben vernachlässigt, die linke Luisa, weil ihr Programm im Prinzip einmal das von Noboa nur umgekehrt ist. Soweit mal die Erklärung, ungefähr alle Details ausgelassen. Jedenfalls bedeutet das, dass vor allem an der Küste und in den Gebieten mit Gefängnissen Luisa gewählt wird und überall sonst Noboa.
Und jetzt noch eine kleine "Entdeckung", die ich gemacht habe: ich bin ja krank. Erkältet, um genau zu sein. Das geht zurzeit in ganz Ecuador rum, auch einige der Lehrkräfte an meiner Schule hat es erwischt. Der Unterschied besteht nun aber darin, dass ich bei Krankheit zuhause bleibe bzw. bleiben kann, während die Einheimischen nach wie vor zur Arbeit gehen. Da ist mir doch direkt nochmal diese krasse Ungleichheit bewusst geworden: ich kann der Arbeit fern bleiben, wenn es mir schlecht geht ich werde sogar von meiner Chefin dazu gezwungen. Aber die EcuadorianerInnen haben nun mal keine entsprechenden Sozialversicherungen und müssen nach wie vor Geld verdienen krank zuhause bleiben ist da nicht.
Das ist schon krass.
An der Stelle möchte ich diesen Monster-Blogeintrag dann auch beenden.
Adieu
Die letzten zwei Wochen haben für mich begonnen in: Quito!
Also streng genommen in Archidona, aber am Sonntagfrüh habe ich mir direkt einen Bus in die Hauptstadt geschnappt denn dort stand ein wichtiger Termin an.
Bevor ich damit allerdings einsteige, möchte ich noch einmal die unverschämt kalten Temperaturen in Archidona an diesem Tag erwähnen: 23 Grad war das höchste der Gefühle! Wow, ist das frisch gewesen. Da saß ich doch morgens glatt das erste mal mit Pullover in meinem Zimmer. Ich hätte nie gedacht, dass es mal so weit kommen wird
Naja aber weiter mit dem Bericht zu Quito. Wichtig war der Besuch der Hauptstadt nämlich deswegen, weil ich zum Flughafen musste meine Familie bei ihrer Ankunft hier in Ecuador abholen. Und genau das habe ich auch gemacht. Um ungefähr 17:30 Uhr sind sie angekommen, haben mir das leckerste Käsebrot meines Lebens mitgebracht (ich vermisse die deutsche Kulinarik nach wie vor) und es war natürlich auch ganz nett, alle mal wiederzusehen. Also ab ins Taxi und auf geht's in die Stadt rein, zum gemieteten Apartment. Selbiges liegt direkt am Park "La Carolina", also einem der größten und schönsten Parks im Norden Quitos. Dort sind wir in einer Wohnung im 13. Stock geblieben von der es einfach eine fantastische Aussicht über den Park sowie auf die umliegenden Berge gab einfach toll. Genau genommen sind ja aber nicht "wir" da geblieben, nach der ersten Nacht ging es für mich natürlich direkt wieder zurück nach Archidona Arbeit ausfallen lassen is nich. Zumindest nicht den gesamten Familienbesuch über.
Gemeinsam etwas unternommen haben wir natürlich dennoch! Am Donnerstag ging es für uns alle nach Lago Agrio. Das ist ein kleiner Ort in der Nähe der kolumbianischen Grenze und zählt vor diesem Hintergrund nicht unbedingt zu den sichersten und schönsten Gebieten Ecuadors aber dazu später noch eine kleine Erwähnung. Dorthingefahren sind wir nun natürlich nicht einfach nur aus Spaß, aber auch auf unser eigentliches Reiseziel in der Gegend gehe ich später noch ein. Erstmal zu meiner Busfahrt, die ausnahmsweise nämlich mal nicht so ganz das Wahre war. Meine Familie ist von Quito aus nach Lago Agrio gefahren, ich von Archidona aus. Das Prinzip "Busfahren" läuft hier, also in einem Ort, in dem es keinen Busterminal gibt anders als in Quito etwas anders ab. Man setzt sich an die Haltestelle und wartet, bis der gewünschte Bus kommt dann gehts los. So habe das natürlich auch ich gemacht und mangels vorhandener Fahrpläne konnte ich nach eineinhalb Stunden des Wartens dann endlich meine Reise antreten. In einem aus mir unerfindlichen Gründen sehr überfüllten Bus, aber gut da kann man nix machen. Los geht also die Fahrt aber Überraschung: nach einer Stunde müssen wir spontan halten. Stau auf der Straße, da regt sich gar nichts mehr. Grund: die Strecke ist kaputt gegangen und muss jetzt erstmal provisorisch repariert werden. Tolle Sache, also erstmal entspannte viereinhalb Stunden Wartezeit in einem überfüllten Bus mit nervigem Film auf dem Fernseher, viel zu kühler Klimaanlage, keiner vernünftigen Information zu dem weiteren Verlauf der Fahrt und ebensowenig Handynetz um mal die Familie zu kontaktieren, dass ich mich um ungefähr sechs Stunden verspäten werde. Ich meine grundsätzlich wäre ich diesem kleinen Hindernis im Reiseablauf ja mit der üblichen ecuadorianischen Gelassenheit begegnet, aber weil meiner Familie dieses Konzept noch nicht so bekannt ist wie mir, war die Wartezeit jetzt echt nicht so toll.
Naja irgendwann ging es dann natürlich auch weiter, allerdings wurde auf der nun nur noch einspurig befahrbaren Straße aus irgendeinem Grund ausschließlich der Gegenverkehr durchgelassen. Also echt alles nicht so toll. Aber auch so ein Trip findet natürlich ein Ende in diesem Fall um 24:00 Uhr statt der geplanten Ankunft sechs Stunden vorher.
Jetzt aber zu bereits erwähntem Ziel der Busfahrt: Lago Agrio. Dieser Ort liegt in der Nähe der kolumbianischen Grenze und ist vor dem Hintergrund Drogenhandel und allem drum und dran nicht grade die sicherste Gegend in Ecuador. Eher im Gegenteil: vor allem Gringos werden des vermuteten Reichtums wegen schnell als Opfer von Raubüberfällen oder auch Entführungen auserkoren. Selbiges ist uns natürlich nicht passiert aber es war schon auch irgendwie ein Zeichen, dass während unserer Busfahrt am nächsten Morgen auf offener Straße jemand einer Frau die Handtasche rauben wollte. Und wenn das selbst EcuadorianerInnen passiert, dann sind Gringos erst recht nicht sicher vor solcherart Kriminalität.
Aber wir wollten ja auch gar nicht in Lago Agrio bleiben. Für uns ging es zum mit dem Bus ca. 2 Stunden entfernten Puente Cuyabeno und damit dem Startpunkt unserer folgenden 3-tägigen Dschungeltour. Abgeholt wurden wir dort um 11:00 von unserem künftigen Guide Elias, der uns sofort in das Kanu mit unserem künftigen Fahrer Walter (ja, beides deren echte Namen) gesetzt hat und dann ging es auch schon los. 3 Stunden sind wir mit unserer Gruppe durch die Rios Negros (also die schwarzen Flüsse) gefahren und haben bei wolkenweißem Himmel die Gewässer, Flora und Fauna bewundert. Es ist wirklich unglaublich, was dort alles an Bäumen und Pflanzen lebt ganz zu schweigen natürlich von den ganzen Tieren. Affen haben wir gesehen, Faultiere (ach genannt "Furry Blob"), ein Anakondajungtier mit gerade mal entspannten 2 Metern unausgewachsener Länge so wie natürlich einiges an Vogelgetier. In Erinnerung geblieben ist mir dabei vor alllem der Stinky Turkey (stinkender Truthahn), der wegen seines sehr schlecht schmeckenden Fleisches nur wenige natürliche Fressfeinde hat. Naja und all diese Eindrücke wurden natürlich untermalt von dem glucksenden Schrei der Tukane, dem Gekreische der Affen, dem Hämmern des Spechtes sowie aller möglichen sonstigen Tiergeräusche die ich nicht mehr erinnere. Was mir aber auf jeden Fall im Gedächtnis geblieben ist, das sind die beeindruckenden Navigationskünste von Walter. Mit einer Ruhe hat er dieses Kanu so entspannt und gut durch die gefühlt Millionen von Abzweigungen gesteuert, da wär ich bereits nach der ersten Kurve verloren gewesen wenn nicht bereits das Boot am Ufer zerschellt wäre. Nun macht Walter das natürlich jeden Tag, toll war es trotzdem. Und nach den bereits erwähnten 3 Stunden Fahrt sind wir dann auch in unserer Lodge angekommen. Selbige kann man sich im Prinzip wie eine Art Hüttenkonstrukt mitten im Dschungel vorstellen: Unterkünfte für die Mitarbeiter, Küche, Essenssaal sowie Zimmer für die Gäste. Das Alles erstaunlich bequem und in unserem Fall auch mit sehr gutem und leckeren Essen also alles bestens. Den Vergleich zu anderen Lodges (es gibt nämlich logischerweise mehrere davon im Cuyabeno-Reservat) habe ich natürlich nicht, aber wir sind insgesamt voll und ganz zufrieden mit eigentlich allem gewesen.
Jetzt war unser Aufenthalt in Cuyabeno allerdings nicht zur Entspannung, es gab ordentlich Programm. Am ersten Abend ging es direkt wieder auf Tour, nämlich zur Laguna Grande. Das ist der wörtlich übersetzt "große See", der eben in dem Gebiet der Rios Negros liegt. Und das ist eigentlich ein ziemlich beeindruckendes Stück Natur. Wir sind dort gewesen während der Regenzeit. Bedeutet: viel Wasser, gut zum Schwimmen. Es gibt allerdings auch die Trockenzeit, während der dieser See teilweise komplett leer steht, sozusagen. Das ist dann einfach eine Wüste, da geht gar nix ab. Man kann darin rumlaufen, es gibt die dortigen Bäume in all ihrer Pracht zu bewundern aber es gibt halt kein Wasser. Uns wurden Bilder von diesem Zustand gezeigt, das ist schon echt beeindruckend. Unsere Tour fand aber wie gesagt während der Regenzeit statt was darin resultiert hat, dass der See eben auch als solcher zu erkennen war. Alles geflutet, nur die paar Baumwipfel haben aus dem Wasser geschaut. Schon spannend, was die so können: entweder im Trockenen oder komplett überschwemmt zu überleben.
Naja und besonders viel Glück hatten wir außerdem mit dem tollen Sonnenuntergang, den zu bewundern wir ursprünglich zum See gefahren sind. Der Himmel war nämlich fast komplett klar und so konnten wir schließlich auf der einen Seite den orangenen Himmel mit untergehender Sonne bewundern, während gegenüber in kühles Blau schon der Vollmond gebettet war echt schön, sich das anzuschauen.
Auch spannend war übrigens, dass der See an ein paar Stellen sehr warm, direkt daneben aber plötzlich ordentlich kalt war. Ich habe keine Ahnung, wie dieses Phänomen zustande kommt aber schon eine lustige Sache. Nicht ganz so lustig war für einige meiner Mitfahrer allerdings das Wissen, dass in der Laguna Grande nun mal auch Piranhas und Kaimane leben. Für mich persönlich natürlich der absolute Jackpot aber ich kann mir auch vorstellen, dass das bei einigen Menschen evtl. Hemmungen auslöst. Glücklicherweise leben diese Tiere nur am Rand des Sees und nicht dort, wo es tief wird. Also: alles vollkommen ungefährlich! Ebenso wie die Blauaras, die dort in der Gegend leben und die wir ebenfalls auf unserer Fahrt zum See bewundern konnten. Sehr schöne Vögel, die, wie unser Guide uns erklärte, nach einmaliger Paarung IMMER mit der nun Liebe ihres Lebens gemeinsam unterwegs sind und sobald einer von beiden stirbt, lebt auch der andere des Herzschmerz wegen nicht mehr lange.
Die Fahrt zurück zur Lodge, die hat dann allerdings bereits im Dunkeln stattgefunden. Eine durchaus willkommene Tatsache, denn die besonders interessanten Tiere sind ja hauptsächlich nachtaktiv. Beispielsweise Kaimane von denen wir leider Gottes aber keinen gesehen haben. Dafür aber eine 30 Zentimeter lange Baby-Boa, die unser Guide in der vollkommenen Dunkelheit an der Reflexion erkannt hat, die deren Augen durch den Schein seiner Taschenlampe geworfen haben.
Wow.
Und das bisher erzählte umfasst ja gerade einmal den Tag unserer Ankunft! Weiter geht es nun mit unserem ersten kompletten Morgen dort im Reservat. Selbiger begann nach dem Frühstück mit einer kurzen Kanufahrt in die Gegend der Laguna Grande. Dorthin allerdings nicht zum schwimmen, heute stand eine Wanderung an. Also ab zur Laguna Grande und weiter zum Ufer, auf dem Weg direkt noch eine schwarz-gelbe Schlange gesehen, die sich auf dem Baum entspannt hat und sofort abgehauen ist, als wir in die Nähe kamen. Auch abseits der Schlange war natürlich auch die Fahrt schon wieder einfach nur toll. Alle möglichen Vögel in dieser unglaublich interessanten und vielfältigen Pflanzenwelt das ist schon ein Erlebnis.
Wobei der eigentlich relevante Teil des Tages die bereits angesprochene Wanderung war. Angelegt am Ufer geht es also los und völlig unbefangen tapern wir durch diesen Dschungel. Unser Guide weiß natürlich Bescheid und kann uns über jede Spinne aufklären, die noch so klein und noch so fancy ist. Und noch nie bin ich so glücklich über die Möglichkeit des manuellen Fokus meiner Kamera gewesen ohne den hätte ich diese Tiere auf keinen Fall ablichten können. Besonders spannend waren auf dieser Wanderung aber mal wieder die ganzen Bäume und Pflanzen. Zum Beispiel gibt es den sog. Killing Tree, als ein Baum, der sich um andere Bäume rumwindet, ihnen über die Zeit alle Nährstoffe raubt und so dafür sorgt, dass sie innerhalb einiger weniger Jahre sterben. Ganz schön gemein, eigentlich. Auch gab es einen Baum mit Blättern, die offenbar so giftig sind, dass sie beim runterfallen auf den Boden dafür sorgen, dass im Umkreis des Baumes nichts anderes mehr wachsen kann. Und zu guter Letzt wurde uns noch ein Baum gezeigt, dessen Wurzeln so geformt sind, dass man durch Schlagen eines Stockes auf selbige so einen hallenden Klang erzeugen kann, der bei richtiger Schlagtechnik bis zu 30 Kilometer weit zu hören ist und unter indigenen Völkern zur Kommunikation verwendet wird. Auch ich habe mich natürlich des Baumhauens probiert und kann versichern, dass mein Ton mindestens auch die 25-Kilometer-Marke geknackt hat!
Naja allgemein haben wir jedenfalls ziemlich viel über Flora und Fauna gelernt. So auch über gewisse Heilpflanzen oder andere Funktionen bestimmter Pilze oder Bäume. Beispielsweise gab es den Paracetamol-Baum (der heißt nicht wirklich so, ich hab den Namen vergessen), dessen Fähigkeiten vermutlich recht offensichtlich sind: der bitteren Rinde werden heilende und schmerzlindernde Fähigkeiten zugeschrieben. Und kaum davon probiert, hat sich die bereits seit längerem haltende Wunde meines Bruders ordentlich gebessert! Auch gab es einen Pilz, den zu einem Tee aufgekocht Frauen für Verhütung nutzen. Gleich mehrere Jahre soll dieser Effekt anhalten Erfahrungsberichte dazu kann ich nun aber nicht liefern. Anders sieht es aus bei den Termiten, die ich gegessen habe. Lebendig, natürlich. Von den Termitennestern gibt es nämlich ziemlich viele, dort in der Gegend. Und da hat unser Guide uns dann einfach mal das Innenleben ebensolcher Konstrukte gezeigt. Kaum mit der Machete aufgeschlagen krabbeln sie auch schon in Massen raus, um ihr Nest zu reparieren. Logisch soweit. Die Chance haben wir uns aber natürlich nicht nehmen lassen und mal ein paar der Viecher probiert. Von dem Geschmack nach Hühnchen, den sie haben sollen, habe ich zwar nicht viel gemerkt aber war trotzdem ganz lustig. Ebenso wie die Ameisen, die an dem bereits erwähnten Baum mit den giftigen Blättern langetapert sind. Nach Zitrone sollen die wohl schmecken auch das ist mir eher weniger aufgefallen. Aber lustig crunchy waren die schon, da kann ich nichts gegen sagen. übrigens: entweder, man sammelt diese Ameisen vom Stamm runter, um sie zu essen, oder man leckt einfach den Baum ab. So einfach geht das.
Das größte Highlight dieser Wanderung, das kommt aber erst noch. Des Morgens hatte uns unser Guide bereits gesagt, dass wir doch bitte Regenstiefel anziehen sollten, es könnte ja auch etwas feucht um die Füsse werden, im Regenwald. Dass wir dann aber plötzlich eine halbe Stunde hüfttief durchs Wasser zu waten hatten damit haben wir nicht gerechnet. Aber so ist es dann gekommen. Also Kamera hochgehalten, die Taschentücher in der Hose vergessen und auf gehts! Es war auf jeden Fall eine lustige Sache und wäre vermutlich gerade mal halb so cool gewesen, wenn er uns vorgewarnt hätte. So sind wir dann also mit dem Wasser bis zum Bauch über Stock und Stein, durch Schlamm und Wurzeln und hier und da mal an ein paar Feuerameisen vorbeigewandert. Ich persönlich habe ja auch noch auf einen Kaiman gehofft aber dahingehend wurde ich leider enttäuscht. Meine Mitwanderer fanden das Ausbleiben dieses Treffens komischerweise sehr begrüßenswert Aber gut. Was macht man jedenfalls, wenn man gerade komplett bekleidet durch Schlammwasser marschiert und nun vom Bauchnabel abwärts ziemlich dreckig ist? Na klar: auf geht's zur Laguna Grande, alles abwaschen. Das war dann leider auch der Moment, in dem ich meine fette Erkältung ganz gut gemerkt habe. Schon schön, so am ersten Tag dieses tollen Urlaubs direkt krank zu werden.
Nach einer Mittagspause mit ordentlich Gewitter direkt bei der Lodge folgte dann der zweite Abend in Cuyabeno. Es ging mal wieder zur Laguna Grande, den Sonnenuntergang beobachten. Der war dieses Mal zwar nicht sonderlich beeindruckend, dafür war der Himmel zu bewölkt. Toll war dafür allerdings das Gewitter, dass wir in der Ferne beobachten konnten. Jede Menge Blitze am Horizont, ab und zu mal ein kleines Donnern und trotzdem sind wir trocken geblieben in unserem Kanu echt ein Spektakel.
Spannend waren außerdem die rosa Flussdelphine, die dort in den Rios Negros leben. Insgesamt gibt es von diesen Tieren offenbar nur noch 80 weltweit (sofern ich unseren Guide richtig verstanden habe), also schon toll, dass wir hier welche zu Gesicht bekommen haben. Rosa sind die Delphine übrigens quasi als äquivalent zu dem "rot werden" bei Menschen. In stressigen oder sonst irgendwie anstrengenden Situationen sammelt sich ihr Blut an der Körperoberfläche, was ihre Haut rosa erscheinen lässt. Ein lustiges Phänomen.
Der eigentliche Ausflug des Abends stand allerdings noch bevor: eine Nachtwanderung. Eine Stunde lang sind wir gemeinsam in Dunkelheit durch den Dschungel getapert, auf der Suche nach Spinnen, Schlangen und sonstigen Tieren. Vor allem erstere haben wir zur Genüge entdeckt: es gab eine Skorpionspinne, eine Tarantel, alle möglichen Grillen und natürlich Insekten in rauen Mengen. Außerdem die Wolfsspinne. Das ist die zweitgefährlichste Spinne im gesamten Amazonas. Sie kann zwar einen Menschen nicht umbringen, aber für ordentlich übelkeit, Schwindel, Erbrechen und Schmerzen für über zehn Stunden sorgen. Das klingt zwar alles nicht so toll aber ganz ehrlich wirklich schlimm wirkt es auf mich jetzt auch nicht. Die Hausspinnen in Deutschland können mir ab jetzt jedenfalls gar nichts mehr. Zwei der gefundenen Spinnen habe übrigens tatsächlich ich entdeckt, da bin ich schon ordentlich stolz drauf, muss ich sagen!
Aber abgesehen von den ganzen Spinnen gab es nicht wirklich viel zu sehen. Wir waren ja allerdings auch mit Taschenlampen unterwegs und weil die meisten Tiere dort das Licht scheuen, ist klar, dass die sich nicht in unsere Nähe aufgehalten haben. Was wir allerdings sehen konnten, das war eine Statue der Mitad del Mundo. Also der Mitte der Welt, die ich ja auch in Quito bereits einmal besucht habe. Bedeutet also: wir sind dort direkt auf der äquatorlinie unterwegs gewesen, bei unserer Wanderung.
Diese Tatsache hat uns allerdings auch nicht dabei geholfen, bei der Rückfahrt in der Dunkelheit endlich mal einen nachtaktiven Kaiman zu sehen. Das ist echt ziemlich schade, denn ich habe wirklich gehofft, eines dieser Tiere hier in Cuyabeno entdecken zu können. Ich würde fast schon sagen, es war mit ein Grund, warum ich überhaupt hier hin wollte. Das hat mein Herz also schon ein wenig gebrochen, dass es keinen Kaiman zu sehen gab
Immerhin: am folgenden Morgen stand eine Vogelbeobachtungstour in der Früh an. Mit dem Kanu sind wir langsam den Fluss entlangedümpelt und haben nach allen möglichen Vögeln oder sonstigen Tieren Ausschau gehalten. Affen haben wir gesehen, ein Faultier, einige Blauaras, Stinky Turkeys ohne Ende und sogar ein paar Fledermäuse, die sich an einem Baum entspannt haben. Außerdem tatsächlich einen Arapaima, der größte Fisch im Amazonasgebiet, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. So richtig "gesehen" haben wir den natürlich nicht, aber da gab's schon ein ordentliches Platschen im Wasser. Und wenn unser Guide sagt, das ist ein Arapaima dann wird das schon stimmen. Streng genommen hätte er mir aber auch alles dazu erzählen können. Selbst, wenn er mir das als Jaguar hätte verkaufen wollen ich hätt's geglaubt.
Der wichtige Teil kommt allerdings jetzt erst. Denn neben dem groß erwünschten Kaiman wollte ich auch unbedingt noch Tukane sehen. Diese Vögel sind für mich einfach die Definition von Tropen und Dschungel Haribos Tropi Frutti sei dank. Und tatsächlich: wir konnten am Morgen diese heiß ersehnten Vögel erblicken! Es hat ein bisschen gedauert, bis ich sie erkannt habe, denn es gab erstens ziemlich viel Gegenlicht und abgesehen davon sind diese Tiere verdammt klein (ich hätte echt gedacht, die sind so mindestens Papageien-Größe) aber ich habe sie erkannt. Dschungeltour gerettet.
Hätte sie aber gar nicht sein müssen, denn kurz darauf gab es noch eine Entdeckung: ein Kaiman!
Langsam dümpelt der da so vor sich hin, nur die Augen und das Maul über Wasser. Leider ist er bereits in Bewegung und verzieht sich ins Gebüsch am Uferrand aber Kaiman ist Kaiman! Lustig wurde es vor allem dann, als wir noch Näher an dieses Tier rangefahren sind und es nach einem Stupser mit dem Paddel sehr erschrocken-aggressiv im Wasser verschwunden und abgehauen ist.
Also: ein voller Erfolg, diese Vogelbeobachtungstour!
Naja und dann stand schließlich nur noch die Abfahrt an. Guide und Fahrer wurden für die Rückfahrt gewechselt und plötzlich sind wir ziemlich sportlich-schnell durch die Rios Negros zurück zum Ausgangspunkt der Tour gedüst. Am Anfang war ich noch nicht so ganz überzeugt von dem neuen Fahrstil, meine Ellenbogen waren regelmäßig nur noch Millimeter von der Wasseroberfläche entfernt, so scharf haben wir uns in die Kurven gelegt. Nichtsdestotrotz hat unsere neue Guide in voller Fahrt ein Faultier mit Baby in den Baumwipfeln entdeckt, das beste bisher. Und spätestens ab dem letzten Viertel der Fahrt war ich über den sportlichen Fahrstil dann doch recht froh. Zu dem bereits hohen Wasserstand mit starker Strömung kam dann nämlich auch noch ordentlich Regen und unter diesen Umständen bin ich persönlich nicht allzu gerne im Kanu unterwegs. Aber dann waren wir wie gesagt auch kurz vor dem Ziel und so schnell wie der Typ durch alle möglichen Durchgänge gezogen ist, die für den Laien nie im Leben als solche erkennbar gewesen wären fast trocken sind wir schließlich angekommen!
Aber eben nur fast.
Um jetzt jedenfalls noch mit einem kleinen Fazit zu der Cuyabeno Dschungeltour abzuschließen: es war toll! Eine wirklich eindrucksvolle Erfahrung. Ich meine, wir waren in einem der artenreichsten Gebiete eines der artenreichsten Länder der Welt es ist unglaublich, wie vielfältig die Natur dort ist. Sowohl in der Tier- als auch in der Pflanzenwelt. All das gibt es in Deutschland einfach nicht. Ebensowenig im europäischen Umfeld oder sonstwo in der Nähe meiner Heimat. Es ist einfach total beeindruckend, so viel Neues für sich persönlich zu entdecken, es ist interessant und aufschlussreich. Das alles mit einem tollen Guide und einem sehr guten Fahrer erleben zu können es ist eine einzigartige Erfahrung!
Mit Freude würde ich diesen Blogeintrag an dieser Stelle und auf dieser höchst positive Note enden lassen, aber von Cuyabeno aus mussten wir ja nun auch wieder zurückfahren. Ich nach Archidona, meine Familie irgendwo sonst hin, wo sie eine Nacht bleiben können, bis sie am Tag danach ebenfalls nach Archidona kommen, um mich dort zu besuchen.
Naja der Zufall wollte es, dass unser Reisesonntag der Sonntag der Wahl hier in Ecuador war. Stichwahl zwischen Daniel Noboa und Luisa Gonzáles. Und weil Wahlen hier offenbar auch immer so eine Art Zeitpunkt für Familienzusammenkünfte sind (um gemeinsam zu feiern oder irgendwas in der Art), reisen an diesen Wochenenden ungefähr alle EcuadorianerInnen in ihre Heimatprovinzen. Und entsprechend voll sind die Busse. Was es fast unmöglich macht, an sein Ziel zu kommen wenn man nicht im voraus bereits ein Ticket gebucht hat. Hatte ich nicht. Weswegen ich bei meinem notwendigen Umstieg in Coca nur mit sehr viel Glück, Gringobonus und meinem einwandfreien Spanisch als überzeugungskünsten punkten konnte, sodass der Busfahrer mich stehend hat mitfahren lassen. Das war nicht so angenehm, vor allem mit ner ordentlichen Erkältung. Aber immerhin bin ich wieder nach Hause gekommen und musste nicht fünf Stunden auf den nächsten freien Bus warten.
Gewonnen hat die Wahl übrigens Noboa. Wobei man das in Deutschland glaube ich sogar mitbekommen hat: wenn selbst der Deutschlandfunk über die beiden Kandidaten berichtet, dann scheint die Politik Ecuadors doch zumindest eine gewisse Relevanz zu haben.
Bekannt ist dann allerdings auch, dass sowohl Noboa als auch Luisa einigermaßen umstritten sind. Der rechtspopulistische Noboa, weil er zwar einerseits mit harter Hand gegen organisierte (Drogen-)Kriminalität im Land vorgeht aber dafür die Sozialausgaben vernachlässigt, die linke Luisa, weil ihr Programm im Prinzip einmal das von Noboa nur umgekehrt ist. Soweit mal die Erklärung, ungefähr alle Details ausgelassen. Jedenfalls bedeutet das, dass vor allem an der Küste und in den Gebieten mit Gefängnissen Luisa gewählt wird und überall sonst Noboa.
Und jetzt noch eine kleine "Entdeckung", die ich gemacht habe: ich bin ja krank. Erkältet, um genau zu sein. Das geht zurzeit in ganz Ecuador rum, auch einige der Lehrkräfte an meiner Schule hat es erwischt. Der Unterschied besteht nun aber darin, dass ich bei Krankheit zuhause bleibe bzw. bleiben kann, während die Einheimischen nach wie vor zur Arbeit gehen. Da ist mir doch direkt nochmal diese krasse Ungleichheit bewusst geworden: ich kann der Arbeit fern bleiben, wenn es mir schlecht geht ich werde sogar von meiner Chefin dazu gezwungen. Aber die EcuadorianerInnen haben nun mal keine entsprechenden Sozialversicherungen und müssen nach wie vor Geld verdienen krank zuhause bleiben ist da nicht.
Das ist schon krass.
An der Stelle möchte ich diesen Monster-Blogeintrag dann auch beenden.
Adieu
Es geht weiter
06.04.2025
Freiheit!
Nach 5 Wochen der grenzenlosen Langeweile bin ich endlich wieder des normalen und krückenbefreiten Laufens befähigt es ist doch einfach nur schön! Ich kann wieder zur Arbeit, ich kann wieder zum Sport ich kann wieder mehr oder weniger so leben, wie ich möchte. Und muss nicht jeden Tag dem unendlichen Nichtstun frönen.
Aber tatsächlich habe ich auch wieder ein bisschen was erlebt, bevor ich meine Krücken endlich ablegen durfte. Auf einer Wayuza-Upina bin ich gewesen. Oder Guayusa-Upina? Ich weiß gar nicht, wie man es korrekt schreibt. "Es" hat natürlich auch eine Bedeutung, "Es" ist nämlich der typische Tee, der hier in der Region überall getrunken wird: Wayuza. Oder Guayusa. Ich sehe die beiden Schreibweisen ungefähr gleich oft. Dieser Tee jedenfalls, der ist eigentlich ziemlich lecker. Er kann warm getrunken werden, aber auch kalt letzteres ist häufig in Restaurants und Imbissen der Fall, wo er einem standardmäßig so viel man möchte zum Essen gereicht wird.
Und Wayuza hat natürlich auch eine Geschichte. Bzw. ist vielmehr mit einer Geschichte verknüpft, genauer gesagt mit einer Tradition: der, der Kichwa. Das ist, wie bereits sehr oft erwähnt, die indigene Kultur, die hier bei uns in der Region vertreten ist. Und um selbige aufrecht zu erhalten, werden regelmäßig solche Zeremonien veranstaltet die Wayuza-Upinas eben. Die finden dann ziemlich früh statt, um ca. 03:00 oder 04:00 Uhr. Es gibt Tänzergruppen, es wird Musik gemacht, es werden verschiedene kleine Reden gehalten, es wird Chicha getrunken (ein Getränk, dass durch Fermentation verschiedener Pflanzen mit Speichel gewonnen wird. Also ja, es werden Pflanzen gekaut, wieder ausgespuckt, das ganze fermentiert anschließend und wird dann getrunken) und eben Wayuza. Anschließend gibt es dann etwas zu essen und wahrscheinlich geht es auch noch weiter. Das weiß ich allerdings nicht, denn um 06:00 Uhr morgens (und damit leider DIREKT bevor es Essen gab) mussten wir wieder nach Hause fahren, damit meine beiden Mitfreiwilligen rechtzeitig zur Arbeit gehen konnten. Ich zu dem Zeitpunkt musste noch zuhause bleiben, mangels Befähigung zum Laufen.
Insgesamt jedenfalls ein sehr cooles und lustiges Event, bei dem mir vor allem die Tänze ziemlich gefallen haben. Leider kann ich davon nur Fotos präsentieren, aber die fangen das Grundkonzept des Tanzes auch schon ganz gut ein, finde ich.
Joa.
Übrigens muss man bei so einer Wayuza-Upina eingeladen sein, um erscheinen zu dürfen. Glück für mich also, dass meine Mitfreiwillige hier Gitarrenunterricht für Kichwa-Musik bekommt, mit ihrem Lehrer dort bei der Feier einen kurzen Auftritt hat und ich entsprechend mitkommen durfte. Es war definitiv eine tolle Erfahrung und ich werde schauen, dass ich mal wieder bei so einer Wayuza-Upina mitmachen kann.
Weiter geht's mit einem kleinen Update zu meinem PayPal-Problem.
Denn: das wurde gelöst!
Wie und warum ich habe keine Ahnung. Bei einem von unzähligen weiteren Anmeldeversuchen hat sich die App plötzlich dazu entschieden, dass ich mich dieses eine Mal DOCH NICHT per SMS-Code verifizieren muss. Ich bin also einfach so an mein Konto gelangt, konnte Gott seis gepriesen um 04:15 Uhr deutscher Zeit meinen Vater erreichen und mit Hilfe seiner Handynummer meinen Account auch langfristig wieder zugänglich machen.
Wow.
Ich habe ja nicht mehr damit gerechnet, dass das noch vor meiner Rückkehr nach Deutschland klappt aber das hat es!
Allerdings bin ich auch mal wieder ein bisschen unterwegs gewesen, hier in der Region. Nicht wirklich weit, nur in Tena aber immerhin. Die Stadt an sich kenne ich zwar bereits einigermaßen, aber dieses mal bin ich zu einer Art Aussichtsgegend gefahren. Tena ist nämlich wie ungefähr ALLES hier in Ecuador topografisch durchaus abwechslungsreich. Das Zentrum bildet den niedrigsten Punkt, rundherum kann man aber auch ein wenig mehr Höhe erfahren. Im wahrsten Sinne des Wortes. Mit dem Taxi ging es zu "Las Antenas", der Teil Tenas, der eben auf einem der Hügel liegt und von dem aus es einen schönen Blick auf Teile der Stadt gibt. Man kann zwar auch hochwanden, aber ich dachte mir, an meinem ersten Tag ohne Krücken muss das nun wirklich nicht sein. Deswegen bin ich nicht hoch, sondern nur runtergelaufen und ich kann sagen: es war keine gute Idee. Kann ja aber auch keiner ahnen, dass so ein Fuß nach eineinhalb Monaten Immobilität mit einem zweistündigen Marsch nicht ganz so gut klarkommt.
Blöd gelaufen.
So und jetzt, da komme ich nochmal zurück auf die bereits erwähnte Wayuza-Upina. Nicht die, von der ich schon berichtet habe, sondern auf die Zeremonie an sich. Bzw. auf die nächste, bei der ich war. Ja ich bin die letzten zwei Wochen bei mehr als einer Wayuza-Upina gewesen. Wenn schon, dann richtig.
Die jetzige jedenfalls war an der Schule, bei der unsere Gastmutter als Lehrerin arbeitet und entsprechend war auch sie da, wir sind alle gemeinsam hingegangen. Die Zeremonie an sich werde ich jetzt nicht nochmal erklären, das wäre ja einigermaßen sinnbefreit. Nur kurz hier die Erwähnung, dass es neben den Kichwa-Tänzen dieses mal auch einen Shuar-Tanz zu sehen gab. Die Shuar sind ein anderes indigenes Volk, das etwas weiter südlich in Ecuador lebt. Spannend, mal die Unterschiede erleben zu können. Jetzt aber zu einem Erlebnis, das mir hier durchaus öfter mal passiert immer in unterschiedlichen Varianten. Nämlich saßen wir dort in der ersten Reihe an Stühlen, hinter uns gab es weitere Plätze. Die in diesem Fall besetzt waren von ein paar Ecuadorianerinnen, die sich plötzlich über "los guapos adelante", also "die beiden Hübschen vor uns" unterhalten haben. Das hat mich bereits kurz aufhorchen lassen und ich habe mich gefragt, wer in Anbetracht der sonst nur weiblichen Personen um meinen Mitfreiwilligen und mich wohl gemeint sein könnte. Aber spätestens, als die Dame direkt hinter mir ein "quiero a él" (ihn möchte ich) hat fallen lassen, war dann doch klar, dass es wohl um uns beide geht. Das ist zwar in gewissem Sinne recht schmeichelhaft, aber trotzdem auch ein bisschen komisch. Aber was sollen wir machen: als Gringos sind wir sowieso immer mindestens teilweise im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Was im Übrigen nicht unbedingt negativ gemeint ist. Vor allem bei diesen Guayusa-Upinas, die ja eigentlich eine Zeremonie zum Erhalt der indigenen Traditionen sind, haben wir uns auch noch nie NICHT willkommen gefühlt. Ganz im Gegenteil. Vielmehr ist es so, dass sich die Leute freuen, dass wir da sind und auf diese Weise so eine Art kultureller Austausch stattfindet.
Das habe ich auch zu spüren bekommen, als ich bei meiner spirituellen Reinigung plötzlich massenhaft Kameras mit Fokus auf mich habe feststellen müssen. Auch vor dem Hintergrund ist das speziell, als dass meine Augen nach dieser Reinigung aussahen als hätte ich erstens kaum geschlafen (was der Wahrheit entspricht), als hätte ich gerade irgendetwas in die Augen bekommen (was ebenfalls der Wahrheit entspricht) und als hätte ich zusätzlich noch ohne Rücksicht auf Verluste gerade 200 Zwiebeln kleingeschnitten (was fast der Wahrheit entspricht).
Und um dieses Phänomen einmal zu erklären: diese spirituelle Reinigung wird von einer Schamanin oder einem Schamanen durchgeführt, die einem mit so einer Art Blätterwedel über Kopf und Körper streicht nachdem sie einem eine in Chilisaft getunkte Chilischote in die Augen gerieben hat.
Jou.
Kaum jemand hätte ahnen können, dass das eine recht schmerzhafte Angelegenheit ist. Heilige Mutter Maria hat das in den Augen gebrannt! Immerhin: bereits nach fünf Minuten konnte ich wieder blinzeln (unter Schmerzen) und nach 20 Minuten sogar wieder normal sehen. Diese zwanzig Minuten waren ziemlich beschissen, aber nagut. Immerhin war ich gereinigt, energiegeladen und sah halb tot aus.
Am selben Tag ist dann des Nachmittags plötzlich noch eine Parade in Archidona gewesen. Wahrscheinlich war es gar nicht so plötzlich, aber auf dem Weg zur Hausaufgabenhilfe hat sie uns eben den Weg über die Straße versperrt. Jetzt muss ich dazu sagen, dass wir auch gar nicht versucht haben, weiter zur Arbeit zu gehen denn diese Parade war einfach ziemlich groß und beeindrucken, das wollten wir uns natürlich anschauen. Offenbar ist das Jubiläum irgendeiner Schule gewesen und die Schüler kamen natürlich nicht umhin, deswegen mit tollen Kostümen ausgestattet und spannenden Tänzen einstudiert durch Archidona zu marschieren. Es macht einfach Spaß, so etwas anzuschauen. Auch, wenn die Kinder mir wirklich enorm leid getan haben mit den schweren Kostümen, die sie dort bei 28 Grad Celsius tanzend durch die Gegend getragen haben. Uff.
Im Zuge dessen wurden wir auch von irgendeiner uns unbekannten Person (vermutlich eine Lehrerin einer anderen Schule) darauf angesprochen, ob wir die Freiwilligen sind, die bei der Casa de la Esperanza arbeiten. Das hat nichts mit der Parade zu tun, aber war einfach eine lustige Sache und bedeutet ja vermutlich, dass es sich in der Stadt bereits gut rumgesprochen hat, was wir drei Gringos hier in Archidona machen.
Nächster Tag, neues Glück in dem Fall mit dem Ziel, mal wieder ein bisschen Schlaf zu bekommen. Das Ziel habe ich bereits um 03:00 Uhr morgens verfehlt, als auf einmal mein Wecker geklingelt hat. "Was soll denn dieser Müll hier?!" habe ich mir gedacht, allerdings nicht mit Bezug auf meinen Wecker der war ja absichtlich so gestellt. Nein, uns rauben hier seit einiger Zeit die Straßenhunde regelmäßig den Schlaf. Keine Ahnung wieso und weshalb, aber fast jede Nacht kommt so ein Bellkonzert zustande und bereichert die Nachbarschaft. An diesem Morgen war es besonders lang, intensiv und auf so vielen Frequenzen gleichzeitig, sodass an Schlaf wirklich nicht zu denken war. Dementsprechend bin ich sogar schon vor dem zugegebenermaßen recht frühen Weckerklingeln wach gewesen und ich bin ehrlich: ich hatte schon bessere Morgen. Kaum 15 Minuten wach sitze ich jedenfalls bereits in einem Taxi, das uns mit 100 Sachen von Archidona nach Rucullacta fährt. Das ist die Comunidad, in der die nächste Wayuza-Upina stattgefunden hat. Die leider Gottes wirklich brutal langweilig gewesen ist. Es wurden durchgehend irgendwelche Reden geschwungen auf einer Sprache, die ich nicht im Ansatz verstehe also das hätte echt nicht sein müssen. Immerhin haben mich die indigenen Trommler mit Handschlag begrüßt und ich bin ehrlich: damit hab ich mein Lebensziel erreicht, dass die mich erkannt haben.
Nicht so toll war allerdings die nächste Seelenreinigung. Nicht etwa, weil ich wieder halb gestorben bin um 05:00 Uhr morgens im Gegenteil. Ich habe mich bei diesem Anlass nicht reinigen lassen, durfte aber dafür massenhaft Leuten zuschauen, die Chili in die Augen bekamen, einmal geblinzelt haben und dann plötzlich wieder sehen und alleine zu ihrem Sitzplatz zurücklaufen konnten. Das war schon ein bisschen deprimierend. Ich bin mir sicher, das war einfach eine deutlich mildere Chili, die verwendet wurde. Eher so Paprika als was wirklich scharfes.
Jedenfalls hatte auch die erwähnte Langeweile bei dieser Wayuza-Upina einen Sinn. Es wurden nur deswegen am Morgen so viele Reden geschwungen, weil diese Zeremonie nur die abendliche wichtige Fiesta eingeläutet hat: die "Elecciones de la Reina Kichwa", also die Wahlen der Kichwa-Königin. Das ist ein jährliches Event mit einer ziemlich großen Show und ordentlich Zuschauern. Es gab vier Kandidatinnen, die sich in verschiedenen Kategorien präsentieren mussten um dann darauf zu hoffen, zur finalen Siegerin gekürt zu werden. Einmal musste beispielsweise die Geschichte der Kichwa schauspielerisch dargestellt werden, außerdem gehörten Singen und eine Rede halten zu den Aufgaben. Wer genau am Ende gewählt wurde weiß ich allerdings nicht, denn in einem Anfall akuter Ermüdungserscheinungen (woher die wohl kommen mögen ?) habe ich mich dazu entschlossen, bereits um 22:30 Uhr mich wieder auf den Weg nach Hause und ins Bett zu machen um am nächsten Morgen wieder pünktlich zur Arbeit gehen zu können.
Und das waren meine letzten beiden Wochen. Als Ausgleich für die vorangegangen Ereignisflaute hat mein Leben sich offenbar dazu entschieden, jetzt einmal richtig nachzulegen.
Tschüss.
Nach 5 Wochen der grenzenlosen Langeweile bin ich endlich wieder des normalen und krückenbefreiten Laufens befähigt es ist doch einfach nur schön! Ich kann wieder zur Arbeit, ich kann wieder zum Sport ich kann wieder mehr oder weniger so leben, wie ich möchte. Und muss nicht jeden Tag dem unendlichen Nichtstun frönen.
Aber tatsächlich habe ich auch wieder ein bisschen was erlebt, bevor ich meine Krücken endlich ablegen durfte. Auf einer Wayuza-Upina bin ich gewesen. Oder Guayusa-Upina? Ich weiß gar nicht, wie man es korrekt schreibt. "Es" hat natürlich auch eine Bedeutung, "Es" ist nämlich der typische Tee, der hier in der Region überall getrunken wird: Wayuza. Oder Guayusa. Ich sehe die beiden Schreibweisen ungefähr gleich oft. Dieser Tee jedenfalls, der ist eigentlich ziemlich lecker. Er kann warm getrunken werden, aber auch kalt letzteres ist häufig in Restaurants und Imbissen der Fall, wo er einem standardmäßig so viel man möchte zum Essen gereicht wird.
Und Wayuza hat natürlich auch eine Geschichte. Bzw. ist vielmehr mit einer Geschichte verknüpft, genauer gesagt mit einer Tradition: der, der Kichwa. Das ist, wie bereits sehr oft erwähnt, die indigene Kultur, die hier bei uns in der Region vertreten ist. Und um selbige aufrecht zu erhalten, werden regelmäßig solche Zeremonien veranstaltet die Wayuza-Upinas eben. Die finden dann ziemlich früh statt, um ca. 03:00 oder 04:00 Uhr. Es gibt Tänzergruppen, es wird Musik gemacht, es werden verschiedene kleine Reden gehalten, es wird Chicha getrunken (ein Getränk, dass durch Fermentation verschiedener Pflanzen mit Speichel gewonnen wird. Also ja, es werden Pflanzen gekaut, wieder ausgespuckt, das ganze fermentiert anschließend und wird dann getrunken) und eben Wayuza. Anschließend gibt es dann etwas zu essen und wahrscheinlich geht es auch noch weiter. Das weiß ich allerdings nicht, denn um 06:00 Uhr morgens (und damit leider DIREKT bevor es Essen gab) mussten wir wieder nach Hause fahren, damit meine beiden Mitfreiwilligen rechtzeitig zur Arbeit gehen konnten. Ich zu dem Zeitpunkt musste noch zuhause bleiben, mangels Befähigung zum Laufen.
Insgesamt jedenfalls ein sehr cooles und lustiges Event, bei dem mir vor allem die Tänze ziemlich gefallen haben. Leider kann ich davon nur Fotos präsentieren, aber die fangen das Grundkonzept des Tanzes auch schon ganz gut ein, finde ich.
Joa.
Übrigens muss man bei so einer Wayuza-Upina eingeladen sein, um erscheinen zu dürfen. Glück für mich also, dass meine Mitfreiwillige hier Gitarrenunterricht für Kichwa-Musik bekommt, mit ihrem Lehrer dort bei der Feier einen kurzen Auftritt hat und ich entsprechend mitkommen durfte. Es war definitiv eine tolle Erfahrung und ich werde schauen, dass ich mal wieder bei so einer Wayuza-Upina mitmachen kann.
Weiter geht's mit einem kleinen Update zu meinem PayPal-Problem.
Denn: das wurde gelöst!
Wie und warum ich habe keine Ahnung. Bei einem von unzähligen weiteren Anmeldeversuchen hat sich die App plötzlich dazu entschieden, dass ich mich dieses eine Mal DOCH NICHT per SMS-Code verifizieren muss. Ich bin also einfach so an mein Konto gelangt, konnte Gott seis gepriesen um 04:15 Uhr deutscher Zeit meinen Vater erreichen und mit Hilfe seiner Handynummer meinen Account auch langfristig wieder zugänglich machen.
Wow.
Ich habe ja nicht mehr damit gerechnet, dass das noch vor meiner Rückkehr nach Deutschland klappt aber das hat es!
Allerdings bin ich auch mal wieder ein bisschen unterwegs gewesen, hier in der Region. Nicht wirklich weit, nur in Tena aber immerhin. Die Stadt an sich kenne ich zwar bereits einigermaßen, aber dieses mal bin ich zu einer Art Aussichtsgegend gefahren. Tena ist nämlich wie ungefähr ALLES hier in Ecuador topografisch durchaus abwechslungsreich. Das Zentrum bildet den niedrigsten Punkt, rundherum kann man aber auch ein wenig mehr Höhe erfahren. Im wahrsten Sinne des Wortes. Mit dem Taxi ging es zu "Las Antenas", der Teil Tenas, der eben auf einem der Hügel liegt und von dem aus es einen schönen Blick auf Teile der Stadt gibt. Man kann zwar auch hochwanden, aber ich dachte mir, an meinem ersten Tag ohne Krücken muss das nun wirklich nicht sein. Deswegen bin ich nicht hoch, sondern nur runtergelaufen und ich kann sagen: es war keine gute Idee. Kann ja aber auch keiner ahnen, dass so ein Fuß nach eineinhalb Monaten Immobilität mit einem zweistündigen Marsch nicht ganz so gut klarkommt.
Blöd gelaufen.
So und jetzt, da komme ich nochmal zurück auf die bereits erwähnte Wayuza-Upina. Nicht die, von der ich schon berichtet habe, sondern auf die Zeremonie an sich. Bzw. auf die nächste, bei der ich war. Ja ich bin die letzten zwei Wochen bei mehr als einer Wayuza-Upina gewesen. Wenn schon, dann richtig.
Die jetzige jedenfalls war an der Schule, bei der unsere Gastmutter als Lehrerin arbeitet und entsprechend war auch sie da, wir sind alle gemeinsam hingegangen. Die Zeremonie an sich werde ich jetzt nicht nochmal erklären, das wäre ja einigermaßen sinnbefreit. Nur kurz hier die Erwähnung, dass es neben den Kichwa-Tänzen dieses mal auch einen Shuar-Tanz zu sehen gab. Die Shuar sind ein anderes indigenes Volk, das etwas weiter südlich in Ecuador lebt. Spannend, mal die Unterschiede erleben zu können. Jetzt aber zu einem Erlebnis, das mir hier durchaus öfter mal passiert immer in unterschiedlichen Varianten. Nämlich saßen wir dort in der ersten Reihe an Stühlen, hinter uns gab es weitere Plätze. Die in diesem Fall besetzt waren von ein paar Ecuadorianerinnen, die sich plötzlich über "los guapos adelante", also "die beiden Hübschen vor uns" unterhalten haben. Das hat mich bereits kurz aufhorchen lassen und ich habe mich gefragt, wer in Anbetracht der sonst nur weiblichen Personen um meinen Mitfreiwilligen und mich wohl gemeint sein könnte. Aber spätestens, als die Dame direkt hinter mir ein "quiero a él" (ihn möchte ich) hat fallen lassen, war dann doch klar, dass es wohl um uns beide geht. Das ist zwar in gewissem Sinne recht schmeichelhaft, aber trotzdem auch ein bisschen komisch. Aber was sollen wir machen: als Gringos sind wir sowieso immer mindestens teilweise im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Was im Übrigen nicht unbedingt negativ gemeint ist. Vor allem bei diesen Guayusa-Upinas, die ja eigentlich eine Zeremonie zum Erhalt der indigenen Traditionen sind, haben wir uns auch noch nie NICHT willkommen gefühlt. Ganz im Gegenteil. Vielmehr ist es so, dass sich die Leute freuen, dass wir da sind und auf diese Weise so eine Art kultureller Austausch stattfindet.
Das habe ich auch zu spüren bekommen, als ich bei meiner spirituellen Reinigung plötzlich massenhaft Kameras mit Fokus auf mich habe feststellen müssen. Auch vor dem Hintergrund ist das speziell, als dass meine Augen nach dieser Reinigung aussahen als hätte ich erstens kaum geschlafen (was der Wahrheit entspricht), als hätte ich gerade irgendetwas in die Augen bekommen (was ebenfalls der Wahrheit entspricht) und als hätte ich zusätzlich noch ohne Rücksicht auf Verluste gerade 200 Zwiebeln kleingeschnitten (was fast der Wahrheit entspricht).
Und um dieses Phänomen einmal zu erklären: diese spirituelle Reinigung wird von einer Schamanin oder einem Schamanen durchgeführt, die einem mit so einer Art Blätterwedel über Kopf und Körper streicht nachdem sie einem eine in Chilisaft getunkte Chilischote in die Augen gerieben hat.
Jou.
Kaum jemand hätte ahnen können, dass das eine recht schmerzhafte Angelegenheit ist. Heilige Mutter Maria hat das in den Augen gebrannt! Immerhin: bereits nach fünf Minuten konnte ich wieder blinzeln (unter Schmerzen) und nach 20 Minuten sogar wieder normal sehen. Diese zwanzig Minuten waren ziemlich beschissen, aber nagut. Immerhin war ich gereinigt, energiegeladen und sah halb tot aus.
Am selben Tag ist dann des Nachmittags plötzlich noch eine Parade in Archidona gewesen. Wahrscheinlich war es gar nicht so plötzlich, aber auf dem Weg zur Hausaufgabenhilfe hat sie uns eben den Weg über die Straße versperrt. Jetzt muss ich dazu sagen, dass wir auch gar nicht versucht haben, weiter zur Arbeit zu gehen denn diese Parade war einfach ziemlich groß und beeindrucken, das wollten wir uns natürlich anschauen. Offenbar ist das Jubiläum irgendeiner Schule gewesen und die Schüler kamen natürlich nicht umhin, deswegen mit tollen Kostümen ausgestattet und spannenden Tänzen einstudiert durch Archidona zu marschieren. Es macht einfach Spaß, so etwas anzuschauen. Auch, wenn die Kinder mir wirklich enorm leid getan haben mit den schweren Kostümen, die sie dort bei 28 Grad Celsius tanzend durch die Gegend getragen haben. Uff.
Im Zuge dessen wurden wir auch von irgendeiner uns unbekannten Person (vermutlich eine Lehrerin einer anderen Schule) darauf angesprochen, ob wir die Freiwilligen sind, die bei der Casa de la Esperanza arbeiten. Das hat nichts mit der Parade zu tun, aber war einfach eine lustige Sache und bedeutet ja vermutlich, dass es sich in der Stadt bereits gut rumgesprochen hat, was wir drei Gringos hier in Archidona machen.
Nächster Tag, neues Glück in dem Fall mit dem Ziel, mal wieder ein bisschen Schlaf zu bekommen. Das Ziel habe ich bereits um 03:00 Uhr morgens verfehlt, als auf einmal mein Wecker geklingelt hat. "Was soll denn dieser Müll hier?!" habe ich mir gedacht, allerdings nicht mit Bezug auf meinen Wecker der war ja absichtlich so gestellt. Nein, uns rauben hier seit einiger Zeit die Straßenhunde regelmäßig den Schlaf. Keine Ahnung wieso und weshalb, aber fast jede Nacht kommt so ein Bellkonzert zustande und bereichert die Nachbarschaft. An diesem Morgen war es besonders lang, intensiv und auf so vielen Frequenzen gleichzeitig, sodass an Schlaf wirklich nicht zu denken war. Dementsprechend bin ich sogar schon vor dem zugegebenermaßen recht frühen Weckerklingeln wach gewesen und ich bin ehrlich: ich hatte schon bessere Morgen. Kaum 15 Minuten wach sitze ich jedenfalls bereits in einem Taxi, das uns mit 100 Sachen von Archidona nach Rucullacta fährt. Das ist die Comunidad, in der die nächste Wayuza-Upina stattgefunden hat. Die leider Gottes wirklich brutal langweilig gewesen ist. Es wurden durchgehend irgendwelche Reden geschwungen auf einer Sprache, die ich nicht im Ansatz verstehe also das hätte echt nicht sein müssen. Immerhin haben mich die indigenen Trommler mit Handschlag begrüßt und ich bin ehrlich: damit hab ich mein Lebensziel erreicht, dass die mich erkannt haben.
Nicht so toll war allerdings die nächste Seelenreinigung. Nicht etwa, weil ich wieder halb gestorben bin um 05:00 Uhr morgens im Gegenteil. Ich habe mich bei diesem Anlass nicht reinigen lassen, durfte aber dafür massenhaft Leuten zuschauen, die Chili in die Augen bekamen, einmal geblinzelt haben und dann plötzlich wieder sehen und alleine zu ihrem Sitzplatz zurücklaufen konnten. Das war schon ein bisschen deprimierend. Ich bin mir sicher, das war einfach eine deutlich mildere Chili, die verwendet wurde. Eher so Paprika als was wirklich scharfes.
Jedenfalls hatte auch die erwähnte Langeweile bei dieser Wayuza-Upina einen Sinn. Es wurden nur deswegen am Morgen so viele Reden geschwungen, weil diese Zeremonie nur die abendliche wichtige Fiesta eingeläutet hat: die "Elecciones de la Reina Kichwa", also die Wahlen der Kichwa-Königin. Das ist ein jährliches Event mit einer ziemlich großen Show und ordentlich Zuschauern. Es gab vier Kandidatinnen, die sich in verschiedenen Kategorien präsentieren mussten um dann darauf zu hoffen, zur finalen Siegerin gekürt zu werden. Einmal musste beispielsweise die Geschichte der Kichwa schauspielerisch dargestellt werden, außerdem gehörten Singen und eine Rede halten zu den Aufgaben. Wer genau am Ende gewählt wurde weiß ich allerdings nicht, denn in einem Anfall akuter Ermüdungserscheinungen (woher die wohl kommen mögen ?) habe ich mich dazu entschlossen, bereits um 22:30 Uhr mich wieder auf den Weg nach Hause und ins Bett zu machen um am nächsten Morgen wieder pünktlich zur Arbeit gehen zu können.
Und das waren meine letzten beiden Wochen. Als Ausgleich für die vorangegangen Ereignisflaute hat mein Leben sich offenbar dazu entschieden, jetzt einmal richtig nachzulegen.
Tschüss.
Mir fehlen die Worte
23.03.2025
Grüß Gottle!
Irgendwie ist mein Leben aktuell ziemlich langweilig. Ich sitze nach wie vor den ganzen Tag über mehr oder weniger bewegungsunfähig in meinem Zimmer rum und mache nichts. Ich kann zwar schon so ein bisschen laufen, aber eben nach wie vor nur mit so einem fetten, viel zu überdimensionierten Orthopädieschuh und Krücken. Es ist einfach nur nervig.
Und ich hab ein bisschen das Gefühl, einfach so diesen Faden in meinem Leben verloren zu haben. Diese beiden Fäden, besser gesagt. Wobei sich das recht einfach erklären lässt: ich hab sie nämlich gezogen. Zwei der OP-Fäden haben ja nach meiner finalen Entlassung aus dem Krankenhaus immer noch im Zeh gesteckt mit der Ansage, dass ich sie dann bitte selber entfernen soll. Hab ich gemacht, mit Hilfe meines Mitfreiwilligen hier in Archidona. Und ich bin ganz ehrlich: wenn wir für diese gottgleiche Aktion nicht mit Handkuss bei der Charité genommen werden, dann weiß ich aber auch nicht.
Und das wichtigste: wow, ist das ein fantastisches Gefühl, nicht mehr einbeinig und mit Plastiktüte um den Fuß duschen zu müssen!
Naja das war's aber fast auch schon mit den spannenden Neuigkeiten. Wobei: was auch dazu gekommen ist, das ist ein bisschen Arbeit. Zur Hausaufgabenhilfe kann ich seit einer Woche nun nämlich auch wieder humpeln, das ist doch ganz nett. Dann fühle ich mich nicht den kompletten Tag über nutzlos.
Joa.
Und weil dieser Blogeintrag mal wieder ziemlich kurz ausfällt, erzähle ich einfach noch eine kleine Anekdote aus meinem Leben. Und dieses Anekdötchen, das hat zu tun mit PayPal. Also dem internationalen Zahlungsdienstleister, mit dem es mir unter anderem möglich ist, hier in Ecuador Unterkünfte zu buchen oder bspw. einen (leider Gottes sehr teuren) Flug auf die Galapagosinseln zu bezahlen. Nur: das geht nun jetzt wohl erstmal nicht mehr, das bezahlen. Um sich bei seinem PayPal-Konto anzumelden, schickt einem die Plattform nämlich per SMS einen Zahlencode, den man zur Verifizierung angeben muss. Blöd nur, dass ich ja eine neue, ecuadorianische Handynummer habe, die es mir nicht erlaubt, SMS oder Anrufe auf meiner alten, deutschen Nummer zu empfangen. Bedeutet also: ich kann mich nicht in meinen PayPal-Account einloggen und entsprechend auch keinerlei Zahlungen in welchem Zusammenhang auch immer tätigen. "Kein Problem", denk ich mir, "schreib ich halt dem Kundensupport eine Nachricht die werden mir schon weiterhelfen können!".
HA!
Weit gefehlt denn um den Kundensupport anschreiben zu können, muss man sich anmelden und mit einem SMS-Code verifizieren. Lustig. "Also gut, zu früh um aufzugeben!", meint der motivierte Willi in mir. "Es gibt ja auch noch eine Telefonnummer, die ich anrufen kann. Koscht zwar bissle was, so ein Auslandsanruf aber das ist es mir wert." Schade nur, dass man keine der angegeben Telefonnummern aus dem Ausland erreichen kann. Selbst die extra für Auslandsanrufe gekennzeichnete Nummer ist ungültig! Und auch auf der US-Website sowie mit der Telefonnummer für Ecuador gibt es kein Weiterkommen alles nicht anrufbar.
Ich bin nun also faktisch von meinem PayPal-Account ausgeschlossen und kann auf diesem Wege nichts mehr bezahlen. Es ist mir noch nicht mal gestattet, einen NEUEN Account zu erstellen! Denn dafür muss ich logischerweise meine Kontodaten angeben, die allerdings bereits mit meinem ursprünglichen und nicht erreichbaren Account verknüpft sind und nicht doppelt genutzt werden dürfen. Einfach nur genial das alles!
Und ja, das ist jetzt einfach mal ein bisschen Frustabbau, den ich hier betreibe. Immerhin kriege ich deswegen bereits seit fast einer Woche quasi täglich mindestens einen viel zu starken Wutanfall. Da muss ich mich dann regelmäßig an meinen Blogeintrag Nummer 14 (Hart aber unfair) und die Tatsache erinnern, das so etwas einfach absolute Luxusprobleme sind. Tja.
Und damit: iucundum diem reliquum!
Irgendwie ist mein Leben aktuell ziemlich langweilig. Ich sitze nach wie vor den ganzen Tag über mehr oder weniger bewegungsunfähig in meinem Zimmer rum und mache nichts. Ich kann zwar schon so ein bisschen laufen, aber eben nach wie vor nur mit so einem fetten, viel zu überdimensionierten Orthopädieschuh und Krücken. Es ist einfach nur nervig.
Und ich hab ein bisschen das Gefühl, einfach so diesen Faden in meinem Leben verloren zu haben. Diese beiden Fäden, besser gesagt. Wobei sich das recht einfach erklären lässt: ich hab sie nämlich gezogen. Zwei der OP-Fäden haben ja nach meiner finalen Entlassung aus dem Krankenhaus immer noch im Zeh gesteckt mit der Ansage, dass ich sie dann bitte selber entfernen soll. Hab ich gemacht, mit Hilfe meines Mitfreiwilligen hier in Archidona. Und ich bin ganz ehrlich: wenn wir für diese gottgleiche Aktion nicht mit Handkuss bei der Charité genommen werden, dann weiß ich aber auch nicht.
Und das wichtigste: wow, ist das ein fantastisches Gefühl, nicht mehr einbeinig und mit Plastiktüte um den Fuß duschen zu müssen!
Naja das war's aber fast auch schon mit den spannenden Neuigkeiten. Wobei: was auch dazu gekommen ist, das ist ein bisschen Arbeit. Zur Hausaufgabenhilfe kann ich seit einer Woche nun nämlich auch wieder humpeln, das ist doch ganz nett. Dann fühle ich mich nicht den kompletten Tag über nutzlos.
Joa.
Und weil dieser Blogeintrag mal wieder ziemlich kurz ausfällt, erzähle ich einfach noch eine kleine Anekdote aus meinem Leben. Und dieses Anekdötchen, das hat zu tun mit PayPal. Also dem internationalen Zahlungsdienstleister, mit dem es mir unter anderem möglich ist, hier in Ecuador Unterkünfte zu buchen oder bspw. einen (leider Gottes sehr teuren) Flug auf die Galapagosinseln zu bezahlen. Nur: das geht nun jetzt wohl erstmal nicht mehr, das bezahlen. Um sich bei seinem PayPal-Konto anzumelden, schickt einem die Plattform nämlich per SMS einen Zahlencode, den man zur Verifizierung angeben muss. Blöd nur, dass ich ja eine neue, ecuadorianische Handynummer habe, die es mir nicht erlaubt, SMS oder Anrufe auf meiner alten, deutschen Nummer zu empfangen. Bedeutet also: ich kann mich nicht in meinen PayPal-Account einloggen und entsprechend auch keinerlei Zahlungen in welchem Zusammenhang auch immer tätigen. "Kein Problem", denk ich mir, "schreib ich halt dem Kundensupport eine Nachricht die werden mir schon weiterhelfen können!".
HA!
Weit gefehlt denn um den Kundensupport anschreiben zu können, muss man sich anmelden und mit einem SMS-Code verifizieren. Lustig. "Also gut, zu früh um aufzugeben!", meint der motivierte Willi in mir. "Es gibt ja auch noch eine Telefonnummer, die ich anrufen kann. Koscht zwar bissle was, so ein Auslandsanruf aber das ist es mir wert." Schade nur, dass man keine der angegeben Telefonnummern aus dem Ausland erreichen kann. Selbst die extra für Auslandsanrufe gekennzeichnete Nummer ist ungültig! Und auch auf der US-Website sowie mit der Telefonnummer für Ecuador gibt es kein Weiterkommen alles nicht anrufbar.
Ich bin nun also faktisch von meinem PayPal-Account ausgeschlossen und kann auf diesem Wege nichts mehr bezahlen. Es ist mir noch nicht mal gestattet, einen NEUEN Account zu erstellen! Denn dafür muss ich logischerweise meine Kontodaten angeben, die allerdings bereits mit meinem ursprünglichen und nicht erreichbaren Account verknüpft sind und nicht doppelt genutzt werden dürfen. Einfach nur genial das alles!
Und ja, das ist jetzt einfach mal ein bisschen Frustabbau, den ich hier betreibe. Immerhin kriege ich deswegen bereits seit fast einer Woche quasi täglich mindestens einen viel zu starken Wutanfall. Da muss ich mich dann regelmäßig an meinen Blogeintrag Nummer 14 (Hart aber unfair) und die Tatsache erinnern, das so etwas einfach absolute Luxusprobleme sind. Tja.
Und damit: iucundum diem reliquum!
Blöd gelaufen
09.03.2025
und dann hingefallen.
Ja und dann war er plötzlich kaputt, der Zeh. So kaputt, dass er operiert werden musste. Bedeutet: schon vor hochladen des letzten Blogeintrag habe ich in meinem Zimmer im Krankenhaus gesessen und darauf gewartet, dass endlich die versprochenen zwei Schrauben in meinen Zeh gebohrt werden. Letzteres natürlich unter Narkose, so viel versteht sich von selbst.
Joa und dann war ich da halt, im Krankenhaus. Abends wurde ich operiert, die Nacht habe ich einigermaßen schlaflos in meinem Zimmer verbracht sind halt alle eineinhalb Stunden Pflegekräfte reingekommen, um mich einmal durchzuchecken. Und am nächsten Mittag, da durfte ich dann wieder gehen. Also im übertragenden Sinne, nicht im realen, leider. Fortbewegen nur mit Krücken und auf meinen Fuß hat der Arzt extra einen Sticker mit der Aufschrift "Nicht Auftreten" geklebt. Selbiges habe ich dann für die folgenden zwei Wochen auch nicht gemacht, sonst hätte mich meine Chefin in Quito wahrscheinlich gelyncht. Denn bei ihr in Quito habe ich gewohnt, diese Zeit über. Nach Archidona durfte ich nämlich nicht zurück. Weil: es standen natürlich noch so Überprüfungstermine an, die ich wahrnehmen musste. Der letzte war dann quasi unmittelbar, bevor dieser Blogeintrag hochgeladen wird. Dort wurden mir dann fast alle Fäden gezogen und mir gesagt, dass ich nun zwar wieder laufen darf für die nächsten drei Wochen aber nur mit so nem riesigen Orthopädieschuh und Krücken. Sport ist nicht, Arbeit mal schauen. Und die verbleibenden zwei Fäden soll ich mir dann in Archidona ein paar Tage später bitte selber ziehen, dann muss ich nicht in Quito bleiben dafür.
Tja.
Meine letzten beiden Wochen sind also recht ereignislos abgelaufen. Ich habe in meinem Zimmer gesessen und naja, in meinem Zimmer gesessen. Ein ziemlich blöder Zeitpunkt für diese OP war es auch vor dem Hintergrund, als dass ich für das Wochenende um den 01. März eigentlich an die Küste fahren wollte. Da ist nämlich Karneval gewesen, eines der coolsten Events hier in Ecuador. Entsprechend waren neben dem Wochenende auch noch zwei Tage extra frei, die ich natürlich mit einem kurzen Urlaub gut nutzen wollte. Aber da kommen wir wieder auf den Titel des Blogeintrags zurück: blöd gelaufen.
Entsprechend gibt es dieses mal nun wirklich nicht viel neues zu berichten. Und leider Gottes auch keine neuen tollen Bilder von einem Urlaub an der Küste. Damit niemand leer ausgeht, habe ich aber einfach mal wieder eine kleine Auswahl an nicht hochgeladenen Bildern der vergangenen Urlaube, Erlebnisse und Eindrücke rausgekramt.
Adele
Ja und dann war er plötzlich kaputt, der Zeh. So kaputt, dass er operiert werden musste. Bedeutet: schon vor hochladen des letzten Blogeintrag habe ich in meinem Zimmer im Krankenhaus gesessen und darauf gewartet, dass endlich die versprochenen zwei Schrauben in meinen Zeh gebohrt werden. Letzteres natürlich unter Narkose, so viel versteht sich von selbst.
Joa und dann war ich da halt, im Krankenhaus. Abends wurde ich operiert, die Nacht habe ich einigermaßen schlaflos in meinem Zimmer verbracht sind halt alle eineinhalb Stunden Pflegekräfte reingekommen, um mich einmal durchzuchecken. Und am nächsten Mittag, da durfte ich dann wieder gehen. Also im übertragenden Sinne, nicht im realen, leider. Fortbewegen nur mit Krücken und auf meinen Fuß hat der Arzt extra einen Sticker mit der Aufschrift "Nicht Auftreten" geklebt. Selbiges habe ich dann für die folgenden zwei Wochen auch nicht gemacht, sonst hätte mich meine Chefin in Quito wahrscheinlich gelyncht. Denn bei ihr in Quito habe ich gewohnt, diese Zeit über. Nach Archidona durfte ich nämlich nicht zurück. Weil: es standen natürlich noch so Überprüfungstermine an, die ich wahrnehmen musste. Der letzte war dann quasi unmittelbar, bevor dieser Blogeintrag hochgeladen wird. Dort wurden mir dann fast alle Fäden gezogen und mir gesagt, dass ich nun zwar wieder laufen darf für die nächsten drei Wochen aber nur mit so nem riesigen Orthopädieschuh und Krücken. Sport ist nicht, Arbeit mal schauen. Und die verbleibenden zwei Fäden soll ich mir dann in Archidona ein paar Tage später bitte selber ziehen, dann muss ich nicht in Quito bleiben dafür.
Tja.
Meine letzten beiden Wochen sind also recht ereignislos abgelaufen. Ich habe in meinem Zimmer gesessen und naja, in meinem Zimmer gesessen. Ein ziemlich blöder Zeitpunkt für diese OP war es auch vor dem Hintergrund, als dass ich für das Wochenende um den 01. März eigentlich an die Küste fahren wollte. Da ist nämlich Karneval gewesen, eines der coolsten Events hier in Ecuador. Entsprechend waren neben dem Wochenende auch noch zwei Tage extra frei, die ich natürlich mit einem kurzen Urlaub gut nutzen wollte. Aber da kommen wir wieder auf den Titel des Blogeintrags zurück: blöd gelaufen.
Entsprechend gibt es dieses mal nun wirklich nicht viel neues zu berichten. Und leider Gottes auch keine neuen tollen Bilder von einem Urlaub an der Küste. Damit niemand leer ausgeht, habe ich aber einfach mal wieder eine kleine Auswahl an nicht hochgeladenen Bildern der vergangenen Urlaube, Erlebnisse und Eindrücke rausgekramt.
Adele
Hart aber unfair
23.02.2025
Alipuncha!
Dieser Blogeintrag, der wird sich hauptsächlich um meine Arbeit drehen. Zumindest im entfernteren Sinne.
Denn am Wochenende sind wir gemeinsam zu den Wohnorten der Kinder gefahren. Wir, das sind meine beiden Mitfreiwilligen, meine Chefin der Fundacion "Casa de la Esperanza" sowie einige weitere helfende Hände und eben ich. Und die Kinder, das sind Überraschung die Kinder, denen wir in ebenjener Fundacion täglich bei den Hausaufgaben helfen. Die Besuche haben wir jetzt natürlich nicht einfach nur aus Jux und Dollerei gemacht, das hatte einen Grund. Einmal ging es darum, dass wir drei Freiwilligen mal die Lebensumstände der Kinder zu sehen bekommen und uns selber ein Bild machen können. Hauptsächlich bestand aber der Sinn darin, den Kindern und Familien zum Valentinstag (der ja am Freitag den 14.02. gewesen ist) mit teils dringend benötigten Gegenständen eine Freude zu machen. Diese dringend benötigten Gegenstände waren einmal kleine Pakete mit allen möglichen Nahrungs- und Haushaltsmitteln und außerdem noch Matratzen und Betten für manche Kinder, die nämlich so viel mal vorweggenommen teils auf dem Boden schlafen müssen, so wenig Geld haben die Familien.
Deswegen fang ich nun einfach mal mit Mayquel und seiner Familie an, die wir am Samstagmorgen als erstes besucht haben. Mayquel ist 11 Jahre alt, hat 10 Geschwister, keine Mutter mehr sondern nur einen Vater, der Alkoholiker ist und bei weitem nicht genug Geld für die ganze Familie zusammenbekommen kann. Die Kinder wohnen mit ihrem Vater etwas außerhalb von Archidona, auf einem kleinen Hügel fernab der Straße. Jeden Tag hat Mayquel einen Schulweg von 45 Minuten, die er zu Fuß bewältigt genug Geld für den Bus ist nämlich nicht vorhanden und selbst wenn, fährt der erst eine halbe Stunde entfernt. Wohnen tut die Familie in einer selbstgebauten Holzhütte, die man selbst beim besten Willen nicht als Haus bezeichnen kann. Eine Art Bad gibt es zwar, aber das ist eine Minute von der Hütte entfernt und inkludiert keine Dusche, eventuell nicht mal ein Waschbecken. Überraschend kommt da jetzt nicht, dass Mayquel sowie seine Familie ohne Matratzen auf dem Boden schlafen.
Weiter geht es mit Laura. Sie wohnt mehr oder weniger in der Nähe von Mayquel und hat seit drei Monaten keine Eltern mehr, da ist nämlich ihr Vater gestorben. Seitdem wird sie von zwei Senioren großgezogen, bei denen ich nicht ganz sicher bin, ob es sich um ihre Großeltern handelt. Wie auch immer: die beiden sind bereits 90 Jahre alt, also nicht mehr die Jüngsten. Laura wohnt, ähnlich wie Mayquel, in einer Holzhütte die allerdings insgesamt deutlich größer ist. Eine Matratze hat sie allerdings nicht, ihr Zimmer besteht aus einem Kleiderschrank mit ganz wenigen Klamotten sowie einer Decke auf dem Boden.
Anschließend ging es zu der Familie von Lukas und Julian. Die beiden leben mit ihrem Vater und den drei Geschwistern zusammen, ihre Mutter hat die Familie vor langer Zeit verlassen. Seitdem werden die Kinder allein vom Vater großgezogen, der einmal tagsüber sowie außerdem noch von 22:00 Uhr bis 06:00 Uhr morgens arbeiten muss, um genügend Geld zu verdienen. Nichtsdestotrotz ist er, nach allem, was ich bis jetzt mitbekommen habe, immer für die Kinder da und auch bei jeder Einladung der Fundacion zu bspw. Gottesdiensten anwesend. Insgesamt also ein wirklich hart arbeitender Mann, der trotz schwierigster Umstände auch die Kinder so gut wie möglich nicht vernachlässigt ich habe allergrößten Respekt vor ihm. Wie im Übrigen vor allen Eltern der Kinder, denn die Familien leben einfach in echt krassen Verhältnissen. Aber zurück zu Lukas und Julian: die Familie lebt ebenfalls in einer Holzhütte, die auf einem "Fundament" aus 15 Steinen gebaut ist und mich hat wundern lassen, wie da mit dem Erdbeben von vor zwei Wochen keine Schäden entstanden sind. Ein Bad gibt es jedenfalls nicht, für Toilettengänge wird ein Loch gegraben. Und, wer hätt's gedacht: auch Lukas und Julian schlafen auf dem Boden mit gerade mal einer Decke. Dazu möchte ich übrigens noch kurz hinzufügen, dass vor allem Lukas eines der fröhlichsten und nettesten Kinder ist, mit denen ich hier insgesamt in Archidona so arbeite. Wobei das mit dem fröhlich auf quasi alle Kinder der Fundacion zutrifft, zumindest sobald sie eben in der Fundacion sind. Die allermeisten sind immer voller Energie und Heiterkeit, allerdings auch ziemliche Scharlatane. Aber wer will es ihnen irgendwie verübeln ist das doch teilweise der einzige Ort, an dem sie mit ihren Freunden und allem möglichen Spielzeug so richtig glücklich sein können.
Auf dem Weg zur nächsten Familie sind wir dann Juan über den Weg gelaufen. Ein wirklich erstaunlich kluger Junge, der allerdings, wie wir von unserer Chefin erfahren haben, bereits mit seinen zarten 9 Jahren Lebensalter Marihuana konsumiert hat. Nicht absichtlich, auch wenn das erstmal komisch klingt. Aber offenbar wurde er von Mitgliedern einer Gang verarscht, die ihm das Ganze für Bananenblätter verkauft haben vermutlich mit dem Ziel, ihn abhängig zu machen und für die Gang zu rekrutieren. Das ist schon ein echt hartes Leben, was die Kinder hier haben
Jedenfalls weiter zu Ericson. Der wohnt tatsächlich in einem Mietshaus, für das seine Familie monatlich $50 bezahlt. Vom Wohnkomfort her ist das auch echt ein ganz schöner Unterschied zu den Unterkünften der anderen Kinder aber es liegen auch immer noch Welten zwischen unserem Haus in Archidona und dem von Ericson. Sie haben zwar Mauerwerk und nicht nur Holzplatten, es gibt einen Esstisch, einen Schrank und sogar ein Bad aber darauf beschränkt es sich dann auch schon mit dem "Luxus". Auch Ericson hat keine Matratze, sein Schlafplatz besteht im Prinzip aus einer Art Regal, das gerade mal so viel Platz bietet, wie ich zur Hälfte groß bin. Ausgekleidet mit einer kleinen Decke, auf der Ericson schlafen kann sowie seinem großen Stoffkater, den er zumindest bei unserem Besuch wie einen Schatz gehütet und auch wie eine Art naja, Schutzschild immer bei sich getragen hat.
Außerdem sind wir dann noch bei Shirley und Piedro gewesen. Die beiden mit ihrem übermäßig verschmitzten aber sehr süßen Lächeln leben gemeinsam mit ihrer Mutter sowie zwei sehr kleinen Geschwistern. Der Vater ist vor einem halben Jahr bei einem Motorradunfall gestorben. Wie genau die Familie lebt, das konnte ich nicht ganz identifizieren. Grundsätzlich handelt es sich wieder um eine Holzhütte (sogar eine verhältnismäßig große), die allerdings offenbar nicht nur von der Familie sondern noch von einigen anderen Personen bewohnt wird, so als eine Art Wohngemeinschaft. Genau weiß ich das wie gesagt aber nicht. Was ich weiß: Shirley und Piedro schlafen ebenfalls auf dem Boden, um zum Bad zu gelangen müssen sie erst kurz durch die Comunidad (eine Art winziges Dorf, das noch zu einer Stadt gehört in dem Fall eben Archidona) gehen, oder eben den nahen Fluss benutzen.
Quasi direkt nebenan, in derselben Comunidad, wohnt Jipson mit seiner Großmutter. Viel von den Lebensumständen habe ich zwar nicht gesehen, auch was die Familiengröße angeht habe ich keine Idee. Das Haus hat allerdings ein bisschen besser gewirkt als die Unterkünfte der anderen Familien und insgesamt kann ich nur sagen, dass Jipson und seine Großmutter recht glücklich gewirkt haben.
Das ist übrigens ein Zustand, der auf die allermeisten Kinder hier zutrifft. Wie bereits gesagt, sind die Kinder insbesondere in der Fundacion einfach immer voller Energie und Heiterkeit, die sie auch gerne auf alle möglichen Weisen rauslassen. Aber auch bei den Besuchen zuhause hatte ich nicht das Gefühl, dass die Kinder wirklich unglücklich sind. Im Gegenteil, die meisten haben durchaus zufrieden gewirkt. Da kann mich natürlich auch der Schein getäuscht haben, aber andererseits kenne ich die ja alle auch schon ein bisschen und weiß sie einzuschätzen. Und vor dem Hintergrund, dass erstens die Regenwaldregionen und definitiv auch Archidona nicht zu den wohlhabenden Teilen Ecuadors gehören, gibt es natürlich auch nicht so viele reiche Menschen, mit denen man sich direkt vergleichen kann. Natürlich leben die Familien der Kinder nochmal in besonders ärmlichen Verhältnissen, aber im Vergleich zu dem Umfeld ist es dann eben auch nicht mehr ein sooo riesiger Unterschied. Naja es ist jedenfalls echt beeindruckend für mich gewesen, solche Lebensumstände mal in der Realität mitzubekommen. Und es ist wirklich ziemlich schwer, das alles zu beschreiben für Menschen, die diese Eindrücke nicht bekommen haben. Es liegen einfach Welten zwischen meinem und unserem Leben in Deutschland und dem hier in Ecuador. Was ich jedenfalls sagen kann: dieser Tag hat mir persönlich nochmal einen ganz anderen Blick auf das Thema Armut bzw. die Wahrnehmung von naja, Luxus in meinem Alltag gegeben. Und ich kann einfach nur hoffen, dass sich für die Kinder trotz aller Schwierigkeiten noch eine gute Zukunft offenbart.
Am selben Tag der Besuche bin ich dann tatsächlich auch mal wieder mit dem Roten Kreuz unterwegs gewesen. Aktuell sind nämlich die Fiestas de Napo, was zu jeder Menge Events hier in Tena und Archidona führt. So auch am Samstagnachmittag. Da war nämlich etwas, das ich am ehesten als "Motocross für Geländewagen" bezeichnen würde. Das bedeutet konkret: es gab eine große Schlammpiste mit sogar einem kleinen Teich, die es zu bezwingen galt. Jetzt ist es echt schwierig, die Gefährte zu beschreiben, mit denen die Teilnehmer diese Strecke langzwiebelt sind, aber am ehesten trifft es wohl folgendes: die Autos waren Geländewagen auf Drogen und zu einer Art Mini-Monstertruck umgebaut. Jo. Und damit wurde dann eben durch Schlamm, Schlamm, Teich und Schlamm gebrettert. An sich irgendwie ne ganz lustige Sache, für mich persönlich aber nun nicht so ganz das Wahre. Allerdings: als die Autorennen vorbei waren, durften sich auch noch die Zuschauer in Form eines Wettrennens zu Fuß auf die Piste wagen. Ein Schlammrennen also. Bei dem wir als Sanitäter zu schauen hatten, dass jeder, der hinfällt, auch wieder aufsteht. Blöd nur, dass eine Teilnehmerin das nicht gemacht hat. Für die ging's zu Fuß nicht mehr weiter, die musste zum Rettungswagen getragen werden. Problematisch nur: die Strecke bestand ja nach wie vor ausschließlich aus Schlamm. Und ich kann bestätigen: es gab schon bessere Situationen in meinem Leben, als mit 5kg Matsch an meinen Schuhen eine Person auf ner Trage über rutschige Hügel zu schleppen. Aber gut was muss, das muss. Und insgesamt war's ja auch ein ganz nettes Event.
Und drei Tage danach, da ging es dann ab nach Quito. Denn dort haben wir aktuell ein Seminar wegen unseres Freiwilligendienstes. Darauf will ich eigentlich gar nicht so genau eingehen, denn viel erzählenswertes gibt es nicht. Ebensowenig bei der Busfahrt in die Hauptstadt, die ich dieses mal eigentlich unerwähnt lassen wollte. Bis zu dem Punkt, als dann auf einmal so ein breit gebauter und gut gepanzerter Polizist neben uns drei Gringos stand und gefragt hat, was wir denn hier machen. Ich meine, es ist alles entspannt verlaufen und wir konnten problemlos weiterfahren aber das war das erste mal, dass wir im Bus eine solche Kontrolle erlebt haben. Die übrigens tatsächlich auch NUR uns drei Deutsche betroffen hat. Naja. Hier in Quito konnte ich es mir dann natürlich nicht entgehen lassen, einmal asiatisch essen zu gehen sodass ich abends am Tag unserer Ankunft hier direkt mit meinem Mitfreiwilligen in einem netten, kleinen japanischen Imbiss saß. Sehr leckere Sushi, Ramen-Nudelsuppe und Getränk für gerade einmal $5 ich war wirklich im Himmel! Und als wir dann mit der U-Bahn zurück nach Hause gefahren sind, da kam auch noch eine lustige Begegnung dazu. Wir beide sind in die Metro eingestiegen, haben uns in den Gang gestellt und mein Mitfreiwilliger meinte in Anbetracht des offenen Rucksacks einer Person, die uns den Rücken zugekehrt hat, dass er ja manchmal schon ganz gern Taschendieb wäre. Kann ja keiner damit rechnen, dass ebenjener Typ selbst fließend deutsch spricht und uns dann mit einem "Hab ich dich erwischt!" grinsend angeschaut hat. Eine ganz dezent peinliche Situation, die wir zum Glück schnell aufklären konnten und die dann auch in einem netten Gespräch mit diesem Ecuadorianer geendet hat. 11 Jahre hat er offenbar in Hamburg gelebt und naja, wir haben uns gut unterhalten. Aber überraschend kam das schon, dass uns da plötzlich jemand auf deutsch in der U-Bahn von Quito anspricht.
Aber wo wir schon bei Sprachen sind: die Tage hier habe ich schon gemerkt, wie sehr ich meine Englischkentnisse gegen das Spanische ausgetauscht habe. Unser Seminar findet nämlich in Räumen eines Englischinstituts statt und dort sprach mich irgendwann eine Mitarbeiterin auf Englisch an, um sich ein bisschen zu unterhalten. Nette Sache, keine Frage. Aber ich musste mich schon ganz schön konzentrieren, nicht die ganze Zeit auf spanisch zu antworten. Das ist ja doch auch irgendwie eine lustige Veränderung, würd ich sagen.
Tschüss
Dieser Blogeintrag, der wird sich hauptsächlich um meine Arbeit drehen. Zumindest im entfernteren Sinne.
Denn am Wochenende sind wir gemeinsam zu den Wohnorten der Kinder gefahren. Wir, das sind meine beiden Mitfreiwilligen, meine Chefin der Fundacion "Casa de la Esperanza" sowie einige weitere helfende Hände und eben ich. Und die Kinder, das sind Überraschung die Kinder, denen wir in ebenjener Fundacion täglich bei den Hausaufgaben helfen. Die Besuche haben wir jetzt natürlich nicht einfach nur aus Jux und Dollerei gemacht, das hatte einen Grund. Einmal ging es darum, dass wir drei Freiwilligen mal die Lebensumstände der Kinder zu sehen bekommen und uns selber ein Bild machen können. Hauptsächlich bestand aber der Sinn darin, den Kindern und Familien zum Valentinstag (der ja am Freitag den 14.02. gewesen ist) mit teils dringend benötigten Gegenständen eine Freude zu machen. Diese dringend benötigten Gegenstände waren einmal kleine Pakete mit allen möglichen Nahrungs- und Haushaltsmitteln und außerdem noch Matratzen und Betten für manche Kinder, die nämlich so viel mal vorweggenommen teils auf dem Boden schlafen müssen, so wenig Geld haben die Familien.
Deswegen fang ich nun einfach mal mit Mayquel und seiner Familie an, die wir am Samstagmorgen als erstes besucht haben. Mayquel ist 11 Jahre alt, hat 10 Geschwister, keine Mutter mehr sondern nur einen Vater, der Alkoholiker ist und bei weitem nicht genug Geld für die ganze Familie zusammenbekommen kann. Die Kinder wohnen mit ihrem Vater etwas außerhalb von Archidona, auf einem kleinen Hügel fernab der Straße. Jeden Tag hat Mayquel einen Schulweg von 45 Minuten, die er zu Fuß bewältigt genug Geld für den Bus ist nämlich nicht vorhanden und selbst wenn, fährt der erst eine halbe Stunde entfernt. Wohnen tut die Familie in einer selbstgebauten Holzhütte, die man selbst beim besten Willen nicht als Haus bezeichnen kann. Eine Art Bad gibt es zwar, aber das ist eine Minute von der Hütte entfernt und inkludiert keine Dusche, eventuell nicht mal ein Waschbecken. Überraschend kommt da jetzt nicht, dass Mayquel sowie seine Familie ohne Matratzen auf dem Boden schlafen.
Weiter geht es mit Laura. Sie wohnt mehr oder weniger in der Nähe von Mayquel und hat seit drei Monaten keine Eltern mehr, da ist nämlich ihr Vater gestorben. Seitdem wird sie von zwei Senioren großgezogen, bei denen ich nicht ganz sicher bin, ob es sich um ihre Großeltern handelt. Wie auch immer: die beiden sind bereits 90 Jahre alt, also nicht mehr die Jüngsten. Laura wohnt, ähnlich wie Mayquel, in einer Holzhütte die allerdings insgesamt deutlich größer ist. Eine Matratze hat sie allerdings nicht, ihr Zimmer besteht aus einem Kleiderschrank mit ganz wenigen Klamotten sowie einer Decke auf dem Boden.
Anschließend ging es zu der Familie von Lukas und Julian. Die beiden leben mit ihrem Vater und den drei Geschwistern zusammen, ihre Mutter hat die Familie vor langer Zeit verlassen. Seitdem werden die Kinder allein vom Vater großgezogen, der einmal tagsüber sowie außerdem noch von 22:00 Uhr bis 06:00 Uhr morgens arbeiten muss, um genügend Geld zu verdienen. Nichtsdestotrotz ist er, nach allem, was ich bis jetzt mitbekommen habe, immer für die Kinder da und auch bei jeder Einladung der Fundacion zu bspw. Gottesdiensten anwesend. Insgesamt also ein wirklich hart arbeitender Mann, der trotz schwierigster Umstände auch die Kinder so gut wie möglich nicht vernachlässigt ich habe allergrößten Respekt vor ihm. Wie im Übrigen vor allen Eltern der Kinder, denn die Familien leben einfach in echt krassen Verhältnissen. Aber zurück zu Lukas und Julian: die Familie lebt ebenfalls in einer Holzhütte, die auf einem "Fundament" aus 15 Steinen gebaut ist und mich hat wundern lassen, wie da mit dem Erdbeben von vor zwei Wochen keine Schäden entstanden sind. Ein Bad gibt es jedenfalls nicht, für Toilettengänge wird ein Loch gegraben. Und, wer hätt's gedacht: auch Lukas und Julian schlafen auf dem Boden mit gerade mal einer Decke. Dazu möchte ich übrigens noch kurz hinzufügen, dass vor allem Lukas eines der fröhlichsten und nettesten Kinder ist, mit denen ich hier insgesamt in Archidona so arbeite. Wobei das mit dem fröhlich auf quasi alle Kinder der Fundacion zutrifft, zumindest sobald sie eben in der Fundacion sind. Die allermeisten sind immer voller Energie und Heiterkeit, allerdings auch ziemliche Scharlatane. Aber wer will es ihnen irgendwie verübeln ist das doch teilweise der einzige Ort, an dem sie mit ihren Freunden und allem möglichen Spielzeug so richtig glücklich sein können.
Auf dem Weg zur nächsten Familie sind wir dann Juan über den Weg gelaufen. Ein wirklich erstaunlich kluger Junge, der allerdings, wie wir von unserer Chefin erfahren haben, bereits mit seinen zarten 9 Jahren Lebensalter Marihuana konsumiert hat. Nicht absichtlich, auch wenn das erstmal komisch klingt. Aber offenbar wurde er von Mitgliedern einer Gang verarscht, die ihm das Ganze für Bananenblätter verkauft haben vermutlich mit dem Ziel, ihn abhängig zu machen und für die Gang zu rekrutieren. Das ist schon ein echt hartes Leben, was die Kinder hier haben
Jedenfalls weiter zu Ericson. Der wohnt tatsächlich in einem Mietshaus, für das seine Familie monatlich $50 bezahlt. Vom Wohnkomfort her ist das auch echt ein ganz schöner Unterschied zu den Unterkünften der anderen Kinder aber es liegen auch immer noch Welten zwischen unserem Haus in Archidona und dem von Ericson. Sie haben zwar Mauerwerk und nicht nur Holzplatten, es gibt einen Esstisch, einen Schrank und sogar ein Bad aber darauf beschränkt es sich dann auch schon mit dem "Luxus". Auch Ericson hat keine Matratze, sein Schlafplatz besteht im Prinzip aus einer Art Regal, das gerade mal so viel Platz bietet, wie ich zur Hälfte groß bin. Ausgekleidet mit einer kleinen Decke, auf der Ericson schlafen kann sowie seinem großen Stoffkater, den er zumindest bei unserem Besuch wie einen Schatz gehütet und auch wie eine Art naja, Schutzschild immer bei sich getragen hat.
Außerdem sind wir dann noch bei Shirley und Piedro gewesen. Die beiden mit ihrem übermäßig verschmitzten aber sehr süßen Lächeln leben gemeinsam mit ihrer Mutter sowie zwei sehr kleinen Geschwistern. Der Vater ist vor einem halben Jahr bei einem Motorradunfall gestorben. Wie genau die Familie lebt, das konnte ich nicht ganz identifizieren. Grundsätzlich handelt es sich wieder um eine Holzhütte (sogar eine verhältnismäßig große), die allerdings offenbar nicht nur von der Familie sondern noch von einigen anderen Personen bewohnt wird, so als eine Art Wohngemeinschaft. Genau weiß ich das wie gesagt aber nicht. Was ich weiß: Shirley und Piedro schlafen ebenfalls auf dem Boden, um zum Bad zu gelangen müssen sie erst kurz durch die Comunidad (eine Art winziges Dorf, das noch zu einer Stadt gehört in dem Fall eben Archidona) gehen, oder eben den nahen Fluss benutzen.
Quasi direkt nebenan, in derselben Comunidad, wohnt Jipson mit seiner Großmutter. Viel von den Lebensumständen habe ich zwar nicht gesehen, auch was die Familiengröße angeht habe ich keine Idee. Das Haus hat allerdings ein bisschen besser gewirkt als die Unterkünfte der anderen Familien und insgesamt kann ich nur sagen, dass Jipson und seine Großmutter recht glücklich gewirkt haben.
Das ist übrigens ein Zustand, der auf die allermeisten Kinder hier zutrifft. Wie bereits gesagt, sind die Kinder insbesondere in der Fundacion einfach immer voller Energie und Heiterkeit, die sie auch gerne auf alle möglichen Weisen rauslassen. Aber auch bei den Besuchen zuhause hatte ich nicht das Gefühl, dass die Kinder wirklich unglücklich sind. Im Gegenteil, die meisten haben durchaus zufrieden gewirkt. Da kann mich natürlich auch der Schein getäuscht haben, aber andererseits kenne ich die ja alle auch schon ein bisschen und weiß sie einzuschätzen. Und vor dem Hintergrund, dass erstens die Regenwaldregionen und definitiv auch Archidona nicht zu den wohlhabenden Teilen Ecuadors gehören, gibt es natürlich auch nicht so viele reiche Menschen, mit denen man sich direkt vergleichen kann. Natürlich leben die Familien der Kinder nochmal in besonders ärmlichen Verhältnissen, aber im Vergleich zu dem Umfeld ist es dann eben auch nicht mehr ein sooo riesiger Unterschied. Naja es ist jedenfalls echt beeindruckend für mich gewesen, solche Lebensumstände mal in der Realität mitzubekommen. Und es ist wirklich ziemlich schwer, das alles zu beschreiben für Menschen, die diese Eindrücke nicht bekommen haben. Es liegen einfach Welten zwischen meinem und unserem Leben in Deutschland und dem hier in Ecuador. Was ich jedenfalls sagen kann: dieser Tag hat mir persönlich nochmal einen ganz anderen Blick auf das Thema Armut bzw. die Wahrnehmung von naja, Luxus in meinem Alltag gegeben. Und ich kann einfach nur hoffen, dass sich für die Kinder trotz aller Schwierigkeiten noch eine gute Zukunft offenbart.
Am selben Tag der Besuche bin ich dann tatsächlich auch mal wieder mit dem Roten Kreuz unterwegs gewesen. Aktuell sind nämlich die Fiestas de Napo, was zu jeder Menge Events hier in Tena und Archidona führt. So auch am Samstagnachmittag. Da war nämlich etwas, das ich am ehesten als "Motocross für Geländewagen" bezeichnen würde. Das bedeutet konkret: es gab eine große Schlammpiste mit sogar einem kleinen Teich, die es zu bezwingen galt. Jetzt ist es echt schwierig, die Gefährte zu beschreiben, mit denen die Teilnehmer diese Strecke langzwiebelt sind, aber am ehesten trifft es wohl folgendes: die Autos waren Geländewagen auf Drogen und zu einer Art Mini-Monstertruck umgebaut. Jo. Und damit wurde dann eben durch Schlamm, Schlamm, Teich und Schlamm gebrettert. An sich irgendwie ne ganz lustige Sache, für mich persönlich aber nun nicht so ganz das Wahre. Allerdings: als die Autorennen vorbei waren, durften sich auch noch die Zuschauer in Form eines Wettrennens zu Fuß auf die Piste wagen. Ein Schlammrennen also. Bei dem wir als Sanitäter zu schauen hatten, dass jeder, der hinfällt, auch wieder aufsteht. Blöd nur, dass eine Teilnehmerin das nicht gemacht hat. Für die ging's zu Fuß nicht mehr weiter, die musste zum Rettungswagen getragen werden. Problematisch nur: die Strecke bestand ja nach wie vor ausschließlich aus Schlamm. Und ich kann bestätigen: es gab schon bessere Situationen in meinem Leben, als mit 5kg Matsch an meinen Schuhen eine Person auf ner Trage über rutschige Hügel zu schleppen. Aber gut was muss, das muss. Und insgesamt war's ja auch ein ganz nettes Event.
Und drei Tage danach, da ging es dann ab nach Quito. Denn dort haben wir aktuell ein Seminar wegen unseres Freiwilligendienstes. Darauf will ich eigentlich gar nicht so genau eingehen, denn viel erzählenswertes gibt es nicht. Ebensowenig bei der Busfahrt in die Hauptstadt, die ich dieses mal eigentlich unerwähnt lassen wollte. Bis zu dem Punkt, als dann auf einmal so ein breit gebauter und gut gepanzerter Polizist neben uns drei Gringos stand und gefragt hat, was wir denn hier machen. Ich meine, es ist alles entspannt verlaufen und wir konnten problemlos weiterfahren aber das war das erste mal, dass wir im Bus eine solche Kontrolle erlebt haben. Die übrigens tatsächlich auch NUR uns drei Deutsche betroffen hat. Naja. Hier in Quito konnte ich es mir dann natürlich nicht entgehen lassen, einmal asiatisch essen zu gehen sodass ich abends am Tag unserer Ankunft hier direkt mit meinem Mitfreiwilligen in einem netten, kleinen japanischen Imbiss saß. Sehr leckere Sushi, Ramen-Nudelsuppe und Getränk für gerade einmal $5 ich war wirklich im Himmel! Und als wir dann mit der U-Bahn zurück nach Hause gefahren sind, da kam auch noch eine lustige Begegnung dazu. Wir beide sind in die Metro eingestiegen, haben uns in den Gang gestellt und mein Mitfreiwilliger meinte in Anbetracht des offenen Rucksacks einer Person, die uns den Rücken zugekehrt hat, dass er ja manchmal schon ganz gern Taschendieb wäre. Kann ja keiner damit rechnen, dass ebenjener Typ selbst fließend deutsch spricht und uns dann mit einem "Hab ich dich erwischt!" grinsend angeschaut hat. Eine ganz dezent peinliche Situation, die wir zum Glück schnell aufklären konnten und die dann auch in einem netten Gespräch mit diesem Ecuadorianer geendet hat. 11 Jahre hat er offenbar in Hamburg gelebt und naja, wir haben uns gut unterhalten. Aber überraschend kam das schon, dass uns da plötzlich jemand auf deutsch in der U-Bahn von Quito anspricht.
Aber wo wir schon bei Sprachen sind: die Tage hier habe ich schon gemerkt, wie sehr ich meine Englischkentnisse gegen das Spanische ausgetauscht habe. Unser Seminar findet nämlich in Räumen eines Englischinstituts statt und dort sprach mich irgendwann eine Mitarbeiterin auf Englisch an, um sich ein bisschen zu unterhalten. Nette Sache, keine Frage. Aber ich musste mich schon ganz schön konzentrieren, nicht die ganze Zeit auf spanisch zu antworten. Das ist ja doch auch irgendwie eine lustige Veränderung, würd ich sagen.
Tschüss
5,5
09.02.2025
Monate lebe ich nun bereits in Ecuador.
Mensch die Hälfte meiner Zeit hier ist ja fast schon rum!
hat das Erdbeben auf der Richterskala gemessen, dass am Freitag den 31. Januar hier in Archidona bzw. der ganzen Region Napo sein Unwesen getrieben hat. Jetzt ist das Ding: ich hatte zuvor noch nie ein Erdbeben erlebt. Wo auch?! Und es ist jedenfalls so, dass hier regelmäßig Katzen im Vollsprint unser Wellblechdach zum wackeln bringen. Ich bin ehrlich: wenn mein Mitfreiwilliger nicht mit einem lautstarken "Erdbeben! Raus aus dem Haus!" einen ganz dezenten Hinweis auf den Ursprung des zu erlebenden Phänomens gelassen hätte ich hätt's weiterhin für eine sehr fette Katze gehalten. Ich mein so im Nachhinein ist man zwar dann immer schlauer und streng genommen hätte ich mir auch in dem Moment bereits denken können, dass wackelnde Wände und ein vibrierender Boden nicht unbedingt durch tierische Gewalt auf dem Dach verursacht werden aber ja mei. Jedenfalls gibt es seitdem ab und an Nachbeben sowie weitere Erdbeben von ähnlicher Stärke, die hier in Archidona merkbar sind. Beispielsweise am Samstag darauf, und zwar um sechs Uhr morgens. AM WOCHENENDE! Mensch da würd man doch meinen, dass es wenigstens am Samstag früh wenn ich EINMAL ne Möglichkeit auf Ausschlafen habe, dass sich da die Naturgewalt ein wenig zuürckhalten kann. Aber gut. Alles in allem war es jedenfalls eine erschütternde Erfahrung.
Und jetzt der Part, auf den alle gewartet haben: ich war mal wieder unterwegs! In Riobamba bin ich gewesen. Und weil es gar nicht ohne geht, findet natürlich auch die Busfahrt dorthin wieder Erwähnung. Selbige ist nämlich echt schön und beeindruckend und kann definitiv mit der bereits hochgelobten Strecke von Archidona nach Quito bzw. andersrum mithalten. Um nach Riobamba zu gelangen, fährt man von Archidona aus nämlich über Baños, entlang an dem Fluss "Rio Pastaza". Grundsätzlich kann man sich die Fahrt erstmal ähnlich wie die nach Quito vorstellen: es geht raus aus dem Regenwald und immer weiter nach oben, sodass sich mit der Zeit eine tolle Sicht auf eben erwähntes Baumgebiet ergibt. Und sobald man eben nicht mehr umgeben von Bäumen fährt sondern eben mit Blick auf selbige, dann gesellt sich dazu noch der bereits genannte Rio Pastaza, der sich dort durch's Tal schlängelt. So geht die Fahrt im Prinzip direkt an einer Schlucht entlang, mit Blick auf Regenwald und Fluss beeindruckend! NOCH toller wäre es nur, wenn der Rio Pastaza mit ein bisschen mehr Wasser gefüllt und nicht bereits halb ausgetrocknet wäre. Ich mein man kann vermutlich immer noch darin schwimmen, tief genug ist er sicherlich. Aber es ist schon gut sichtbar, wie viel mehr Wasser dort noch Platz fände. Irgendwie traurig. Aber gut der Klimawandel macht sich natürlich auch hier bemerkbar. Ergänzt wurde die bereits erwähnte Aussicht im Übrigen Abschnittsweise von Mini-Geiern bzw. Vögeln, die genauso aussahen und sich auf den Oberleitungen entspannt haben sowie von einem im wahrsten Sinne des Wortes liegengebliebenen LKW. "Da Schnuffel hods brezzelt", wie Harald Schmidt sagen würde. "Der is au ganz schö stoi in da Kurve noi gange", genau dort hat er jedenfalls gelegen. Auf der Seite. Tja blöd gelaufen. Aber verletzt war glaub ich niemand, die Menschen und Polizisten drumherum sahen alle recht entspannt aus.
Aber weiter im Text: der Fahrtenabschnitt von Baños nach Riobamba war dann sogar NOCH spektakulärer. Angefangen hat es mit dem "Weg", als den man dieses zu befahrende Stück Land eventuell vorsichtig bezeichnen könnte und der im Prinzip kontinuierlich am bröckelnden Abgrund der nahen Schlucht langgeführt hat. In welcher sich mal wieder ein Fluss befunden hat, der Rio Chambo nämlich. Der war leider sogar noch ausgetrockneter als der Rio Pastaza echt ein trauriger Anblick. Nichtsdestotrotz ein toller Blick in die Schlucht, bei der der ein oder andere ganz vielleicht argumentieren würde, dass der Busfahrer eventuell etwas mehr Abstand dazu hätte halten können aber das ist ja Ansichtssache. Ich persönlich sehe die Busfahrten hier ja immer als kleinen Trip mit der Achterbahn, denn genau so fühlt es sich teilweise an. Nichtsdestotrotz gab es ja die bereits erwähnte tolle Aussicht auf zwar einmal die Schlucht, außerdem aber auch alle möglichen Hügel und Berge, die sich glücklicherweise ganz passen drumherum platziert haben. So waren es zu beginn dieses Streckenabschnitts eher richtige Berge, die es zu bewundern galt, anschließend hat sich das ganze dann in Hügel mit ihren Wiesen und Feldern gewandelt, die zusätzlich noch ganz fantastisch von der untergehenden Abendsonne beleuchtet wurden und deswegen in ganz besonders schönem Grün und Gelb erleuchtet sind.
Ich hoffe mal, ich konnte damit genügend Neid rauskramen.
Allerdings bin ich ja nicht nur der Busfahrt wegen nach Riobamba gefahren, ich wollte ja auch etwas von der ca. 200.000 Einwohner großen Stadt zu sehen bekommen. Und das habe ich auch, allerdings erst am nächsten Tag. Wobei sich die großen Highlights hier eher in Grenzen halten. Riobamba ist sicherlich eine schöne Stadt zum Leben, dafür hat sie auf jeden Fall eine entspannte und angenehme Aura aber mehr gibt's halt nicht. Es ist zwar eine Großstadt hat sich beim erkunden aber dennoch nie zu voll und vielmehr wie ein vergleichsweise kleiner Ort angefühlt. Es gibt ein paar Shopping-Mails, einige Kirchen, einen Wochenmarkt und tatsächlich auch einige Second-Hand Läden, bei denen ich auch fündig geworden bin. Das alles immer eingerahmt von den Anden, denn genau dort liegt Riobamba auf seinen 2.750 Höhenmetern. Jetzt sind das aber nicht nur irgendwelche willkürlichen Looser Berglein, mit denen sich Riobamba hier umgibt. Nein, direkt nebenan thront der Chimborazo, der mit seinen 6.310 Höhenmetern einmal der höchste Berg und Vulkan Ecuadors ist, wegen der Äquatornähe aber an seiner Spitze außerdem den Punkt der Erde darstellt, der der Sonne am nächsten ist. Nichts da mit Mount Everest oder K2 der Chimborazo, das ist der wahre Boss hier! Und auf selbigen werde ich auch noch zu sprechen kommen, aber nicht, ohne nochmal das für mich aber so unglaublich angenehme Wetter von Riobamba einmal hervorgehoben zu haben. Denn seiner Höhe wegen hat die Stadt eine Tageshöchsttemperatur von ca. 20 Grad Celsius, des Nachts pendelt es sich dann bei ungefähr 10 Grad ein. Wirklich ein absoluter Traum für mich, der ich ja mit den täglichen 28 Archidona-Grad teilweise schon ordentlich zu kämpfen habe. Und wow: als ich dann um 22:00 Uhr bei 10 Grad Celsius mit leichtem Nieselregen ne halbe Stunde auf dem Dach stehen konnte allein dafür hat sich der Trip schon gelohnt! Ich hab ja gar nicht gewusst, wie sehr ich so ein Wetter aus Deutschland vermisst habe.
Naja jetzt aber zum erwähnten Chimborazo. So beeindruckend der Berg auch aus der reinen Beschreibung sowie aus der Ferne wirken mag: als wir mit dem Taxi direkt darauf zugefahren sind, da erschien er mir doch eher irgendwie klein. Nichtsdestotrotz natürlich total mächtig und beeindruckend, das steht gar nicht infrage. Vielleicht lag es ja auch einfach nur an den Wolken, die den Chimborazo immer nur zu kleinen Teilen freigegeben und nie einen kompletten Blick ermöglicht haben. Naja. Die Fahrt dorthin jedenfalls um mal wieder dieses bereits so lange unerwähnte Thema anzusprechen war total schön. Felder und Wiesen, hier und da mal ein kleines Dörfchen oder ein paar Häuser und im Hintergrund immer größer werdende Hügel und Berge, natürlich alles im Schatten des unangefochtenen Königs der Berge: genau so stelle ich mir die Anden vor. Begleitet übrigens von ziemlich vielen Hunden, die sich dort auf den Straßen entspannt und auch den hupenden und mit 5 Zentimetern Abstand vorbeiheizenden Autos keinen Platz gemacht haben. Lustige Sache. Zwischendrin gab es dann auch mal eine Alpakaherde zu sehen. Die war zwar hinter einem Stacheldrahtzaun, aber dennoch frei lebend und nur mit dem Sinn und Zweck an der Stelle eingegrenzt, damit sie nicht auf der Straße von den Autos umgenietet werden. Also im Prinzip alles dabei, was ein Trip in die Anden so braucht. Wobei das natürlich nicht alles war, denn eigentliches Ziel ist ja der Chimborazo gewesen. Den ich logischerweise nicht bis ganz zur Spitze bestiegen habe, so viel sollte klar sein. Dafür ist Ausrüstung, Erfahrung und Akklimatisierung notwendig also nichts, was man "mal eben so" schaffen könnte. Nein, ich bin zwar nicht zur Spitze geklettert hab aber dennoch eine wie ich finde ganz ordentliche Wanderung gemacht. Das Taxi hat uns auf eine Höhe von 4.330 Metern gebracht, also zum ersten Basecamp des Chimborazo. Von dort aus kann man noch weiter nach oben fahren, auf 4.870 Meter ungefähr. Das hat unser Taxi allerdings nicht geschafft, denn ein kleiner Streckenabschnitt am Eingang war so kaputt, dass nur die Geländewagen und PickUps weiterfahren konnten. So habe ich mich dann dazu entschlossen, mit einem Freund die ganzen 500 Höhenmeter nach oben zu wandern, der Rest unserer Gruppe hat sich per Anhalter nach oben befördern lassen. 500 Höhenmeter klingt nun zwar erstmal nicht viel, ich möchte da aber kurz an meine auf 800 Archidonaer-Höhenmetern akklimatisierte Lunge aufmerksam machen, die das nu nich mal eben so weggesteckt hat. Es war schon ordentlich anstrengend, hat sich aber auf jeden Fall gelohnt. Auch wenn sich die Aussicht wegen der nach wie vor bestehenden Wolken echt in Grenzen gehalten hat und wir teilweise nur 10 Meter weit sehen konnten. Aber gut Spaß gemacht hat es definitiv.
Und joa damit beende ich diesen tatsächlich mal wieder etwas länger ausgefallenen Blogeintrag dann auch. Ich habe die letzten zwei Wochen echt einiges erlebt und vor dem Hintergrund gibt es natürlich auch eine beträchtliche Ansammlung an Fotos anzuschauen also ganz viel Spaß damit.
Au Revoir
hat das Erdbeben auf der Richterskala gemessen, dass am Freitag den 31. Januar hier in Archidona bzw. der ganzen Region Napo sein Unwesen getrieben hat. Jetzt ist das Ding: ich hatte zuvor noch nie ein Erdbeben erlebt. Wo auch?! Und es ist jedenfalls so, dass hier regelmäßig Katzen im Vollsprint unser Wellblechdach zum wackeln bringen. Ich bin ehrlich: wenn mein Mitfreiwilliger nicht mit einem lautstarken "Erdbeben! Raus aus dem Haus!" einen ganz dezenten Hinweis auf den Ursprung des zu erlebenden Phänomens gelassen hätte ich hätt's weiterhin für eine sehr fette Katze gehalten. Ich mein so im Nachhinein ist man zwar dann immer schlauer und streng genommen hätte ich mir auch in dem Moment bereits denken können, dass wackelnde Wände und ein vibrierender Boden nicht unbedingt durch tierische Gewalt auf dem Dach verursacht werden aber ja mei. Jedenfalls gibt es seitdem ab und an Nachbeben sowie weitere Erdbeben von ähnlicher Stärke, die hier in Archidona merkbar sind. Beispielsweise am Samstag darauf, und zwar um sechs Uhr morgens. AM WOCHENENDE! Mensch da würd man doch meinen, dass es wenigstens am Samstag früh wenn ich EINMAL ne Möglichkeit auf Ausschlafen habe, dass sich da die Naturgewalt ein wenig zuürckhalten kann. Aber gut. Alles in allem war es jedenfalls eine erschütternde Erfahrung.
Und jetzt der Part, auf den alle gewartet haben: ich war mal wieder unterwegs! In Riobamba bin ich gewesen. Und weil es gar nicht ohne geht, findet natürlich auch die Busfahrt dorthin wieder Erwähnung. Selbige ist nämlich echt schön und beeindruckend und kann definitiv mit der bereits hochgelobten Strecke von Archidona nach Quito bzw. andersrum mithalten. Um nach Riobamba zu gelangen, fährt man von Archidona aus nämlich über Baños, entlang an dem Fluss "Rio Pastaza". Grundsätzlich kann man sich die Fahrt erstmal ähnlich wie die nach Quito vorstellen: es geht raus aus dem Regenwald und immer weiter nach oben, sodass sich mit der Zeit eine tolle Sicht auf eben erwähntes Baumgebiet ergibt. Und sobald man eben nicht mehr umgeben von Bäumen fährt sondern eben mit Blick auf selbige, dann gesellt sich dazu noch der bereits genannte Rio Pastaza, der sich dort durch's Tal schlängelt. So geht die Fahrt im Prinzip direkt an einer Schlucht entlang, mit Blick auf Regenwald und Fluss beeindruckend! NOCH toller wäre es nur, wenn der Rio Pastaza mit ein bisschen mehr Wasser gefüllt und nicht bereits halb ausgetrocknet wäre. Ich mein man kann vermutlich immer noch darin schwimmen, tief genug ist er sicherlich. Aber es ist schon gut sichtbar, wie viel mehr Wasser dort noch Platz fände. Irgendwie traurig. Aber gut der Klimawandel macht sich natürlich auch hier bemerkbar. Ergänzt wurde die bereits erwähnte Aussicht im Übrigen Abschnittsweise von Mini-Geiern bzw. Vögeln, die genauso aussahen und sich auf den Oberleitungen entspannt haben sowie von einem im wahrsten Sinne des Wortes liegengebliebenen LKW. "Da Schnuffel hods brezzelt", wie Harald Schmidt sagen würde. "Der is au ganz schö stoi in da Kurve noi gange", genau dort hat er jedenfalls gelegen. Auf der Seite. Tja blöd gelaufen. Aber verletzt war glaub ich niemand, die Menschen und Polizisten drumherum sahen alle recht entspannt aus.
Aber weiter im Text: der Fahrtenabschnitt von Baños nach Riobamba war dann sogar NOCH spektakulärer. Angefangen hat es mit dem "Weg", als den man dieses zu befahrende Stück Land eventuell vorsichtig bezeichnen könnte und der im Prinzip kontinuierlich am bröckelnden Abgrund der nahen Schlucht langgeführt hat. In welcher sich mal wieder ein Fluss befunden hat, der Rio Chambo nämlich. Der war leider sogar noch ausgetrockneter als der Rio Pastaza echt ein trauriger Anblick. Nichtsdestotrotz ein toller Blick in die Schlucht, bei der der ein oder andere ganz vielleicht argumentieren würde, dass der Busfahrer eventuell etwas mehr Abstand dazu hätte halten können aber das ist ja Ansichtssache. Ich persönlich sehe die Busfahrten hier ja immer als kleinen Trip mit der Achterbahn, denn genau so fühlt es sich teilweise an. Nichtsdestotrotz gab es ja die bereits erwähnte tolle Aussicht auf zwar einmal die Schlucht, außerdem aber auch alle möglichen Hügel und Berge, die sich glücklicherweise ganz passen drumherum platziert haben. So waren es zu beginn dieses Streckenabschnitts eher richtige Berge, die es zu bewundern galt, anschließend hat sich das ganze dann in Hügel mit ihren Wiesen und Feldern gewandelt, die zusätzlich noch ganz fantastisch von der untergehenden Abendsonne beleuchtet wurden und deswegen in ganz besonders schönem Grün und Gelb erleuchtet sind.
Ich hoffe mal, ich konnte damit genügend Neid rauskramen.
Allerdings bin ich ja nicht nur der Busfahrt wegen nach Riobamba gefahren, ich wollte ja auch etwas von der ca. 200.000 Einwohner großen Stadt zu sehen bekommen. Und das habe ich auch, allerdings erst am nächsten Tag. Wobei sich die großen Highlights hier eher in Grenzen halten. Riobamba ist sicherlich eine schöne Stadt zum Leben, dafür hat sie auf jeden Fall eine entspannte und angenehme Aura aber mehr gibt's halt nicht. Es ist zwar eine Großstadt hat sich beim erkunden aber dennoch nie zu voll und vielmehr wie ein vergleichsweise kleiner Ort angefühlt. Es gibt ein paar Shopping-Mails, einige Kirchen, einen Wochenmarkt und tatsächlich auch einige Second-Hand Läden, bei denen ich auch fündig geworden bin. Das alles immer eingerahmt von den Anden, denn genau dort liegt Riobamba auf seinen 2.750 Höhenmetern. Jetzt sind das aber nicht nur irgendwelche willkürlichen Looser Berglein, mit denen sich Riobamba hier umgibt. Nein, direkt nebenan thront der Chimborazo, der mit seinen 6.310 Höhenmetern einmal der höchste Berg und Vulkan Ecuadors ist, wegen der Äquatornähe aber an seiner Spitze außerdem den Punkt der Erde darstellt, der der Sonne am nächsten ist. Nichts da mit Mount Everest oder K2 der Chimborazo, das ist der wahre Boss hier! Und auf selbigen werde ich auch noch zu sprechen kommen, aber nicht, ohne nochmal das für mich aber so unglaublich angenehme Wetter von Riobamba einmal hervorgehoben zu haben. Denn seiner Höhe wegen hat die Stadt eine Tageshöchsttemperatur von ca. 20 Grad Celsius, des Nachts pendelt es sich dann bei ungefähr 10 Grad ein. Wirklich ein absoluter Traum für mich, der ich ja mit den täglichen 28 Archidona-Grad teilweise schon ordentlich zu kämpfen habe. Und wow: als ich dann um 22:00 Uhr bei 10 Grad Celsius mit leichtem Nieselregen ne halbe Stunde auf dem Dach stehen konnte allein dafür hat sich der Trip schon gelohnt! Ich hab ja gar nicht gewusst, wie sehr ich so ein Wetter aus Deutschland vermisst habe.
Naja jetzt aber zum erwähnten Chimborazo. So beeindruckend der Berg auch aus der reinen Beschreibung sowie aus der Ferne wirken mag: als wir mit dem Taxi direkt darauf zugefahren sind, da erschien er mir doch eher irgendwie klein. Nichtsdestotrotz natürlich total mächtig und beeindruckend, das steht gar nicht infrage. Vielleicht lag es ja auch einfach nur an den Wolken, die den Chimborazo immer nur zu kleinen Teilen freigegeben und nie einen kompletten Blick ermöglicht haben. Naja. Die Fahrt dorthin jedenfalls um mal wieder dieses bereits so lange unerwähnte Thema anzusprechen war total schön. Felder und Wiesen, hier und da mal ein kleines Dörfchen oder ein paar Häuser und im Hintergrund immer größer werdende Hügel und Berge, natürlich alles im Schatten des unangefochtenen Königs der Berge: genau so stelle ich mir die Anden vor. Begleitet übrigens von ziemlich vielen Hunden, die sich dort auf den Straßen entspannt und auch den hupenden und mit 5 Zentimetern Abstand vorbeiheizenden Autos keinen Platz gemacht haben. Lustige Sache. Zwischendrin gab es dann auch mal eine Alpakaherde zu sehen. Die war zwar hinter einem Stacheldrahtzaun, aber dennoch frei lebend und nur mit dem Sinn und Zweck an der Stelle eingegrenzt, damit sie nicht auf der Straße von den Autos umgenietet werden. Also im Prinzip alles dabei, was ein Trip in die Anden so braucht. Wobei das natürlich nicht alles war, denn eigentliches Ziel ist ja der Chimborazo gewesen. Den ich logischerweise nicht bis ganz zur Spitze bestiegen habe, so viel sollte klar sein. Dafür ist Ausrüstung, Erfahrung und Akklimatisierung notwendig also nichts, was man "mal eben so" schaffen könnte. Nein, ich bin zwar nicht zur Spitze geklettert hab aber dennoch eine wie ich finde ganz ordentliche Wanderung gemacht. Das Taxi hat uns auf eine Höhe von 4.330 Metern gebracht, also zum ersten Basecamp des Chimborazo. Von dort aus kann man noch weiter nach oben fahren, auf 4.870 Meter ungefähr. Das hat unser Taxi allerdings nicht geschafft, denn ein kleiner Streckenabschnitt am Eingang war so kaputt, dass nur die Geländewagen und PickUps weiterfahren konnten. So habe ich mich dann dazu entschlossen, mit einem Freund die ganzen 500 Höhenmeter nach oben zu wandern, der Rest unserer Gruppe hat sich per Anhalter nach oben befördern lassen. 500 Höhenmeter klingt nun zwar erstmal nicht viel, ich möchte da aber kurz an meine auf 800 Archidonaer-Höhenmetern akklimatisierte Lunge aufmerksam machen, die das nu nich mal eben so weggesteckt hat. Es war schon ordentlich anstrengend, hat sich aber auf jeden Fall gelohnt. Auch wenn sich die Aussicht wegen der nach wie vor bestehenden Wolken echt in Grenzen gehalten hat und wir teilweise nur 10 Meter weit sehen konnten. Aber gut Spaß gemacht hat es definitiv.
Und joa damit beende ich diesen tatsächlich mal wieder etwas länger ausgefallenen Blogeintrag dann auch. Ich habe die letzten zwei Wochen echt einiges erlebt und vor dem Hintergrund gibt es natürlich auch eine beträchtliche Ansammlung an Fotos anzuschauen also ganz viel Spaß damit.
Au Revoir
K.O.
26.01.2025
Moin!
Auch dieses Mal halten sich die großen berichtenswerten Ereignisse mal wieder in Grenzen, so leid es mir ja auch tut. Bald geht es aber aufs Neue an ein wenig Reisen, Ecuador will ja erkundet werden. Bis jetzt hab ich dahingehend aber nach wie vor nicht wirklich etwas neues erlebt. Was sich allerdings geändert hat, das ist meine Freizeitbeschäftigung: die ist nämlich von im Prinzip gar nichts tun zu "ich bin jetzt im hiesigen Boxclub" gewandelt. Aber naja, die erste und zweite Regel des Boxclub ist ja bekannt
Weiter gehts also mit meiner mehr oder weniger frisch auserkorenen Lieblingsfrucht hier: der Mango. Ich meine, hier gibts es natürlich sowieso tolles und frisches Obst ohne Ende. Sei es Avocado in den Anden, Papaya, Maracuya, Banane, Kiwi, Pittahaya oder eben Mango. Es ist wirklich brachial, wie geschmackvoll, lecker und vor allem auch günstig diese ganzen Früchte sind! Naja und die Mango , davon hab ich in letzter Zeit einfach immer mehr gegessen. Meine Gastfamilie kann die nämlich regelmäßig selbst auf ihrem Grundstück mit Finca im Dschungel pflücken und naja: da bin ich eben auf den Geschmack gekommen. Nun kann ich zwar nicht die gesamten Mango-Vorräte meiner Gastfamilie wegmampfen, aber das ist auch gar nicht nötig: für gerade mal $1 kann ich nämlich auf dem hiesigen Markt gleich vier reife und leckere Mangos erwerben. Wirklich einfach nur toll. So wie der Markt insgesamt, denn den hab ich nun das erste Mal seit meiner Ankunft hier besucht. Und ja, ich lebe bereits vier Monate in Archidona. Es war jedenfalls ein lustiges Erlebnis. Im Prinzip einfach nur ein Markt mit Obst- und Gemüseständen aber eben auch Klamottenverkäufern und sonst ebenfalls allem Möglichen. Auch Tiere und Fische gab es zu kaufen. Piranhas, Kaninchen, Hühner oder Gänse alles da. Und natürlich meine heiligen Mangos, so viel ist klar.
Ein kleines bisschen hab ich aber auch noch aus meinem Alltag zu berichten, natürlich. In diesem Fall aus meinem Arbeitsalltag, der dann eben doch nicht ganz so Alltag war wie sonst sondern aus einem Ausflug bestanden hat. Es geht dabei um die Kinder der Hausaufgabenhilfe, mit denen wir nämlich einen Nachmittag von Archidona nach Tena gefahren sind um ein dortiges Spieleparadies zu besuchen. Erstmal war allein die Busfahrt für die Kinder schon ein riesiges Highlight, hatte ich das Gefühl. Niemand konnte still auf seinem Platz sitzen bleiben alle haben ihren Kopf zum Fenster rausgestreckt und die zwanzig Minuten Fahrt auf diese Weise und gefüllt mit Energie und Vorfreude verbracht. Die Energie ist auch im Spieleparadies geblieben, die Vorfreude in grenzenlosen Spaß und Frohsinn umgeklungen. Das ist auch kaum verwunderlich, immerhin gab es auf diesem Gelände wirklich alles: Bällebad mit Hindernisparcours, Seilbahn, Luftpistolen, Skateboards und sonstige Gefährte alles eben, was ein Kinderherz so begehrt. Und vor dem Hintergrund, dass die Kinder (wie ja bereits mehrfach erwähnt) zuhause in aller Regel unter eher ärmlichen Verhältnissen aufwachsen, ist das ja auch kaum verwunderlich und im Gegenteil sogar besonders schön zu sehen. In dem Sinne ein sehr gelungener, der ganzen kindlichen Energie wegen aber auch leicht anstrengender Nachmittag.
Sonst bin ich tatsächlich mal wieder nach Quito gedüst. Einerseits, weil ich mal wieder einen kleinen Ortswechsel vertragen konnte und die Fahrt in die Hauptstadt einfach sehr schön ist. Außerdem gibt es dort erstens ein großes Sportgeschäft, bei dem ich mich mit Dingen für meine neue Freizeitbeschäftigung eindecken konnte, und zweitens eine deutlich größere Auswahl an Restaurants, sodass ich nach über einem halben Jahr ENDLICH mal wieder asiatisches, bzw. noch konkreter: koreanisches Essen genossen habe. Es hatte seinen Preis, aber das war es mir in dem Fall doch tatsächlich wert. Die kulinarische Vielfalt in der Gegend, in der ich lebe, ist nämlich doch nicht allzu gigantisch und irgendwie gibt es mehr oder weniger immer dasselbe, hab ich das Gefühl.
Naja.
Die obligatorische Busfahrt will aber natürlich auch noch Erwähnung finden. Erstens fahre ich auf dem Weg nach Quito, wie ja bereits berichtet, immer auf einer Strecke, die es mir irgendwann erlaubt, den Regenwald aus der Ferne bzw. von oben zu betrachten. In aller Regel ist das naja, einfach ein Wald eben. Aber aktuell sind die Bäume gesäumt von Lila Blüten und ich habe keine Ahnung, wieso. Hier gibt es ja klimatisch keine großen Veränderungen das Jahr über, von daher kann es ja auch nicht DIE Blütezeit geben, würde ich vermuten. Aber dennoch ist es das erste mal, das gefühlt der halbe Wald aus Lila Baumkronen besteht und es sieht echt total schön aus.
Auf der Rückfahrt konnte ich dann allerdings nichts mehr sehen. Das lag einerseits an der Dunkelheit, die wir mangels Sonne und Straßenbeleuchtungen hatten und außerdem an der Tatsache, dass neuerdings offenbar Sebastian Vettel für das Busunternehmen hier arbeitet. Also das war ja wirklich brachial. Wir hatten gefühlt schon negativ Lumen und dieser Busfahrer kachelt da mit NICHT-gefühlten 110 Sachen die "Straße" nach Archidona runter, es ist unglaublich! Das war wirklich als hätte der so eine Mission gehabt, dass er die 100 km/h nicht unterschreiten darf, weil sonst sein Bus explodiert oder so. Egal ob Kurve, Schlagloch oder Geschwindigkeitshügel das Prinzip einer Bremse war dem guten Herrn offenbar nicht bekannt. So bin ich einmal mit dem Schwindel der Hölle und außerdem noch in vier anstelle der üblichen fünfeinhalb Stunden in Archidona angekommen.
Uff.
Jetzt reicht's dann aber auch wieder.
Auch dieses Mal halten sich die großen berichtenswerten Ereignisse mal wieder in Grenzen, so leid es mir ja auch tut. Bald geht es aber aufs Neue an ein wenig Reisen, Ecuador will ja erkundet werden. Bis jetzt hab ich dahingehend aber nach wie vor nicht wirklich etwas neues erlebt. Was sich allerdings geändert hat, das ist meine Freizeitbeschäftigung: die ist nämlich von im Prinzip gar nichts tun zu "ich bin jetzt im hiesigen Boxclub" gewandelt. Aber naja, die erste und zweite Regel des Boxclub ist ja bekannt
Weiter gehts also mit meiner mehr oder weniger frisch auserkorenen Lieblingsfrucht hier: der Mango. Ich meine, hier gibts es natürlich sowieso tolles und frisches Obst ohne Ende. Sei es Avocado in den Anden, Papaya, Maracuya, Banane, Kiwi, Pittahaya oder eben Mango. Es ist wirklich brachial, wie geschmackvoll, lecker und vor allem auch günstig diese ganzen Früchte sind! Naja und die Mango , davon hab ich in letzter Zeit einfach immer mehr gegessen. Meine Gastfamilie kann die nämlich regelmäßig selbst auf ihrem Grundstück mit Finca im Dschungel pflücken und naja: da bin ich eben auf den Geschmack gekommen. Nun kann ich zwar nicht die gesamten Mango-Vorräte meiner Gastfamilie wegmampfen, aber das ist auch gar nicht nötig: für gerade mal $1 kann ich nämlich auf dem hiesigen Markt gleich vier reife und leckere Mangos erwerben. Wirklich einfach nur toll. So wie der Markt insgesamt, denn den hab ich nun das erste Mal seit meiner Ankunft hier besucht. Und ja, ich lebe bereits vier Monate in Archidona. Es war jedenfalls ein lustiges Erlebnis. Im Prinzip einfach nur ein Markt mit Obst- und Gemüseständen aber eben auch Klamottenverkäufern und sonst ebenfalls allem Möglichen. Auch Tiere und Fische gab es zu kaufen. Piranhas, Kaninchen, Hühner oder Gänse alles da. Und natürlich meine heiligen Mangos, so viel ist klar.
Ein kleines bisschen hab ich aber auch noch aus meinem Alltag zu berichten, natürlich. In diesem Fall aus meinem Arbeitsalltag, der dann eben doch nicht ganz so Alltag war wie sonst sondern aus einem Ausflug bestanden hat. Es geht dabei um die Kinder der Hausaufgabenhilfe, mit denen wir nämlich einen Nachmittag von Archidona nach Tena gefahren sind um ein dortiges Spieleparadies zu besuchen. Erstmal war allein die Busfahrt für die Kinder schon ein riesiges Highlight, hatte ich das Gefühl. Niemand konnte still auf seinem Platz sitzen bleiben alle haben ihren Kopf zum Fenster rausgestreckt und die zwanzig Minuten Fahrt auf diese Weise und gefüllt mit Energie und Vorfreude verbracht. Die Energie ist auch im Spieleparadies geblieben, die Vorfreude in grenzenlosen Spaß und Frohsinn umgeklungen. Das ist auch kaum verwunderlich, immerhin gab es auf diesem Gelände wirklich alles: Bällebad mit Hindernisparcours, Seilbahn, Luftpistolen, Skateboards und sonstige Gefährte alles eben, was ein Kinderherz so begehrt. Und vor dem Hintergrund, dass die Kinder (wie ja bereits mehrfach erwähnt) zuhause in aller Regel unter eher ärmlichen Verhältnissen aufwachsen, ist das ja auch kaum verwunderlich und im Gegenteil sogar besonders schön zu sehen. In dem Sinne ein sehr gelungener, der ganzen kindlichen Energie wegen aber auch leicht anstrengender Nachmittag.
Sonst bin ich tatsächlich mal wieder nach Quito gedüst. Einerseits, weil ich mal wieder einen kleinen Ortswechsel vertragen konnte und die Fahrt in die Hauptstadt einfach sehr schön ist. Außerdem gibt es dort erstens ein großes Sportgeschäft, bei dem ich mich mit Dingen für meine neue Freizeitbeschäftigung eindecken konnte, und zweitens eine deutlich größere Auswahl an Restaurants, sodass ich nach über einem halben Jahr ENDLICH mal wieder asiatisches, bzw. noch konkreter: koreanisches Essen genossen habe. Es hatte seinen Preis, aber das war es mir in dem Fall doch tatsächlich wert. Die kulinarische Vielfalt in der Gegend, in der ich lebe, ist nämlich doch nicht allzu gigantisch und irgendwie gibt es mehr oder weniger immer dasselbe, hab ich das Gefühl.
Naja.
Die obligatorische Busfahrt will aber natürlich auch noch Erwähnung finden. Erstens fahre ich auf dem Weg nach Quito, wie ja bereits berichtet, immer auf einer Strecke, die es mir irgendwann erlaubt, den Regenwald aus der Ferne bzw. von oben zu betrachten. In aller Regel ist das naja, einfach ein Wald eben. Aber aktuell sind die Bäume gesäumt von Lila Blüten und ich habe keine Ahnung, wieso. Hier gibt es ja klimatisch keine großen Veränderungen das Jahr über, von daher kann es ja auch nicht DIE Blütezeit geben, würde ich vermuten. Aber dennoch ist es das erste mal, das gefühlt der halbe Wald aus Lila Baumkronen besteht und es sieht echt total schön aus.
Auf der Rückfahrt konnte ich dann allerdings nichts mehr sehen. Das lag einerseits an der Dunkelheit, die wir mangels Sonne und Straßenbeleuchtungen hatten und außerdem an der Tatsache, dass neuerdings offenbar Sebastian Vettel für das Busunternehmen hier arbeitet. Also das war ja wirklich brachial. Wir hatten gefühlt schon negativ Lumen und dieser Busfahrer kachelt da mit NICHT-gefühlten 110 Sachen die "Straße" nach Archidona runter, es ist unglaublich! Das war wirklich als hätte der so eine Mission gehabt, dass er die 100 km/h nicht unterschreiten darf, weil sonst sein Bus explodiert oder so. Egal ob Kurve, Schlagloch oder Geschwindigkeitshügel das Prinzip einer Bremse war dem guten Herrn offenbar nicht bekannt. So bin ich einmal mit dem Schwindel der Hölle und außerdem noch in vier anstelle der üblichen fünfeinhalb Stunden in Archidona angekommen.
Uff.
Jetzt reicht's dann aber auch wieder.
Feliz Año!
12.01.2025
Ein Frohes neues Jahr 2025 oder auch "Feliz Año!", wie man hier in Ecuador zu sagen pflegt.
Ich hoffe, es gab einen guten Rutsch und ein schönes Feiern ins neue Jahr.
Ich persönlich, ich habe die Silvesternacht hier in Tena erlebt. Ein großer Teil der deutschen Freiwilligen hier in Ecuador sind weggefahren, ist ja auch Ferienzeit gewesen. Aber ich habe mich dazu entschlossen, zuhause zu bleiben und mal zu schauen, was hier so abgeht. Und das was abging, das war spannend.
Erstmal ist es so, dass die Silvesterknallerei ganz klassisch schon ungefähr zwei Wochen vor dem 31. Dezember losging. Und zwar nicht in Form von irgendwelchen schönen Raketen, sondern eben die ecuadorianische Variante der in Deutschland unter dem Namen "Polenböller" bekannten Geschosse. Bedeutet: es ist laut, es ist nicht schön und es ist naja, unnötig. Diese Böller gab es natürlich auch an Silvester selbst, allerdings in deutlich größerer Masse als zuvor und außerdem glücklicherweise flankiert von weiterem Feuerwerk, das teils sogar ganz hübsch anzusehen war. Laternen die in den Himmel aufsteigen, beispielsweise. Ein sehr schöner Anblick. Abgesehen davon gab es auf den Straßen noch ganz viele Puppen aus Pappmache zu sehen. Die sind von Kniehoch bis Lebensecht schon seit zwei Wochen vorher in allen möglichen Ausführungen zu kaufen gewesen denn die Tradition möchte es so, dass man eine solche Puppe dann zu Mitternacht verbrennt. Auch ich habe da meine $15 investiert und lebe nun mit meinem neuen besten Freund zusammen, dem Herbert. Natürlich habe ich ihn nicht geopfert, als es 12 Uhr schlug er steht immer noch in meinem Zimmer.
Und so relevant ist das auch gar nicht. Denn der wirklich lustige und interessantere Teil der Silvestertraditionen, der besteht aus den sog. "Viudas". Das sind junge Männer, die sich für diesen Tag als Frauen mit knappen Kleidern und teils exorbitanter Oberweite verkleiden. Das machen die natürlich nicht einfach so, dem Ganzen wohnt ein gewisser Sinn inne. Selbiger besteht darin, den ganzen Tag und die ganze Nacht über die Autos auf den Straßen anzuhalten und naja, anzügliche Tänze vorzuführen. Dafür kriegen die dann immer so 25ct, dann dürfen die Autos weiterfahren. Eine durchaus lustige Sache, da kann man nix sagen. Nun hat es sich ergeben, dass ich Silvester wieder mit einer Freundin in Tena und ihrer Familie verbringen durfte. Des Abends sind wir dann (was schon abenteuerlich genug war) zu neunt mit dem Auto (ein stinknormales Auto für fünf Personen) durch die Stadt gedüst, um noch ein paar Dinge zu erledigen. Des Platzmangels wegen musste unter anderem ich hinten im Kofferraum sitzen, der anschließend verständlicherweise nicht mehr zugemacht wurde. So bin ich also mit gutem Blick hinten aus dem Auto raus durch die Stadt gefahren und auch mit gutem Blick auf Mich hinten ins Auto rein. Als Gringo bin ich dann natürlich gefundenes Fressen für die Viudas gewesen, wurde mehrfach angetanzt und fand mich irgendwann sogar aus dem Kofferraum rausgezogen und plötzlich in einer Gruppe von sieben tanzenden Viudas. Glücklicherweise hat das Auto gestanden.
Joa.
Mitternacht an sich war dann tatsächlich auch noch ganz nett. Der einzige Zeitpunkt, zu dem mal für 15 Minuten ein paar hübsche Raketen am Himmel zu sehen waren. Natürlich nach wie vor begleitet von den bereits erwähnten anderen Böllern.
So viel aber zum Neujahrsfest.
Und wirklich viel mehr als das hab ich dann auch gar nicht zu erzählen. Die von mir eher ungenutzte Urlaubszeit (ich bin in den zwei Wochen nirgendwo hingereist oder so) ist vorbei und es geht nun seit dem 06. Januar wieder ans Arbeiten. Das ist nun allerdings nicht allzu spannend und davon berichtet habe ich ja auch bereits zur Genüge, von daher spare ich mir mal weitere Ausführungen dahingehend. Aber: das groß bestreikte Hochsicherheitsgefängnis wird nicht in Archidona gebaut, mal so als positive Nachricht. Ein Gefängnis wird nach wie vor errichtet, aber eben keines der höchsten Sicherheitsstufe. Gute Sache. Von daher bleibt die Hoffnung, dass es auch keine Streiks mehr in Archidona geben wird bis ich hier wieder ausreise.
Aber damit beende ich diesen Blogeintrag dann auch schon wieder. Der war zwar eher kurz aber in der Kürze liegt die Würze. Deswegen bleibt mir nur noch, alles Beste für das Jahr 2025 zu wünschen!
Das habe ich hiermit getan.
Tschö
Ich hoffe, es gab einen guten Rutsch und ein schönes Feiern ins neue Jahr.
Ich persönlich, ich habe die Silvesternacht hier in Tena erlebt. Ein großer Teil der deutschen Freiwilligen hier in Ecuador sind weggefahren, ist ja auch Ferienzeit gewesen. Aber ich habe mich dazu entschlossen, zuhause zu bleiben und mal zu schauen, was hier so abgeht. Und das was abging, das war spannend.
Erstmal ist es so, dass die Silvesterknallerei ganz klassisch schon ungefähr zwei Wochen vor dem 31. Dezember losging. Und zwar nicht in Form von irgendwelchen schönen Raketen, sondern eben die ecuadorianische Variante der in Deutschland unter dem Namen "Polenböller" bekannten Geschosse. Bedeutet: es ist laut, es ist nicht schön und es ist naja, unnötig. Diese Böller gab es natürlich auch an Silvester selbst, allerdings in deutlich größerer Masse als zuvor und außerdem glücklicherweise flankiert von weiterem Feuerwerk, das teils sogar ganz hübsch anzusehen war. Laternen die in den Himmel aufsteigen, beispielsweise. Ein sehr schöner Anblick. Abgesehen davon gab es auf den Straßen noch ganz viele Puppen aus Pappmache zu sehen. Die sind von Kniehoch bis Lebensecht schon seit zwei Wochen vorher in allen möglichen Ausführungen zu kaufen gewesen denn die Tradition möchte es so, dass man eine solche Puppe dann zu Mitternacht verbrennt. Auch ich habe da meine $15 investiert und lebe nun mit meinem neuen besten Freund zusammen, dem Herbert. Natürlich habe ich ihn nicht geopfert, als es 12 Uhr schlug er steht immer noch in meinem Zimmer.
Und so relevant ist das auch gar nicht. Denn der wirklich lustige und interessantere Teil der Silvestertraditionen, der besteht aus den sog. "Viudas". Das sind junge Männer, die sich für diesen Tag als Frauen mit knappen Kleidern und teils exorbitanter Oberweite verkleiden. Das machen die natürlich nicht einfach so, dem Ganzen wohnt ein gewisser Sinn inne. Selbiger besteht darin, den ganzen Tag und die ganze Nacht über die Autos auf den Straßen anzuhalten und naja, anzügliche Tänze vorzuführen. Dafür kriegen die dann immer so 25ct, dann dürfen die Autos weiterfahren. Eine durchaus lustige Sache, da kann man nix sagen. Nun hat es sich ergeben, dass ich Silvester wieder mit einer Freundin in Tena und ihrer Familie verbringen durfte. Des Abends sind wir dann (was schon abenteuerlich genug war) zu neunt mit dem Auto (ein stinknormales Auto für fünf Personen) durch die Stadt gedüst, um noch ein paar Dinge zu erledigen. Des Platzmangels wegen musste unter anderem ich hinten im Kofferraum sitzen, der anschließend verständlicherweise nicht mehr zugemacht wurde. So bin ich also mit gutem Blick hinten aus dem Auto raus durch die Stadt gefahren und auch mit gutem Blick auf Mich hinten ins Auto rein. Als Gringo bin ich dann natürlich gefundenes Fressen für die Viudas gewesen, wurde mehrfach angetanzt und fand mich irgendwann sogar aus dem Kofferraum rausgezogen und plötzlich in einer Gruppe von sieben tanzenden Viudas. Glücklicherweise hat das Auto gestanden.
Joa.
Mitternacht an sich war dann tatsächlich auch noch ganz nett. Der einzige Zeitpunkt, zu dem mal für 15 Minuten ein paar hübsche Raketen am Himmel zu sehen waren. Natürlich nach wie vor begleitet von den bereits erwähnten anderen Böllern.
So viel aber zum Neujahrsfest.
Und wirklich viel mehr als das hab ich dann auch gar nicht zu erzählen. Die von mir eher ungenutzte Urlaubszeit (ich bin in den zwei Wochen nirgendwo hingereist oder so) ist vorbei und es geht nun seit dem 06. Januar wieder ans Arbeiten. Das ist nun allerdings nicht allzu spannend und davon berichtet habe ich ja auch bereits zur Genüge, von daher spare ich mir mal weitere Ausführungen dahingehend. Aber: das groß bestreikte Hochsicherheitsgefängnis wird nicht in Archidona gebaut, mal so als positive Nachricht. Ein Gefängnis wird nach wie vor errichtet, aber eben keines der höchsten Sicherheitsstufe. Gute Sache. Von daher bleibt die Hoffnung, dass es auch keine Streiks mehr in Archidona geben wird bis ich hier wieder ausreise.
Aber damit beende ich diesen Blogeintrag dann auch schon wieder. Der war zwar eher kurz aber in der Kürze liegt die Würze. Deswegen bleibt mir nur noch, alles Beste für das Jahr 2025 zu wünschen!
Das habe ich hiermit getan.
Tschö
Feliz Navidad
29.12.2024
Frohe Weihnachten wünsche ich!
und starte damit auch direkt mal in den nächsten Blogeintrag rein. Als erstes direkt die Info: die Proteste in Archidona sind vorbei. Die Straßen sind nicht mehr gesperrt, die Läden haben geöffnet und es wird wieder gearbeitet. Sofern nicht gerade Weihnachtsferien, natürlich. Jedenfalls konnte ich so noch für drei Tage dem Glück der Arbeit frönen, habe mehrere Weihnachtsfeiern mitgemacht und joa. Im Prinzip eigentlich alles beim alten. Die Frage ist nur: wie lange noch? Die Proteste sind zwar vorbei, aber nur vorübergehend. Es wird nämlich gesagt, dass der Präsident das erwähnte Hochsicherheitsgefängnis in einem anderen Ort bauen möchte und das ist ja erstmal ne gute Sache. Aber: er hat noch keine offizielle Erklärung abgegeben, dass dem auch tatsächlich so ist. Und solange es kein entsprechendes Dokument mit der Unterschrift des Präsidenten gibt, haben die Leute natürlich auch keinen Grund, dem Ganzen ihren Glauben zu schenken. Wenn der Präsident also nun nicht demnächst den Menschen offiziell erklärt, dass er das Gefängnis NICHT hier bauen wird, dann gibts eben nochmal Proteste. Und die dann stärker und intensiver als je zuvor, wie uns gesagt wurde. Also mal schauen, was kommt. Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich hier in meinem alltäglichen Leben von den Streiks davor nicht viel mitbekommen habe. Also klar, ich konnte beispielsweise nicht nach Tena düsen und es waren nicht so viele Menschen auf der Straße unterwegs aber insgesamt gabs eigentlich keine Einschränkungen für mich.
Naja weiter gehts mit dem Weihnachtsfest, das nun mal angestanden hat. Erstmal war zumindest meine Weihnachtsstimmung nicht allzu ausgeprägt, mangels Temperaturen unter 20 Grad Celsius oder irgendwie großer westlicher Weihnachtsevents im Ort. Also es gab ein bisschen Deko und einen großen Tannenbaum, aber joa, das wars dann auch schon wieder. Was es allerdings gegeben hat, das ist ein Krippenspiel. In der bereits einmal erwähnten Kirche, die ich ab und an besuche. Ein Krippenspiel von den Kindern der Hausaufgabenhilfe, bei der ich arbeite. Und ein Krippenspiel, in dem auch wir drei Gringos mitspielen sollten. Was wir drei Tage vor Aufführung erfahren haben. Jo. Jedenfalls durfte ich dann Josef, den Engel (wer sonst wenn nicht ich) und den Soldaten, der Jesus gekreuzigt hat, spielen. Und ja, die Kreuzigung ist nicht zur Weihnachtszeit passiert ich weiß. Nach drei Tagen Probe haben wir das Ganze jedenfalls aufgeführt und es war lustig, kann man nix sagen. Definitiv eine Erfahrung, mal neutral gesprochen. Und direkt im Anschluss gab es noch Geschenke für die ganzen Kinder, die da waren. Jeweils ein Spielzeug und eine Tüte mit Süßigkeiten. Das ist auch ziemlich wichtig, denn diese Kinder kriegen zuhause sonst nicht unbedingt irgendwelche Geschenke. Wie bereits mal angesprochen, sind die Familien nämlich teils sehr arm und naja, können eben keine Geschenke kaufen. Nicht mal Klamotten sind möglich, wie ich mitbekommen habe, als ein paar Kinder keine farblich passenden T-Shirts für das Krippenspiel mitbringen konnten. Das sind teilweise schon wirklich heftige Umstände, unter denen die Kinder hier leben müssen.
Und um direkt mal beim Thema zu bleiben: am Tag des Krippenspiels war auch noch eine Geburtstagsfeier, zu der wir Abends gegangen sind. Eine Schülerin unserer Gastmutter, die zufälligerweise auch die Schwester eines Mädchens unserer Hausaufgabenhilfe ist. Sheyla ihr Name. Dort war ich also, einfach um zu sehen, was da so abgeht. Nicht viel, kann ich direkt vorwegnehmen. Ich wurde wieder mit Bier abgefüllt und bin vor dem Hintergrund, dass ich ja bereits nach nem halben Glas vor Müdigkeit auf der Stelle einschlafen könnte, fast gestorben. Und tanzen sollte ich auch noch. Uff. Jedenfalls: auf dieser Feier haben wir dann erfahren, dass dieses Mädchen bzw. diese Mädchen ohne Vater und mit einer arbeitslosen Mutter leben also unter echt nicht so schönen Umständen. Vor dem Hintergrund beeindruckt es mich auch immer mehr, dass Sheyla quasi jederzeit vor Energie und Heiterkeit nur so strahlt. Außer bei den Mathe-Hausaufgaben. Aber mit einer arbeitslosen Mutter, die alleine drei Kinder ernähren muss und es entsprechend schwer hat, ist diese grenzenlose Fröhlichkeit echt etwas besonderes. Und damit ist Sheyla ja nicht alleine. Die anderen Kinder sind ja trotz ähnlicher Umstände ganz ähnlich drauf. Das ist schon krass, immer wieder.
Jetzt aber mal zum wichtigen Teil: Weihnachten! Denn am 24. Dezember ist ja Heiligabend gewesen, wie sicherlich allseits bekannt ist. Und es war so unglaublich brachial langweilig hier wow. Ich meine, es gab in Archidona eine Art Parade, die allerdings nicht allzu lang gedauert hat und nicht wirklich groß war. Und abgesehen von dem großen Lichterbaum, der von einigen Dekofiguren gesäumt vor dem hiesigen Bürgeramt steht, ist es hier wie gesagt auch eher so semi-weihnachtlich dekoriert. Die allerfestlichste Stimmung kam deswegen eher nicht auf, ganz abgesehen davon, dass unsere Gastfamilie für die Tage weg war und es in Archidona nach wie vor 30 Grad Celsius hat. Allerdings ist hier sowieso der 25. Dezember der Hauptfeiertag und für selbigen war ich dann doch noch beschäftigt. Eine Einladung hatte ich, zu einem Weihnachtsessen in Tena. Eine Freundin hatte mich gefragt, ob ich nicht den Abend bei ihr und ihrer Familie verbringen möchte. Nachdem ich mir da im Vorfeld eher weniger Gedanken drüber gemacht habe, stand ich dann letztendlich mit dem obligatorischen "Was zur Hölle tu ich eigentlich hier?!"-Gedanken vor der Haustür und joa. Hab den Abend genossen. Es war total nett, mit allen Anwesenden. Eine sehr nette und herzliche Familie, die mich da eingeladen hat. Es gab leckeres Essen, Geschenke für jeden (auch für mich: eine Hose und ein T-Shirt) und mit meiner absoluten Übermacht beim nächtlichen Bingo habe ich noch drei zusätzliche Preise abräumen können. Natürlich gab es auch wieder ganz klassisch Alkohol in jeglicher Form zu trinken und schließlich wurde ich um 04:00 Uhr morgens von einer Gruppe mehr oder weniger Betrunkener Menschen wieder nach Hause gefahren. Nachdem ich bei meiner Hinfahrt im Taxi mit einem nicht vorhandenen Tacho bereits ein wenig meine Sicherheit in Frage gestellt hatte, waren alle Zweifel dahingehend dann sofort eliminiert: mit ungefähr 100 Sachen sind wir des nachts durch die zum Glück leere, aber dunkle UND vernebelte Hauptstraße nach Archidona geheizt. Und ich bin ganz ehrlich: ich hätte mir gewünscht, mein Fahrer hätte VOR der Geschwindigkeitsbegrenzung gebremst. So hab ich dann einmal kurz erfahren dürfen, was Schwerelosigkeit in der Praxis bedeutet. Insgesamt aber wie gesagt ein sehr netter Abend und joa, ich leb ja noch.
Was gibts noch zu berichten ach so! Ich bin neuerdings beim "Cruz Roja Ecuatoriana", also dem ecuadorianischen roten Kreuz. Lustigerweise haben die auch eine Kooperation mit dem deutschen Ableger, aber darum soll es jetzt gar nicht gehen. Nein, seit neustem bin ich hier damit nun auch auf Sanitätsdiensten unterwegs. Der erste war einen Tag, bevor dieser Blogeintrag erscheint. Am Samstag war nämlich im Zuge der "Fiestas de Puerto Napo" (Puerto Napo ist ein Vorort von Tena) eine Parade inkl. Motocross-Show. Und bei der waren verständlicherweise Sanitäter gefragt, denn das geht da ja gern mal heiß her. Also unabhängig von den immer noch brachialen Temperaturen. So habe ich jedenfalls 9 Stunden meines Tages mit dem Roten Kreuz in deren Hauptquartier, im Rettungswagen, beim Mittagessen und am Strand mit den Motoradfahrern verbracht. Einer hat sich bei nem Sturz auch ordentlich den Arm zerschmettert, gab also sogar was zu tun. Insgesamt war es jedenfalls eine lustige Sache, diese Show. Ich meine, ich hab so etwas ja noch nie gesehen, so ein Motocross-Rennen. Ist jetzt auch nicht ganz mein Fall, aber spannend und beeindruckend war es dennoch irgendwie. Und mal schauen, was da mit dem Roten Kreuz nun noch so auf mich zukommt.
Jetzt verabschiede ich mich dann aber auch mal wieder. In grenzenloser Trauer darüber, dich, LeserIn, mit dieser unglaublichen Tristesse der nun wohl folgenden tatenlosen Langeweile und dem Gefühl von Sinnlosigkeit zurücklassen zu müssen, was verständlicherweise nun in dir hochkommen wird, da der Blogeintrag nun ja endet.
Adieu
und starte damit auch direkt mal in den nächsten Blogeintrag rein. Als erstes direkt die Info: die Proteste in Archidona sind vorbei. Die Straßen sind nicht mehr gesperrt, die Läden haben geöffnet und es wird wieder gearbeitet. Sofern nicht gerade Weihnachtsferien, natürlich. Jedenfalls konnte ich so noch für drei Tage dem Glück der Arbeit frönen, habe mehrere Weihnachtsfeiern mitgemacht und joa. Im Prinzip eigentlich alles beim alten. Die Frage ist nur: wie lange noch? Die Proteste sind zwar vorbei, aber nur vorübergehend. Es wird nämlich gesagt, dass der Präsident das erwähnte Hochsicherheitsgefängnis in einem anderen Ort bauen möchte und das ist ja erstmal ne gute Sache. Aber: er hat noch keine offizielle Erklärung abgegeben, dass dem auch tatsächlich so ist. Und solange es kein entsprechendes Dokument mit der Unterschrift des Präsidenten gibt, haben die Leute natürlich auch keinen Grund, dem Ganzen ihren Glauben zu schenken. Wenn der Präsident also nun nicht demnächst den Menschen offiziell erklärt, dass er das Gefängnis NICHT hier bauen wird, dann gibts eben nochmal Proteste. Und die dann stärker und intensiver als je zuvor, wie uns gesagt wurde. Also mal schauen, was kommt. Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich hier in meinem alltäglichen Leben von den Streiks davor nicht viel mitbekommen habe. Also klar, ich konnte beispielsweise nicht nach Tena düsen und es waren nicht so viele Menschen auf der Straße unterwegs aber insgesamt gabs eigentlich keine Einschränkungen für mich.
Naja weiter gehts mit dem Weihnachtsfest, das nun mal angestanden hat. Erstmal war zumindest meine Weihnachtsstimmung nicht allzu ausgeprägt, mangels Temperaturen unter 20 Grad Celsius oder irgendwie großer westlicher Weihnachtsevents im Ort. Also es gab ein bisschen Deko und einen großen Tannenbaum, aber joa, das wars dann auch schon wieder. Was es allerdings gegeben hat, das ist ein Krippenspiel. In der bereits einmal erwähnten Kirche, die ich ab und an besuche. Ein Krippenspiel von den Kindern der Hausaufgabenhilfe, bei der ich arbeite. Und ein Krippenspiel, in dem auch wir drei Gringos mitspielen sollten. Was wir drei Tage vor Aufführung erfahren haben. Jo. Jedenfalls durfte ich dann Josef, den Engel (wer sonst wenn nicht ich) und den Soldaten, der Jesus gekreuzigt hat, spielen. Und ja, die Kreuzigung ist nicht zur Weihnachtszeit passiert ich weiß. Nach drei Tagen Probe haben wir das Ganze jedenfalls aufgeführt und es war lustig, kann man nix sagen. Definitiv eine Erfahrung, mal neutral gesprochen. Und direkt im Anschluss gab es noch Geschenke für die ganzen Kinder, die da waren. Jeweils ein Spielzeug und eine Tüte mit Süßigkeiten. Das ist auch ziemlich wichtig, denn diese Kinder kriegen zuhause sonst nicht unbedingt irgendwelche Geschenke. Wie bereits mal angesprochen, sind die Familien nämlich teils sehr arm und naja, können eben keine Geschenke kaufen. Nicht mal Klamotten sind möglich, wie ich mitbekommen habe, als ein paar Kinder keine farblich passenden T-Shirts für das Krippenspiel mitbringen konnten. Das sind teilweise schon wirklich heftige Umstände, unter denen die Kinder hier leben müssen.
Und um direkt mal beim Thema zu bleiben: am Tag des Krippenspiels war auch noch eine Geburtstagsfeier, zu der wir Abends gegangen sind. Eine Schülerin unserer Gastmutter, die zufälligerweise auch die Schwester eines Mädchens unserer Hausaufgabenhilfe ist. Sheyla ihr Name. Dort war ich also, einfach um zu sehen, was da so abgeht. Nicht viel, kann ich direkt vorwegnehmen. Ich wurde wieder mit Bier abgefüllt und bin vor dem Hintergrund, dass ich ja bereits nach nem halben Glas vor Müdigkeit auf der Stelle einschlafen könnte, fast gestorben. Und tanzen sollte ich auch noch. Uff. Jedenfalls: auf dieser Feier haben wir dann erfahren, dass dieses Mädchen bzw. diese Mädchen ohne Vater und mit einer arbeitslosen Mutter leben also unter echt nicht so schönen Umständen. Vor dem Hintergrund beeindruckt es mich auch immer mehr, dass Sheyla quasi jederzeit vor Energie und Heiterkeit nur so strahlt. Außer bei den Mathe-Hausaufgaben. Aber mit einer arbeitslosen Mutter, die alleine drei Kinder ernähren muss und es entsprechend schwer hat, ist diese grenzenlose Fröhlichkeit echt etwas besonderes. Und damit ist Sheyla ja nicht alleine. Die anderen Kinder sind ja trotz ähnlicher Umstände ganz ähnlich drauf. Das ist schon krass, immer wieder.
Jetzt aber mal zum wichtigen Teil: Weihnachten! Denn am 24. Dezember ist ja Heiligabend gewesen, wie sicherlich allseits bekannt ist. Und es war so unglaublich brachial langweilig hier wow. Ich meine, es gab in Archidona eine Art Parade, die allerdings nicht allzu lang gedauert hat und nicht wirklich groß war. Und abgesehen von dem großen Lichterbaum, der von einigen Dekofiguren gesäumt vor dem hiesigen Bürgeramt steht, ist es hier wie gesagt auch eher so semi-weihnachtlich dekoriert. Die allerfestlichste Stimmung kam deswegen eher nicht auf, ganz abgesehen davon, dass unsere Gastfamilie für die Tage weg war und es in Archidona nach wie vor 30 Grad Celsius hat. Allerdings ist hier sowieso der 25. Dezember der Hauptfeiertag und für selbigen war ich dann doch noch beschäftigt. Eine Einladung hatte ich, zu einem Weihnachtsessen in Tena. Eine Freundin hatte mich gefragt, ob ich nicht den Abend bei ihr und ihrer Familie verbringen möchte. Nachdem ich mir da im Vorfeld eher weniger Gedanken drüber gemacht habe, stand ich dann letztendlich mit dem obligatorischen "Was zur Hölle tu ich eigentlich hier?!"-Gedanken vor der Haustür und joa. Hab den Abend genossen. Es war total nett, mit allen Anwesenden. Eine sehr nette und herzliche Familie, die mich da eingeladen hat. Es gab leckeres Essen, Geschenke für jeden (auch für mich: eine Hose und ein T-Shirt) und mit meiner absoluten Übermacht beim nächtlichen Bingo habe ich noch drei zusätzliche Preise abräumen können. Natürlich gab es auch wieder ganz klassisch Alkohol in jeglicher Form zu trinken und schließlich wurde ich um 04:00 Uhr morgens von einer Gruppe mehr oder weniger Betrunkener Menschen wieder nach Hause gefahren. Nachdem ich bei meiner Hinfahrt im Taxi mit einem nicht vorhandenen Tacho bereits ein wenig meine Sicherheit in Frage gestellt hatte, waren alle Zweifel dahingehend dann sofort eliminiert: mit ungefähr 100 Sachen sind wir des nachts durch die zum Glück leere, aber dunkle UND vernebelte Hauptstraße nach Archidona geheizt. Und ich bin ganz ehrlich: ich hätte mir gewünscht, mein Fahrer hätte VOR der Geschwindigkeitsbegrenzung gebremst. So hab ich dann einmal kurz erfahren dürfen, was Schwerelosigkeit in der Praxis bedeutet. Insgesamt aber wie gesagt ein sehr netter Abend und joa, ich leb ja noch.
Was gibts noch zu berichten ach so! Ich bin neuerdings beim "Cruz Roja Ecuatoriana", also dem ecuadorianischen roten Kreuz. Lustigerweise haben die auch eine Kooperation mit dem deutschen Ableger, aber darum soll es jetzt gar nicht gehen. Nein, seit neustem bin ich hier damit nun auch auf Sanitätsdiensten unterwegs. Der erste war einen Tag, bevor dieser Blogeintrag erscheint. Am Samstag war nämlich im Zuge der "Fiestas de Puerto Napo" (Puerto Napo ist ein Vorort von Tena) eine Parade inkl. Motocross-Show. Und bei der waren verständlicherweise Sanitäter gefragt, denn das geht da ja gern mal heiß her. Also unabhängig von den immer noch brachialen Temperaturen. So habe ich jedenfalls 9 Stunden meines Tages mit dem Roten Kreuz in deren Hauptquartier, im Rettungswagen, beim Mittagessen und am Strand mit den Motoradfahrern verbracht. Einer hat sich bei nem Sturz auch ordentlich den Arm zerschmettert, gab also sogar was zu tun. Insgesamt war es jedenfalls eine lustige Sache, diese Show. Ich meine, ich hab so etwas ja noch nie gesehen, so ein Motocross-Rennen. Ist jetzt auch nicht ganz mein Fall, aber spannend und beeindruckend war es dennoch irgendwie. Und mal schauen, was da mit dem Roten Kreuz nun noch so auf mich zukommt.
Jetzt verabschiede ich mich dann aber auch mal wieder. In grenzenloser Trauer darüber, dich, LeserIn, mit dieser unglaublichen Tristesse der nun wohl folgenden tatenlosen Langeweile und dem Gefühl von Sinnlosigkeit zurücklassen zu müssen, was verständlicherweise nun in dir hochkommen wird, da der Blogeintrag nun ja endet.
Adieu
Party in Archidona
15.12.2024
Ich berichte nun in wirklich jedem Blogeintrag von irgendeiner spektakulären oder besonderen Busfahrt, die ich erlebt habe und auch dieses mal komme ich ungewollt nicht darum herum.
In Quito ist nämlich am 05. Dezember der "weltwärts-Tag" gewesen.
Das ist ein Event der deutschen Botschaft für alle weltwärts-Freiwilligen in Ecuador.
Und weil der in Quito ist, muss ich da natürlich hinfahren.
Mit dem Bus.
Eigentlich war die Anfahrt für den Tag vor dieser Einladung geplant, also an einem Mittwoch.
Es hat sich aber ergeben, dass aufgrund von Plänen der ecuadorianischen Regierung, in Archidona ein Hochsicherheitsgefängnis zu bauen, die Bevölkerung gestreikt und Straßenblockaden veranstaltet hat.
Das hört sich im ersten Moment gar nicht unbedingt so wild an, aber genau das ist es.
Um einmal ein bisschen zu erläutern: in Ecuador gibt es einmal die "Normalbevölkerung" sowie die indigenen Völker. In Archidona und der Region sind das die Kichwa, weiter südlich gibt es die Shua und so weiter. Diese Völker sehen sich in aller Regel nicht als Teil Ecuadors sondern eben unabhängig. Das ist auch anerkannt und den Indigenen werden gewisse Rechte zugeschrieben. Als Beispiel: wenn ich jetzt einen indigenen Stamm stark beleidigen würde und die mich infolge dessen umbringen, dann wird das von der Polizei nicht geahndet. Denn nach dem Recht dieses Volkes ist dieser Mord in Ordnung. Das klingt krass und das ist es auch. Daraus folgt allerdings, dass mit ebendieser indigenen Bevölkerung nicht zu spaßen ist und die einen nicht irrelevanten Einfluss auf die hiesige Politik und das Leben haben können. Uns wurde in einem Vorbereitungsseminar auf diesen Freiwilligendienst auch erklärt: wenn die Indigenen sagen, es wird nicht gearbeitet dann wird nicht gearbeitet. Wenn die Indigenen die Straßen sperren dann bleiben die Straßen gesperrt. Und wenn die Indigenen in dieser Form protestieren dann haben wir gefälligst das Haus nicht zu verlassen. Und genau so sieht das aktuell in Archidona aus. Die Straßen sind verbarrikadiert und mit brennenden Reifen dekoriert, die Läden sind geschlossen und es wird nicht gearbeitet. Und vor dem Hintergrund, dass bei den letzten großen Protesten in Ecuador offenbar 9 Menschen ums Leben gekommen sind, bin ich ganz froh, diese Zeit im mehr oder weniger sicheren Quito zu verbringen. Nichtsdestotrotz hoffe ich, dass ich bald wieder nach Hause fahren kann. Immerhin besucht nun auch der ecuadorianische Präsident mein 30.000 Einwohner Dörfchen um mit der Bevölkerung zu sprechen, die Chance auf Entspannung der Situation ist also da.
Jedenfalls: es wäre bereits ab dem Dienstag früh in besagter Woche unmöglich oder einfach sehr gefährlich gewesen, unsere Region per Gefährt auf der Straße zu verlassen. Das wiederum hat darin resultiert, dass wir bereits zwei Tage vor eigentlichem Reiseantritt losgefahren sind nämlich am Montag. Und ich sag's wie's ist: das war der beste Bus, in dem ich in meinem LEBEN je gefahren bin! Der hatte einfach Ledersitze mit richtigen Beinablagen, er war sauber und modern, gut klimatisiert, hatte eine legendär gute Federung (bei den hiesigen Straßenverhältnissen nicht unerwähnt zu lassen) und war überdies auch einfach schnell. Unfassbar angenehme Fahrt ist das gewesen und vom Gesamterlebnis her besser als alles, was ich je in Deutschland oder Europa mit Busreisen so erfahren habe. Noch dazu hingen auch die Wolken so brachial tief, dass wir im Prinzip kontinuierlich durch eine weiße Wand gefahren sind das war schon ziemlich beeindruckend.
Aus der bereits erzählten Situation ergibt sich nun natürlich ziemlich viel Zeit, die ich so in Quito verbringe. Urlaub, quasi. Nur eben zwangsweise. Diese freie Zeit will ich aber logischerweise nicht ungenutzt lassen und da es in Quito zum Glück einiges zu erleben gibt, ging es am Dienstag direkt mal in das hiesige Nationalmuseum. Das befindet sich einmal in einem recht hübschen Gebäude (davon kursieren auch bereits Fotos auf dieser Website) und hat überdies eine ganz nette und kostenlose Ausstellung. Es gibt einiges an Statuen und Gemälden ecuadorianischer Künstler und wenn mein spanisch noch besser gewesen wäre, hätte ich mir definitiv auch noch alle Infotexte durchlesen und mehr über die ecuadorianische Geschichte erfahren können. Andererseits war das Museum auch nicht allzu groß, sodass sich die Informationsmenge dann sowieso bereits in Grenzen hält. Nichtsdestotrotz: ein schönes Museum mit angenehmer Atmosphäre der Besuch hat sich auf jeden Fall gelohnt.
Weiter geht's mit Quito Nord. Wer keine geographische Vorstellung der Stadt hat: Quito ist im Prinzip eine ca. 50km lange Linie und somit im Volksmund in Norden und Süden aufgeteilt. Der Süden (dort wohne ich, wenn ich hier bin) ist der runtergekommenere, ärmere und gefährlichere Teil wohingegen der Norden eher wohlhabend ist. Und das sieht man auch. Als ich nämlich dort des Erkundungswillen durch die Straßen gezogen bin, ist mir der Wohlstand der Menschen hier ziemlich schnell aufgefallen. Es fahren einige deutsche Autos umher (in Ecuador definitiv ein Zeichen von Reichtum, so teuer wie die sind), in den Einkaufsmalls finden sich Läden westlicher Marken und auch mit entsprechenden Preisen und als ich in eine Mall reingehen wollte, wurde ich als Weißer und damit in aller Regel erkennbar eher reicher Mensch dennoch von den Sicherheitsleuten kontrolliert. Naja und so gemein wie das auch klingen mag: ich hab mich direkt richtig zuhause gefühlt, im Norden von Quito. Es ist jetzt nicht so, als dass ich in Archidona aktiv meine westliche Einkaufserfahrung vermisse, aber es war dennoch ein irgendwie angenehmes Gefühl, mal wieder mit deutschen Preisen konfrontiert zu sein. Aber letztendlich ist das auch einfach nur ein Beleg für die Vielfalt (bzw. vermutlich eher für die Wohlstandsschere) Quitos: egal, in welchem Teil ich unterwegs bin es ist immer eine komplett neue Erfahrung.
Jetzt aber zu dem eigentlichen Grund, warum ich überhaupt in Quito bin: der weltwärts-Tag. Das ist wie gesagt ein von der deutschen Botschaft organisiertes Event für alle deutschen Freiwilligen in Ecuador. Zu dem Tag an sich kann ich jetzt nicht viel sagen (es gab eine Rede vom Botschafter, Sicherheitshinweise und Workshops zur ecuadorianischen Kultur) aber ganz besonders war die Anreise zum Veranstaltungsort! Ich meine dabei nicht die U-Bahn oder die Busfahrt sondern viel mehr den letzten Abschnitt, der zu Fuß erfolgte. Über gefühlt 17 vierspurige Straßen mussten wir laufen, um endlich anzukommen. Und als ob das nicht genug wäre: es gab keine Ampeln. Keine Fußgängerüberwege. NICHTS! Mein Adrenalinspiegel war noch nie so hoch aber ich habe es überlebt!
Um aber nochmal die Vielfalt Quitos zu unterstreichen: die habe ich auch erlebt, als ich nach Cumbaya gefahren bin. Eine Art Vorort/Stadtteil von Quito den ich wohl am ehesten als anderer Norden beschreiben würde. Ich meine, es hat dort auf jeden Fall wohlhabend gewirkt aber nicht so aufdringlich. Es gab coole und nette Läden und Restaurants, es war alles sauber und modern aber irgendwie dennoch nicht "reich". Es ist ganz schwierig, das zu erklären. Hingefahren bin ich dort jedenfalls unter anderem mit dem Bus. Wobei eher mit der Achterbahn. Unser Fahrer ist nämlich mit einer Geschwindigkeit diese 30 Minuten Strecke gefahren, dass wir schon in 20 da waren und selbst in den Kurven (davon gab es ziemlich viele) hat er nie unter die 70 Sachen abgebremst. Lustige Sache, das hat definitiv Spaß gemacht. Natürlich gab es auch ein Ziel in Cumbaya, das im dortigen "Mercado Aleman" gelegen hat. Von diesem deutschen Supermarkt habe ich mir nach den insgesamt ca. eineinhalb Stunden Fahrt unter anderem leckere deutsche Schokolade oder Gummibärchen, eventuell sogar Brot versprochen. Nur blöd, dass der geschlossen hatte. Was ein Mist. Aber wer kennt sie nicht, die guten deutschen Weihnachtsöffnungszeiten.
Naja. Was ich auch noch besichtigt habe, das ist die "Mitad del Mundo" bzw. zu Deutsch die "Mitte der Welt". Ecuador liegt wie vermutlich bekannt auf dem Äquator und auf selbiger Linie befindet sich hier eben ein Monument, dass den Mittelpunkt der Welt markiert. Warum genau hier und nicht irgendwo anders auf dem Äquator keine Ahnung. Dafür habe ich bis jetzt keine vernünftige Erklärung gefunden und von daher werde ich gar nicht erst versuchen, das hier zu erläutern. Jedenfalls finden aktuell auch die "Fiestas de Quito" statt, im Zuge derer eine Art Kletterbaum auf dem Gelände des Monuments stand. So ein eingefetteter Mast den man zu erklimmen versuchen kann, um sich anschließend einen der Preise mitzunehmen, die oben hängen. Alleine ist das absolut unmöglich, aber glücklicherweise waren wir in unserer Gruppe von sechs Jungs nach einer Stunde des vergeblichen Versuches dann doch in der Lage, mittels einer vierstufigen Pyramide die Spitze zu erreichen. Allerdings durften wir uns dann doch nicht einen dieser Preise nehmen wir haben ALLE bekommen! T-Shirts, Pullover, Taschen, eine Hängematte, eine Decke und noch mehr. Vermutlich waren diese sechs Gringos einfach die perfekte Werbung für das ganze Event dort, wer weiß. Letztendlich haben sich die $5 Eintritt, über die wir uns am Anfang so aufgeregt haben, am Ende jedenfalls mehr als ausgezahlt denn da waren wir dann für einen Moment der Mittelpunkt des Mittelpunktes der Erde. Schon cool. Auch, wenn ich selber gar nicht geklettert bin, sondern die Aktion nur fotografisch festgehalten habe.
Spannend war dann außerdem noch die Rückfahrt zur U-Bahn, die wir mit dem Taxi absolviert haben. Zu sechst in einen so nen Winzwagen - das war ein Erlebnis. Auch für den Taxifahrer. Denn sechs Fahrgäste auf vier Sitzen ist natürlich verboten und so wurde er im Prinzip direkt vor unserem Ziel von der Polizei aus dem Verkehr gezogen. Blöd gelaufen.
Und den letzten Teil dieses Blogs, den schreibe ich im Prinzip direkt aus dem Geschehen heraus. Ein paar Stunden vor Veröffentlichung bin ich nämlich wieder zuhause angekommen, in Archidona. Es war eine lange Busfahrt von Quito zurück in den Regenwald, denn der Proteste wegen konnte der Bus nicht den direkten und kürzesten Weg nehmen. Normalerweise geht es von Quito aus ein Stück östlich über die Anden und anschließend ordentlich in Richtung Süden dann ist man in Archidona. Aber: diese Strecke ist aktuell eben gesperrt. Mit allen möglichen Barrikaden von allen möglichen Indigenen. Deswegen ging es von Quito aus erstmal ziemlich ordentlich in Richtung Süden, von da aus dann ebenfalls gen Osten anschließend aber nochmal für zwei Stündchen nördlich. Insgesamt ein Umweg von über zweieinhalb Stunden und damit war es ja noch nicht vorbei. Wir wollten mit dem Bus nach Tena fahren, der Nachbarort von Archidona. Allerdings gibt es auch bereits VOR Tena Straßensperren, sodass wir im Prinzip zwei Stunden strammen Fußmarsch entfernt aus dem Bus aussteigen und nach Überquerung der Blockaden uns den Weg in die Stadt suchen mussten. Glücklicherweise wurden wir von einer Bekannten hinter den Sperren mit dem Auto abgeholt (besonders nett vor dem Hintergrund, als dass es an den Tankstellen aktuell auch kein Benzin mehr gibt) und bis zum Ortseingang von Archidona gefahren. Da waren direkt die nächsten Blockaden, die es ebenfalls zu Fuß zu überqueren galt um anschließend von unserer Gastfamilie abgeholt zu werden und nach 9 statt den üblichen 5 Stunden endlich zu Hause zu sein. Glücklicherweise haben die Indigenen sich für dieses Wochenende Urlaub genommen und veranstalten keine so enormen Straßensperren wie zuvor und auch danach wieder, ansonsten wäre es vermutlich deutlich schwieriger geworden, wieder nach Hause zu kommen.
Jetzt bin ich jedenfalls wieder hier. Die Proteste sollen nächste Woche noch stärker werden, ich sitze hier in Archidona und habe nichts zu tun perfekt also. Mal schauen, wie sich das alles noch entwickelt.
Bis dann, Weihnachtsmann!
Um einmal ein bisschen zu erläutern: in Ecuador gibt es einmal die "Normalbevölkerung" sowie die indigenen Völker. In Archidona und der Region sind das die Kichwa, weiter südlich gibt es die Shua und so weiter. Diese Völker sehen sich in aller Regel nicht als Teil Ecuadors sondern eben unabhängig. Das ist auch anerkannt und den Indigenen werden gewisse Rechte zugeschrieben. Als Beispiel: wenn ich jetzt einen indigenen Stamm stark beleidigen würde und die mich infolge dessen umbringen, dann wird das von der Polizei nicht geahndet. Denn nach dem Recht dieses Volkes ist dieser Mord in Ordnung. Das klingt krass und das ist es auch. Daraus folgt allerdings, dass mit ebendieser indigenen Bevölkerung nicht zu spaßen ist und die einen nicht irrelevanten Einfluss auf die hiesige Politik und das Leben haben können. Uns wurde in einem Vorbereitungsseminar auf diesen Freiwilligendienst auch erklärt: wenn die Indigenen sagen, es wird nicht gearbeitet dann wird nicht gearbeitet. Wenn die Indigenen die Straßen sperren dann bleiben die Straßen gesperrt. Und wenn die Indigenen in dieser Form protestieren dann haben wir gefälligst das Haus nicht zu verlassen. Und genau so sieht das aktuell in Archidona aus. Die Straßen sind verbarrikadiert und mit brennenden Reifen dekoriert, die Läden sind geschlossen und es wird nicht gearbeitet. Und vor dem Hintergrund, dass bei den letzten großen Protesten in Ecuador offenbar 9 Menschen ums Leben gekommen sind, bin ich ganz froh, diese Zeit im mehr oder weniger sicheren Quito zu verbringen. Nichtsdestotrotz hoffe ich, dass ich bald wieder nach Hause fahren kann. Immerhin besucht nun auch der ecuadorianische Präsident mein 30.000 Einwohner Dörfchen um mit der Bevölkerung zu sprechen, die Chance auf Entspannung der Situation ist also da.
Jedenfalls: es wäre bereits ab dem Dienstag früh in besagter Woche unmöglich oder einfach sehr gefährlich gewesen, unsere Region per Gefährt auf der Straße zu verlassen. Das wiederum hat darin resultiert, dass wir bereits zwei Tage vor eigentlichem Reiseantritt losgefahren sind nämlich am Montag. Und ich sag's wie's ist: das war der beste Bus, in dem ich in meinem LEBEN je gefahren bin! Der hatte einfach Ledersitze mit richtigen Beinablagen, er war sauber und modern, gut klimatisiert, hatte eine legendär gute Federung (bei den hiesigen Straßenverhältnissen nicht unerwähnt zu lassen) und war überdies auch einfach schnell. Unfassbar angenehme Fahrt ist das gewesen und vom Gesamterlebnis her besser als alles, was ich je in Deutschland oder Europa mit Busreisen so erfahren habe. Noch dazu hingen auch die Wolken so brachial tief, dass wir im Prinzip kontinuierlich durch eine weiße Wand gefahren sind das war schon ziemlich beeindruckend.
Aus der bereits erzählten Situation ergibt sich nun natürlich ziemlich viel Zeit, die ich so in Quito verbringe. Urlaub, quasi. Nur eben zwangsweise. Diese freie Zeit will ich aber logischerweise nicht ungenutzt lassen und da es in Quito zum Glück einiges zu erleben gibt, ging es am Dienstag direkt mal in das hiesige Nationalmuseum. Das befindet sich einmal in einem recht hübschen Gebäude (davon kursieren auch bereits Fotos auf dieser Website) und hat überdies eine ganz nette und kostenlose Ausstellung. Es gibt einiges an Statuen und Gemälden ecuadorianischer Künstler und wenn mein spanisch noch besser gewesen wäre, hätte ich mir definitiv auch noch alle Infotexte durchlesen und mehr über die ecuadorianische Geschichte erfahren können. Andererseits war das Museum auch nicht allzu groß, sodass sich die Informationsmenge dann sowieso bereits in Grenzen hält. Nichtsdestotrotz: ein schönes Museum mit angenehmer Atmosphäre der Besuch hat sich auf jeden Fall gelohnt.
Weiter geht's mit Quito Nord. Wer keine geographische Vorstellung der Stadt hat: Quito ist im Prinzip eine ca. 50km lange Linie und somit im Volksmund in Norden und Süden aufgeteilt. Der Süden (dort wohne ich, wenn ich hier bin) ist der runtergekommenere, ärmere und gefährlichere Teil wohingegen der Norden eher wohlhabend ist. Und das sieht man auch. Als ich nämlich dort des Erkundungswillen durch die Straßen gezogen bin, ist mir der Wohlstand der Menschen hier ziemlich schnell aufgefallen. Es fahren einige deutsche Autos umher (in Ecuador definitiv ein Zeichen von Reichtum, so teuer wie die sind), in den Einkaufsmalls finden sich Läden westlicher Marken und auch mit entsprechenden Preisen und als ich in eine Mall reingehen wollte, wurde ich als Weißer und damit in aller Regel erkennbar eher reicher Mensch dennoch von den Sicherheitsleuten kontrolliert. Naja und so gemein wie das auch klingen mag: ich hab mich direkt richtig zuhause gefühlt, im Norden von Quito. Es ist jetzt nicht so, als dass ich in Archidona aktiv meine westliche Einkaufserfahrung vermisse, aber es war dennoch ein irgendwie angenehmes Gefühl, mal wieder mit deutschen Preisen konfrontiert zu sein. Aber letztendlich ist das auch einfach nur ein Beleg für die Vielfalt (bzw. vermutlich eher für die Wohlstandsschere) Quitos: egal, in welchem Teil ich unterwegs bin es ist immer eine komplett neue Erfahrung.
Jetzt aber zu dem eigentlichen Grund, warum ich überhaupt in Quito bin: der weltwärts-Tag. Das ist wie gesagt ein von der deutschen Botschaft organisiertes Event für alle deutschen Freiwilligen in Ecuador. Zu dem Tag an sich kann ich jetzt nicht viel sagen (es gab eine Rede vom Botschafter, Sicherheitshinweise und Workshops zur ecuadorianischen Kultur) aber ganz besonders war die Anreise zum Veranstaltungsort! Ich meine dabei nicht die U-Bahn oder die Busfahrt sondern viel mehr den letzten Abschnitt, der zu Fuß erfolgte. Über gefühlt 17 vierspurige Straßen mussten wir laufen, um endlich anzukommen. Und als ob das nicht genug wäre: es gab keine Ampeln. Keine Fußgängerüberwege. NICHTS! Mein Adrenalinspiegel war noch nie so hoch aber ich habe es überlebt!
Um aber nochmal die Vielfalt Quitos zu unterstreichen: die habe ich auch erlebt, als ich nach Cumbaya gefahren bin. Eine Art Vorort/Stadtteil von Quito den ich wohl am ehesten als anderer Norden beschreiben würde. Ich meine, es hat dort auf jeden Fall wohlhabend gewirkt aber nicht so aufdringlich. Es gab coole und nette Läden und Restaurants, es war alles sauber und modern aber irgendwie dennoch nicht "reich". Es ist ganz schwierig, das zu erklären. Hingefahren bin ich dort jedenfalls unter anderem mit dem Bus. Wobei eher mit der Achterbahn. Unser Fahrer ist nämlich mit einer Geschwindigkeit diese 30 Minuten Strecke gefahren, dass wir schon in 20 da waren und selbst in den Kurven (davon gab es ziemlich viele) hat er nie unter die 70 Sachen abgebremst. Lustige Sache, das hat definitiv Spaß gemacht. Natürlich gab es auch ein Ziel in Cumbaya, das im dortigen "Mercado Aleman" gelegen hat. Von diesem deutschen Supermarkt habe ich mir nach den insgesamt ca. eineinhalb Stunden Fahrt unter anderem leckere deutsche Schokolade oder Gummibärchen, eventuell sogar Brot versprochen. Nur blöd, dass der geschlossen hatte. Was ein Mist. Aber wer kennt sie nicht, die guten deutschen Weihnachtsöffnungszeiten.
Naja. Was ich auch noch besichtigt habe, das ist die "Mitad del Mundo" bzw. zu Deutsch die "Mitte der Welt". Ecuador liegt wie vermutlich bekannt auf dem Äquator und auf selbiger Linie befindet sich hier eben ein Monument, dass den Mittelpunkt der Welt markiert. Warum genau hier und nicht irgendwo anders auf dem Äquator keine Ahnung. Dafür habe ich bis jetzt keine vernünftige Erklärung gefunden und von daher werde ich gar nicht erst versuchen, das hier zu erläutern. Jedenfalls finden aktuell auch die "Fiestas de Quito" statt, im Zuge derer eine Art Kletterbaum auf dem Gelände des Monuments stand. So ein eingefetteter Mast den man zu erklimmen versuchen kann, um sich anschließend einen der Preise mitzunehmen, die oben hängen. Alleine ist das absolut unmöglich, aber glücklicherweise waren wir in unserer Gruppe von sechs Jungs nach einer Stunde des vergeblichen Versuches dann doch in der Lage, mittels einer vierstufigen Pyramide die Spitze zu erreichen. Allerdings durften wir uns dann doch nicht einen dieser Preise nehmen wir haben ALLE bekommen! T-Shirts, Pullover, Taschen, eine Hängematte, eine Decke und noch mehr. Vermutlich waren diese sechs Gringos einfach die perfekte Werbung für das ganze Event dort, wer weiß. Letztendlich haben sich die $5 Eintritt, über die wir uns am Anfang so aufgeregt haben, am Ende jedenfalls mehr als ausgezahlt denn da waren wir dann für einen Moment der Mittelpunkt des Mittelpunktes der Erde. Schon cool. Auch, wenn ich selber gar nicht geklettert bin, sondern die Aktion nur fotografisch festgehalten habe.
Spannend war dann außerdem noch die Rückfahrt zur U-Bahn, die wir mit dem Taxi absolviert haben. Zu sechst in einen so nen Winzwagen - das war ein Erlebnis. Auch für den Taxifahrer. Denn sechs Fahrgäste auf vier Sitzen ist natürlich verboten und so wurde er im Prinzip direkt vor unserem Ziel von der Polizei aus dem Verkehr gezogen. Blöd gelaufen.
Und den letzten Teil dieses Blogs, den schreibe ich im Prinzip direkt aus dem Geschehen heraus. Ein paar Stunden vor Veröffentlichung bin ich nämlich wieder zuhause angekommen, in Archidona. Es war eine lange Busfahrt von Quito zurück in den Regenwald, denn der Proteste wegen konnte der Bus nicht den direkten und kürzesten Weg nehmen. Normalerweise geht es von Quito aus ein Stück östlich über die Anden und anschließend ordentlich in Richtung Süden dann ist man in Archidona. Aber: diese Strecke ist aktuell eben gesperrt. Mit allen möglichen Barrikaden von allen möglichen Indigenen. Deswegen ging es von Quito aus erstmal ziemlich ordentlich in Richtung Süden, von da aus dann ebenfalls gen Osten anschließend aber nochmal für zwei Stündchen nördlich. Insgesamt ein Umweg von über zweieinhalb Stunden und damit war es ja noch nicht vorbei. Wir wollten mit dem Bus nach Tena fahren, der Nachbarort von Archidona. Allerdings gibt es auch bereits VOR Tena Straßensperren, sodass wir im Prinzip zwei Stunden strammen Fußmarsch entfernt aus dem Bus aussteigen und nach Überquerung der Blockaden uns den Weg in die Stadt suchen mussten. Glücklicherweise wurden wir von einer Bekannten hinter den Sperren mit dem Auto abgeholt (besonders nett vor dem Hintergrund, als dass es an den Tankstellen aktuell auch kein Benzin mehr gibt) und bis zum Ortseingang von Archidona gefahren. Da waren direkt die nächsten Blockaden, die es ebenfalls zu Fuß zu überqueren galt um anschließend von unserer Gastfamilie abgeholt zu werden und nach 9 statt den üblichen 5 Stunden endlich zu Hause zu sein. Glücklicherweise haben die Indigenen sich für dieses Wochenende Urlaub genommen und veranstalten keine so enormen Straßensperren wie zuvor und auch danach wieder, ansonsten wäre es vermutlich deutlich schwieriger geworden, wieder nach Hause zu kommen.
Jetzt bin ich jedenfalls wieder hier. Die Proteste sollen nächste Woche noch stärker werden, ich sitze hier in Archidona und habe nichts zu tun perfekt also. Mal schauen, wie sich das alles noch entwickelt.
Bis dann, Weihnachtsmann!
Ein Lichtlein brennt, bei 30 Grad im Dezember
01.12.2024
Moin!
und einen schönen ersten Dezember und Advent, der ist ja glaub ich heute.
Die letzten zwei Wochen, da hab ich mal wieder ein kleines bisschen mehr erlebt. Zum Beispiel hab ich Wasserfälle besucht, in der Nähe von Tena! Erstmal zu der Fahrt dorthin: die war wie ich das ja irgendwie immer erzähle direkt durch die Natur und damit ziemlich cool und spannend. Am lustigsten war allerdings, dass wir im Prinzip mitten im Regenwald ausgestiegen sind der aber mit einer supermodernen Straße (für ecuadorianische Verhältnisse, natürlich) und einem recht hübschen und ziemlich modernen Gebäudekomplex bestückt war. Dort steht nämlich eine Zweigstelle der Universität von Tena, wie ich erfahren konnte. Der Teil, der sich nur mit Wissenschaften rund um die Natur befasst. Und dass die Uni dafür direkt im Regenwald steht, das ergibt ja auch irgendwie Sinn.
Naja: eigentlich soll es ja aber nun um die erwähnten Wasserfälle gehen. Dazu muss ich erstmal sagen, dass die in dem Fall jetzt nicht so sind, wie man sich das vermutlich vorstellt. Ich meine, es sind schon Wasserfälle aber halt maximal nen Meter hoch. Es handelt sich eher um eine Badestelle, die allerdings total schön und super angenehm ist. Man hat außerdem auch die Möglichkeit, im Fluss weiter in den Wald reinzulaufen, was ich natürlich gemacht habe. Mangels mitgenommener Badesachen musste ich dann auf den Ecuadorianer-Style umsatteln und bin in den Klamotten durchs Wasser gewatet, die ich sowieso bereits anhatte. Lustige Erfahrung, kann man nix sagen. Grundsätzlich trocknet so etwas ja auch im Prinzip unmittelbar wieder, hat nun mal 30 Grad Celsius. Insgesamt war das auf jeden Fall ein netter Ausflug und hat definitiv Spaß gemacht.
Weiter gehts mit dem nächsten Public Viewing, das wir uns angeschaut haben. Dieses mal Ecuador gegen Kolumbien und auch wenn das Spiel wirklich grottenschlecht war, hat Ecuador den Sieg nach Hause holen können. Was mit sehr lautem Jubel bei den Fans rund um die Leinwand quittiert wurde. Ne lustige Sache, so alles in allem. Aber mehr zu erzählen gibts dazu eigentlich nicht. Wobei: ich muss mir endlich mal ein Ecuador-Trikot kaufen. Das haben hier nämlich alle, da möchte ich natürlich dazugehören.
Nachtrag vom eine-Woche-später-Willi: ich hab mir doch nun tatsächlich mal ein entsprechendes Trikot besorgt! Jetzt kann ich auch im sportlichen Gelb durch die Straßen ziehen und mein naja, nicht-Vaterland mental unterstützen.
ABER: ich hab dieser Tage nicht nur Fußball geschaut, ich habe sogar selber gespielt! Nicht für die ecuadorianische Nationalmannschaft, so viel sollte klar sein. Da bin ich mir auch echt zu schade für, so wie die spielen. Hab ich mich natürlich Brasilien angeschlossen. Ne ernsthaft: unsere Schule ist 13 Jahre alt geworden und das wurde gefeiert. Diverse andere Schulen wurden eingeladen, um sich das anzuschauen, was unsere Schüler das letzte Jahr über im Unterricht so gemacht haben. Und anschließend wurde noch gegen eine der Schulen Fußball gespielt. Ein Match der Schüler, eines der Lehrer. Bei letzterem habe ich mitgemacht und ich sach's ganz ehrlich: das waren die sportlichsten 20 Minuten der letzten drei Monate! Nicht nur ist es bei 30 Grad halt einfach ziemlich anstrengend, Sport zu machen die haben zu nem großen Teil auch noch die typisch ecuadorianische Foul-Kultur in ihrer reinsten Form angewendet. Entsprechend sind meine beiden Hände zerstört, mein Schienbein durchgetreten und darüber hinaus hab ich den heftigsten Muskelkater, den die Welt je gesehen hat. Aber Spaß gemacht hat es trotzdem.
Und dann, dann war ich noch in den "Cavernas de Jumandy", also den "Höhlen von Jumandy". Streng genommen " von Humanti", wie es in der indigenen Sprache Kichwa heißt aber in aller Regel sind sie unter ersterem Namen bekannt. Diese Höhlen sind jedenfalls so mit die größte Touristenattraktion, die Archidona zu bieten hat. Und das auch zurecht, muss ich ehrlich sagen. Wir sind ca. 1 Stunde lang durch diese unterirdischen Flüsse getapert, immer im Dunkeln (logisch, sind ja auch Höhlen) und teils bis zum Bauch im Wasser. Um den typischen Ecuadorianer-Style anzuwenden, hab ich das natürlich in meinen Alltagsklamotten und ohne Wechselsachen am Ausgang absolviert. Smart. Aber es war auf jeden Fall ein cooler Ausflug. Stalagmiten und Stalaktiten, Fledermäuse und dann auch noch Wasserfälle auf jeden Fall beeindruckend. Bilder habe ich davon aber leider kaum machen können, da wollte ich doch lieber mein Handy in Sicherheit wissen, während ich da im Dunkeln durch unterirdisches Fließgewässer klettere.
Fast war es das dann auch schon wieder, mit diesem Blogeintrag. Aber eben nur fast. Denn: am folgenden Wochenende habe ich noch den Zoo von Tena besucht. Und auch wenn ich von dem Konzept "Zoo" grundsätzlich eher so überhaupt nicht überzeugt bin, war es doch ganz nett da. Dazu muss ich auch erstmal sagen: das war gar kein Zoo, wie wir ihn aus Deutschland so kennen. Im Prinzip einfach nur eine größere Parkanlage, in der Tiere leben. Aber eben frei, ohne Gehege. Und rundherum ist auch nur Fluss, nichts an Absperrungen. Streng genommen könnten die Tiere also auch jederzeit abhauen.
wenn es denn überhaupt welche gäbe. Das ist aber nicht der Fall. Diverse Schlangen und ein Tapir, die sollen da offenbar noch leben. Und jede Menge Kriminelle, weswegen es auch ordentlich gefährlich sein kann, da überhaupt einen Rundgang über das Gelände zu machen. Aber die Pandas, Krokodile und sonstige Tiere von früher die gibt's nicht mehr. Warum, das weiß ich nicht. Aber da kann man nix machen. Insgesamt war es aber jedenfalls ein schöner Rundgang. Hübsche Natur und nicht viel los perfekt. Auch, wenn die einzigen Tiere, die ich gesehen habe, Fledermäuse waren. Die wurden nämlich offenbar ordentlich aufgeschreckt, als ich sie in irgendeiner verlassenen Steinhütte in ihrem Schlaf gestört habe. Lustige Sache.
Hmm das war es nun aber auch tatsächlich mit diesem Blogeintrag.
Tschööö
und einen schönen ersten Dezember und Advent, der ist ja glaub ich heute.
Die letzten zwei Wochen, da hab ich mal wieder ein kleines bisschen mehr erlebt. Zum Beispiel hab ich Wasserfälle besucht, in der Nähe von Tena! Erstmal zu der Fahrt dorthin: die war wie ich das ja irgendwie immer erzähle direkt durch die Natur und damit ziemlich cool und spannend. Am lustigsten war allerdings, dass wir im Prinzip mitten im Regenwald ausgestiegen sind der aber mit einer supermodernen Straße (für ecuadorianische Verhältnisse, natürlich) und einem recht hübschen und ziemlich modernen Gebäudekomplex bestückt war. Dort steht nämlich eine Zweigstelle der Universität von Tena, wie ich erfahren konnte. Der Teil, der sich nur mit Wissenschaften rund um die Natur befasst. Und dass die Uni dafür direkt im Regenwald steht, das ergibt ja auch irgendwie Sinn.
Naja: eigentlich soll es ja aber nun um die erwähnten Wasserfälle gehen. Dazu muss ich erstmal sagen, dass die in dem Fall jetzt nicht so sind, wie man sich das vermutlich vorstellt. Ich meine, es sind schon Wasserfälle aber halt maximal nen Meter hoch. Es handelt sich eher um eine Badestelle, die allerdings total schön und super angenehm ist. Man hat außerdem auch die Möglichkeit, im Fluss weiter in den Wald reinzulaufen, was ich natürlich gemacht habe. Mangels mitgenommener Badesachen musste ich dann auf den Ecuadorianer-Style umsatteln und bin in den Klamotten durchs Wasser gewatet, die ich sowieso bereits anhatte. Lustige Erfahrung, kann man nix sagen. Grundsätzlich trocknet so etwas ja auch im Prinzip unmittelbar wieder, hat nun mal 30 Grad Celsius. Insgesamt war das auf jeden Fall ein netter Ausflug und hat definitiv Spaß gemacht.
Weiter gehts mit dem nächsten Public Viewing, das wir uns angeschaut haben. Dieses mal Ecuador gegen Kolumbien und auch wenn das Spiel wirklich grottenschlecht war, hat Ecuador den Sieg nach Hause holen können. Was mit sehr lautem Jubel bei den Fans rund um die Leinwand quittiert wurde. Ne lustige Sache, so alles in allem. Aber mehr zu erzählen gibts dazu eigentlich nicht. Wobei: ich muss mir endlich mal ein Ecuador-Trikot kaufen. Das haben hier nämlich alle, da möchte ich natürlich dazugehören.
Nachtrag vom eine-Woche-später-Willi: ich hab mir doch nun tatsächlich mal ein entsprechendes Trikot besorgt! Jetzt kann ich auch im sportlichen Gelb durch die Straßen ziehen und mein naja, nicht-Vaterland mental unterstützen.
ABER: ich hab dieser Tage nicht nur Fußball geschaut, ich habe sogar selber gespielt! Nicht für die ecuadorianische Nationalmannschaft, so viel sollte klar sein. Da bin ich mir auch echt zu schade für, so wie die spielen. Hab ich mich natürlich Brasilien angeschlossen. Ne ernsthaft: unsere Schule ist 13 Jahre alt geworden und das wurde gefeiert. Diverse andere Schulen wurden eingeladen, um sich das anzuschauen, was unsere Schüler das letzte Jahr über im Unterricht so gemacht haben. Und anschließend wurde noch gegen eine der Schulen Fußball gespielt. Ein Match der Schüler, eines der Lehrer. Bei letzterem habe ich mitgemacht und ich sach's ganz ehrlich: das waren die sportlichsten 20 Minuten der letzten drei Monate! Nicht nur ist es bei 30 Grad halt einfach ziemlich anstrengend, Sport zu machen die haben zu nem großen Teil auch noch die typisch ecuadorianische Foul-Kultur in ihrer reinsten Form angewendet. Entsprechend sind meine beiden Hände zerstört, mein Schienbein durchgetreten und darüber hinaus hab ich den heftigsten Muskelkater, den die Welt je gesehen hat. Aber Spaß gemacht hat es trotzdem.
Und dann, dann war ich noch in den "Cavernas de Jumandy", also den "Höhlen von Jumandy". Streng genommen " von Humanti", wie es in der indigenen Sprache Kichwa heißt aber in aller Regel sind sie unter ersterem Namen bekannt. Diese Höhlen sind jedenfalls so mit die größte Touristenattraktion, die Archidona zu bieten hat. Und das auch zurecht, muss ich ehrlich sagen. Wir sind ca. 1 Stunde lang durch diese unterirdischen Flüsse getapert, immer im Dunkeln (logisch, sind ja auch Höhlen) und teils bis zum Bauch im Wasser. Um den typischen Ecuadorianer-Style anzuwenden, hab ich das natürlich in meinen Alltagsklamotten und ohne Wechselsachen am Ausgang absolviert. Smart. Aber es war auf jeden Fall ein cooler Ausflug. Stalagmiten und Stalaktiten, Fledermäuse und dann auch noch Wasserfälle auf jeden Fall beeindruckend. Bilder habe ich davon aber leider kaum machen können, da wollte ich doch lieber mein Handy in Sicherheit wissen, während ich da im Dunkeln durch unterirdisches Fließgewässer klettere.
Fast war es das dann auch schon wieder, mit diesem Blogeintrag. Aber eben nur fast. Denn: am folgenden Wochenende habe ich noch den Zoo von Tena besucht. Und auch wenn ich von dem Konzept "Zoo" grundsätzlich eher so überhaupt nicht überzeugt bin, war es doch ganz nett da. Dazu muss ich auch erstmal sagen: das war gar kein Zoo, wie wir ihn aus Deutschland so kennen. Im Prinzip einfach nur eine größere Parkanlage, in der Tiere leben. Aber eben frei, ohne Gehege. Und rundherum ist auch nur Fluss, nichts an Absperrungen. Streng genommen könnten die Tiere also auch jederzeit abhauen.
wenn es denn überhaupt welche gäbe. Das ist aber nicht der Fall. Diverse Schlangen und ein Tapir, die sollen da offenbar noch leben. Und jede Menge Kriminelle, weswegen es auch ordentlich gefährlich sein kann, da überhaupt einen Rundgang über das Gelände zu machen. Aber die Pandas, Krokodile und sonstige Tiere von früher die gibt's nicht mehr. Warum, das weiß ich nicht. Aber da kann man nix machen. Insgesamt war es aber jedenfalls ein schöner Rundgang. Hübsche Natur und nicht viel los perfekt. Auch, wenn die einzigen Tiere, die ich gesehen habe, Fledermäuse waren. Die wurden nämlich offenbar ordentlich aufgeschreckt, als ich sie in irgendeiner verlassenen Steinhütte in ihrem Schlaf gestört habe. Lustige Sache.
Hmm das war es nun aber auch tatsächlich mit diesem Blogeintrag.
Tschööö
On Fire
17.11.2024
Sei gegrüßt, Leser/in in fernem Lande!
Ich werde nun auf ein Neues versuchen, deine Seele mit einem frischen Blogeintrag und dazu passenden und die Eindrücke untermalenden Bildern zu erquicken.
Um das Folgende allerdings sofort einmal vorwegzunehmen: allzu lang wird dieses Update aus meinem Leben wohl nicht werden denn der letzte Eintrag wurde erstens mit ein paar Tagen Verspätung hochgeladen und die somit bereits verkürzten zwei Wochen sind außerdem noch recht Ereignislos verlaufen.
Nichtsdestotrotz: ganz viel Spaß wünsche ich!
Was ich aber tatsächlich erlebt habe, das war einigermaßen beeindruckend. Am Wochenende rund um den 09. November war nämlich das Fest von Tena. 463 Jahre Jubiläum oder so, keine besondere Zahl. Aber dennoch wird dieser Tag immer ein wenig gefeiert, mit allen möglichen Aktionen. Unter anderem damit, dass die ältesten Jahrgänge der größten Schulen eine Art Show aufführen. Es ist ganz schwierig zu beschreiben, aber die haben auf dem größten Platz von Tena in der Öffentlichkeit eben ihre Choreografie präsentiert, die man sich wahrscheinlich am ehesten wie eine Mischung aus Militärparade und Cheerleading vorstellen kann. Die Hälfte der Schüler*innen hat getanzt (hauptsächlich die Mädchen), der Rest hat auf Trommel, Saxophon und Xylophon die Melodie dazu gespielt. Und ich bin ganz ehrlich: das war ziemlich cool anzuschauen! Ich hab immer gedacht, um so eine Parade zu sehen müsste man nach Russland oder Nordkorea reisen. In Deutschland gibt es so etwas ja einfach nicht. Und ich habe auch immer gedacht, man schaut sich solche Events nur an, weil man eben muss. Aber das macht echt Spaß! Also es war total beeindruckend, sich das Ganze anzuschauen. Und die haben das noch nicht mal wirklich professionell gemacht. Ich meine, die waren natürlich überhaupt nicht schlecht. Aber eben auch nicht perfekt. Und bei so einer Parade in Nordkorea sind es dann vermutlich nicht 30 Minuten semi-professionelle Show, sondern mehrere Stunden in perfekter Synchronität. Weil wenn nicht synchron, dann wird man halt exekutiert. Diese Vorführungen in Tena, die waren jedenfalls echt ein Erlebnis, also wirklich toll.
Weiter geht's direkt in Tena! Am Folgetag, ein Samstag, bin ich da nämlich bereits nochmal hingefahren. Lagerfeuer mit Mitarbeitern der "Casa de la Esperanza", bei der wir arbeiten. Getroffen haben wir uns Nachmittags und nachdem wir am Strand von Puerto Napo (ein Vorort von Tena) ein wenig Zeit verbracht haben, ging es anschließend auch noch nach Tena Downtown, sozusagen. Gegen 20:00 Uhr muss das gewesen sein, also schon halbwegs spät und vor allem dunkel. Man mag sich an die bereits erwähnten Stromausfälle erinnern. Dort jedenfalls waren wir noch für ca. vier Stunden und ich habe den anderen zugeschaut, wie sie einiges an Alkohol getrunken haben. Glücklicherweise war ich in meiner Position nicht alleine, sodass ich mich nicht komplett fehl am Platz fühlen musste. Und auf den Abend an sich eingehen möchte ich eigentlich auch gar nicht, viel mehr auf zwei ich sag mal "besondere" Erlebnisse.
Ecuador ist ja ein eher armes Land, so viel sollte klar sein. So richtig bewusst ist mir diese Tatsache aber erst an diesem Abend geworden, als gegen 23:00 Uhr zwei kleine Kinder vor uns standen, um unserer biertrinkenden Gruppe irgendwelche Wackelpuddings zu verkaufen. Das Verkaufen an sich ist jetzt erstmal nicht weiter verwunderlich, hier wird im Prinzip alles auf der Straße angeboten. Und sofern es sich um Essen handelt, ist selbiges in aller Regel auch echt gut, lecker und vor allem günstig sowie mehr als preiswert. Aber am Samstagabend, gegen Mitternacht von zwei Mädchen, die einmal maximal 10 und die andere maximal 7 Jahre alt sein konnten ich war ein bisschen überfordert. Glücklicherweise waren die Eltern auch noch in der Nähe und haben mitverkauft, was den für mich besonders kritischen Anteil dieser Überraschung einigermaßen eingedämmt hat. Nichtsdestotrotz ist das naja, einfach krass, irgendwie. Streng genommen ist es vor dem Hintergrund ein bisschen weniger verwunderlich, als dass es sich bei der Familie um Venezolaner handelte und die ich beschreibe das jetzt mal in aller Nüchtern- und Unschönheit in aller Regel arme Migranten sind, die sich in Ecuador einfach ein besseres Leben erhoffen. So versuchen die einfach, mit dieserart Arbeit ihr Einkommen aufzubessern oder überhaupt zu verdienen, um damit dann anschließend ihr Leben finanzieren zu können. Ganz schön heftig finde ich das trotzdem, ehrlich gesagt. So etwas wäre in Deutschland einfach überhaupt nicht denkbar, glücklicherweise.
Und tatsächlich kam direkt noch eine ganz ähnliche Erfahrung dazu, an dem Abend. Nämlich, als wir mit dem Taxi wieder nach Hause nach Archidona gefahren sind. Im Gespräch mit unserem Fahrer (ebenfalls Venezolaner) hat sich herausgestellt, dass das Taxifahren des Nachts gar nicht sein eigentlicher sondern nur sein zweiter Job ist. Tagsüber fährt er für irgendeine Baufirma große LKWs umher, später dann eben noch Menschen durch die Gegend, damit das Geld ausreicht. Im Prinzip sind das zwei Vollzeitjobs, die er aber nebenher ausführt. Und nun ist so etwas für Deutschland natürlich nicht ganz so undenkbar wie meine erste Geschichte, aber es war doch einfach krass zu hören. Es ist wirklich enorm, in was für anderen Realitäten die Menschen hier teilweise leben und leben müssen.
Hmmm eigentlich war es das dann auch fast schon wieder, mit dem diesmaligen Blogeintrag. Nur das Public Viewing, das kann ich vielleicht noch erwähnen. Ecuador hat nämlich gegen Bolivien gespielt. Fußball, natürlich. Und weil ich ja hier in einer absoluten Fußball-Nation lebe, wurde dieses Spiel quasi überall auf Leinwänden übertragen. Da konnten wir natürlich nicht fehlen, und haben uns der Menschenmenge vor dem hiesigen Bürgerzentrum angeschlossen. Nun bin ich ja nicht unbedingt der allergrößte Fußball-Fanatiker, aber das war doch schon ganz nett dort. Lustige Atmosphäre und immer seeeeehr große Feierlaune, wenn Ecuador ein Tor geschossen hat. Das ist auch recht oft passiert, am Ende stand es 4:0.
Joa. Aber mehr gibts dann auch echt nicht zu berichten. Deswegen beende ich diesen Blogeintrag einfach mal mit einem locker-flockigen: Tschüsli Müsli!
Nichtsdestotrotz: ganz viel Spaß wünsche ich!
Was ich aber tatsächlich erlebt habe, das war einigermaßen beeindruckend. Am Wochenende rund um den 09. November war nämlich das Fest von Tena. 463 Jahre Jubiläum oder so, keine besondere Zahl. Aber dennoch wird dieser Tag immer ein wenig gefeiert, mit allen möglichen Aktionen. Unter anderem damit, dass die ältesten Jahrgänge der größten Schulen eine Art Show aufführen. Es ist ganz schwierig zu beschreiben, aber die haben auf dem größten Platz von Tena in der Öffentlichkeit eben ihre Choreografie präsentiert, die man sich wahrscheinlich am ehesten wie eine Mischung aus Militärparade und Cheerleading vorstellen kann. Die Hälfte der Schüler*innen hat getanzt (hauptsächlich die Mädchen), der Rest hat auf Trommel, Saxophon und Xylophon die Melodie dazu gespielt. Und ich bin ganz ehrlich: das war ziemlich cool anzuschauen! Ich hab immer gedacht, um so eine Parade zu sehen müsste man nach Russland oder Nordkorea reisen. In Deutschland gibt es so etwas ja einfach nicht. Und ich habe auch immer gedacht, man schaut sich solche Events nur an, weil man eben muss. Aber das macht echt Spaß! Also es war total beeindruckend, sich das Ganze anzuschauen. Und die haben das noch nicht mal wirklich professionell gemacht. Ich meine, die waren natürlich überhaupt nicht schlecht. Aber eben auch nicht perfekt. Und bei so einer Parade in Nordkorea sind es dann vermutlich nicht 30 Minuten semi-professionelle Show, sondern mehrere Stunden in perfekter Synchronität. Weil wenn nicht synchron, dann wird man halt exekutiert. Diese Vorführungen in Tena, die waren jedenfalls echt ein Erlebnis, also wirklich toll.
Weiter geht's direkt in Tena! Am Folgetag, ein Samstag, bin ich da nämlich bereits nochmal hingefahren. Lagerfeuer mit Mitarbeitern der "Casa de la Esperanza", bei der wir arbeiten. Getroffen haben wir uns Nachmittags und nachdem wir am Strand von Puerto Napo (ein Vorort von Tena) ein wenig Zeit verbracht haben, ging es anschließend auch noch nach Tena Downtown, sozusagen. Gegen 20:00 Uhr muss das gewesen sein, also schon halbwegs spät und vor allem dunkel. Man mag sich an die bereits erwähnten Stromausfälle erinnern. Dort jedenfalls waren wir noch für ca. vier Stunden und ich habe den anderen zugeschaut, wie sie einiges an Alkohol getrunken haben. Glücklicherweise war ich in meiner Position nicht alleine, sodass ich mich nicht komplett fehl am Platz fühlen musste. Und auf den Abend an sich eingehen möchte ich eigentlich auch gar nicht, viel mehr auf zwei ich sag mal "besondere" Erlebnisse.
Ecuador ist ja ein eher armes Land, so viel sollte klar sein. So richtig bewusst ist mir diese Tatsache aber erst an diesem Abend geworden, als gegen 23:00 Uhr zwei kleine Kinder vor uns standen, um unserer biertrinkenden Gruppe irgendwelche Wackelpuddings zu verkaufen. Das Verkaufen an sich ist jetzt erstmal nicht weiter verwunderlich, hier wird im Prinzip alles auf der Straße angeboten. Und sofern es sich um Essen handelt, ist selbiges in aller Regel auch echt gut, lecker und vor allem günstig sowie mehr als preiswert. Aber am Samstagabend, gegen Mitternacht von zwei Mädchen, die einmal maximal 10 und die andere maximal 7 Jahre alt sein konnten ich war ein bisschen überfordert. Glücklicherweise waren die Eltern auch noch in der Nähe und haben mitverkauft, was den für mich besonders kritischen Anteil dieser Überraschung einigermaßen eingedämmt hat. Nichtsdestotrotz ist das naja, einfach krass, irgendwie. Streng genommen ist es vor dem Hintergrund ein bisschen weniger verwunderlich, als dass es sich bei der Familie um Venezolaner handelte und die ich beschreibe das jetzt mal in aller Nüchtern- und Unschönheit in aller Regel arme Migranten sind, die sich in Ecuador einfach ein besseres Leben erhoffen. So versuchen die einfach, mit dieserart Arbeit ihr Einkommen aufzubessern oder überhaupt zu verdienen, um damit dann anschließend ihr Leben finanzieren zu können. Ganz schön heftig finde ich das trotzdem, ehrlich gesagt. So etwas wäre in Deutschland einfach überhaupt nicht denkbar, glücklicherweise.
Und tatsächlich kam direkt noch eine ganz ähnliche Erfahrung dazu, an dem Abend. Nämlich, als wir mit dem Taxi wieder nach Hause nach Archidona gefahren sind. Im Gespräch mit unserem Fahrer (ebenfalls Venezolaner) hat sich herausgestellt, dass das Taxifahren des Nachts gar nicht sein eigentlicher sondern nur sein zweiter Job ist. Tagsüber fährt er für irgendeine Baufirma große LKWs umher, später dann eben noch Menschen durch die Gegend, damit das Geld ausreicht. Im Prinzip sind das zwei Vollzeitjobs, die er aber nebenher ausführt. Und nun ist so etwas für Deutschland natürlich nicht ganz so undenkbar wie meine erste Geschichte, aber es war doch einfach krass zu hören. Es ist wirklich enorm, in was für anderen Realitäten die Menschen hier teilweise leben und leben müssen.
Hmmm eigentlich war es das dann auch fast schon wieder, mit dem diesmaligen Blogeintrag. Nur das Public Viewing, das kann ich vielleicht noch erwähnen. Ecuador hat nämlich gegen Bolivien gespielt. Fußball, natürlich. Und weil ich ja hier in einer absoluten Fußball-Nation lebe, wurde dieses Spiel quasi überall auf Leinwänden übertragen. Da konnten wir natürlich nicht fehlen, und haben uns der Menschenmenge vor dem hiesigen Bürgerzentrum angeschlossen. Nun bin ich ja nicht unbedingt der allergrößte Fußball-Fanatiker, aber das war doch schon ganz nett dort. Lustige Atmosphäre und immer seeeeehr große Feierlaune, wenn Ecuador ein Tor geschossen hat. Das ist auch recht oft passiert, am Ende stand es 4:0.
Joa. Aber mehr gibts dann auch echt nicht zu berichten. Deswegen beende ich diesen Blogeintrag einfach mal mit einem locker-flockigen: Tschüsli Müsli!
Niedergeschlagen
03.11.2024
beschreibt zum Glück nicht meine Gemütslage, sondern das aktuelle Wetter.
Es regnet nämlich, und das gar nicht so wenig.
Ganz im Gegenteil sogar: als ich letztens zur Arbeit gelaufen bin, hat es keine 50 Meter gedauert, bis ich komplett klatschnass war und das, obwohl ich mich eigentlich sogar untergestellt hatte.
Naja.
So kanns wohl laufen.
Und auch wenn ich mir aktuell ab und zu ein wenig mehr Regenwald OHNE Regen wünschen würde, hat die Wetterlage ja auch ihre Vorteile.
Selbige liegen insbesondere in den Temperaturveränderungen, die dafür sorgen, dass ich nicht mehr Oberkörperfrei im kühlen Untergeschoss sitzen muss und danach trotzdem komplett vollgeschwitzt bin.
Nein, ich kann oben in meinem Zimmer das angenehme Wetter genießen und mich freuen, aktuell nicht vor die Haustür zu müssen.
Also mal vorausgesetzt, ich muss tatsächlich nicht vor die Haustür.
Und mit dem kleinen Zusatz, dass ebensolche Abkühlungseffekte in aller Regel nur temporär für einen Tag und auf keinen Fall nachhaltig sind spätestens 12 Stunden später werde ich wieder bei lebendigem Leib gebacken.
Es sei denn natürlich, es regnet einfach nochmal.
Wie auch immer.
Dass der Blogtitel meine Gemütslage NICHT beschreibt, ist tatsächlich auch eine kleine Lüge. Grundsätzlich bin ich nämlich nicht mehr krank (eine intensivere Magenverstimmung wegen des für mich ungewohnten und neuen Essens des Landes) und kann deswegen einerseits meiner Arbeit und außerdem meinen Freizeitaktivitäten nachgehen, welche in diesem Fall einen Wochenendausflug in die innerhalb Ecuadors berühmten Thermen von Papallacta bedeuten. Aber: kaum gesund, hab ich mir doch einfach gleich nochmal eine schöne Erkältung eingefangen. Es könnt kaum besser laufen bei mir. Andererseits: wen wunderts! Ich bin immerhin täglich von massenhaft Schülern der Klassenstufen 1 bis 4 umgeben, da wird mein Immunsystem natürlich ganz schön torpediert. Angenehm isses trotzdem nicht und ich hoffe einfach mal, dass ich demnächst wieder voll und ganz und komplett gesund bin.
Abhalten lassen hab ich mich von meinem Ausflug nach Papallacta übrigens nicht. Gemeinsam mit fünf anderen Freiwilligen war ich da, meine Mitfreiwillige hier in Archidona hat nämlich Geburtstag gehabt und wollte den dort feiern. Entsprechend haben wir, wie bereits erwähnt, das Wochenende in Papallacta verbracht. Von Samstag auf Sonntag. Und bevor ich auf den Ort an sich eingehe, erstmal über die Fahrt dorthin: Archidona ist auf 500 Höhenmetern gelegen, Papallacta auf 3.000. Unsere Busfahrt dorthin hat 3 Stunden gedauert. Das allein ist schon beeindruckend kurz, wie ich finde. Noch beeindruckender ist allerdings der fließende Wechsel von Natur und klimatischen Bedingungen. In Archidona lebe ich im Prinzip direkt im Regenwald, also umgeben von exotischen Pflanzen, Bäumen, Palmen und tropischen Temperaturen. Je länger wir allerdings gefahren sind, desto mehr in die Ferne gerückt ist auch dieser Regenwald. Standen wir eine Stunde vorher noch mittendrin, war er nun nur noch von außen sichtbar, sozusagen. Und plötzlich gab's auch gar keinen Regenwald mehr, da waren dann auf einmal Felder und Wiesen mit Bergen im Hintergrund. Naja und dann waren diese Berge auch nicht mehr im Hintergrund, dann waren die quasi direkt nebenan.
Es ist einfach eine spektakuläre Fahrt gewesen, durch die ecuadorianischen Serpentinen mit einer zu jeder Zeit wirklich fantastischen Aussicht! Nur die Straße, die ist besonders. Man kann sich die selbige vorstellen wie eine deutsche Landstraße nur eben ohne die Straße. Da ist im besten Fall mal ein Weg, mehr aber nicht. Und die brachial ungefederten Busse tun ihr übriges zu der sechsstündigen ultra-Achterbahnfahrt, die man auf dieser Strecke absolviert.
Jetzt aber mal zu Papallacta an sich: den Samstag haben wir in den dortigen Thermalbädern verbracht, die im Übrigen nicht wie so ein Spaßbad oder Freizeitbad aufgebaut sind weil es sich hierbei um natürliche Thermalquellen handelt. An der frischen Luft, sozusagen. Eigentlich gar nicht "sozusagen", sondern im wahrsten Sinne des Wortes: es war wirklich ziemlich frisch. 15 Grad Celsius so wenig bin ich gar nicht mehr gewohnt! Aber genau das hat mir auch gefehlt. Das Gefühl, mal wieder zu frieren. Mit einem Pullover rumlaufen zu können, ohne vor Schweiß einzugehen. Es war fantastisch! Und was haben wir gemacht? Uns natürlich direkt in die Thermalbäder gesetzt, die eine ähnliche Wassertemperatur haben wie es bei uns der Regelfall mit der Luft ist. Tja. Trotzdem war es schön und angenehm, auch wenn ich in meiner grenzenlosen Weisheit auf Sonnencreme verzichtet und dementsprechend einen fetten Sonnenbrand auf Schultern, Oberschenkeln und Bauch habe. Ja, auf dem Bauch. Ich weiß selber nicht, wie ich das geschafft habe. Wie auch immer. Was mich jedenfalls besonders abgeholt hat, das waren weniger die Bäder als vielmehr die dortige Natur. Mal ganz abgesehen davon, dass ich glaube ich sowieso nicht so Typ "Thermalbäder" bin. Es fühlt sich für mich einfach ein wenig sinnlos an. Nicht, dass alles im Leben einen Sinn haben muss ich möchte mich ja auch einfach mal sinnbefreit entspannen und die Seele baumeln lassen. Das klappt für mich aber viel eher beim Wandern oder so. Und Berge gab's dort viele, in den Anden um Papallacta. Überraschung. So kam es dann auch, dass wir am Sonntag gemeinsam in den dortigen Nationalpark spaziert sind. Bzw. in Richtung dessen Eingangs, das allein ist nämlich bereits eine Wanderung und wirklich viel Zeit hatten wir nicht mehr, stand ja auch noch eine Rückfahrt an. Aber ich bin ganz ehrlich: wüsste ich es nicht besser, hätt ich die Gegend für Österreich gehalten! Die Berge, die Kühe, die Luft, der Geruch alles total vertraut. Ich wäre gern länger dort geblieben, aber das war einmal des vergangenen Wochenendes und außerdem den hohen Übernachtungskosten wegen nicht möglich. Naja wer weiß ich bin ja noch eine Zeit lang in Ecuador. Und es gibt nun mal auch noch andere Gebiete, mit ähnlichen geographischen Bedingungen, die es zu Besuchen möglich ist.
Die Busfahrt zurück kann man sich nun logischerweise wie die Hinfahrt vorstellen, nur umgedreht. Und dass ich an dieser Stelle auch einmal die eher so semi-guten Strassenverhältnisse erwähnen möchte. Der Bus hat an einigen Stellen schon ganz schön ordentlich geschwankt und ab und zu ging es am Straßenrand auch schonmal seeehr steil den Abgrund runter, was offenbar auch die eine oder andere Steinlawine bereits entdeckt hatte. Abgebrochene Wegesränder mit zerstörten Leitplanken, während es nebendran entspannte 100 Meter runtergeht keine Seltenheit. Und wie wir nun erfahren haben, ist diese Strecke auch gar nicht sooo ungefährlich. Das finde ich besonders schön zu wissen vor dem Hintergrund, dass wir am Tag nach unserer Rückkehr erfahren haben, dass eine ähnliche Strecke in die von uns aus gesehen andere Richtung des starken Regens wegen offenbar eingebrochen und daher nicht mehr nutzbar ist. Schon blöd, dass es sich dabei um die Hauptstraße von Tena nach Baños, Riobamba und Ambato handelt, also eine Verbindung der wichtigsten Städte dieser Regionen. Und besonders blöd, dass ich eigentlich geplant hatte, genau über diese Strecke das folgende Wochenende nach Ambato zu fahren. Es ist nämlich mal wieder Urlaubszeit und selbigen hätte ich gern in dieser 300.000 Einwohner Stadt auf 2.500 Höhenmetern verbracht. Vor allem, nachdem das lange Wochenende (es ist Unabhängigkeitstag von Cuenca sowie noch "dia de los difuntos", Tag der Verstorbenen) von Arbeitsfreiem Freitag und Montag noch um den Donnerstag erweitert wurde, weil die offiziellen Einrichtungen mit den ganzen Stromausfällen hier "14 Stunden am Tag minimum, noch bis mindestens Jahresende" sowieso nicht richtig arbeiten können und sich damit mal ein wenig Entspannung verdient haben. Oder so in der Art.
Nach Ambato ging es natürlich trotzdem, es ist ja bereits durchgeklungen, dass ich mich neuerdings nicht von meinen schön geplanten Reisen abhalten lasse! Allerdings bin ich logischerweise nicht direkt über die zerstörte Straße gefahren, das funktioniert nämlich tatsächlich auch in Ecuador nicht. Nein, es ging über Quito. Eine Nacht Zwischenstopp dort, am nächsten Tag dann weiter zum eigentlichen Ziel und ich kann auch hier nur nochmal hervorheben, was für eine Erfahrung diese Busfahrten sind! Es gibt einfach so viel unterschiedliches zu sehen, die Straßenverhältnisse machen die Reise zu ner halben Achterbahnfahrt und dass an jeder Ecke irgendjemand zusteigt und Bananenchips oder sonstige Snacks verkaufen will, das macht das hiesige Busfahrgefühl dann noch komplett. Wobei ich auch erwähnen muss, dass die Strecke von Quito nach Ambato um Welten moderner ist als von Archidona nach Quito. Es gibt einfach eine Autobahn, wie krass ist das denn! In Ambato angekommen bin ich dann jedenfalls am Donnerstag, in Begleitung von drei Mitfreiwilligen, mit denen ich die Zeit hier gemeinsam verbringe. In einer Ferienwohnung, wohlgemerkt. Und nachdem die auf den Fotos so naja aussah, kann ich jetzt sagen: absoluter Jackpot! Wir bezahlen sehr wenig Geld für eine große und gut ausgestattete Wohnung in ruhiger und wohlhabender Lage mit einer tollen Aussicht von der zugehörigen Dachterasse es ist echt super! Wobei "wohlhabend" auch die Stadt an sich ganz gut beschreibt, denn genau das trifft auf Ambato durchaus zu: es wirkt alles ziemlich modern und wohlhabend, eben. Erkennbar unter anderem an den vielen deutschen Autos, die hier rumfahren und für ecuadorianische Verhältnisse nun mal einfach echt nicht günstig sind. Der Wohlstand könnte unter anderem daran liegen, dass Ambato einer DER Industriestandorte Ecuadors ist und damit vermutlich ganz gut Geld in den Kassen hat. Was im Übrigen natürlich nichts Negatives ist, denn es ist auch eine wirklich schöne Stadt.
Und mit nochmal einem ganz besonderen Charme an unserem Ankunftstag, der mit dem 31. Oktober nun mal Halloween gewesen ist. Das wird in Ecuador grundsätzlich nicht allzu stark gefeiert, aber irgendwie waren dann doch viele Leute in den Straßen verkleidet und geschminkt. Höhepunkt war allerdings die Einkaufsmall, die wir für bestimmte Erledigungen besucht haben. Überall Menschen in coolen und aufwendigen Verkleidungen, sogar die Babys waren als gruselige Horrorpuppen geschminkt. Das alles untermalt von der Tänzergruppe, die in fancy Verkleidungen auf einer Bühne vor massig Publikum zu "Thriller" von Michael Jackson ihre Choreografie aufgeführt hat. Was eine Erfahrung. Ergänzt übrigens von der ersten Buchhandlung, die ich hier in Ecuador gesehen und besucht habe und deren Geschichte-Regal voll mit Büchern zum Thema 2. Weltkrieg gewesen ist. Und wer nun schon immer mal die spanische Version von "Mein Kampf" kaufen wollte: hier ist auch Adolf Hitler als Autor vertreten gewesen. Naja. Das war aber nun natürlich nicht mein Highlight hier in Ambato. Denn erst am folgenden Tag haben wir die Stadt hier auch richtig erkundet. Bzw. streng genommen nur einen bestimmten Teil davon: es gibt nämlich einen botanischen Garten hier. Die Busfahrt dahin war wie immer erstmal ein Erlebnis: Ambato wird nämlich durch ein Tal mit Fluss "getrennt". Wir wohnen auf der einen Seite, eher höher gelegen. Der botanische Garten ist auf der anderen Seite, ebenfalls höher gelegen. Um dorthin zu gelangen sind wir mit dem Bus also erstmal runter, rüber und dann wieder hoch gefahren, um das mal kurz zusammenzufassen. Und dabei hatten wir eine fantastische Aussicht über die gesamte Stadt toll!
An der Stelle möchte ich auch kurz noch meine Bewunderung für die hiesigen Busfahrer aussprechen, die so eine immense Hand-Auge-Hirn Koordination haben es ist unglaublich. Lenken, Schalten, Anfahren bei 300% Steigung, Fahrtgeld von den einsteigenden Menschen entgegennehmen sowie das Rückgeld berechnen UND auch noch ausgeben. Und das alles GLEICHZEITIG! Naja.
Es soll ja nun aber eigentlich um den botanischen Garten von Ambato gehen, der wirklich total schön war. Angenehm ruhig, hübsch angelegt und mit diesem tollen typischen Geruch, der einem aus botanischen Gärten immer so entgegenströmt. Außerdem konnten wir mit den 50 Cent Eintritt auch noch die Häuser von Juan Leon Mera sowie seinem Onkel besuchen. Ersterer ist ein wichtiger ecuadorianischer Schriftsteller gewesen, letzterer sein Onkel eben. Die Häuser waren jedenfalls mit Wachsfiguren ausgestattet und originalgetreu nachmöbliert eine schöne Sache.
Anschließend hat dann der Hunger dafür gesorgt, dass wir uns in Richtung zentraler Markt begeben haben. Dort werden Obst, Gemüse, Fisch und sonst was ohne Ende verkauft, ebenso Fleisch in Form von ganzen Hühnern oder Schweinsköpfen. Lecker. Außerdem gibt's dort aber auch einen ordentlichen Bereich für Mittagessen, sodass ich für kleines Geld meinen Magen ruhigstellen konnte. Danach ging es direkt weiter zur Kathedrale von Ambato, die ein wirklich imposantes Bauwerk ist. Und leider geschlossen war, sodass wir sie nicht von innen sondern nur von außen besichtigen konnten. Das Innenleben haben wir aber dann am Folgetag noch nachgeholt, nicht aber das Haus von Juan Montalvo, einem der bedeutendsten Schriftsteller Südamerikas, dessen Mausoleum am selben Tag leider EBENFALLS geschlossen war. Naja. Und nun habe ich zwar bereits mehrfach die ecuadorianischen Stromkürzungen erwähnt, besonders war aber meine Erfahrung hier in Ambato. Unsere Ferienwohnung, die hatte eine Dachterrasse. Selbige haben wir des Abends zum einfach entspannen genutzt. Von dort aus gab es nämlich die erwähnte tolle Aussicht auf ganz Ambato, in dem Fall auf das Lichtermeer der Häuser bei Nacht. Nur, dass um Mitternacht in einem Großteil der Stadt der Strom abgeschaltet wurde. So saßen wir dort, haben in die Ferne geblickt und gesehen, wie nach und nach ganze Stadtviertel plötzlich dunkel geworden sind. Alle Häuser auf einmal. Schwuppdiwupp! Das war schon echt lustig anzusehen.
Aber darauf beschränkt sich meine Ambato-Erfahrung dann auch schon. Als kleines Fazit kann ich sagen: eine sehr schöne und angenehme Stadt. Mit ca. 300.000 Einwohnern nicht zu klein und nicht zu groß, schöne Lage mit guten Temperaturen und insgesamt wahrscheinlich der erste Ort in Ecuador, bei dem ich mir tatsächlich vorstellen könnte, hier auch mal zu leben. Es gibt nicht massenhaft Sehenswürdigkeiten, aber es ist eine nette Stadt mit dem gewissen Charme.
Achso: dass die Rückfahrt von Ambato nach Quito ebenfalls spektakulär mit toller Aussicht war, das brauche ich vermutlich gar nicht zu erwähnen.
Mit Ambato endet dieser Blogeintrag aber noch nicht. Nein, in Quito habe ich nämlich auch noch ein bisschen Zeit verbracht mit ein paar weiteren Freiwilligen wollte ich am Sonntag den Pasochoa besteigen. Der Pasochoa, das ist ein Vulkan nahe Quito. Der ist ca. 4.200 Meter hoch und es gibt die Chance, Bären, Andenkondore und ganz wichtig Pumas anzutreffen. Logisch, dass ich da sofort dabei bin. Aber Überraschung: keins der Tiere haben wir auch tatsächlich zu Gesicht bekommen. Tja. Die Wanderung an sich war dann aber trotzdem echt schön. Leider Gottes gab es die ersten eineinhalb Stunden keine wirkliche Aussicht zu beobachten, wir sind nämlich durch den Wald gelaufen. Auch spannend, keine Frage. Aber beim wandern möchte ich ja gern die Welt um den Berg herum sehen können. Wie auch immer. Ganz nach oben gestiegen sind wir letztendlich auch gar nicht, das hat zeitlich einfach nicht geklappt. Diese Wanderung war nämlich echt anspruchsvoll, muss ich ehrlich zugeben. Vor allem meine auf 500 Höhenmetern akklimatisierte und mit Asthma belastete Lunge hat bei den gefühlten 237% Steigung doch ganz ordentlich Protest eingelegt. Insbesondere bei dem ersten Teil der Wanderung, der bis auf 3.500 Höhenmeter führt und naja, einfach nur brutal steil ist. Danach wurde es dann deutlich besser, als ein Teil unserer Gruppe noch bis zur Spitze wandern wollte. Das hat aber vor dem Hintergrund, dass der den Vulkan einschließende Nationalpark Pasochoa zu einem bestimmten Zeitpunkt seine Tore schließt und man bis dahin doch ganz gerne wieder unten am Ausgangspunkt sein sollte. So bin ich also mit gekränktem Ego aber dennoch Erfahrungen toller Aussicht wieder nach unten gelaufen, ohne ganz oben gewesen zu sein. Da kann man wohl nichts machen. Und insgesamt war die Wanderung wie gesagt auch ein tolles Erlebnis. Anstrengend, ja. Ich werde die nächsten sechs Tage an Muskelkater sterben. Aber das war's mir wert.
Joa.
Und damit kommt dieser Blogeintrag dann auch wieder zu einem Ende. Ich würde mal sagen, mit den diesmalig dann doch wieder recht ausführlichen Eindrücken, die ich hier niedergeschrieben habe, ist der kurze Eintrag von letztem mal durchaus kompensiert.
Tschau Kakao.
Wie auch immer.
Dass der Blogtitel meine Gemütslage NICHT beschreibt, ist tatsächlich auch eine kleine Lüge. Grundsätzlich bin ich nämlich nicht mehr krank (eine intensivere Magenverstimmung wegen des für mich ungewohnten und neuen Essens des Landes) und kann deswegen einerseits meiner Arbeit und außerdem meinen Freizeitaktivitäten nachgehen, welche in diesem Fall einen Wochenendausflug in die innerhalb Ecuadors berühmten Thermen von Papallacta bedeuten. Aber: kaum gesund, hab ich mir doch einfach gleich nochmal eine schöne Erkältung eingefangen. Es könnt kaum besser laufen bei mir. Andererseits: wen wunderts! Ich bin immerhin täglich von massenhaft Schülern der Klassenstufen 1 bis 4 umgeben, da wird mein Immunsystem natürlich ganz schön torpediert. Angenehm isses trotzdem nicht und ich hoffe einfach mal, dass ich demnächst wieder voll und ganz und komplett gesund bin.
Abhalten lassen hab ich mich von meinem Ausflug nach Papallacta übrigens nicht. Gemeinsam mit fünf anderen Freiwilligen war ich da, meine Mitfreiwillige hier in Archidona hat nämlich Geburtstag gehabt und wollte den dort feiern. Entsprechend haben wir, wie bereits erwähnt, das Wochenende in Papallacta verbracht. Von Samstag auf Sonntag. Und bevor ich auf den Ort an sich eingehe, erstmal über die Fahrt dorthin: Archidona ist auf 500 Höhenmetern gelegen, Papallacta auf 3.000. Unsere Busfahrt dorthin hat 3 Stunden gedauert. Das allein ist schon beeindruckend kurz, wie ich finde. Noch beeindruckender ist allerdings der fließende Wechsel von Natur und klimatischen Bedingungen. In Archidona lebe ich im Prinzip direkt im Regenwald, also umgeben von exotischen Pflanzen, Bäumen, Palmen und tropischen Temperaturen. Je länger wir allerdings gefahren sind, desto mehr in die Ferne gerückt ist auch dieser Regenwald. Standen wir eine Stunde vorher noch mittendrin, war er nun nur noch von außen sichtbar, sozusagen. Und plötzlich gab's auch gar keinen Regenwald mehr, da waren dann auf einmal Felder und Wiesen mit Bergen im Hintergrund. Naja und dann waren diese Berge auch nicht mehr im Hintergrund, dann waren die quasi direkt nebenan.
Es ist einfach eine spektakuläre Fahrt gewesen, durch die ecuadorianischen Serpentinen mit einer zu jeder Zeit wirklich fantastischen Aussicht! Nur die Straße, die ist besonders. Man kann sich die selbige vorstellen wie eine deutsche Landstraße nur eben ohne die Straße. Da ist im besten Fall mal ein Weg, mehr aber nicht. Und die brachial ungefederten Busse tun ihr übriges zu der sechsstündigen ultra-Achterbahnfahrt, die man auf dieser Strecke absolviert.
Jetzt aber mal zu Papallacta an sich: den Samstag haben wir in den dortigen Thermalbädern verbracht, die im Übrigen nicht wie so ein Spaßbad oder Freizeitbad aufgebaut sind weil es sich hierbei um natürliche Thermalquellen handelt. An der frischen Luft, sozusagen. Eigentlich gar nicht "sozusagen", sondern im wahrsten Sinne des Wortes: es war wirklich ziemlich frisch. 15 Grad Celsius so wenig bin ich gar nicht mehr gewohnt! Aber genau das hat mir auch gefehlt. Das Gefühl, mal wieder zu frieren. Mit einem Pullover rumlaufen zu können, ohne vor Schweiß einzugehen. Es war fantastisch! Und was haben wir gemacht? Uns natürlich direkt in die Thermalbäder gesetzt, die eine ähnliche Wassertemperatur haben wie es bei uns der Regelfall mit der Luft ist. Tja. Trotzdem war es schön und angenehm, auch wenn ich in meiner grenzenlosen Weisheit auf Sonnencreme verzichtet und dementsprechend einen fetten Sonnenbrand auf Schultern, Oberschenkeln und Bauch habe. Ja, auf dem Bauch. Ich weiß selber nicht, wie ich das geschafft habe. Wie auch immer. Was mich jedenfalls besonders abgeholt hat, das waren weniger die Bäder als vielmehr die dortige Natur. Mal ganz abgesehen davon, dass ich glaube ich sowieso nicht so Typ "Thermalbäder" bin. Es fühlt sich für mich einfach ein wenig sinnlos an. Nicht, dass alles im Leben einen Sinn haben muss ich möchte mich ja auch einfach mal sinnbefreit entspannen und die Seele baumeln lassen. Das klappt für mich aber viel eher beim Wandern oder so. Und Berge gab's dort viele, in den Anden um Papallacta. Überraschung. So kam es dann auch, dass wir am Sonntag gemeinsam in den dortigen Nationalpark spaziert sind. Bzw. in Richtung dessen Eingangs, das allein ist nämlich bereits eine Wanderung und wirklich viel Zeit hatten wir nicht mehr, stand ja auch noch eine Rückfahrt an. Aber ich bin ganz ehrlich: wüsste ich es nicht besser, hätt ich die Gegend für Österreich gehalten! Die Berge, die Kühe, die Luft, der Geruch alles total vertraut. Ich wäre gern länger dort geblieben, aber das war einmal des vergangenen Wochenendes und außerdem den hohen Übernachtungskosten wegen nicht möglich. Naja wer weiß ich bin ja noch eine Zeit lang in Ecuador. Und es gibt nun mal auch noch andere Gebiete, mit ähnlichen geographischen Bedingungen, die es zu Besuchen möglich ist.
Die Busfahrt zurück kann man sich nun logischerweise wie die Hinfahrt vorstellen, nur umgedreht. Und dass ich an dieser Stelle auch einmal die eher so semi-guten Strassenverhältnisse erwähnen möchte. Der Bus hat an einigen Stellen schon ganz schön ordentlich geschwankt und ab und zu ging es am Straßenrand auch schonmal seeehr steil den Abgrund runter, was offenbar auch die eine oder andere Steinlawine bereits entdeckt hatte. Abgebrochene Wegesränder mit zerstörten Leitplanken, während es nebendran entspannte 100 Meter runtergeht keine Seltenheit. Und wie wir nun erfahren haben, ist diese Strecke auch gar nicht sooo ungefährlich. Das finde ich besonders schön zu wissen vor dem Hintergrund, dass wir am Tag nach unserer Rückkehr erfahren haben, dass eine ähnliche Strecke in die von uns aus gesehen andere Richtung des starken Regens wegen offenbar eingebrochen und daher nicht mehr nutzbar ist. Schon blöd, dass es sich dabei um die Hauptstraße von Tena nach Baños, Riobamba und Ambato handelt, also eine Verbindung der wichtigsten Städte dieser Regionen. Und besonders blöd, dass ich eigentlich geplant hatte, genau über diese Strecke das folgende Wochenende nach Ambato zu fahren. Es ist nämlich mal wieder Urlaubszeit und selbigen hätte ich gern in dieser 300.000 Einwohner Stadt auf 2.500 Höhenmetern verbracht. Vor allem, nachdem das lange Wochenende (es ist Unabhängigkeitstag von Cuenca sowie noch "dia de los difuntos", Tag der Verstorbenen) von Arbeitsfreiem Freitag und Montag noch um den Donnerstag erweitert wurde, weil die offiziellen Einrichtungen mit den ganzen Stromausfällen hier "14 Stunden am Tag minimum, noch bis mindestens Jahresende" sowieso nicht richtig arbeiten können und sich damit mal ein wenig Entspannung verdient haben. Oder so in der Art.
Nach Ambato ging es natürlich trotzdem, es ist ja bereits durchgeklungen, dass ich mich neuerdings nicht von meinen schön geplanten Reisen abhalten lasse! Allerdings bin ich logischerweise nicht direkt über die zerstörte Straße gefahren, das funktioniert nämlich tatsächlich auch in Ecuador nicht. Nein, es ging über Quito. Eine Nacht Zwischenstopp dort, am nächsten Tag dann weiter zum eigentlichen Ziel und ich kann auch hier nur nochmal hervorheben, was für eine Erfahrung diese Busfahrten sind! Es gibt einfach so viel unterschiedliches zu sehen, die Straßenverhältnisse machen die Reise zu ner halben Achterbahnfahrt und dass an jeder Ecke irgendjemand zusteigt und Bananenchips oder sonstige Snacks verkaufen will, das macht das hiesige Busfahrgefühl dann noch komplett. Wobei ich auch erwähnen muss, dass die Strecke von Quito nach Ambato um Welten moderner ist als von Archidona nach Quito. Es gibt einfach eine Autobahn, wie krass ist das denn! In Ambato angekommen bin ich dann jedenfalls am Donnerstag, in Begleitung von drei Mitfreiwilligen, mit denen ich die Zeit hier gemeinsam verbringe. In einer Ferienwohnung, wohlgemerkt. Und nachdem die auf den Fotos so naja aussah, kann ich jetzt sagen: absoluter Jackpot! Wir bezahlen sehr wenig Geld für eine große und gut ausgestattete Wohnung in ruhiger und wohlhabender Lage mit einer tollen Aussicht von der zugehörigen Dachterasse es ist echt super! Wobei "wohlhabend" auch die Stadt an sich ganz gut beschreibt, denn genau das trifft auf Ambato durchaus zu: es wirkt alles ziemlich modern und wohlhabend, eben. Erkennbar unter anderem an den vielen deutschen Autos, die hier rumfahren und für ecuadorianische Verhältnisse nun mal einfach echt nicht günstig sind. Der Wohlstand könnte unter anderem daran liegen, dass Ambato einer DER Industriestandorte Ecuadors ist und damit vermutlich ganz gut Geld in den Kassen hat. Was im Übrigen natürlich nichts Negatives ist, denn es ist auch eine wirklich schöne Stadt.
Und mit nochmal einem ganz besonderen Charme an unserem Ankunftstag, der mit dem 31. Oktober nun mal Halloween gewesen ist. Das wird in Ecuador grundsätzlich nicht allzu stark gefeiert, aber irgendwie waren dann doch viele Leute in den Straßen verkleidet und geschminkt. Höhepunkt war allerdings die Einkaufsmall, die wir für bestimmte Erledigungen besucht haben. Überall Menschen in coolen und aufwendigen Verkleidungen, sogar die Babys waren als gruselige Horrorpuppen geschminkt. Das alles untermalt von der Tänzergruppe, die in fancy Verkleidungen auf einer Bühne vor massig Publikum zu "Thriller" von Michael Jackson ihre Choreografie aufgeführt hat. Was eine Erfahrung. Ergänzt übrigens von der ersten Buchhandlung, die ich hier in Ecuador gesehen und besucht habe und deren Geschichte-Regal voll mit Büchern zum Thema 2. Weltkrieg gewesen ist. Und wer nun schon immer mal die spanische Version von "Mein Kampf" kaufen wollte: hier ist auch Adolf Hitler als Autor vertreten gewesen. Naja. Das war aber nun natürlich nicht mein Highlight hier in Ambato. Denn erst am folgenden Tag haben wir die Stadt hier auch richtig erkundet. Bzw. streng genommen nur einen bestimmten Teil davon: es gibt nämlich einen botanischen Garten hier. Die Busfahrt dahin war wie immer erstmal ein Erlebnis: Ambato wird nämlich durch ein Tal mit Fluss "getrennt". Wir wohnen auf der einen Seite, eher höher gelegen. Der botanische Garten ist auf der anderen Seite, ebenfalls höher gelegen. Um dorthin zu gelangen sind wir mit dem Bus also erstmal runter, rüber und dann wieder hoch gefahren, um das mal kurz zusammenzufassen. Und dabei hatten wir eine fantastische Aussicht über die gesamte Stadt toll!
An der Stelle möchte ich auch kurz noch meine Bewunderung für die hiesigen Busfahrer aussprechen, die so eine immense Hand-Auge-Hirn Koordination haben es ist unglaublich. Lenken, Schalten, Anfahren bei 300% Steigung, Fahrtgeld von den einsteigenden Menschen entgegennehmen sowie das Rückgeld berechnen UND auch noch ausgeben. Und das alles GLEICHZEITIG! Naja.
Es soll ja nun aber eigentlich um den botanischen Garten von Ambato gehen, der wirklich total schön war. Angenehm ruhig, hübsch angelegt und mit diesem tollen typischen Geruch, der einem aus botanischen Gärten immer so entgegenströmt. Außerdem konnten wir mit den 50 Cent Eintritt auch noch die Häuser von Juan Leon Mera sowie seinem Onkel besuchen. Ersterer ist ein wichtiger ecuadorianischer Schriftsteller gewesen, letzterer sein Onkel eben. Die Häuser waren jedenfalls mit Wachsfiguren ausgestattet und originalgetreu nachmöbliert eine schöne Sache.
Anschließend hat dann der Hunger dafür gesorgt, dass wir uns in Richtung zentraler Markt begeben haben. Dort werden Obst, Gemüse, Fisch und sonst was ohne Ende verkauft, ebenso Fleisch in Form von ganzen Hühnern oder Schweinsköpfen. Lecker. Außerdem gibt's dort aber auch einen ordentlichen Bereich für Mittagessen, sodass ich für kleines Geld meinen Magen ruhigstellen konnte. Danach ging es direkt weiter zur Kathedrale von Ambato, die ein wirklich imposantes Bauwerk ist. Und leider geschlossen war, sodass wir sie nicht von innen sondern nur von außen besichtigen konnten. Das Innenleben haben wir aber dann am Folgetag noch nachgeholt, nicht aber das Haus von Juan Montalvo, einem der bedeutendsten Schriftsteller Südamerikas, dessen Mausoleum am selben Tag leider EBENFALLS geschlossen war. Naja. Und nun habe ich zwar bereits mehrfach die ecuadorianischen Stromkürzungen erwähnt, besonders war aber meine Erfahrung hier in Ambato. Unsere Ferienwohnung, die hatte eine Dachterrasse. Selbige haben wir des Abends zum einfach entspannen genutzt. Von dort aus gab es nämlich die erwähnte tolle Aussicht auf ganz Ambato, in dem Fall auf das Lichtermeer der Häuser bei Nacht. Nur, dass um Mitternacht in einem Großteil der Stadt der Strom abgeschaltet wurde. So saßen wir dort, haben in die Ferne geblickt und gesehen, wie nach und nach ganze Stadtviertel plötzlich dunkel geworden sind. Alle Häuser auf einmal. Schwuppdiwupp! Das war schon echt lustig anzusehen.
Aber darauf beschränkt sich meine Ambato-Erfahrung dann auch schon. Als kleines Fazit kann ich sagen: eine sehr schöne und angenehme Stadt. Mit ca. 300.000 Einwohnern nicht zu klein und nicht zu groß, schöne Lage mit guten Temperaturen und insgesamt wahrscheinlich der erste Ort in Ecuador, bei dem ich mir tatsächlich vorstellen könnte, hier auch mal zu leben. Es gibt nicht massenhaft Sehenswürdigkeiten, aber es ist eine nette Stadt mit dem gewissen Charme.
Achso: dass die Rückfahrt von Ambato nach Quito ebenfalls spektakulär mit toller Aussicht war, das brauche ich vermutlich gar nicht zu erwähnen.
Mit Ambato endet dieser Blogeintrag aber noch nicht. Nein, in Quito habe ich nämlich auch noch ein bisschen Zeit verbracht mit ein paar weiteren Freiwilligen wollte ich am Sonntag den Pasochoa besteigen. Der Pasochoa, das ist ein Vulkan nahe Quito. Der ist ca. 4.200 Meter hoch und es gibt die Chance, Bären, Andenkondore und ganz wichtig Pumas anzutreffen. Logisch, dass ich da sofort dabei bin. Aber Überraschung: keins der Tiere haben wir auch tatsächlich zu Gesicht bekommen. Tja. Die Wanderung an sich war dann aber trotzdem echt schön. Leider Gottes gab es die ersten eineinhalb Stunden keine wirkliche Aussicht zu beobachten, wir sind nämlich durch den Wald gelaufen. Auch spannend, keine Frage. Aber beim wandern möchte ich ja gern die Welt um den Berg herum sehen können. Wie auch immer. Ganz nach oben gestiegen sind wir letztendlich auch gar nicht, das hat zeitlich einfach nicht geklappt. Diese Wanderung war nämlich echt anspruchsvoll, muss ich ehrlich zugeben. Vor allem meine auf 500 Höhenmetern akklimatisierte und mit Asthma belastete Lunge hat bei den gefühlten 237% Steigung doch ganz ordentlich Protest eingelegt. Insbesondere bei dem ersten Teil der Wanderung, der bis auf 3.500 Höhenmeter führt und naja, einfach nur brutal steil ist. Danach wurde es dann deutlich besser, als ein Teil unserer Gruppe noch bis zur Spitze wandern wollte. Das hat aber vor dem Hintergrund, dass der den Vulkan einschließende Nationalpark Pasochoa zu einem bestimmten Zeitpunkt seine Tore schließt und man bis dahin doch ganz gerne wieder unten am Ausgangspunkt sein sollte. So bin ich also mit gekränktem Ego aber dennoch Erfahrungen toller Aussicht wieder nach unten gelaufen, ohne ganz oben gewesen zu sein. Da kann man wohl nichts machen. Und insgesamt war die Wanderung wie gesagt auch ein tolles Erlebnis. Anstrengend, ja. Ich werde die nächsten sechs Tage an Muskelkater sterben. Aber das war's mir wert.
Joa.
Und damit kommt dieser Blogeintrag dann auch wieder zu einem Ende. Ich würde mal sagen, mit den diesmalig dann doch wieder recht ausführlichen Eindrücken, die ich hier niedergeschrieben habe, ist der kurze Eintrag von letztem mal durchaus kompensiert.
Tschau Kakao.
Eine Kleinigkeit
20.10.2024
Ich schreibe diesen Blogeintrag einfach mal genau dort weiter, wo der letzte begonnen hat nämlich bei meinem Geburtstag!
Der war vor genau zwei Wochen und nun befinde ich mich wohl im letzten Jahr meines Teenagerdaseins.
Dinge gibts.
Jedenfalls: trotz Abwesenheit aus Deutschland, wurde ich auch in Ecuador gefeiert.
Am meisten überrascht hat mich dabei die Kirche, zu der ich seit Ankunft in Archidona jeden Sonntag gehe.
Von selbiger ist mein Gastvater nämlich Präsident, da hat sich das irgendwie angeboten.
Dort wurde dann nach dem Gottesdienst auf einmal für mich gesungen, womit ich noch halbwegs gerechnet hatte.
Aber als dann plötzlich ein Kuchen extra für mich reingetragen wurde das hat mich dann doch überrascht.
Wirklich toll und eine nette Aktion.
Und so stand ich dann halt vor der versammelten, singenden Gemeinde mit meinem Kuchen in der Hand und wie es der Brauch so will (was ich bis dahin aber nicht wusste) wurde mir zu verstehen gegeben sowie nachgeholfen, dass ich einmal schön meinen Kopf in diesen Kuchen haue.
Das hab ich erst ein wenig zaghaft praktiziert und nur ein kleines Stück abgebissen, nachdem das nicht als ausreichend akzeptiert wurde musste ich die ganze Aktion nochmal ein wenig intensiver wiederholen.
Naja.
Es war ganz lustig, aber auch skurril.
Auch von meiner Gastfamilie und meinen Mitfreiwilligen wurde ich ein kleines bisschen gefeiert, alles sehr nett.
Getrübt wurde meine Laune allerdings durch mein von der Natur beschenktes Wasserbett. Es hat Abends nämlich ordentlich gestürmt. Und mein Zimmer, das ist nicht ganz dicht. "Passt zum Bewohner, höhö!", wird da der ein oder andere sofort denken. Und damit liegt man auch vollkommen richtig, allerdings unterscheiden sich beide Arten der Undichte dann doch gravierend. Man kann sich das so vorstellen: mein Zimmer liegt im Obergeschoss und hat damit quasi direkten Kontakt zur Natur und zum Wetter drumherum. Das ist vor dem Hintergrund ein bisschen schade, als dass mein Dach an einigen Stellen kleine Lücken aufweist und es entsprechend reintropft, bei Regen. Soweit so wenig schlimm. Aber: das Dach und die Außenwand meines Zimmers, die schließen nicht richtig nach draußen ab. Nein, zwischen Dach und Wand besteht eine ca. 10 cm große Lücke die sich, wie ich feststellen musste, bei Wind sogar noch deutlich vergrößert dann werden die massiven Ton-Dachschindeln nämlich nach oben gedrückt und öffnen noch mehr Raum zu meinem Zimmer. Überdies ist mein Fenster kein ganzes Fenster sondern zur Hälfte Moskitonetz. Und der Glasteil, der weist dann ebenfalls noch Lücken auf. Naja und so hat dann bei diesem Sturm mein Zimmer sich in einen halben See verwandelt, meine Matratze in ein Wasserbett und der vor dem Fenster stehende Schreibtisch wurde auch mal wieder gegossen. Und das war irgendwie alles ziemlich blöd. Denn Überraschung die Dinge AUF meinem Schreibtisch, die sind auch nass geworden. Personalausweis, Elektronik, Bücher, Stifte und sonst so ziemlich alles. Von daher war Franz Kafka wohl ein starker Mann, der Regenwald hat ihm allerdings final den Prozess gemacht. Was ein Mist. Und wie man sich eventuell vorstellen kann, hat das bei mir für einiges an schlechter Laune gesorgt denn ein schönes Geburtstagsgeschenk habe ich mir dann doch anders vorgestellt.
Aber das soll ja kein Negativitätsblog hier werden, deswegen geht es gleich mal mit meinem Urlaub der Woche weiter. Nach meinem Geburtstag war am 09. Oktober der Unabhängigkeitstag von Guayaquil, der größten Stadt Ecuadors. Nun ist der 09. Oktober zwar eigentlich ein Mittwoch, da die Bevölkerung davon aber recht wenig hat, wurde ein Feiertag für den folgenden Freitag festgelegt was in einem langen Wochenende resultiert hat. Und was soll ich sagen: das war nun natürlich meine Chance, mal der großen Hitze Archidonas zu entfliehen und ein paar Tage einen neuen Ort kennenzulernen. Baños war die Stadt der Wahl. Ein mittelgroßes, sehr schönes aber auch recht touristisches Städtchen, dass ich mit zwei Mitfreiwilligen besuchen wollte.
Wär ich mal nicht krank geworden.
Tja.
Nichts Baños, nichts neuer Ort, nichts mit "der Hitze entfliehen". Nein, ich bin krank geworden und hab das gesamte lange Wochenende alleine zuhause verbracht. Meine beiden Archidona-Mitfreiwilligen hatten selbst natürlich auch Pläne für diese Freizeit, sodass ich letztendlich diese drei freien Tage lang unser gesamtes Geschoss für mich hatte und mir jederzeit aussuchen konnte, in welchem Zimmer ich mich nun backen lasse. Und vor Langeweile eingehe.
Aber mal ernsthaft: das war echt nicht so toll. Ich meine, ich bin jetzt nicht irgendwie schwer krank gewesen. Irgendetwas von wegen Infekt, vermutlich. Passiert öfter mal bei Menschen, die gerade erst in ein anderes Land gereist sind. Aber jedenfalls auch nicht so leicht, als dass ich mal ebenso problemlos hätte verreisen können. Und alleine, in der brachialen Hitze mit grenzenloser Langeweile da ist die schlechte Laune vom Geburtstag nicht wirklich weniger geworden. Das war so die erste Zeit, in der ich mal so richtig aktiv Deutschland vermisst habe. Nicht unbedingt in einem Sinne von Heimweh, aber mir ist einfach aufgefallen, was ich dort so habe, was es hier nicht gibt. Brot, zum Beispiel. Oder Spaghetti mit Tomatensauce. Gummibärchen. Kälte. Oder zumindest keine so starke Hitze wie hier. Auch käme mir aktuell kontinuierlicher Strom nicht ganz ungelegen den gibts derzeit für vier Stunden am Tag. Und eine solide Ruhestörungsverordnung hätte ich ebenfalls gern. Denn nicht nur sind Fenster oder abgedichtete Wände in meinem Zimmer nur so semi existent, dazu fängt auch noch der hiesige Club jeden Donnerstag um 22:00 Uhr an, die dröhnendste Höllenmusik mit 2 Milliarden Dezibel durch den Ort zu ballern es ist unglaublich. Und dass er das bis 04:00 Uhr am Freitag durchzieht, das macht's nicht besser. Eine solide öffentliche Infrastruktur, die gibts in Deutschland ebenfalls. Kurzum: mir ist seeeeeeehr vieles eingefallen, was ich hier nicht oder halt negatives habe und was in Deutschland mir aktuell deutlich zu besserem Gemütszustand verhelfen würde. Und ich bete einfach dafür, dass es mir schnell wieder besser geht und sich in dem Zusammenhang evtl. auch meine schlechtere Laune und diese Gedanken des Vermissens verpis- äääh wieder abhauen.
Was dann allerdings noch anstand, das war die Hochzeit, zu der wir eingeladen worden sind. Warum genau keine Ahnung. Aber von wem, das weiß ich sehr wohl. Eine Lehrerin unserer Schule war die Glückliche. Und entsprechend haben wir den Samstagabend dann in der Kirche und auf einer Feier verbracht und im Prinzip nichts gemacht. Vielen Reden zugehört, die wir nicht verstanden haben und währenddessen darauf gewartet, dass es endlich Abendessen gibt. Und zwar drei Stunden lang. Tja. Insgesamt aber ein ganz netter Samstagabend, denke ich. Auch wenn es davon nicht viel zu erzählen gibt.
Aber von daher: das war's wohl erstmal mit diesem Blogeintrag. Ein bisschen kürzer, dieses mal. Aber wenn ich nichts erlebe dann gibt es nun mal auch nichts zu berichten.
Getrübt wurde meine Laune allerdings durch mein von der Natur beschenktes Wasserbett. Es hat Abends nämlich ordentlich gestürmt. Und mein Zimmer, das ist nicht ganz dicht. "Passt zum Bewohner, höhö!", wird da der ein oder andere sofort denken. Und damit liegt man auch vollkommen richtig, allerdings unterscheiden sich beide Arten der Undichte dann doch gravierend. Man kann sich das so vorstellen: mein Zimmer liegt im Obergeschoss und hat damit quasi direkten Kontakt zur Natur und zum Wetter drumherum. Das ist vor dem Hintergrund ein bisschen schade, als dass mein Dach an einigen Stellen kleine Lücken aufweist und es entsprechend reintropft, bei Regen. Soweit so wenig schlimm. Aber: das Dach und die Außenwand meines Zimmers, die schließen nicht richtig nach draußen ab. Nein, zwischen Dach und Wand besteht eine ca. 10 cm große Lücke die sich, wie ich feststellen musste, bei Wind sogar noch deutlich vergrößert dann werden die massiven Ton-Dachschindeln nämlich nach oben gedrückt und öffnen noch mehr Raum zu meinem Zimmer. Überdies ist mein Fenster kein ganzes Fenster sondern zur Hälfte Moskitonetz. Und der Glasteil, der weist dann ebenfalls noch Lücken auf. Naja und so hat dann bei diesem Sturm mein Zimmer sich in einen halben See verwandelt, meine Matratze in ein Wasserbett und der vor dem Fenster stehende Schreibtisch wurde auch mal wieder gegossen. Und das war irgendwie alles ziemlich blöd. Denn Überraschung die Dinge AUF meinem Schreibtisch, die sind auch nass geworden. Personalausweis, Elektronik, Bücher, Stifte und sonst so ziemlich alles. Von daher war Franz Kafka wohl ein starker Mann, der Regenwald hat ihm allerdings final den Prozess gemacht. Was ein Mist. Und wie man sich eventuell vorstellen kann, hat das bei mir für einiges an schlechter Laune gesorgt denn ein schönes Geburtstagsgeschenk habe ich mir dann doch anders vorgestellt.
Aber das soll ja kein Negativitätsblog hier werden, deswegen geht es gleich mal mit meinem Urlaub der Woche weiter. Nach meinem Geburtstag war am 09. Oktober der Unabhängigkeitstag von Guayaquil, der größten Stadt Ecuadors. Nun ist der 09. Oktober zwar eigentlich ein Mittwoch, da die Bevölkerung davon aber recht wenig hat, wurde ein Feiertag für den folgenden Freitag festgelegt was in einem langen Wochenende resultiert hat. Und was soll ich sagen: das war nun natürlich meine Chance, mal der großen Hitze Archidonas zu entfliehen und ein paar Tage einen neuen Ort kennenzulernen. Baños war die Stadt der Wahl. Ein mittelgroßes, sehr schönes aber auch recht touristisches Städtchen, dass ich mit zwei Mitfreiwilligen besuchen wollte.
Wär ich mal nicht krank geworden.
Tja.
Nichts Baños, nichts neuer Ort, nichts mit "der Hitze entfliehen". Nein, ich bin krank geworden und hab das gesamte lange Wochenende alleine zuhause verbracht. Meine beiden Archidona-Mitfreiwilligen hatten selbst natürlich auch Pläne für diese Freizeit, sodass ich letztendlich diese drei freien Tage lang unser gesamtes Geschoss für mich hatte und mir jederzeit aussuchen konnte, in welchem Zimmer ich mich nun backen lasse. Und vor Langeweile eingehe.
Aber mal ernsthaft: das war echt nicht so toll. Ich meine, ich bin jetzt nicht irgendwie schwer krank gewesen. Irgendetwas von wegen Infekt, vermutlich. Passiert öfter mal bei Menschen, die gerade erst in ein anderes Land gereist sind. Aber jedenfalls auch nicht so leicht, als dass ich mal ebenso problemlos hätte verreisen können. Und alleine, in der brachialen Hitze mit grenzenloser Langeweile da ist die schlechte Laune vom Geburtstag nicht wirklich weniger geworden. Das war so die erste Zeit, in der ich mal so richtig aktiv Deutschland vermisst habe. Nicht unbedingt in einem Sinne von Heimweh, aber mir ist einfach aufgefallen, was ich dort so habe, was es hier nicht gibt. Brot, zum Beispiel. Oder Spaghetti mit Tomatensauce. Gummibärchen. Kälte. Oder zumindest keine so starke Hitze wie hier. Auch käme mir aktuell kontinuierlicher Strom nicht ganz ungelegen den gibts derzeit für vier Stunden am Tag. Und eine solide Ruhestörungsverordnung hätte ich ebenfalls gern. Denn nicht nur sind Fenster oder abgedichtete Wände in meinem Zimmer nur so semi existent, dazu fängt auch noch der hiesige Club jeden Donnerstag um 22:00 Uhr an, die dröhnendste Höllenmusik mit 2 Milliarden Dezibel durch den Ort zu ballern es ist unglaublich. Und dass er das bis 04:00 Uhr am Freitag durchzieht, das macht's nicht besser. Eine solide öffentliche Infrastruktur, die gibts in Deutschland ebenfalls. Kurzum: mir ist seeeeeeehr vieles eingefallen, was ich hier nicht oder halt negatives habe und was in Deutschland mir aktuell deutlich zu besserem Gemütszustand verhelfen würde. Und ich bete einfach dafür, dass es mir schnell wieder besser geht und sich in dem Zusammenhang evtl. auch meine schlechtere Laune und diese Gedanken des Vermissens verpis- äääh wieder abhauen.
Was dann allerdings noch anstand, das war die Hochzeit, zu der wir eingeladen worden sind. Warum genau keine Ahnung. Aber von wem, das weiß ich sehr wohl. Eine Lehrerin unserer Schule war die Glückliche. Und entsprechend haben wir den Samstagabend dann in der Kirche und auf einer Feier verbracht und im Prinzip nichts gemacht. Vielen Reden zugehört, die wir nicht verstanden haben und währenddessen darauf gewartet, dass es endlich Abendessen gibt. Und zwar drei Stunden lang. Tja. Insgesamt aber ein ganz netter Samstagabend, denke ich. Auch wenn es davon nicht viel zu erzählen gibt.
Aber von daher: das war's wohl erstmal mit diesem Blogeintrag. Ein bisschen kürzer, dieses mal. Aber wenn ich nichts erlebe dann gibt es nun mal auch nichts zu berichten.
Ein besonderer Tag!
06.10.2024
Heut hab ich Geburtstag, das ja lustig!
Wollt ich hier einfach mal so vorne dranstellen :)
Aber darum soll es ja gar nicht gehen, sondern um meine Erlebnisse hier in Ecuador. Die sind nämlich quasi unmittelbar nach meinem letzten Blogeintrag weitergegangen, am Sonntag dessen Veröffentlichung.
An diesem Tag sind wir nämlich mit unserer Gastmutter zu dem hiesigen "Tourism-Center Napo" gefahren. Napo ist die Region, in der wir hier leben. Deren Hauptstadt ist Tena und Archidona liegt eben auch darin. Und "Tourism-Center", das klingt erstmal spektakulär war es aber nicht. Zumindest nicht in dem Sinne. Es handelt sich dabei mehr oder weniger um einen langen Weg durch Wald mit sehr vielen tollen Pflanzen und einer Geräuschkulisse, die beeindruckender kaum sein könnte: Vogelzwitschern, Grillenzirpen, Blätterrascheln, Wasserplätschern und zwischendrin einer dieser Tropenvögel mit ihrem Ruf, der klingt wie eine Art gefederte Version eines Wassertropfens, der in einen See fällt. Es ist schwierig zu beschreiben. Besonders aufgefallen ist mir auch noch die Luft, die einfach frisch und naja, nach Natur und Feuchtigkeit und Wärme riecht. Etwas, das ich bis jetzt höchstens mal in den Innenräumen eines botanischen Gartens erfahren konnte. Highlight des Tourism-Center war nun aber nicht die beschriebene Natur, sondern die dortigen Petroglyphen. Das sind Steinmalereien aus alten Zeiten (jeder Hobbyarchäologe wird mich für diese legendär gute und herausragend gut recherchierte Erklärung vermutlich lynchen wollen) und, soweit ich das verstanden habe, quasi die südamerikanische Version der Hieroglyphen. Die waren auch spannend, aber offen gestanden hat mich die Fauna drumherum ein wenig zu sehr in Beschlag genommen, sodass ich unserem Guide leider nur meine halbe Aufmerksamkeit schenken konnte.
Weiter ging es am Montag, und zwar nach Tena. Dort war ich an diesem Nachmittag alleine unterwegs und bin logischerweise auch die 20 Minuten wieder zurück nach Hause gefahren, im Bus. Und zwar so gegen 19:00 Uhr, da war es schon ziemlich dunkel. Schade nur, dass dieser Bus nicht bis ins Zentrum von Archidona gefahren ist sondern nur bis ungefähr eine halbe Stunde Fußweg davor. Direkt an der Landstraße wurde ich rausgelassen und musste noch zehn Minuten laufen, um überhaupt mal einen Gehweg zu erreichen. In vollkommener Dunkelheit, war ja bereits Sonnenuntergang gewesen. "Aber mein Freund!", fragt sich da sicherlich die eine oder der andere, "Du bist doch an der Landstraße gelaufen. Da gabs doch Straßenlaternen, wie sollen denn die Autos sich sonst orientieren können?!" Und dem möchte ich antworten: ja, da gab es Straßenlaternen ohne Ende. Die haben nur leider nicht geleuchtet. Weil: Stromausfall (was ich allerdings erst erfahren habe, als ich zuhause angekommen war). Ich bin also diese halbe Stunde in kompletter Dunkelheit, alleine nach Hause gelatscht und ich kann ganz offen sagen es gab bereits Situationen, in denen hab ich mich deutlich besser gefühlt. Naja, ist aber nix passiert. Um aber nochmal diesen Stromausfall zu thematisieren: sowas ist keine Ausnahme in Ecuador, zumindest aktuell nicht. Denn zurzeit erlebt ganz Südamerika eine der heftigsten Dürren überhaupt in den meisten Regionen Ecuadors wurde bereits allerhöchste Alarmstufe ausgerufen. Es gibt also keine wirklichen Regenfälle (bisschen blöd, lebe ich doch im Regenwald) und da neben der dadurch gefährdeten Wasserversorgung auch die Stromgewinnung durch eben Wasser erfolgt, wird selbiger in ganz Ecuador täglich für teils mehr als 15 Stunden abgeschaltet. Das ist genau so doof, wie es sich anhört. Ehrlich gesagt noch ein bisschen blöder. Weil: nicht nur Strom und Wasser hängen am Regen, auch die Temperatur. Sobald es im extra nach Niederschlag benannten Regenwald nämlich Wasserergüsse gibt, dann drosselt das auch ganz ordentlich die hiesige Hitze und aus 31 Grad zur Mittagszeit werden ein Tagesmaximum von 27 Grad Celsius. Das hört sich immer noch warm an, macht aber einen enormen Unterschied.
Joa.
Tatsächlich wurde mir jetzt aber bereits mehrfach bestätigt, dass selbst für die Einheimischen hier die Temperaturen von über 30 Grad Celsius schon "echt ziemlich warm" sind und das definitiv nicht die Norm ist. Darüber hinaus sind September und Oktober offenbar sowieso die wärmsten Monate des Jahres, danach kühlt es immer einigermaßen ab und mit dem bekannten Wetterphänomen "El Niño", das diesen Dezember losgehen soll, wird es hoffentlich noch weitere Temperatursenkungen geben. Mal sehen.
Jedenfalls war am Donnerstag, den 26. September hier in Ecuador der "Dia de la Bandera", also der Tag der Fahne. Ist was halbwegs besonderes, aber auch nicht besonders genug für einen Feiertag. In der Schule wurde das allerdings mit vor den Eltern präsentiertem Marschieren der älteren Schüler gefeiert, inklusive Fahnen von Ecuador, Archidona sowie der Schule an sich. Anschließend gab es noch ein gemeinsames Mittagessen mit allen Lehrern, Eltern und Kindern, das wir nach den dreieinhalb Stunden unbeteiligten Rumsitzens auch dringend nötig hatten. Davor und währenddessen habe ich dann mit einigen Lehrerinnen noch ein intensives Gespräch über meine Nase geführt, bei der sie nämlich Gewissheit haben wollten, ob sie nun natürlich sei oder durch einen operativen Eingriff geformt wurde so Formschön, wie die offenbar ist.
Skurill.
Ich meine, ich habe ja schon vieles über meine Augen und meine Hände gehört aber meine Nase stand noch nie zur Diskussion. Da hat sich jahrelanges (Zwangs-)Training durch Heuschnupfen definitiv ausgezahlt, würde ich sagen! Und ja, ich erwähne das hier hauptsächlich, weil dieses Gespräch mein Ego durchaus ein wenig gestärkt hat, das muss ich zugeben.
Allerdings war der "Dia de la Bandera" nicht das einzige Ereignis des Tages. Nein, Abends wurden wir von unserer Familie auch noch zum Essen ins Restaurant eingeladen, da am nächsten Tag unsere Gastmutter Geburtstag hatte. Das an sich ist nicht wirklich spektakulär, auf dem Rückweg wurden wir allerdings angehalten und so bin ich doch tatsächlich das erste mal in meinem Leben in eine Polizeikontrolle geraten. Streng genommen war es sogar eine Militärkontrolle, standen neben den 3 Polizisten nämlich vor allem Soldaten drumherum. Ziemlich viele, offen gestanden. Und gut gerüstet auf jeden Fall beeindruckend. Prüfen wollten die uns alle auf Waffen, aus irgendeinem Grund gab es eine Kontrolle aber nur für die Frauen im Auto. Wir Herren der Schöpfung wurden einfach ausgelassen. Und da mir gerade auffällt, wie kritisch das klingt: das war es nicht. War eine stinknormale Personenkontrolle vor dem Auto, von einer weiblichen Soldatin an unseren weiblichen Mitfahrerinnen.
Naja.
Wichtig für den "Dia de la Bandera" war auch eine Einladung, die wir erhalten haben, von einer Mutter eines Schülers. Zum Brotessen und Empenadas machen, um genau zu sein. So haben wir es zumindest verstanden. In der Realität war dann die Hauptaktivität des entsprechenden Samstags allerdings Brot machen und naja, sonst so ein bisschen deren Haus und die Familie kennenzulernen. Aus unserem Gefühl war die Einladung nicht ganz Uneigennutz sondern sollte unter anderem dem Zweck dienen, dass die gute Frau ein bisschen Übung mit der englischen Sprache bekommt aber das soll mir recht sein. Denn ich bin ganz ehrlich: das war ein wirklich beeindruckender Tag! Das Backen an sich war jetzt nicht wirklich spektakulär, das Drumherum aber umso mehr. Nämlich hat diese Familie ein Haus mit großem Garten, in dem einerseits einige Tiere leben und außerdem sehr viele Pflanzen und vor allem Obstbäume bzw. -palmen wachsen. So hatten die dort Avocados, Ananas, Papaya, Yucca, Kokosnuss, die hiesige Form der Mandarine und wahrscheinlich noch viel mehr, das mir einfach nicht aufgefallen oder aktuell entschwunden ist. Nicht entfallen ist mir aber das Zuckerrohr, dass sie bei sich anbauen. Selbiges wird natürlich einerseits zur Zuckergewinnung genutzt, kann aber auch quasi frisch gepresst werden und wird auf diese Weise zu einem süßen und einfach unglaublich leckeren Saft vor allem in Kombination mit noch ein bisschen Zitrone. Köstlich. Ebenso wie der Kakao, den wir dort getrunken haben. Und nicht nur getrunken, im voraus auch gepflückt, geschält, geröstet, gemahlen und somit im Prinzip von Grund auf selber verarbeitet. Es war eine Erfahrung. Im absolut positivsten Sinne überhaupt. Bekanntschaft haben wir dann außerdem noch mit deren Hunden, den vielen Hühnern, dem hiesigen Papagei und der Schildkröte gemacht. Und auch wenn ich mir sicher bin, dass ich irgendwas vergessen habe es war total nett dort und wir haben eine tolle neue Bekanntschaft gemacht, die uns gleich noch zum nächsten Geburtstag in der Familie sowie zu einem gemeinsamen Ausflug in die nahe Großstadt Riobamba eingeladen hat. Achso: und das Brot, zu dessen Produktion wir ja ursprünglich eingeladen worden waren, das hat auch ziemlich gut geschmeckt.
Ich möchte an dieser Stelle übrigens noch einmal, ohne allerdings mit irgendeinem direkten Zusammenhang zu vorherigen Erzählungen, auf die sogenannte "Hora ecuadoriana" aufmerksam machen. Die "ecuadorianische Zeit", so die Übersetzung, bedeutet nämlich, dass man zu einem Termin erst 15-30 Minuten später erschient, teils wird sich auch noch mehr Zeit gelassen. Dieses Prinzip hat unsere Gastfamilie allerdings noch nicht so ganz verstanden, glaube ich. Bzw. sie setzen es ins Gegenteil um. Bedeutet konkret: wenn es heißt, dass es Frühstück um 08:30 Uhr gibt, dann wird um 08:10 Uhr an unsere Tür geklopft, wo wir denn sind. Die sind hier also sogar NOCH pünktlicher als wir Deutschen, in deren Form wir ja quasi synonym für überpünktlich stehen. Und als wäre das noch nicht anstrengend genug, paart sich dieses Zeitempfinden teils auch noch mit einer Spontanität, die wirklich einzigartig ist. Von dem Restaurantbesuch zum Geburtstag unserer Gastmutter, davon haben wir erfahren ungefähr eine Stunde, bevor wir uns ins Auto setzen sollten. Eine halbe Stunde später hieß es plötzlich, dass es bereits in 15 Minuten losgehe und diese 15 Minuten wurden nicht mal 60 Sekunden danach nochmal auf 2 Minuten revidiert. Und ich bin ganz ehrlich: das ist schon anstrengend, manchmal. Aber: diese Erläuterung hier soll keine Kritik über meine Gastfamilie sein und ich möchte da auch gar nichts in schlechtes Licht rücken. Nein, das soll einfach nur eine reine Beschreibung über meine Lebensverhältnisse in Archidona bieten.
Aber wo ich grade schon bei meiner Gastfamilie bin: eventuell habe ich bereits erwähnt, dass mein Gastvater hier im Ort wirklich JEDEN kennt. Egal, worauf wir ihn ansprechen und worum es geht, immer heißt es: "Achso klar, ja da arbeitet ja auch ein guter Freund von mir!". Und sobald wir im Auto durchs Dorf unterwegs sind grüßt er an jeder zweiten Ecke irgendjemanden aus dem Fenster raus es ist unglaublich. Aber entweder liegt der Grund für seine Popularität in Folgendem, oder aber das Projekt konnte nur seiner Bekanntheit wegen umgesetzt werden: mein Gastvater ist nämlich Präsident einer der hiesigen Kirchen. Kein Pastor oder Priester, aber eben Präsident dieses Gotteshauses, das vor ca. 2 Jahren entstanden oder renoviert worden sein muss. Jetzt bin ich zwar nicht gläubig, aber nachdem wir an unserem ersten Sonntag einmal dorthin zwangsverschleppt wurden, um der Gemeinde vorgestellt zu werden (die Kirche hängt mit einer der Schulen zusammen, an der ich arbeite), habe ich mich dazu entschlossen, jetzt einfach mal regelmäßig dort aufzutauchen und so gehe ich neuerdings jeden Sonntag mit meinem Gastvater und meinem Gastbruder zum Gottesdienst.
Jo.
Aber weiter mit meinen Wochenerlebnissen. Die enden tatsächlich wieder am Samstag, bevor dieser Blog hier online geht und zwar in Puerto Misahualli. Das ist ein kleiner Ort am Rio Napo (ein großer Amazonaszufluss) mit Strand und bekannt für seine Affen. Selbige haben wir auch gesehen, als wir nach einer Stunde Fahrt in entspannten 32 Grad Celsius dort angekommen sind. Und die waren auch ganz lustig, aber leider ist der gesamte Ort ziemlich touristisch und ich sage es mal so: die Affen haben gelernt, wie sie sich verhalten müssen, damit sie Essen bekommen. Die haben da eine Show nur für uns Touris abgezogen, so hat's sich angefühlt. Aber naja. Sonst zu erwähnen ist noch nicht viel, eigentlich. Abgesehen von dem bereits Berichteten gibt Misahualli nämlich nicht viel her. So sind wir einfach durch den Ort geschlendert, hier ein bisschen was gegessen und dort mal ins Wasser gehüpft. Schließlich ging es dann noch mit dem Boot rüber zu einer von Frauen geführten Community Misahuallis, die wir uns anschauen wollten. Eigentlich nur das Gelände, allerdings haben wir versehentlich den nicht notwendigen Eintritt bezahlt, der einem im Prinzip die Erlaubnis gibt, direkt bei einer indigenen Tanzvorführung dabei zu sein. Das war keine Absicht, denn ich muss ganz ehrlich sagen: es ist aber mal so ÜBERHAUPT NICHT mein Ding, dafür zu bezahlen oder es mir auch einfach so anzuschauen, wie andere Menschen ihre Traditionen vortanzen oder so etwas in der Art. Es fühlt sich an wie im Zoo und damit komme ich einfach nicht klar. Auch wenn die Show an sich nett und lustig war, keine Frage. Wir haben einen Tee bekommen, fancy Gesichtsbemalung und mussten sogar mittanzen. Aber es fühlt sich für mich einfach falsch an, bei so etwas teilzunehmen. Ganz schwierig zu beschreiben. Wobei natürlich auch klar ist, dass diese Vermarktung der eigenen Kultur teilweise die einzige Möglichkeit dieser Menschen ist, ihre Traditionen und Lebensweisen mit finanziellen Mitteln aufrechtzuerhalten. Naja Letztendlich war es ganz nett und wir wurden danach auch noch über das Gelände geführt, wirklich wohl gefühlt habe ich mich zumindest bei dieser Show aber wie gesagt nicht.
Nachdem wir anschließend mit dem Boot wieder im Ort Misahualli angekommen sind, ging es auch wieder zurück nach Archidona. Im Bus, so dachten wir zumindest. Plötzlich war es dann allerdings ein moderner Pick-Up, der vor der Station gehalten und einmal "Tena!" aus dem Fenster gerufen hat. Und wenn ich eine Sache in Quito gelernt habe: je moderner das Taxi, desto eher wird man ausgeraubt oder entführt. Zwar sind nicht alle modernen Taxen automatisch von irgendwelchen Gangstern, aber die Autos, die alle Merkmale eines seriösen Taxis aufweisen, sind in aller Regel diejenigen, die aussehen, als ich drücke das mal vorsichtig aus: als hätten sie bereits seeehr viele Jahre auf dem Buckel. Moderne Wagen hingegen sind häufig (aber natürlich nicht immer) von Privatpersonen und ohne offizielle Lizenz unterwegs da sollte man vorsichtig sein. Aber: das gilt nur für Quito, nicht unbedingt für den Regenwald. Hier ist der Pick-Up ein gerne genutztes öffentliches Verkehrsmittel und in diesem Falle auch tatsächlich der Ersatz für einen Bus gewesen. Nachdem also ein anderer Herr, der an der Haltestelle gewartet hat, in das Auto gestiegen ist, haben wir uns auch reingewagt und sind schließlich in einem wirklich bemerkenswert modernen Auto inklusive Anschnalloption (!) mit 100 Sachen durch die Serpentinen des Regenwalds geheizt. Da sich bereits 80 km/h anfühlen wie 200, kann man sich ja denken, was so meine Gefühlslage während der Fahrt war. Aber mal im Ernst: ich habe mich da jetzt nicht irgendwie unsicher gefühlt oder so. Der gute Mann ist akzeptabel gefahren und wegen der bombastischen Federung des Geländewagens war jedes 50cm-Schlagloch nur eine leichte Massage meines Gesäßbereichs. Und wer nun eins und eins zusammenzählen kann, der wird sich vermutlich bereits gedacht haben, dass ich wieder sicher zuhause bin sonst würde ich ja wohl kaum gerade über diese Fahrt berichten.
Und damit wär's das auch schon wieder für diesen Blogeintrag. Wobei: ich möchte noch kurz erwähnen, wie krass ich es finde, dass ich mich bereits so schnell an die Lebensverhältnisse hier gewöhnt habe. Zumindest, was die Natur angeht. Es ist kaum mehr etwas besonderes, einen guten Blick auf die bewaldeten Berge zu haben. Und dass jede Straße gesäumt von üppiger Vegetation ist, das das ist nun halt normal. Dabei ist all das überhaupt nicht selbstverständlich, zumindest aus meiner deutschen Sicht. Dennoch fällt es mir kaum noch richtig auf und das ist doch schon irgendwo bemerkenswert.
Bis in zwei Wochen!
Aber darum soll es ja gar nicht gehen, sondern um meine Erlebnisse hier in Ecuador. Die sind nämlich quasi unmittelbar nach meinem letzten Blogeintrag weitergegangen, am Sonntag dessen Veröffentlichung.
An diesem Tag sind wir nämlich mit unserer Gastmutter zu dem hiesigen "Tourism-Center Napo" gefahren. Napo ist die Region, in der wir hier leben. Deren Hauptstadt ist Tena und Archidona liegt eben auch darin. Und "Tourism-Center", das klingt erstmal spektakulär war es aber nicht. Zumindest nicht in dem Sinne. Es handelt sich dabei mehr oder weniger um einen langen Weg durch Wald mit sehr vielen tollen Pflanzen und einer Geräuschkulisse, die beeindruckender kaum sein könnte: Vogelzwitschern, Grillenzirpen, Blätterrascheln, Wasserplätschern und zwischendrin einer dieser Tropenvögel mit ihrem Ruf, der klingt wie eine Art gefederte Version eines Wassertropfens, der in einen See fällt. Es ist schwierig zu beschreiben. Besonders aufgefallen ist mir auch noch die Luft, die einfach frisch und naja, nach Natur und Feuchtigkeit und Wärme riecht. Etwas, das ich bis jetzt höchstens mal in den Innenräumen eines botanischen Gartens erfahren konnte. Highlight des Tourism-Center war nun aber nicht die beschriebene Natur, sondern die dortigen Petroglyphen. Das sind Steinmalereien aus alten Zeiten (jeder Hobbyarchäologe wird mich für diese legendär gute und herausragend gut recherchierte Erklärung vermutlich lynchen wollen) und, soweit ich das verstanden habe, quasi die südamerikanische Version der Hieroglyphen. Die waren auch spannend, aber offen gestanden hat mich die Fauna drumherum ein wenig zu sehr in Beschlag genommen, sodass ich unserem Guide leider nur meine halbe Aufmerksamkeit schenken konnte.
Weiter ging es am Montag, und zwar nach Tena. Dort war ich an diesem Nachmittag alleine unterwegs und bin logischerweise auch die 20 Minuten wieder zurück nach Hause gefahren, im Bus. Und zwar so gegen 19:00 Uhr, da war es schon ziemlich dunkel. Schade nur, dass dieser Bus nicht bis ins Zentrum von Archidona gefahren ist sondern nur bis ungefähr eine halbe Stunde Fußweg davor. Direkt an der Landstraße wurde ich rausgelassen und musste noch zehn Minuten laufen, um überhaupt mal einen Gehweg zu erreichen. In vollkommener Dunkelheit, war ja bereits Sonnenuntergang gewesen. "Aber mein Freund!", fragt sich da sicherlich die eine oder der andere, "Du bist doch an der Landstraße gelaufen. Da gabs doch Straßenlaternen, wie sollen denn die Autos sich sonst orientieren können?!" Und dem möchte ich antworten: ja, da gab es Straßenlaternen ohne Ende. Die haben nur leider nicht geleuchtet. Weil: Stromausfall (was ich allerdings erst erfahren habe, als ich zuhause angekommen war). Ich bin also diese halbe Stunde in kompletter Dunkelheit, alleine nach Hause gelatscht und ich kann ganz offen sagen es gab bereits Situationen, in denen hab ich mich deutlich besser gefühlt. Naja, ist aber nix passiert. Um aber nochmal diesen Stromausfall zu thematisieren: sowas ist keine Ausnahme in Ecuador, zumindest aktuell nicht. Denn zurzeit erlebt ganz Südamerika eine der heftigsten Dürren überhaupt in den meisten Regionen Ecuadors wurde bereits allerhöchste Alarmstufe ausgerufen. Es gibt also keine wirklichen Regenfälle (bisschen blöd, lebe ich doch im Regenwald) und da neben der dadurch gefährdeten Wasserversorgung auch die Stromgewinnung durch eben Wasser erfolgt, wird selbiger in ganz Ecuador täglich für teils mehr als 15 Stunden abgeschaltet. Das ist genau so doof, wie es sich anhört. Ehrlich gesagt noch ein bisschen blöder. Weil: nicht nur Strom und Wasser hängen am Regen, auch die Temperatur. Sobald es im extra nach Niederschlag benannten Regenwald nämlich Wasserergüsse gibt, dann drosselt das auch ganz ordentlich die hiesige Hitze und aus 31 Grad zur Mittagszeit werden ein Tagesmaximum von 27 Grad Celsius. Das hört sich immer noch warm an, macht aber einen enormen Unterschied.
Joa.
Tatsächlich wurde mir jetzt aber bereits mehrfach bestätigt, dass selbst für die Einheimischen hier die Temperaturen von über 30 Grad Celsius schon "echt ziemlich warm" sind und das definitiv nicht die Norm ist. Darüber hinaus sind September und Oktober offenbar sowieso die wärmsten Monate des Jahres, danach kühlt es immer einigermaßen ab und mit dem bekannten Wetterphänomen "El Niño", das diesen Dezember losgehen soll, wird es hoffentlich noch weitere Temperatursenkungen geben. Mal sehen.
Jedenfalls war am Donnerstag, den 26. September hier in Ecuador der "Dia de la Bandera", also der Tag der Fahne. Ist was halbwegs besonderes, aber auch nicht besonders genug für einen Feiertag. In der Schule wurde das allerdings mit vor den Eltern präsentiertem Marschieren der älteren Schüler gefeiert, inklusive Fahnen von Ecuador, Archidona sowie der Schule an sich. Anschließend gab es noch ein gemeinsames Mittagessen mit allen Lehrern, Eltern und Kindern, das wir nach den dreieinhalb Stunden unbeteiligten Rumsitzens auch dringend nötig hatten. Davor und währenddessen habe ich dann mit einigen Lehrerinnen noch ein intensives Gespräch über meine Nase geführt, bei der sie nämlich Gewissheit haben wollten, ob sie nun natürlich sei oder durch einen operativen Eingriff geformt wurde so Formschön, wie die offenbar ist.
Skurill.
Ich meine, ich habe ja schon vieles über meine Augen und meine Hände gehört aber meine Nase stand noch nie zur Diskussion. Da hat sich jahrelanges (Zwangs-)Training durch Heuschnupfen definitiv ausgezahlt, würde ich sagen! Und ja, ich erwähne das hier hauptsächlich, weil dieses Gespräch mein Ego durchaus ein wenig gestärkt hat, das muss ich zugeben.
Allerdings war der "Dia de la Bandera" nicht das einzige Ereignis des Tages. Nein, Abends wurden wir von unserer Familie auch noch zum Essen ins Restaurant eingeladen, da am nächsten Tag unsere Gastmutter Geburtstag hatte. Das an sich ist nicht wirklich spektakulär, auf dem Rückweg wurden wir allerdings angehalten und so bin ich doch tatsächlich das erste mal in meinem Leben in eine Polizeikontrolle geraten. Streng genommen war es sogar eine Militärkontrolle, standen neben den 3 Polizisten nämlich vor allem Soldaten drumherum. Ziemlich viele, offen gestanden. Und gut gerüstet auf jeden Fall beeindruckend. Prüfen wollten die uns alle auf Waffen, aus irgendeinem Grund gab es eine Kontrolle aber nur für die Frauen im Auto. Wir Herren der Schöpfung wurden einfach ausgelassen. Und da mir gerade auffällt, wie kritisch das klingt: das war es nicht. War eine stinknormale Personenkontrolle vor dem Auto, von einer weiblichen Soldatin an unseren weiblichen Mitfahrerinnen.
Naja.
Wichtig für den "Dia de la Bandera" war auch eine Einladung, die wir erhalten haben, von einer Mutter eines Schülers. Zum Brotessen und Empenadas machen, um genau zu sein. So haben wir es zumindest verstanden. In der Realität war dann die Hauptaktivität des entsprechenden Samstags allerdings Brot machen und naja, sonst so ein bisschen deren Haus und die Familie kennenzulernen. Aus unserem Gefühl war die Einladung nicht ganz Uneigennutz sondern sollte unter anderem dem Zweck dienen, dass die gute Frau ein bisschen Übung mit der englischen Sprache bekommt aber das soll mir recht sein. Denn ich bin ganz ehrlich: das war ein wirklich beeindruckender Tag! Das Backen an sich war jetzt nicht wirklich spektakulär, das Drumherum aber umso mehr. Nämlich hat diese Familie ein Haus mit großem Garten, in dem einerseits einige Tiere leben und außerdem sehr viele Pflanzen und vor allem Obstbäume bzw. -palmen wachsen. So hatten die dort Avocados, Ananas, Papaya, Yucca, Kokosnuss, die hiesige Form der Mandarine und wahrscheinlich noch viel mehr, das mir einfach nicht aufgefallen oder aktuell entschwunden ist. Nicht entfallen ist mir aber das Zuckerrohr, dass sie bei sich anbauen. Selbiges wird natürlich einerseits zur Zuckergewinnung genutzt, kann aber auch quasi frisch gepresst werden und wird auf diese Weise zu einem süßen und einfach unglaublich leckeren Saft vor allem in Kombination mit noch ein bisschen Zitrone. Köstlich. Ebenso wie der Kakao, den wir dort getrunken haben. Und nicht nur getrunken, im voraus auch gepflückt, geschält, geröstet, gemahlen und somit im Prinzip von Grund auf selber verarbeitet. Es war eine Erfahrung. Im absolut positivsten Sinne überhaupt. Bekanntschaft haben wir dann außerdem noch mit deren Hunden, den vielen Hühnern, dem hiesigen Papagei und der Schildkröte gemacht. Und auch wenn ich mir sicher bin, dass ich irgendwas vergessen habe es war total nett dort und wir haben eine tolle neue Bekanntschaft gemacht, die uns gleich noch zum nächsten Geburtstag in der Familie sowie zu einem gemeinsamen Ausflug in die nahe Großstadt Riobamba eingeladen hat. Achso: und das Brot, zu dessen Produktion wir ja ursprünglich eingeladen worden waren, das hat auch ziemlich gut geschmeckt.
Ich möchte an dieser Stelle übrigens noch einmal, ohne allerdings mit irgendeinem direkten Zusammenhang zu vorherigen Erzählungen, auf die sogenannte "Hora ecuadoriana" aufmerksam machen. Die "ecuadorianische Zeit", so die Übersetzung, bedeutet nämlich, dass man zu einem Termin erst 15-30 Minuten später erschient, teils wird sich auch noch mehr Zeit gelassen. Dieses Prinzip hat unsere Gastfamilie allerdings noch nicht so ganz verstanden, glaube ich. Bzw. sie setzen es ins Gegenteil um. Bedeutet konkret: wenn es heißt, dass es Frühstück um 08:30 Uhr gibt, dann wird um 08:10 Uhr an unsere Tür geklopft, wo wir denn sind. Die sind hier also sogar NOCH pünktlicher als wir Deutschen, in deren Form wir ja quasi synonym für überpünktlich stehen. Und als wäre das noch nicht anstrengend genug, paart sich dieses Zeitempfinden teils auch noch mit einer Spontanität, die wirklich einzigartig ist. Von dem Restaurantbesuch zum Geburtstag unserer Gastmutter, davon haben wir erfahren ungefähr eine Stunde, bevor wir uns ins Auto setzen sollten. Eine halbe Stunde später hieß es plötzlich, dass es bereits in 15 Minuten losgehe und diese 15 Minuten wurden nicht mal 60 Sekunden danach nochmal auf 2 Minuten revidiert. Und ich bin ganz ehrlich: das ist schon anstrengend, manchmal. Aber: diese Erläuterung hier soll keine Kritik über meine Gastfamilie sein und ich möchte da auch gar nichts in schlechtes Licht rücken. Nein, das soll einfach nur eine reine Beschreibung über meine Lebensverhältnisse in Archidona bieten.
Aber wo ich grade schon bei meiner Gastfamilie bin: eventuell habe ich bereits erwähnt, dass mein Gastvater hier im Ort wirklich JEDEN kennt. Egal, worauf wir ihn ansprechen und worum es geht, immer heißt es: "Achso klar, ja da arbeitet ja auch ein guter Freund von mir!". Und sobald wir im Auto durchs Dorf unterwegs sind grüßt er an jeder zweiten Ecke irgendjemanden aus dem Fenster raus es ist unglaublich. Aber entweder liegt der Grund für seine Popularität in Folgendem, oder aber das Projekt konnte nur seiner Bekanntheit wegen umgesetzt werden: mein Gastvater ist nämlich Präsident einer der hiesigen Kirchen. Kein Pastor oder Priester, aber eben Präsident dieses Gotteshauses, das vor ca. 2 Jahren entstanden oder renoviert worden sein muss. Jetzt bin ich zwar nicht gläubig, aber nachdem wir an unserem ersten Sonntag einmal dorthin zwangsverschleppt wurden, um der Gemeinde vorgestellt zu werden (die Kirche hängt mit einer der Schulen zusammen, an der ich arbeite), habe ich mich dazu entschlossen, jetzt einfach mal regelmäßig dort aufzutauchen und so gehe ich neuerdings jeden Sonntag mit meinem Gastvater und meinem Gastbruder zum Gottesdienst.
Jo.
Aber weiter mit meinen Wochenerlebnissen. Die enden tatsächlich wieder am Samstag, bevor dieser Blog hier online geht und zwar in Puerto Misahualli. Das ist ein kleiner Ort am Rio Napo (ein großer Amazonaszufluss) mit Strand und bekannt für seine Affen. Selbige haben wir auch gesehen, als wir nach einer Stunde Fahrt in entspannten 32 Grad Celsius dort angekommen sind. Und die waren auch ganz lustig, aber leider ist der gesamte Ort ziemlich touristisch und ich sage es mal so: die Affen haben gelernt, wie sie sich verhalten müssen, damit sie Essen bekommen. Die haben da eine Show nur für uns Touris abgezogen, so hat's sich angefühlt. Aber naja. Sonst zu erwähnen ist noch nicht viel, eigentlich. Abgesehen von dem bereits Berichteten gibt Misahualli nämlich nicht viel her. So sind wir einfach durch den Ort geschlendert, hier ein bisschen was gegessen und dort mal ins Wasser gehüpft. Schließlich ging es dann noch mit dem Boot rüber zu einer von Frauen geführten Community Misahuallis, die wir uns anschauen wollten. Eigentlich nur das Gelände, allerdings haben wir versehentlich den nicht notwendigen Eintritt bezahlt, der einem im Prinzip die Erlaubnis gibt, direkt bei einer indigenen Tanzvorführung dabei zu sein. Das war keine Absicht, denn ich muss ganz ehrlich sagen: es ist aber mal so ÜBERHAUPT NICHT mein Ding, dafür zu bezahlen oder es mir auch einfach so anzuschauen, wie andere Menschen ihre Traditionen vortanzen oder so etwas in der Art. Es fühlt sich an wie im Zoo und damit komme ich einfach nicht klar. Auch wenn die Show an sich nett und lustig war, keine Frage. Wir haben einen Tee bekommen, fancy Gesichtsbemalung und mussten sogar mittanzen. Aber es fühlt sich für mich einfach falsch an, bei so etwas teilzunehmen. Ganz schwierig zu beschreiben. Wobei natürlich auch klar ist, dass diese Vermarktung der eigenen Kultur teilweise die einzige Möglichkeit dieser Menschen ist, ihre Traditionen und Lebensweisen mit finanziellen Mitteln aufrechtzuerhalten. Naja Letztendlich war es ganz nett und wir wurden danach auch noch über das Gelände geführt, wirklich wohl gefühlt habe ich mich zumindest bei dieser Show aber wie gesagt nicht.
Nachdem wir anschließend mit dem Boot wieder im Ort Misahualli angekommen sind, ging es auch wieder zurück nach Archidona. Im Bus, so dachten wir zumindest. Plötzlich war es dann allerdings ein moderner Pick-Up, der vor der Station gehalten und einmal "Tena!" aus dem Fenster gerufen hat. Und wenn ich eine Sache in Quito gelernt habe: je moderner das Taxi, desto eher wird man ausgeraubt oder entführt. Zwar sind nicht alle modernen Taxen automatisch von irgendwelchen Gangstern, aber die Autos, die alle Merkmale eines seriösen Taxis aufweisen, sind in aller Regel diejenigen, die aussehen, als ich drücke das mal vorsichtig aus: als hätten sie bereits seeehr viele Jahre auf dem Buckel. Moderne Wagen hingegen sind häufig (aber natürlich nicht immer) von Privatpersonen und ohne offizielle Lizenz unterwegs da sollte man vorsichtig sein. Aber: das gilt nur für Quito, nicht unbedingt für den Regenwald. Hier ist der Pick-Up ein gerne genutztes öffentliches Verkehrsmittel und in diesem Falle auch tatsächlich der Ersatz für einen Bus gewesen. Nachdem also ein anderer Herr, der an der Haltestelle gewartet hat, in das Auto gestiegen ist, haben wir uns auch reingewagt und sind schließlich in einem wirklich bemerkenswert modernen Auto inklusive Anschnalloption (!) mit 100 Sachen durch die Serpentinen des Regenwalds geheizt. Da sich bereits 80 km/h anfühlen wie 200, kann man sich ja denken, was so meine Gefühlslage während der Fahrt war. Aber mal im Ernst: ich habe mich da jetzt nicht irgendwie unsicher gefühlt oder so. Der gute Mann ist akzeptabel gefahren und wegen der bombastischen Federung des Geländewagens war jedes 50cm-Schlagloch nur eine leichte Massage meines Gesäßbereichs. Und wer nun eins und eins zusammenzählen kann, der wird sich vermutlich bereits gedacht haben, dass ich wieder sicher zuhause bin sonst würde ich ja wohl kaum gerade über diese Fahrt berichten.
Und damit wär's das auch schon wieder für diesen Blogeintrag. Wobei: ich möchte noch kurz erwähnen, wie krass ich es finde, dass ich mich bereits so schnell an die Lebensverhältnisse hier gewöhnt habe. Zumindest, was die Natur angeht. Es ist kaum mehr etwas besonderes, einen guten Blick auf die bewaldeten Berge zu haben. Und dass jede Straße gesäumt von üppiger Vegetation ist, das das ist nun halt normal. Dabei ist all das überhaupt nicht selbstverständlich, zumindest aus meiner deutschen Sicht. Dennoch fällt es mir kaum noch richtig auf und das ist doch schon irgendwo bemerkenswert.
Bis in zwei Wochen!
Archidona, let's go!
22.09.2024
Nun isses soweit ich lebe in Archidona!
Ehrlich gesagt kann ich die Gesamtsituation aktuell nur schwer in Worte fassen
Also: wie in meinem letzten Blog erwähnt, gab es ein paar Verzögerungen und wir konnten nicht wie geplant am Wochenende nach Archidona fahren. Wir, das sind Leena, Tom und ich. Und die Verzögerungen, die gab es unserer ecuadorianischen ID wegen. Selbiges Ausweisdokument haben wir nämlich dann erst am Montag in Quito erhalten und direkt im Anschluss ging's mit dem Bus nach Archidona.
Von 15:30 Uhr bis 21:00 Uhr waren wir unterwegs in einem joa, schon ziemlich bequemen Bus. Reisebus halt. Und der hat sogar auf einem Bildschirm die ganze Zeit über Filme abgespielt! Schade nur, dass die echt ziemlich beschissen waren. Haben aber immerhin mit ihrer Nicht-Qualität die teilweise doch skurrile Atmosphäre unterstrichen.
Hier in Ecuador ist es nämlich üblich, dass ab und an kurz Leute zusteigen, die einem alle möglichen Dinge verkaufen wollen seien es Sombreros, Eiscreme oder frittiertes Hühnchen. Das passiert recht oft und ist für mich einfach total ungewohnt. Surprise.
Sonst kann ich zum hiesigen Straßenverkehr noch sagen, dass es enorm selten ist, hier mal einen Mercedes oder sonstige deutsche Autos zu sehen. Während in Deutschland ja gefühlt an jeder Ecke ein Maybach steht, bin ich hier immer total überrascht, nur einem VW auf der Straße zu begegnen. So etwas wie Mercedes, BMW oder Audi ist hier wirklich absoluter Luxus. Besonders verwunderlich ist es aber auch nicht: der schlechten und steilen Straßen wegen sind Pick-Ups und Geländewagen in Ecuador die Norm.
Aber zurück zur Busfahrt. Die war grundsätzlich wirklich cool und mit einer tollen Aussicht. Allerdings nur bis 18:30 Uhr dann war Sonnenuntergang und man hat anschließend gar nix mehr gesehen. Das hat unseren Busfahrer aber nicht davon abgehalten, mit gefühlt 100 Sachen durch die engsten Kurven und tiefsten Schlaglöcher zu knallen. Ich sage absichtlich "gefühlt 100 Sachen", denn in der Realität waren es doch nur 60 aus irgendeinem Grund fühlen sich schon die niedrigsten Geschwindigkeiten hier brutal schnell an.
Naja.
Um 21:30 Uhr sind wir dann in Archidona angekommen und wurden direkt herzlich von unserer Gastfamilie empfangen, bei klimatischen Bedingungen wie im Schmetterlingshaus. Das bedeutet konkret: warm und feucht und Grillenzirpen als passende Geräuschkulisse überall. Das hat irgendwie das in mir bestehende Regenwald-Klischee sehr bestärkt was allerdings in keinem Fall etwas negatives bedeuten soll. Unsere Gastfamilie war und ist jedenfalls sehr herzlich und freundlich, wie bereits erwähnt. Neben den beiden Eltern gibt es noch deren 11-jährigen Sohn sowie zwei Katzen, drei Hunde und jede Menge Hühner als Mitbewohner. Und ja, auch der obligatorische Hahn ist anwesend und er hat keine Hemmungen, auch gegen Mitternacht noch seine Meinung von der Welt lautstark kundzutun. Unser Haus ist jedenfalls toll. Es gibt einen Garten mit jeder Menge an eigenen Fruchtbäumen und -palmen, einen Swimmingpool in dem man mangels Länge zwar nicht swimmen aber zumindest sich abkühlen kann, eine Waschmaschine und wir haben das Obergeschoss komplett für uns. Dort befindet sich zwar nicht viel, aber eben unsere Zimmer von denen jeder ein eigenes (!) hat. Sehen können wir von dort aus direkt auf das hiesige Fußballstadion, das befindet sich nämlich unmittelbar gegenüber von meinem Fenster. Und auch der nächste Fluß ist nur fünf Minuten Fußweg entfernt! Ich hätte es zwar nicht gedacht, aber das ist wirklich Gold wert: so warm wie es hier ist, ist es für uns aktuell fast schon notwendig, einmal pro Tag dort schwimmen zu gehen.
Joa.
Aber wir sind ja überhaupt nicht zum entspannen hier, sondern zum arbeiten. Und damit haben wir auch angefangen, einen Tag nach unserer Ankunft. Ja was soll ich sagen: es war einfach nur toll! Wir wurden an der Schule für Kinder mit Behinderungen, an der wir nun mal tätig sind, sehr herzlich und freundlich empfangen, fast schon mit einer Art Festakt. Es ist total schön dort, mit netten Lehrern und Schülern. Von ersteren gibt es übrigens neun, von letzteren 25 also einigermaßen übersichtlich. Was genau wir dort nun wie helfen, das werde ich demnächst noch in einer separaten Sektion auf dieser Website hier erklären.
Nach unserem ersten Arbeitstag gab es jedenfalls irgendwann Abendessen (irgendwie logisch) und als Vegetarier, der ich nun ja nicht mehr bin, wurde auch ich mit Fleisch versorgt. Naja und prompt hatte ich dann ein Hühnerherz auf meiner Gabel. Das ist zwar nicht irgendwie schlimm oder so, aber als jemand, der sein ganzes Leben lang kaum Fleisch gegessen hat und wenn überhaupt dann nur sehr wählerisch es war ein kleines bisschen überfordernd, ehrlich gesagt. In irgendeiner Form besonders geschmeckt hat es allerdings nicht.
Nach dem Abendessen ging es dann allerdings direkt nochmal los, nämlich auf eine Beerdigung.
Genau.
An unserem ersten Tag in einer neuen Stadt und in dieser Gastfamilie.
Tja.
Wer genau gestorben ist, das wissen wir alle nicht. Und was wir da gemacht haben, das erst recht nicht. Aber unsere Gastfamilie hat uns mitgenommen, was vermutlich so viel heißt, wie dass sie uns direkt so richtig als Familienmitglieder sehen das ist ja auch irgendwie schön. Unser Highlight war allerdings der frei lebende Papagei, der sich bei dem dortigen Haus aufgehalten hat. Ein sehr schöner und beeindruckender Vogel. Die hiesige Fauna ist im Übrigen allgemein recht beeindruckend. Neben dem Papagei finden sich auch an jeder Ecke irgendwelche schillernden Schmetterlinge, fancy Vögel und sonstige Insekten. Auch fette Nashornkäfer (ich glaube zumindest, dass es sich bei diesen Viechern um Nashornkäfer handelt) haben wir bereits gesehen. Highlight war aber definitiv der Affe, der plötzlich im Baum hing, als wir gerade auf dem Weg zu unserem geliebten Fluß waren. Ich mein, ich hab zwar mit vielem gerechnet aber in direkter Nachbarschaft mit dem einen der anderen Affen zu wohnen, da hätte ich im Leben nicht dran gedacht. Ein Foto hab ich leider nicht, immerhin waren wir ja im Begriff schwimmen zu gehen. Da hatte ich kein Handy oder eine Kamera dabei.
Gegessen haben wir übrigens auch schon den skurrilsten und für uns deutsche unvorstellbarsten Kram. Gerade jetzt, wo ich dieses Segment des Blogs schreibe, da bin ich noch am verdauen dieser fetten Made, die ich vorhin verdrückt habe. Chontacurros heißen die hier. Und die waren frittiert, glücklicherweise. Die werden aber auch gerne mal Roh und teils sogar lebend gefuttert. Leicht überfordernd, das muss ich zugeben. Insgesamt ist das Essen hier jedenfalls sehr gut. Wir werden im Prinzip vollversorgt und kriegen drei Mahlzeiten am Tag, in aller Regel mit frischem Saft dazu. Nur beim Frühstück, da gibt es Kaffee. Wobei Kaffee hier das ist, was bei uns ein halbes Kilo Zucker mit ein bisschen Wasser und brauner Lebensmittelfarbe genannt wird. So schmeckt es zumindest. Der Kaffe und auch die Getränke allgemein (aber insbesondere Kaffe) sind nämlich brutal süß. Also WIRKLICH wirklich süß es ist brutal. Ansonsten gibt es hier bei jeder Mahlzeit Reis und zusätzlich entweder Yucca-Palme oder Kochbanane. Mit Yucca kann ich mich anfreunden, die schmeckt ein wenig wie Kartoffel, nur etwas mehliger und mit einem ganz dezenten Eigengeschmack. Und Kochbanane das ist nicht wirklich meins.
Aber Naja, da kann man wohl nix machen.
Wie auch immer, weiter geht es mit den ersten Erlebnissen hier in Archidona. Die beschränken sich nicht nur auf eine Beerdigung und meine Arbeit. Nein, unsere Gastfamilie nimmt uns nämlich mehr oder weniger überall hin mit, wo sie etwas zu erledigen haben oder eben einen Ausflug planen. Bzw. wir werden zu jeder Gelegenheit gefragt, ob wir irgendwo hin mitkommen wollen. So hatte ich bis jetzt beispielsweise bereites zwei mal die Möglichkeit, Tena zu besuchen. Tena, das ist die nächste größere Stadt hier in der Gegend. Zwanzig Minuten mit Auto oder Bus, letzterer für $0,25 und schon ist man in der mit 40.000 Einwohnern vier mal so groß wie Archidona geratenen Stadt. Und das ist auch ganz gut so. Ich bin wirklich zufrieden damit, dass wir in Archidona leben. Es ist schön hier und entspannt ich mag es. Aber: es fehlen so ein bisschen die Möglichkeiten, hier groß etwas in dem Ort selber zu erleben. Von daher finde ich es wirklich angenehm, Tena in der Nähe zu haben. Dort kann man viel Sport machen, es gibt einiges zu sehen und es ist insgesamt sehr viel moderner. Wenn mir hier in Archidona also mal die Decke auf den Kopf fällt oder es alles ein bisschen zu "heruntergekommen" oder "einfach" wird dann gehts nach Tena!
Mitgenommen wurden wir allerdings nicht nur dorthin, auch zur "Finca" unserer Gastfamilie. Eine "Finca", das kann man sich vorstellen wie eine Art Ferienhaus. In unserem Fall ist selbige gelegen inmitten des Regenwalds. Und zwar noch mehr im Regenwald, als wir in Archidona sowieso schon leben. Das bedeutet konkret: wir sind eine Dreiviertelstunde gefahren auf etwas, das man beim besten Willen nicht als Straße und auch kaum noch als Weg bezeichnen kann und noch nie bin ich so froh über diesen geländegängigen Pick Up Truck unserer Familie gewesen, der mit seiner himmelsgleichen Federung mir bereits mehrfach den Arsch gerettet hat, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Finca selbst kann man sich übrigens als "Holzplatten nebeneinander gestellt und wie ein Haus geformt" vorstellen. Allerdings mit zwei Stockwerken. Joa. Und wegen der Lage mitten im Wald haben wir selbigen auch erstmal ein wenig erkundet. Leider sind wir keiner der möglichen zwei Meter langen und auch menschenverspeisenden Schlangen begegnet, ebenso wenig wie einem der seltenen Jaguare oder sonstigem fancy Getier. Gesehen haben wir allerdings jede Menge exotische Pflanzen und Früchte und gehört eine fantastische Geräuschkulisse aus lustig klingenden Vögeln, Käfern und Insekten. Es war toll auch wenn ich der Moskitos wegen keine Nacht dort verbringen wollen würde.
Joa meine sonstigen Erlebnisse fasse ich jetzt einfach mal kurz Stichpunktartig zusammen.
Einen Gottesdienst, den habe ich besucht. Katholisch, logischerweise. Denn das ist der Glaube, dem hier die meisten Menschen angehören.
Nach einmal ordentlich Regen wurden die Temperaturen hier in Archidona mit "nur" 28 Grad Celsius mal so richtig angenehm. Da musste ich Mittags nicht mal den Fluss in Anspruch nehmen - es war kühl genug.
Aus irgendeinem Grund wurde am Mittwoch den 18.09. hier in ganz Ecuador der Strom abgeschaltet, für acht Stunden über Nacht. Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, warum genau das gemacht wurde, es soll wohl aus Kostengründen (Energie ist hier recht teuer) gewesen sein. Naja aber komischerweise isses in Archidona dann doch nicht dunkel geworden wir hatten die ganze Zeit über Strom.
Ich bin neuerdings dazu in der Lage, eigenständig einen dieser fancy Zauberwürfel zu lösen - und ordentlich stolz drauf, muss ich ehrlich sagen! Ich brauch teils weniger als 1 Minute und 45 Sekunden. Schon cool, find ich.
Und zuletzt ist da wohl noch diese Party zu erwähnen, auf der ich war. Eine Art Abschlussfeier einer Schülerin unserer Schule die wir allerdings nicht kennen. Unsere Gastmutter aber, immerhin ist sie nun mal auch Lehrerin an ebendieser Schule. Entsprechend sind wir am Samstagabend zu dieser Feier gedüst und hatten dort eine Joa, mehr oder weniger lustige Zeit. Es gab leckeres Essen und die Atmosphäre war auch voll in Ordnung. Ein kleines Problem war aber: ich kann nichr bzw. möchte eher weniger tanzen, wurde aber dauerhaft aufgefordert. Und das große Problem war: Ich hab noch nie in meinem Leben so richtig Alkohol getrunken, das war hier aber so das Hauptgetränk und plötzlich stand eine offene 1,5 Liter Bierflasche auf meinem Schoß. Grundsätzlich nicht schlimm, ich muss die ja nicht austrinken. Aber: es ist gängiger Brauch, sich eine Bierflasche und einen Plastikbecher zu schnappen, damit durch die Reihen zu gehen und jeder Person, die man sympathisch findet oder so, diesen Becher aufzufüllen. Ist dann ne Respektsache, diesen Becher auch zu leeren. Leider Gottes wurden mir erstaunlich viele dieser Becher angedreht, zwischendrin auch mal ein kleiner Shot Wodka (oder halt Vodka, je nachdem). Als wir uns dann verabschieden wollten, hat tatsächlich auch das nicht geklappt denn so ungefähr jede zweite Person wollte noch ein Foto mit uns haben, die Gringos, die wir halt sind. Skurril. Jetzt bin ich jedenfalls halb tot, während ich diesen finalen Blog-Part verfasse.
Uff.
Und das wars dann auch schon wieder mit meinem Blogeintrag. Ich hoffe, ich konnte einen vernünftigen und anschaulichen Ersteindruck von meinem Leben hier in Archidona geben. Was genau ich hier arbeite, das werde ich wie bereits erwähnt demnächst nochmal separat auf dieser Website erläutern.
Bundesgartenciao!
Ehrlich gesagt kann ich die Gesamtsituation aktuell nur schwer in Worte fassen
Also: wie in meinem letzten Blog erwähnt, gab es ein paar Verzögerungen und wir konnten nicht wie geplant am Wochenende nach Archidona fahren. Wir, das sind Leena, Tom und ich. Und die Verzögerungen, die gab es unserer ecuadorianischen ID wegen. Selbiges Ausweisdokument haben wir nämlich dann erst am Montag in Quito erhalten und direkt im Anschluss ging's mit dem Bus nach Archidona.
Von 15:30 Uhr bis 21:00 Uhr waren wir unterwegs in einem joa, schon ziemlich bequemen Bus. Reisebus halt. Und der hat sogar auf einem Bildschirm die ganze Zeit über Filme abgespielt! Schade nur, dass die echt ziemlich beschissen waren. Haben aber immerhin mit ihrer Nicht-Qualität die teilweise doch skurrile Atmosphäre unterstrichen.
Hier in Ecuador ist es nämlich üblich, dass ab und an kurz Leute zusteigen, die einem alle möglichen Dinge verkaufen wollen seien es Sombreros, Eiscreme oder frittiertes Hühnchen. Das passiert recht oft und ist für mich einfach total ungewohnt. Surprise.
Sonst kann ich zum hiesigen Straßenverkehr noch sagen, dass es enorm selten ist, hier mal einen Mercedes oder sonstige deutsche Autos zu sehen. Während in Deutschland ja gefühlt an jeder Ecke ein Maybach steht, bin ich hier immer total überrascht, nur einem VW auf der Straße zu begegnen. So etwas wie Mercedes, BMW oder Audi ist hier wirklich absoluter Luxus. Besonders verwunderlich ist es aber auch nicht: der schlechten und steilen Straßen wegen sind Pick-Ups und Geländewagen in Ecuador die Norm.
Aber zurück zur Busfahrt. Die war grundsätzlich wirklich cool und mit einer tollen Aussicht. Allerdings nur bis 18:30 Uhr dann war Sonnenuntergang und man hat anschließend gar nix mehr gesehen. Das hat unseren Busfahrer aber nicht davon abgehalten, mit gefühlt 100 Sachen durch die engsten Kurven und tiefsten Schlaglöcher zu knallen. Ich sage absichtlich "gefühlt 100 Sachen", denn in der Realität waren es doch nur 60 aus irgendeinem Grund fühlen sich schon die niedrigsten Geschwindigkeiten hier brutal schnell an.
Naja.
Um 21:30 Uhr sind wir dann in Archidona angekommen und wurden direkt herzlich von unserer Gastfamilie empfangen, bei klimatischen Bedingungen wie im Schmetterlingshaus. Das bedeutet konkret: warm und feucht und Grillenzirpen als passende Geräuschkulisse überall. Das hat irgendwie das in mir bestehende Regenwald-Klischee sehr bestärkt was allerdings in keinem Fall etwas negatives bedeuten soll. Unsere Gastfamilie war und ist jedenfalls sehr herzlich und freundlich, wie bereits erwähnt. Neben den beiden Eltern gibt es noch deren 11-jährigen Sohn sowie zwei Katzen, drei Hunde und jede Menge Hühner als Mitbewohner. Und ja, auch der obligatorische Hahn ist anwesend und er hat keine Hemmungen, auch gegen Mitternacht noch seine Meinung von der Welt lautstark kundzutun. Unser Haus ist jedenfalls toll. Es gibt einen Garten mit jeder Menge an eigenen Fruchtbäumen und -palmen, einen Swimmingpool in dem man mangels Länge zwar nicht swimmen aber zumindest sich abkühlen kann, eine Waschmaschine und wir haben das Obergeschoss komplett für uns. Dort befindet sich zwar nicht viel, aber eben unsere Zimmer von denen jeder ein eigenes (!) hat. Sehen können wir von dort aus direkt auf das hiesige Fußballstadion, das befindet sich nämlich unmittelbar gegenüber von meinem Fenster. Und auch der nächste Fluß ist nur fünf Minuten Fußweg entfernt! Ich hätte es zwar nicht gedacht, aber das ist wirklich Gold wert: so warm wie es hier ist, ist es für uns aktuell fast schon notwendig, einmal pro Tag dort schwimmen zu gehen.
Joa.
Aber wir sind ja überhaupt nicht zum entspannen hier, sondern zum arbeiten. Und damit haben wir auch angefangen, einen Tag nach unserer Ankunft. Ja was soll ich sagen: es war einfach nur toll! Wir wurden an der Schule für Kinder mit Behinderungen, an der wir nun mal tätig sind, sehr herzlich und freundlich empfangen, fast schon mit einer Art Festakt. Es ist total schön dort, mit netten Lehrern und Schülern. Von ersteren gibt es übrigens neun, von letzteren 25 also einigermaßen übersichtlich. Was genau wir dort nun wie helfen, das werde ich demnächst noch in einer separaten Sektion auf dieser Website hier erklären.
Nach unserem ersten Arbeitstag gab es jedenfalls irgendwann Abendessen (irgendwie logisch) und als Vegetarier, der ich nun ja nicht mehr bin, wurde auch ich mit Fleisch versorgt. Naja und prompt hatte ich dann ein Hühnerherz auf meiner Gabel. Das ist zwar nicht irgendwie schlimm oder so, aber als jemand, der sein ganzes Leben lang kaum Fleisch gegessen hat und wenn überhaupt dann nur sehr wählerisch es war ein kleines bisschen überfordernd, ehrlich gesagt. In irgendeiner Form besonders geschmeckt hat es allerdings nicht.
Nach dem Abendessen ging es dann allerdings direkt nochmal los, nämlich auf eine Beerdigung.
Genau.
An unserem ersten Tag in einer neuen Stadt und in dieser Gastfamilie.
Tja.
Wer genau gestorben ist, das wissen wir alle nicht. Und was wir da gemacht haben, das erst recht nicht. Aber unsere Gastfamilie hat uns mitgenommen, was vermutlich so viel heißt, wie dass sie uns direkt so richtig als Familienmitglieder sehen das ist ja auch irgendwie schön. Unser Highlight war allerdings der frei lebende Papagei, der sich bei dem dortigen Haus aufgehalten hat. Ein sehr schöner und beeindruckender Vogel. Die hiesige Fauna ist im Übrigen allgemein recht beeindruckend. Neben dem Papagei finden sich auch an jeder Ecke irgendwelche schillernden Schmetterlinge, fancy Vögel und sonstige Insekten. Auch fette Nashornkäfer (ich glaube zumindest, dass es sich bei diesen Viechern um Nashornkäfer handelt) haben wir bereits gesehen. Highlight war aber definitiv der Affe, der plötzlich im Baum hing, als wir gerade auf dem Weg zu unserem geliebten Fluß waren. Ich mein, ich hab zwar mit vielem gerechnet aber in direkter Nachbarschaft mit dem einen der anderen Affen zu wohnen, da hätte ich im Leben nicht dran gedacht. Ein Foto hab ich leider nicht, immerhin waren wir ja im Begriff schwimmen zu gehen. Da hatte ich kein Handy oder eine Kamera dabei.
Gegessen haben wir übrigens auch schon den skurrilsten und für uns deutsche unvorstellbarsten Kram. Gerade jetzt, wo ich dieses Segment des Blogs schreibe, da bin ich noch am verdauen dieser fetten Made, die ich vorhin verdrückt habe. Chontacurros heißen die hier. Und die waren frittiert, glücklicherweise. Die werden aber auch gerne mal Roh und teils sogar lebend gefuttert. Leicht überfordernd, das muss ich zugeben. Insgesamt ist das Essen hier jedenfalls sehr gut. Wir werden im Prinzip vollversorgt und kriegen drei Mahlzeiten am Tag, in aller Regel mit frischem Saft dazu. Nur beim Frühstück, da gibt es Kaffee. Wobei Kaffee hier das ist, was bei uns ein halbes Kilo Zucker mit ein bisschen Wasser und brauner Lebensmittelfarbe genannt wird. So schmeckt es zumindest. Der Kaffe und auch die Getränke allgemein (aber insbesondere Kaffe) sind nämlich brutal süß. Also WIRKLICH wirklich süß es ist brutal. Ansonsten gibt es hier bei jeder Mahlzeit Reis und zusätzlich entweder Yucca-Palme oder Kochbanane. Mit Yucca kann ich mich anfreunden, die schmeckt ein wenig wie Kartoffel, nur etwas mehliger und mit einem ganz dezenten Eigengeschmack. Und Kochbanane das ist nicht wirklich meins.
Aber Naja, da kann man wohl nix machen.
Wie auch immer, weiter geht es mit den ersten Erlebnissen hier in Archidona. Die beschränken sich nicht nur auf eine Beerdigung und meine Arbeit. Nein, unsere Gastfamilie nimmt uns nämlich mehr oder weniger überall hin mit, wo sie etwas zu erledigen haben oder eben einen Ausflug planen. Bzw. wir werden zu jeder Gelegenheit gefragt, ob wir irgendwo hin mitkommen wollen. So hatte ich bis jetzt beispielsweise bereites zwei mal die Möglichkeit, Tena zu besuchen. Tena, das ist die nächste größere Stadt hier in der Gegend. Zwanzig Minuten mit Auto oder Bus, letzterer für $0,25 und schon ist man in der mit 40.000 Einwohnern vier mal so groß wie Archidona geratenen Stadt. Und das ist auch ganz gut so. Ich bin wirklich zufrieden damit, dass wir in Archidona leben. Es ist schön hier und entspannt ich mag es. Aber: es fehlen so ein bisschen die Möglichkeiten, hier groß etwas in dem Ort selber zu erleben. Von daher finde ich es wirklich angenehm, Tena in der Nähe zu haben. Dort kann man viel Sport machen, es gibt einiges zu sehen und es ist insgesamt sehr viel moderner. Wenn mir hier in Archidona also mal die Decke auf den Kopf fällt oder es alles ein bisschen zu "heruntergekommen" oder "einfach" wird dann gehts nach Tena!
Mitgenommen wurden wir allerdings nicht nur dorthin, auch zur "Finca" unserer Gastfamilie. Eine "Finca", das kann man sich vorstellen wie eine Art Ferienhaus. In unserem Fall ist selbige gelegen inmitten des Regenwalds. Und zwar noch mehr im Regenwald, als wir in Archidona sowieso schon leben. Das bedeutet konkret: wir sind eine Dreiviertelstunde gefahren auf etwas, das man beim besten Willen nicht als Straße und auch kaum noch als Weg bezeichnen kann und noch nie bin ich so froh über diesen geländegängigen Pick Up Truck unserer Familie gewesen, der mit seiner himmelsgleichen Federung mir bereits mehrfach den Arsch gerettet hat, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Finca selbst kann man sich übrigens als "Holzplatten nebeneinander gestellt und wie ein Haus geformt" vorstellen. Allerdings mit zwei Stockwerken. Joa. Und wegen der Lage mitten im Wald haben wir selbigen auch erstmal ein wenig erkundet. Leider sind wir keiner der möglichen zwei Meter langen und auch menschenverspeisenden Schlangen begegnet, ebenso wenig wie einem der seltenen Jaguare oder sonstigem fancy Getier. Gesehen haben wir allerdings jede Menge exotische Pflanzen und Früchte und gehört eine fantastische Geräuschkulisse aus lustig klingenden Vögeln, Käfern und Insekten. Es war toll auch wenn ich der Moskitos wegen keine Nacht dort verbringen wollen würde.
Joa meine sonstigen Erlebnisse fasse ich jetzt einfach mal kurz Stichpunktartig zusammen.
Einen Gottesdienst, den habe ich besucht. Katholisch, logischerweise. Denn das ist der Glaube, dem hier die meisten Menschen angehören.
Nach einmal ordentlich Regen wurden die Temperaturen hier in Archidona mit "nur" 28 Grad Celsius mal so richtig angenehm. Da musste ich Mittags nicht mal den Fluss in Anspruch nehmen - es war kühl genug.
Aus irgendeinem Grund wurde am Mittwoch den 18.09. hier in ganz Ecuador der Strom abgeschaltet, für acht Stunden über Nacht. Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, warum genau das gemacht wurde, es soll wohl aus Kostengründen (Energie ist hier recht teuer) gewesen sein. Naja aber komischerweise isses in Archidona dann doch nicht dunkel geworden wir hatten die ganze Zeit über Strom.
Ich bin neuerdings dazu in der Lage, eigenständig einen dieser fancy Zauberwürfel zu lösen - und ordentlich stolz drauf, muss ich ehrlich sagen! Ich brauch teils weniger als 1 Minute und 45 Sekunden. Schon cool, find ich.
Und zuletzt ist da wohl noch diese Party zu erwähnen, auf der ich war. Eine Art Abschlussfeier einer Schülerin unserer Schule die wir allerdings nicht kennen. Unsere Gastmutter aber, immerhin ist sie nun mal auch Lehrerin an ebendieser Schule. Entsprechend sind wir am Samstagabend zu dieser Feier gedüst und hatten dort eine Joa, mehr oder weniger lustige Zeit. Es gab leckeres Essen und die Atmosphäre war auch voll in Ordnung. Ein kleines Problem war aber: ich kann nichr bzw. möchte eher weniger tanzen, wurde aber dauerhaft aufgefordert. Und das große Problem war: Ich hab noch nie in meinem Leben so richtig Alkohol getrunken, das war hier aber so das Hauptgetränk und plötzlich stand eine offene 1,5 Liter Bierflasche auf meinem Schoß. Grundsätzlich nicht schlimm, ich muss die ja nicht austrinken. Aber: es ist gängiger Brauch, sich eine Bierflasche und einen Plastikbecher zu schnappen, damit durch die Reihen zu gehen und jeder Person, die man sympathisch findet oder so, diesen Becher aufzufüllen. Ist dann ne Respektsache, diesen Becher auch zu leeren. Leider Gottes wurden mir erstaunlich viele dieser Becher angedreht, zwischendrin auch mal ein kleiner Shot Wodka (oder halt Vodka, je nachdem). Als wir uns dann verabschieden wollten, hat tatsächlich auch das nicht geklappt denn so ungefähr jede zweite Person wollte noch ein Foto mit uns haben, die Gringos, die wir halt sind. Skurril. Jetzt bin ich jedenfalls halb tot, während ich diesen finalen Blog-Part verfasse.
Uff.
Und das wars dann auch schon wieder mit meinem Blogeintrag. Ich hoffe, ich konnte einen vernünftigen und anschaulichen Ersteindruck von meinem Leben hier in Archidona geben. Was genau ich hier arbeite, das werde ich wie bereits erwähnt demnächst nochmal separat auf dieser Website erläutern.
Bundesgartenciao!
Powererleben
08.09.2024
Eine wunderbeste Tageszeit, welche auch immer es aktuell ist, wünsche ich und willkommen zu meinem zweiten Ecuador-Blogeintrag, in dem ich ein bisschen mehr Spektakuläres als die zwei Wochen zuvor erzählen und fotografisch untermalen werde!
Denn: ich lebe ja nun schon deutlich länger hier in Ecuador bzw. Quito als bei meinem ersten Blogeintrag, das sollte der Logik wegen einleuchten.
Wie auch immer.
In den letzten zwei Wochen ist, wie bereits erwähnt, viel passiert. Erstmal hatte ich natürlich weiterhin meinen Spanischunterricht. Das hat insgesamt auch echt Spaß gemacht und war sehr cool, aber halt auch wirklich anstrengend meine Lehrerin hat nun mal AUSSCHLIEßLICH auf spanisch mit mir kommuniziert. Aber letztendlich hat es ganz gut gewirkt und ich würde zu behaupten wagen, dass ich erstens ganz gut den Inhalt des Gesagten meines Gesprächspartners verstehe und überdies auch vernünftig, wenn auch nur kurz, antworten kann.
Allerdings war der Spanischunterricht nicht den gesamten Tag über, es waren immer vier Stunden und der Rest dann Freizeit. Die habe ich genutzt, um an einem Nachmittag mit meinem Mitfreiwilligen Tom zur "Virgen del Panecillo" zu düsen. Das ist die hiesige Statue der Jungfrau Maria, vielleicht vergleichbar mit der bekannten Christusstatue in Rio de Janeiro. Dieses Monument hier in Quito befindet sich jedenfalls auf einem Hügel (ja, in Anbetracht der umliegenden tatsächlichen Berge wie Pichincha und weitere, kann ich bei diesem für den durchschnittlichen Norddeutschen klar als Gebirge definierten Erdhaufen wirklich nur von "Hügel" sprechen) und von dort aus bietet sich eine phänomenale Aussicht über die gesamte Stadt. Es ist einfach nur ein unglaubliches Panorama: umringt von Quitos Straßen und Häusern, ein wenig entfernt noch die Skyline der Hochhäuser aber das alles dennoch eingekesselt von den Anden. Und gleichzeitig ist Quito als Stadt so länglich, dass selbst der Horizont noch Häuser zeigt. Es ist beeindruckend. Ursprünglich hatten wir übrigens geplant, den Weg hoch zur Statue zu Fuß zurückzulegen, davon wurde uns aber dringend abgeraten sofern wir zumindest nicht ausgeraubt werden wollten. Und überraschenderweise hatten wir darauf tatsächlich eher weniger Lust, weswegen wir uns ein Taxi genommen haben. Das klingt erstmal nach klassisch "wohlstandsverwahrloster Europäer" und das ist es vermutlich auch irgendwie. Andererseits sind Taxis und Fortbewegungsmittel im Allgemeinen hier brutal günstig und so kann ich vollen Ernstes sagen: das waren die bestinvestierten $2.21 unseres Lebens!
Aber auch wenn sich das bereits spektakulär anhört: unser eigentliches Wochenhighlight wurde sogar noch getoppt! Nämlich sind wir an dem folgenden Wochenende mit unserem Sprachkurs fertig und somit mehr oder weniger frei gewesen, was unsere Tagesplanung angeht. Und entsprechend haben wir uns dazu entschlossen, gemeinsam als die Sechsergruppe, die wir hier sind, mit der TeleferiQo hoch auf den Pichincha zu fahren. Die TeleferiQo, das ist die Seilbahn hier in Quito. Und der Pichincha, das ist ein Berg mit ca. 4.750 Höhenmetern wobei einen die Seilbahn "nur" auf 3.900 Meter bringt und wir anschließend auch "nur" auf ca. 4.100 Meter hochgepilgert sind. Aber erstmal zum Weg zur Talstation: den haben wir aus Sicherheitsgründen auch wieder mit dem Taxi bewältigt (20 Minuten Fahrt = ca. $3.50) und ich sach's ehrlich: die Autofahrmentalität hier ist besonders. Geblinkt wird nicht wirklich viel, Spurwechsel immer dann, wenns nebendran grade schneller geht und allgemein wird auch gerne mit 100 Sachen durch die Stadt gekachelt. Selber Fahren will und werde ich hier garantiert nie. Zwischendurch hats am Straßenrand bzw. neben dem Highway übrigens ordentlich geraucht, aktuell sind hier soweit ich das richtig mitbekommen habe einige Wald- oder zumindest Buschbrände. Tja da muss dann wohl einfach die hiesige Feuerwehr ran. Trotzdem irgendwie beeindruckend. Aber zurück zum eigentlichen Ausflug: mit der TeleferiQo ging es innerhalb von 10 Minuten hoch auf den Pichincha und WOW! Der Ausblick von dort ist einfach nur fantastisch. Wir hatten offenbar auch einen perfekten Tag erwischt (strahlend blauer Himmel, wolkenlos) und somit Sicht auf den Antisana UND den Cotopaxi, zwei der höchsten Berge hier in Ecuador. Das war enorm beeindruckend und ziemlich selten, normalerweise sind nämlich beide Gipfel von Wolken verdeckt und somit nicht sichtbar. Von daher hätte das allein schon für einen perfekten Ausflug gereicht, aber auch sonst konnten wir von dort aus fast gesamt Quito überblicken. Enorm spektakulär, anders kann ich das nicht formulieren. Und nun bin ich auch sehr froh, mir vor einiger Zeit meine gute Kamera gekauft zu haben die ist nämlich ordentlich im Einsatz.
Tja tatsächlich war allerdings auch DIESER Ausflug nicht das Highlight unserer Woche! Denn: am Tag darauf waren wir als Teil einer Ausflugsgruppe den ganzen Tag unterwegs und zwar zum Cotopaxi sowie zum Quilotoa. Unsere Ausflugsgruppe war nämlich eine Gruppe Englischlernender, deren Institut eine Art Kooperation mit unser Organisation hat. Wir als Freiwillige dürfen dort deutlich vergünstigt (in unserem Fall für $20) mit auf den Ausflug, im Gegenzug haben die Lernenden dort die Gelegenheit, mit Ausländern und (hoffentlich) guten Englischsprechern in Unterhaltung zu treten. Das war natürlich irgendwie eine Art Jackpot für uns. Um 05:00 Uhr morgens ging es los und wir sind im Bus mit gefühlt Tempo 150 aus Quito raus in Richtung Cotopaxi geheizt. Zwischendrin gab es Frühstück und naja, irgendwann waren wir dann am Fuß des Berges. Wobei der Cotopaxi eigentlich ein Vulkan ist, wie gefühlt alles in den Anden hier. Jedenfalls: es war eine spektakuläre Fahrt durch den dortigen Nationalpark, auch wenn ich zeitweise ein wenig das Vertrauen in unseren Bus verloren habe. Der hat nämlich ordentlich geschwankt (SEEEEEEHR ordentlich), je näher wir am Cotopaxi waren. Das mag allerdings auch an der dortigen Straße gelegen haben, welche nämlich nicht existent sondern an deren Stelle eine Art Kiespfad vorhanden war. Aber auch die gefühlten 120% Steigung, an denen unser Bus teilweise anfahren musste, haben schon für gut Zittern bei allen Fahrgästen gesorgt. Ne Achterbahn brauche ich jetzt erstmal nicht mehr besuchen. Letztendlich sind wir ja aber sicher angekommen und wurden auf den 4.700 Höhenmetern, auf denen wir ausgestiegen sind, erstmal von Windgeschwindigkeiten über 25 km/h und dem Sandsturm der Hölle begrüßt. Nicht so ganz einfach ist sie deshalb gewesen, unsere 1-stündige Wanderung aber Spaß gemacht hat sie allemal. Und wow war ich froh über meinen Rollkragenpullover, dessen Kragen ich nämlich ausklappen und als Gesichtschutz verwenden konnte!
Weiter ging es anschließend dann wieder mit dem Bus und zwar in Form einer ca. dreistündigen Fahrt in Richtung Quilotoa, während derer ich mich sehr gut mit meinen ecuadorianischen Mitfahrern unterhalten habe mit manchen bin ich jetzt sogar befreundet, in gewisser Weise. Die Reise ging jedenfalls durch Täler und über Berge und war insgesamt recht kurvig aber mit bombastischer Aussicht. Und auch der Quilotoa war mal wieder, ich weiß einfach nur spektakulär. Es handelt sich bei selbigem nämlich um einen Vulkankrater mit riesigem See innendrin und der Möglichkeit, in ebendiesen Krater runterzusteigen um direkt am Wasser zu stehen. Und ich weiß zwar nicht, ob der Quilotoa tatsächlich das beeindruckendste Naturspektakel ist, dass ich je gesehen habe aber es ist auf jeden Fall ganz oben auf der Liste dabei. Natürlich haben wir uns die Möglichkeit auch nicht nehmen lassen, in den Krater hinabzusteigen und damit gleichzeitig auch die Speicherkarte meiner Kamera an ihre Grenzen zu bringen. Und der Abstieg war, wenn auch sehr steil, vollkommen in Ordnung. Der Aufstieg hingegen uff. Weil: steil. Wir waren ziemlich außer Atem und ich hätte gerne meine Beine durch neue und frische ausgetauscht, als wir oben angekommen sind. Gelohnt hat es sich aber definitiv. Und nach der anschließenden dreieinhalbstündigen Busfahrt zurück nach Hause, waren wir um 23:30 Uhr auch endlich im Bett.
Und im Prinzip war es das dann auch schon wieder, mit meinen Erlebnissen der letzten zwei Wochen. Die letzten paar Tage war nämlich nur noch das Vorbereitungsseminar von uns Freiwilligen in Ecuador. Das hat fünf Tage gedauert und hauptsächlich von Kultur, Sicherheit und angebrachtem Benehmen gehandelt.
Und jetzt am Sonntag, da gehts los nach Archidona! Zu meinem Freiwilligenprojekt! In den Regenwald und alles drum und dran! so zumindest der Plan. Allerdings gab es leider Verzögerungen beim Beantragen der ecuadorianischen ID einiger Freiwilliger, so auch bei meiner. Und das hat nun dazu geführt, dass beschlossen wurde, dass wir erst zwei bis drei Tage später zu unserer Einsatzstelle fahren werden.
Tja da kann man nix machen.
Das wars aber nun auch wirklich für diesen Blogeintrag.
Adios.
Denn: ich lebe ja nun schon deutlich länger hier in Ecuador bzw. Quito als bei meinem ersten Blogeintrag, das sollte der Logik wegen einleuchten.
Wie auch immer.
In den letzten zwei Wochen ist, wie bereits erwähnt, viel passiert. Erstmal hatte ich natürlich weiterhin meinen Spanischunterricht. Das hat insgesamt auch echt Spaß gemacht und war sehr cool, aber halt auch wirklich anstrengend meine Lehrerin hat nun mal AUSSCHLIEßLICH auf spanisch mit mir kommuniziert. Aber letztendlich hat es ganz gut gewirkt und ich würde zu behaupten wagen, dass ich erstens ganz gut den Inhalt des Gesagten meines Gesprächspartners verstehe und überdies auch vernünftig, wenn auch nur kurz, antworten kann.
Allerdings war der Spanischunterricht nicht den gesamten Tag über, es waren immer vier Stunden und der Rest dann Freizeit. Die habe ich genutzt, um an einem Nachmittag mit meinem Mitfreiwilligen Tom zur "Virgen del Panecillo" zu düsen. Das ist die hiesige Statue der Jungfrau Maria, vielleicht vergleichbar mit der bekannten Christusstatue in Rio de Janeiro. Dieses Monument hier in Quito befindet sich jedenfalls auf einem Hügel (ja, in Anbetracht der umliegenden tatsächlichen Berge wie Pichincha und weitere, kann ich bei diesem für den durchschnittlichen Norddeutschen klar als Gebirge definierten Erdhaufen wirklich nur von "Hügel" sprechen) und von dort aus bietet sich eine phänomenale Aussicht über die gesamte Stadt. Es ist einfach nur ein unglaubliches Panorama: umringt von Quitos Straßen und Häusern, ein wenig entfernt noch die Skyline der Hochhäuser aber das alles dennoch eingekesselt von den Anden. Und gleichzeitig ist Quito als Stadt so länglich, dass selbst der Horizont noch Häuser zeigt. Es ist beeindruckend. Ursprünglich hatten wir übrigens geplant, den Weg hoch zur Statue zu Fuß zurückzulegen, davon wurde uns aber dringend abgeraten sofern wir zumindest nicht ausgeraubt werden wollten. Und überraschenderweise hatten wir darauf tatsächlich eher weniger Lust, weswegen wir uns ein Taxi genommen haben. Das klingt erstmal nach klassisch "wohlstandsverwahrloster Europäer" und das ist es vermutlich auch irgendwie. Andererseits sind Taxis und Fortbewegungsmittel im Allgemeinen hier brutal günstig und so kann ich vollen Ernstes sagen: das waren die bestinvestierten $2.21 unseres Lebens!
Aber auch wenn sich das bereits spektakulär anhört: unser eigentliches Wochenhighlight wurde sogar noch getoppt! Nämlich sind wir an dem folgenden Wochenende mit unserem Sprachkurs fertig und somit mehr oder weniger frei gewesen, was unsere Tagesplanung angeht. Und entsprechend haben wir uns dazu entschlossen, gemeinsam als die Sechsergruppe, die wir hier sind, mit der TeleferiQo hoch auf den Pichincha zu fahren. Die TeleferiQo, das ist die Seilbahn hier in Quito. Und der Pichincha, das ist ein Berg mit ca. 4.750 Höhenmetern wobei einen die Seilbahn "nur" auf 3.900 Meter bringt und wir anschließend auch "nur" auf ca. 4.100 Meter hochgepilgert sind. Aber erstmal zum Weg zur Talstation: den haben wir aus Sicherheitsgründen auch wieder mit dem Taxi bewältigt (20 Minuten Fahrt = ca. $3.50) und ich sach's ehrlich: die Autofahrmentalität hier ist besonders. Geblinkt wird nicht wirklich viel, Spurwechsel immer dann, wenns nebendran grade schneller geht und allgemein wird auch gerne mit 100 Sachen durch die Stadt gekachelt. Selber Fahren will und werde ich hier garantiert nie. Zwischendurch hats am Straßenrand bzw. neben dem Highway übrigens ordentlich geraucht, aktuell sind hier soweit ich das richtig mitbekommen habe einige Wald- oder zumindest Buschbrände. Tja da muss dann wohl einfach die hiesige Feuerwehr ran. Trotzdem irgendwie beeindruckend. Aber zurück zum eigentlichen Ausflug: mit der TeleferiQo ging es innerhalb von 10 Minuten hoch auf den Pichincha und WOW! Der Ausblick von dort ist einfach nur fantastisch. Wir hatten offenbar auch einen perfekten Tag erwischt (strahlend blauer Himmel, wolkenlos) und somit Sicht auf den Antisana UND den Cotopaxi, zwei der höchsten Berge hier in Ecuador. Das war enorm beeindruckend und ziemlich selten, normalerweise sind nämlich beide Gipfel von Wolken verdeckt und somit nicht sichtbar. Von daher hätte das allein schon für einen perfekten Ausflug gereicht, aber auch sonst konnten wir von dort aus fast gesamt Quito überblicken. Enorm spektakulär, anders kann ich das nicht formulieren. Und nun bin ich auch sehr froh, mir vor einiger Zeit meine gute Kamera gekauft zu haben die ist nämlich ordentlich im Einsatz.
Tja tatsächlich war allerdings auch DIESER Ausflug nicht das Highlight unserer Woche! Denn: am Tag darauf waren wir als Teil einer Ausflugsgruppe den ganzen Tag unterwegs und zwar zum Cotopaxi sowie zum Quilotoa. Unsere Ausflugsgruppe war nämlich eine Gruppe Englischlernender, deren Institut eine Art Kooperation mit unser Organisation hat. Wir als Freiwillige dürfen dort deutlich vergünstigt (in unserem Fall für $20) mit auf den Ausflug, im Gegenzug haben die Lernenden dort die Gelegenheit, mit Ausländern und (hoffentlich) guten Englischsprechern in Unterhaltung zu treten. Das war natürlich irgendwie eine Art Jackpot für uns. Um 05:00 Uhr morgens ging es los und wir sind im Bus mit gefühlt Tempo 150 aus Quito raus in Richtung Cotopaxi geheizt. Zwischendrin gab es Frühstück und naja, irgendwann waren wir dann am Fuß des Berges. Wobei der Cotopaxi eigentlich ein Vulkan ist, wie gefühlt alles in den Anden hier. Jedenfalls: es war eine spektakuläre Fahrt durch den dortigen Nationalpark, auch wenn ich zeitweise ein wenig das Vertrauen in unseren Bus verloren habe. Der hat nämlich ordentlich geschwankt (SEEEEEEHR ordentlich), je näher wir am Cotopaxi waren. Das mag allerdings auch an der dortigen Straße gelegen haben, welche nämlich nicht existent sondern an deren Stelle eine Art Kiespfad vorhanden war. Aber auch die gefühlten 120% Steigung, an denen unser Bus teilweise anfahren musste, haben schon für gut Zittern bei allen Fahrgästen gesorgt. Ne Achterbahn brauche ich jetzt erstmal nicht mehr besuchen. Letztendlich sind wir ja aber sicher angekommen und wurden auf den 4.700 Höhenmetern, auf denen wir ausgestiegen sind, erstmal von Windgeschwindigkeiten über 25 km/h und dem Sandsturm der Hölle begrüßt. Nicht so ganz einfach ist sie deshalb gewesen, unsere 1-stündige Wanderung aber Spaß gemacht hat sie allemal. Und wow war ich froh über meinen Rollkragenpullover, dessen Kragen ich nämlich ausklappen und als Gesichtschutz verwenden konnte!
Weiter ging es anschließend dann wieder mit dem Bus und zwar in Form einer ca. dreistündigen Fahrt in Richtung Quilotoa, während derer ich mich sehr gut mit meinen ecuadorianischen Mitfahrern unterhalten habe mit manchen bin ich jetzt sogar befreundet, in gewisser Weise. Die Reise ging jedenfalls durch Täler und über Berge und war insgesamt recht kurvig aber mit bombastischer Aussicht. Und auch der Quilotoa war mal wieder, ich weiß einfach nur spektakulär. Es handelt sich bei selbigem nämlich um einen Vulkankrater mit riesigem See innendrin und der Möglichkeit, in ebendiesen Krater runterzusteigen um direkt am Wasser zu stehen. Und ich weiß zwar nicht, ob der Quilotoa tatsächlich das beeindruckendste Naturspektakel ist, dass ich je gesehen habe aber es ist auf jeden Fall ganz oben auf der Liste dabei. Natürlich haben wir uns die Möglichkeit auch nicht nehmen lassen, in den Krater hinabzusteigen und damit gleichzeitig auch die Speicherkarte meiner Kamera an ihre Grenzen zu bringen. Und der Abstieg war, wenn auch sehr steil, vollkommen in Ordnung. Der Aufstieg hingegen uff. Weil: steil. Wir waren ziemlich außer Atem und ich hätte gerne meine Beine durch neue und frische ausgetauscht, als wir oben angekommen sind. Gelohnt hat es sich aber definitiv. Und nach der anschließenden dreieinhalbstündigen Busfahrt zurück nach Hause, waren wir um 23:30 Uhr auch endlich im Bett.
Und im Prinzip war es das dann auch schon wieder, mit meinen Erlebnissen der letzten zwei Wochen. Die letzten paar Tage war nämlich nur noch das Vorbereitungsseminar von uns Freiwilligen in Ecuador. Das hat fünf Tage gedauert und hauptsächlich von Kultur, Sicherheit und angebrachtem Benehmen gehandelt.
Und jetzt am Sonntag, da gehts los nach Archidona! Zu meinem Freiwilligenprojekt! In den Regenwald und alles drum und dran! so zumindest der Plan. Allerdings gab es leider Verzögerungen beim Beantragen der ecuadorianischen ID einiger Freiwilliger, so auch bei meiner. Und das hat nun dazu geführt, dass beschlossen wurde, dass wir erst zwei bis drei Tage später zu unserer Einsatzstelle fahren werden.
Tja da kann man nix machen.
Das wars aber nun auch wirklich für diesen Blogeintrag.
Adios.
Hola Ecuador!
25.08.2024
Was soll ich sagen ich lebe nun wohl in Ecuador.
Joa.
So ganz habe ich das ehrlich gesagt selbst noch nicht verarbeitet. Nichtsdestotrotz: am Sonntag den 18.08.2024 ging's mit ner Familienverabschiedung am Bremer Hauptbahnhof los. Recht früh für meine Verhältnisse, nämlich um 08:44 Uhr. Ca. vier Stunden später bin ich dann nach einer ICE-Fahrt in der ∗ 1. Klasse ∗ pünktlich am Frankfurter Flughafen angekommen, dort in der Lounge anschließend auf meine Mitfreiwilligen wartend und nach sehr viel Langeweile und Herumstehen schließlich um 19:10 Uhr in den Flieger nach Madrid gestiegen.
Auf dem Weg dahin bin ich allerdings als einziger von irgendwie allen anderen Reisenden in so eine berüchtigte verdachtsunabhängige Intensivkontrolle geraten. Ausgerechnet ICH Milchgesicht mit nem hellblau und weiß gestreiften Ringelshirt.
Naja.
Der Flug an sich war dann in Ordnung, am Flughafen von Madrid sind wir aber gerade SO angekommen, dass kein Imbiss oder Ähnliches mehr geöffnet hatte perfekt. Entsprechend haben wir uns hungrig und an der Sprache verzweifelnd auf den Weg zu unserem nächsten Flug gemacht, der nach einer vierstündigen Wartezeit dann auch um 01:40 Uhr morgens gestartet ist.
Joa ich halte mich kurz: im Flugzeug zu schlafen find ich eher so semi-toll und auch das Essen war nur naja. Aber wie auch immer, wir sind dann die elf Stunden später um 05:40 Uhr in Quito gelandet. Dem geübten Mathematikerblick wird dabei eventuell direkt auffallen, dass diese Zeitrechnung nicht ganz aufgeht und dem möchte ich sofort die sieben-stündige Zeitverschiebung zwischen Madrid bzw. auch deutscher Zeit und Ecuador entgegensetzen. Ha!
Dort angekommen wurde ich jedenfalls von einem wirklich sehr netten Einbürgerungsbeamten am Flughafen empfangen! Meine fünf anderen Mitreisenden waren eher mit dem "genervter Beamter"-Klischee konfrontiert, aber mein Gegenüber war wirklich total nett und zuvorkommend hab ich mich direkt richtig wohl und willkommen in Ecuador gefühlt!
Joa und anschließend wurden wir dann auch direkt von unserer Mentorin hier in Ecuador abgeholt und in unser vorerst neues Zuhause gebracht. Vorerst bedeutet in unserem Fall, dass wir drei Wochen lang hier leben werden. Zwei Wochen davon sind dazu da, um in Form eines Sprachkurses ins Spanische einzutauchen und eine gewisse Kommunikationsfähigkeit aufzubauen, die Überraschung in diesem spanischsprechenden Land nicht ganz irrelevant ist. Stattfinden tut dieser Kurs in Form von Einzelunterricht für jeden und jede von uns sechs, vier Stunden am Tag.
Entsprechend wenig kann ich aktuell auch noch über Land und Leute berichten. Wir sind hier nun mal am Lernen und nicht im großen Maße am Erkunden das wird allerdings noch folgen. Was ich sagen kann: in unserer Gegend fährt regelmäßig (seeeeeeehr regelmäßig) ein Laster mit so Gaßkartuschen vorbei. Das allein klingt schon irgendwo fragwürdig, es wird allerdings von der enorm gruseligen Musik getoppt, die in Dauerschleife von diesem Gefährt aus erklingt. Das ist irgendso ein verzerrter Soundtrack, der klingt, als wäre er direkt aus einem üblen Psychohorrorfilm entsprungen und ich bin ganz ehrlich: nachts begegnen würde ich diesem Laster lieber nicht. Wir wurden allerdings nach zwei Tagen des verstörten Rätselns über ebendiese Musik nun aufgeklärt, dass es sich dabei nur um eine Art Werbespot handelt, der dauerhaft ansagt, dass, wer kein Gas mehr zuhause hat, bei ihm welches bestellen kann. Trotzdem gruselig.
Naja.
Ansonsten kann ich im Prinzip nur sagen: die Leute hier sind nett, das Essen lecker und die Gegend lustig und sympathisch. Wir sind in einem Viertel, das stereotypischer kaum sein könnte: Strommasten überall, Straßenhunde und entsprechend Ausscheidungen auf den Wegen ohne Ende, alte, zerbeulte aber trotzdem getunte Autos an jeder Ecke und die obligatorische bunte katholische Kirche gibt es auch. Von meinem deutschen Lebensstandard aus würde ich sagen, dass es hier einigermaßen heruntergekommen ist, in Quito. Aber erstens kann ich ja gar nicht in die Häuser in diesem Viertel hineinblicken sondern sehe nur das Äußere und zweitens ist nichts von dem, was ich hier entdecke in irgendeiner Form repräsentativ für Quito, Ecuador oder Südamerika.
Das ist im Übrigen auch ein Aspekt, der mir sehr wichtig ist, zu betonen: alle Bilder, die ich hier in meinem Blog hochlade, müssen in keinster Weise irgendeinen repräsentativen Charakter haben. Es ist natürlich vollkommen klar, dass ich am ehesten Fotos von Orten und Dingen mache, die für mich ungewohnt und neu erscheinen. Und das sind dann eben genau die Orte, die ich aus Deutschland nicht kenne beispielsweise solche "abgeratzten" Viertel und Gegenden. Das bedeutet aber nicht, dass ganz Ecuador so aussieht und insgesamt völlig unmodern und heruntergekommen ist, um mal bei diesem Beispiel zu bleiben. Von daher ist es mir einfach ein wichtiges Anliegen, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass sehr stereotypische und klischeehafte Bilder auf meiner Website im Zweifelsfall auch genau das sind: Stereotype und Klischees, aber nicht die volle und ganze Wahrheit.
Nachdem das klargestellt ist, geht's nun wohl mit dem Rest meiner ersten Woche in Ecuador weiter. Die streng genommen allerdings nicht allzu ereignisreich ausgefallen ist. Ich meine, ich lerne halt nach wie vor spanisch da bleibt gar nicht soooo viel Zeit für sonstige Unternehmungen. Aber: im Zuge von eben erwähntem Unterricht lernen wir die Stadt hier tatsächlich auch ein wenig kennen! An einem Tag haben wir nämlich den hiesigen Markt besucht, eine Art tägliche indoor-Version des deutschen Wochenmarkts. Mit Ständen für Obst, Gemüse, Blumen bzw. Naturmedizin, Fisch, Fleisch und naja: allem, was das Herz begehrt. Und noch ein bisschen mehr als das. Einmal finden sich hier nämlich in den Auslagen gebackene Schweinsköpfe und so ungefähr alle anderen möglichen Tierteile. Das klingt an sich schon ungewohnt und beeindruckend, besonders heftig war aber unsere Erfahrung mit den Krebsen am Fischstand: selbige sind nämlich in großen Mengen als Paket zusammengeschnürt und stehen dort im Prinzip einfach zum Kaufen herum. Die Besonderheit daran ist, dass beim genauer Hinschauen eindeutig Bewegungen dieser Kreaturen zu erkennen sind! Also ja: da stehen einfach Pakete an zusammengeschnürten obwohl lebender Krebsen herum. Uff.
Wie auch immer. Der zweite gemeinsame Ausflug ging schließlich noch ein wenig weiter weg von unserer Unterkunft, nämlich nach Quito-Downtown. Und zwar mit der U-Bahn. Die ist ziemlich modern hier, weil erst vor kurzem gebaut, und auch recht angenehm zu nutzen. Man muss zwar erstmal seeeeehr tief unter die Erde laufen, dort angekommen finden sich aber schöne und saubere Stationen für die U-Bahn. Und ja, für DIE U-Bahn. Es gibt hier keine unterschiedlichen Linien mangels Notwendigkeit für selbige. Quito ist nämlich eine recht langgezogene Stadt und dementsprechend hat die Bahn auch nur eine Route abzudecken. So simpel kann es sein. Highlight des Tages war nun aber natürlich nicht die unterirdische Fahrt, sondern vielmehr der Besuch in der Innenstadt und dem historischen Kern Quitos. Hier finden sich an jeder Ecke irgendwelche Imbisse und Verkaufsstände für Süßwaren, Früchte und sonstige Notwendigkeiten es ist einfach quirlig. Das Ganze umgeben von leider recht lauten Straßen mit Bussen, die beim Fahren die Tür offen lassen und den gewillten Passagier überall ein- und aussteigen lassen egal ob Haltestelle oder nicht. Und noch dazu mit an jeder Ecke sichtbaren Bergen. Wobei: Berge trifft es nicht ganz, es sind nämlich hauptsächlich Vulkane, von denen Ecuadors Hauptstadt hier umzingelt ist. Tja.
Und ich glaube, das lasse ich jetzt einfach mal so stehen. Viel mehr kann ich aktuell nämlich überhaupt nicht berichten, weswegen ich diesen ersten, richtigen Blogeintrag an dieser Stelle beenden werde. Ich hoffe, ich konnte einen vernünftigen kleinen Ersteindruck über Ecuador und meine Erfahrungen hier geben.
Von daher: Adios!
Joa.
So ganz habe ich das ehrlich gesagt selbst noch nicht verarbeitet. Nichtsdestotrotz: am Sonntag den 18.08.2024 ging's mit ner Familienverabschiedung am Bremer Hauptbahnhof los. Recht früh für meine Verhältnisse, nämlich um 08:44 Uhr. Ca. vier Stunden später bin ich dann nach einer ICE-Fahrt in der ∗ 1. Klasse ∗ pünktlich am Frankfurter Flughafen angekommen, dort in der Lounge anschließend auf meine Mitfreiwilligen wartend und nach sehr viel Langeweile und Herumstehen schließlich um 19:10 Uhr in den Flieger nach Madrid gestiegen.
Auf dem Weg dahin bin ich allerdings als einziger von irgendwie allen anderen Reisenden in so eine berüchtigte verdachtsunabhängige Intensivkontrolle geraten. Ausgerechnet ICH Milchgesicht mit nem hellblau und weiß gestreiften Ringelshirt.
Naja.
Der Flug an sich war dann in Ordnung, am Flughafen von Madrid sind wir aber gerade SO angekommen, dass kein Imbiss oder Ähnliches mehr geöffnet hatte perfekt. Entsprechend haben wir uns hungrig und an der Sprache verzweifelnd auf den Weg zu unserem nächsten Flug gemacht, der nach einer vierstündigen Wartezeit dann auch um 01:40 Uhr morgens gestartet ist.
Joa ich halte mich kurz: im Flugzeug zu schlafen find ich eher so semi-toll und auch das Essen war nur naja. Aber wie auch immer, wir sind dann die elf Stunden später um 05:40 Uhr in Quito gelandet. Dem geübten Mathematikerblick wird dabei eventuell direkt auffallen, dass diese Zeitrechnung nicht ganz aufgeht und dem möchte ich sofort die sieben-stündige Zeitverschiebung zwischen Madrid bzw. auch deutscher Zeit und Ecuador entgegensetzen. Ha!
Dort angekommen wurde ich jedenfalls von einem wirklich sehr netten Einbürgerungsbeamten am Flughafen empfangen! Meine fünf anderen Mitreisenden waren eher mit dem "genervter Beamter"-Klischee konfrontiert, aber mein Gegenüber war wirklich total nett und zuvorkommend hab ich mich direkt richtig wohl und willkommen in Ecuador gefühlt!
Joa und anschließend wurden wir dann auch direkt von unserer Mentorin hier in Ecuador abgeholt und in unser vorerst neues Zuhause gebracht. Vorerst bedeutet in unserem Fall, dass wir drei Wochen lang hier leben werden. Zwei Wochen davon sind dazu da, um in Form eines Sprachkurses ins Spanische einzutauchen und eine gewisse Kommunikationsfähigkeit aufzubauen, die Überraschung in diesem spanischsprechenden Land nicht ganz irrelevant ist. Stattfinden tut dieser Kurs in Form von Einzelunterricht für jeden und jede von uns sechs, vier Stunden am Tag.
Entsprechend wenig kann ich aktuell auch noch über Land und Leute berichten. Wir sind hier nun mal am Lernen und nicht im großen Maße am Erkunden das wird allerdings noch folgen. Was ich sagen kann: in unserer Gegend fährt regelmäßig (seeeeeeehr regelmäßig) ein Laster mit so Gaßkartuschen vorbei. Das allein klingt schon irgendwo fragwürdig, es wird allerdings von der enorm gruseligen Musik getoppt, die in Dauerschleife von diesem Gefährt aus erklingt. Das ist irgendso ein verzerrter Soundtrack, der klingt, als wäre er direkt aus einem üblen Psychohorrorfilm entsprungen und ich bin ganz ehrlich: nachts begegnen würde ich diesem Laster lieber nicht. Wir wurden allerdings nach zwei Tagen des verstörten Rätselns über ebendiese Musik nun aufgeklärt, dass es sich dabei nur um eine Art Werbespot handelt, der dauerhaft ansagt, dass, wer kein Gas mehr zuhause hat, bei ihm welches bestellen kann. Trotzdem gruselig.
Naja.
Ansonsten kann ich im Prinzip nur sagen: die Leute hier sind nett, das Essen lecker und die Gegend lustig und sympathisch. Wir sind in einem Viertel, das stereotypischer kaum sein könnte: Strommasten überall, Straßenhunde und entsprechend Ausscheidungen auf den Wegen ohne Ende, alte, zerbeulte aber trotzdem getunte Autos an jeder Ecke und die obligatorische bunte katholische Kirche gibt es auch. Von meinem deutschen Lebensstandard aus würde ich sagen, dass es hier einigermaßen heruntergekommen ist, in Quito. Aber erstens kann ich ja gar nicht in die Häuser in diesem Viertel hineinblicken sondern sehe nur das Äußere und zweitens ist nichts von dem, was ich hier entdecke in irgendeiner Form repräsentativ für Quito, Ecuador oder Südamerika.
Das ist im Übrigen auch ein Aspekt, der mir sehr wichtig ist, zu betonen: alle Bilder, die ich hier in meinem Blog hochlade, müssen in keinster Weise irgendeinen repräsentativen Charakter haben. Es ist natürlich vollkommen klar, dass ich am ehesten Fotos von Orten und Dingen mache, die für mich ungewohnt und neu erscheinen. Und das sind dann eben genau die Orte, die ich aus Deutschland nicht kenne beispielsweise solche "abgeratzten" Viertel und Gegenden. Das bedeutet aber nicht, dass ganz Ecuador so aussieht und insgesamt völlig unmodern und heruntergekommen ist, um mal bei diesem Beispiel zu bleiben. Von daher ist es mir einfach ein wichtiges Anliegen, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass sehr stereotypische und klischeehafte Bilder auf meiner Website im Zweifelsfall auch genau das sind: Stereotype und Klischees, aber nicht die volle und ganze Wahrheit.
Nachdem das klargestellt ist, geht's nun wohl mit dem Rest meiner ersten Woche in Ecuador weiter. Die streng genommen allerdings nicht allzu ereignisreich ausgefallen ist. Ich meine, ich lerne halt nach wie vor spanisch da bleibt gar nicht soooo viel Zeit für sonstige Unternehmungen. Aber: im Zuge von eben erwähntem Unterricht lernen wir die Stadt hier tatsächlich auch ein wenig kennen! An einem Tag haben wir nämlich den hiesigen Markt besucht, eine Art tägliche indoor-Version des deutschen Wochenmarkts. Mit Ständen für Obst, Gemüse, Blumen bzw. Naturmedizin, Fisch, Fleisch und naja: allem, was das Herz begehrt. Und noch ein bisschen mehr als das. Einmal finden sich hier nämlich in den Auslagen gebackene Schweinsköpfe und so ungefähr alle anderen möglichen Tierteile. Das klingt an sich schon ungewohnt und beeindruckend, besonders heftig war aber unsere Erfahrung mit den Krebsen am Fischstand: selbige sind nämlich in großen Mengen als Paket zusammengeschnürt und stehen dort im Prinzip einfach zum Kaufen herum. Die Besonderheit daran ist, dass beim genauer Hinschauen eindeutig Bewegungen dieser Kreaturen zu erkennen sind! Also ja: da stehen einfach Pakete an zusammengeschnürten obwohl lebender Krebsen herum. Uff.
Wie auch immer. Der zweite gemeinsame Ausflug ging schließlich noch ein wenig weiter weg von unserer Unterkunft, nämlich nach Quito-Downtown. Und zwar mit der U-Bahn. Die ist ziemlich modern hier, weil erst vor kurzem gebaut, und auch recht angenehm zu nutzen. Man muss zwar erstmal seeeeehr tief unter die Erde laufen, dort angekommen finden sich aber schöne und saubere Stationen für die U-Bahn. Und ja, für DIE U-Bahn. Es gibt hier keine unterschiedlichen Linien mangels Notwendigkeit für selbige. Quito ist nämlich eine recht langgezogene Stadt und dementsprechend hat die Bahn auch nur eine Route abzudecken. So simpel kann es sein. Highlight des Tages war nun aber natürlich nicht die unterirdische Fahrt, sondern vielmehr der Besuch in der Innenstadt und dem historischen Kern Quitos. Hier finden sich an jeder Ecke irgendwelche Imbisse und Verkaufsstände für Süßwaren, Früchte und sonstige Notwendigkeiten es ist einfach quirlig. Das Ganze umgeben von leider recht lauten Straßen mit Bussen, die beim Fahren die Tür offen lassen und den gewillten Passagier überall ein- und aussteigen lassen egal ob Haltestelle oder nicht. Und noch dazu mit an jeder Ecke sichtbaren Bergen. Wobei: Berge trifft es nicht ganz, es sind nämlich hauptsächlich Vulkane, von denen Ecuadors Hauptstadt hier umzingelt ist. Tja.
Und ich glaube, das lasse ich jetzt einfach mal so stehen. Viel mehr kann ich aktuell nämlich überhaupt nicht berichten, weswegen ich diesen ersten, richtigen Blogeintrag an dieser Stelle beenden werde. Ich hoffe, ich konnte einen vernünftigen kleinen Ersteindruck über Ecuador und meine Erfahrungen hier geben.
Von daher: Adios!